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Veränderung in Harrys Leben
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| von gugi28 erstellt: 24.03.2006 letztes Update: 22.12.2006 Allgemein / P18 Slash (fertiggestellt, keine anonymen Reviews) | 3873 Reviews |
Hallo meine Süßen!
Bereit für einen Neuanfang? Ja? Dann seid ihr hier genau richtig! Habt ihr alle brav das Vorwort gelesen? Ja? Sehr gut! *freu* Ist nämlich sehr wichtig! Ich glaube, dass diese Geschichte gut werden kann. *hoffen tu*
Allerdings kann ich euch das noch nicht zeigen, sitzt noch in meinem Gehirn fest. *zwinker* Mal sehen, ob ich das, was ich für diese Geschichte bereithalte, auch in die Tat umsetzen -, bzw. zu PC bringen kann. Ich bin bei jedem Neuanfang etwas nervös, da meine Geschichten sich trotz fester Planung meist verselbstständigen *grins* Also? Lassen wir uns überraschen!
Haltet die ersten Chaps durch und glaubt immer an das Gute!
Kann´s losgehen? Wenn ja – viel Spaß!
Bussis, eure gugi und darkgugi.
Kapitel 1
Veränderungen in Harrys Leben
Harry Potter saß wie versteinert in seinem Zimmer auf dem Fenstersims – im Hause seiner Verwandten – und ließ den zerknautschten Artikel des Tagespropheten sinken. Emotionslos blickte er aus dem Fenster, die Sicht wirkte verschwommen. Der prasselnde Regen beherrschte den letzen Ferientag, bevor es morgen wieder nach Hogwarts gehen würde.
Harry freute sich das erste Mal nicht darauf, den roten Hogwartsexpress zu sehen. Die gesamten Ferien über, war er mit seinen Gedanken bei seinen gefallenen Freunden gewesen. Jene, die sich vor ihn warfen, als er mehrmals aus einem Hinterhalt angegriffen wurde. Es waren einfach zu viele gewesen! Seine Brille wurde so stark beschädigt, so dass Harry beim letzten Kampf nicht mehr so gut sehen konnte.
Die Zeit reichte jedoch nicht aus, um sie zu reparieren und Hermine war weit und breit nicht zu sehen gewesen. Harry wäre damals beinahe verzweifelt, als immer mehr Schüler tot zu Boden sanken, das Gelände von Hogwarts mit ihren Leichen gepflastert wurde. Es war ein sehr makaberes Bild gewesen und Harry war sich noch nie so bewusst gewesen, wie schnell ein Leben erlöschen konnte.
Obwohl sie zahlenmäßig unterlegen waren, schaffte es Harry den Lord ziemlich übel zuzurichten, so dass dieser den Rückzug befohl. Einige der Todesser konnte man schnappen, viele von ihnen schafften es aber zu flüchten. Im durchnässten Schlafanzug war Harry keuchend auf dem Kampffeld gestanden, als alles vorbei war. Nur durch einen Nebel hindurch vernahm er fragende, an ihn gerichtete Stimmen, auch jene, die ihm mitteilten, wer aller gefallen war. Als seine besten Freunde erwähnt wurden, brach Harry zusammen.
Madam Pomfrey hatte danach alle Hände voll zu tun und versorgte all die Schwerverletzten nach gutem Wissen und Gewissen. Harry war einer von ihnen, ihm selber war bis zum Schluss nicht aufgefallen, wie schlimm er durch sämtliche Flüche zugerichtet worden war. Erst Tage später – die meisten Schüler befanden sich schon in den Ferien, die Schule wurde geschlossen – erwachte Harry. Dumbledore wurde informiert, eilte zur Krankenstation und unterhielt sich mit lange mit ihm.
Poppy benötigte viele Tränke, um Harry zu beruhigen. Der Schock saß tief, denn Harry hatte beinahe alle seine Freunde verloren. Nur ein einziger war noch in seiner Jahresstufe: Neville Longbottom. Dieser Junge war Harry ebenso wenig von der Seite gewichen, doch seit diesem Kampf war Neville nicht mehr derselbe. Er zog sich größtenteils in ein Schneckenhaus zurück, sprach so gut wie kein Wort mehr. Dean Thomas und Seamus Finnigan wurden von ihren Eltern sofort abgeholt, nach Durmstrang geschickt.
Nun war Harry alleine, er würde niemals wieder die Stimmen seiner geliebten Freunde hören. Ab dem Moment, in dem Dumbledore ihm alles erzählte, zerbrach etwas in Harry. Sein Herz erstarrte zu Eis, nur dumpfe Wellen des Schmerzes wurden ab und zu ausgesandt. Harry hatte sich damals erkundigt, welche Todesser gefasst werden konnten. Einer von ihnen war Lucius Malfoy, der Vater von Draco Malfoy. Seine Frau lag im St. Mungos, da sie von einem Fluch getroffen wurde, der sie wahnsinnig werden ließ.
°°
Harry saß zusammengekauert am Fenstersims und starrte noch immer in die trübe Nässe hinaus. Der Regen sollte eigentlich eine beruhigende Wirkung auf ihn ausüben, doch diesmal war es nicht so. Wie oft sich Harry den Artikel durchlas, konnte er nicht mehr sagen. Er gab sich die alleinige Schuld, nicht besser auf seine Freunde geachtet zu haben. Was passierte mit ihm, wenn es wieder nach Hogwarts zurück ging? Wie ging es Neville? Er hatte sich leider nicht per Brief gemeldet.
Viele Fragen, in Richtung dieser Kategorie, bestimmten seit Ferienbeginn seine Gedanken. Voldemort verhielt sich wieder still, Harry lächelte sarkastisch aus dem Fenster. Natürlich musste dieser erst einmal seine Wunden lecken, bevor er erneut angreifen konnte. Wie lange würde es diesmal dauern, bis sie sich wieder gegenüber standen? Würde Harry dann gewinnen? Würden neue Opfer das Schlachtfeld zieren? Wieso musste Harry dies alles durchmachen? Sein Leben war mehr als beschissen, denn ihm wurde alles genommen, was ihm je wichtig gewesen war.
°°°°
Es war ihm egal wen er anrempelte, wer ihn ausschimpfte, er ging einfach seinen Weg und zog den Koffer hinter sich her. In der anderen Hand hielt er den Käfig, in dem Hedwig saß und aufgeregt fiepte. Harry starrte auf die Mauer, die er jedes Jahr durchlief. Sein Gesichtsausdruck wirkte verschlossen und ohne jegliche Gefühle. Früher lief er gerne hindurch, in der Vorfreude, seine Freunde wieder zu sehen. Diesmal war ihm alles egal. Langsamen Schrittes verschluckte die Mauer den hoch gewachsenen Jugendlichen, der kurz darauf am Bahnsteig 9 ¾ erschien.
Wie jedes Jahr, liefen aufgescheuchte Schüler herum, vorwiegend Erstklässler. Harry lächelte bitter, denn die Kids wussten nicht, wie hart das Leben sein konnte. Schnell stieg Harry in den Zug ein, beachtete die Blicke kaum, die meist vorwurfsvoll, oder traurig waren. Das nächste, freie Abteil lud dazu ein einzutreten, was Harry auch tat. Seufzend sah er aus dem Fenster, beobachtete die Schüler, welche sich vor dem nochmals einsetzenden Regen zu schützen versuchten. Für diesen Zweck wurden entweder die Umhänge, oder Bücher missbraucht. Harry schmunzelte, denn er saß ja schon im Trockenen.
Je mehr die Sicht durch die Regenergüsse verschwamm, umso weiter drifteten seine Gedanken ab. Er erinnerte sich an das „Massenbegräbnis“, welches von Albus arrangiert wurde. Harry, ganz in schwarz gekleidet, stand als einer der ersten Personen an den jeweiligen Gräbern, starrte auf diese hinab und las die Namen seiner Freunde immer wieder. Er konnte es noch immer nicht fassen. Seine Freunde sollten leblos unter der Erde liegen? Ein verflucht bitterer und unrealistischer Gedanke – im Moment jedenfalls. Weinen und Schluchzen drang damals an seine Ohren, doch Harry hatte keine einzige Träne vergossen. Beileidsbekundungen wurden ausgesprochen, die Harry nur mit halbem Ohr vernahm.
Als die Stimmen nach und nach verklangen, blinzelte Harry das erste Mal mit den Augen, sah sich um und bemerkte verwundert, dass er der einzige noch Anwesende war. Wie lange er bei den Gräbern stand, wusste er nicht genau. Er konnte sich einfach nicht verabschieden, er schaffte es nicht. Eine warme und Trost spendende Hand legte sich auf seine Schulter, ein Schluchzen erklang. Er war es selber, der aufgeschluchzt hatte. Endlich – endlich konnte er seinen Gefühlen Ausdruck verleihen.
Der Schmerz brach wie eine enorme und verschlingende Flutwelle über ihm zusammen, sein Kopf fiel nach vorne. Seine Schultern zuckten immer wieder, der ganze Körper wurde von heftigen Schluchzern geschüttelt. Sein Herz tat so verflucht weh!
„Schon gut, Harry.“ Es war Dumbledore, der ihn als einziger nicht alleine gelassen hatte. Harry schämte sich seiner Tränen nicht, denn sie waren schon längst überfällig gewesen. Auch bemerkte er nicht, dass er sich in Dumbledores kommende Umarmung vergrub, sich nicht mehr beruhigen konnte.
„Ich kann mir denken, was durch deinen Kopf geht, Harry. Es war nicht deine Schuld, denn deine Freunde opferten sich freiwillig für dich. Ihr Tod wäre sinnlos, würdest du jetzt aufgeben. Sie haben es für dich getan.“, murmelte Dumbledore erschöpft vor Trauer, sein Blick hing irgendwo in der Luft. Harry schluchzte nochmals auf, stieß sich von Dumbledore ab und sah ihn verzweifelt an.
„ICH HABE SIE NICHT DARUM GEBETEN!“ Albus stand ruhig vor ihm, sagte kein Wort, ließ Harry einfach handeln. Der Gryffindor schmiss sich auf die Knie, brüllte die Gräber an, verfluchte sie und flehte sie an wieder zurück zu kommen. Dumbledore brach es bei diesem Schauspiel das Herz, Harry so leiden sehen zu müssen. Natürlich ging ihm der Tod dieser Schüler ebenso nahe, allerdings war Harry sein Liebling. Und er war froh, dass er noch lebte. Auch wenn Harry Potter der zukünftige Retter der Zauberwelt sein sollte, so brauchte auch er Schutz, den Dumbledore ihm geben wollte.
Sie alle brauchten einander, schützten sich gegenseitig, starben für den anderen – wenn es sein musste. Harrys Freunde hatten ihn geliebt, das wusste Albus Dumbledore. Wenn Harry nun aufgab, war ihr Tod in der Tat umsonst gewesen. Seufzend ging der Schulleiter in die Knie, legte seine Hand auf die bebenden Schultern des verzweifelten Jungen und streichelte sanft dessen Rücken.
Lange Zeit saß Albus weiterhin an Harrys Seite, der eine lange brauchte, um sich wieder zu beruhigen. Albus hatte sich – bevor er zu Harry zurückgegangen war – um die Eltern der Verstorbenen gekümmert, ihnen im Auftrag von Harry sein Beileid übermittelt. Obwohl Mütter, Väter und Geschwister diesen Schmerz des Verlustes mit tragen mussten, hatten sie Mitleid mit Harry.
Harry war in ihren Augen fast noch ein Kind, für den die große Verantwortung einfach zu früh kam. Es gab erwachsene Menschen in höheren Positionen, die es nicht einmal schafften ihre Mitarbeiter richtig zu führen. Wie sollte ein Junge von knappen 17 Jahren es schaffen, ein gesamtes Heer an Zauberern und Hexen zu führen?
Wie sollte ein Junge, dessen Schicksal ihm in die Wiege gelegt wurde, sein Leben ohne dazugehörige seelische Schäden, überstehen? Sie verstanden Harry und dessen Trauer, denn Harry hatte das schwerste Los von allen gezogen. Er musste, ob er wollte, oder nicht, die Verantwortung auf seinen schmalen, jugendlichen Schultern tagen. Von seinen zukünftigen Taten hing es ab, ob die Zauberwelt Frieden finden würde, oder nicht.
°°°
„Harry?“
Harry blinzelte einige Male, wischte sich verstohlen eine Träne weg und lächelte der Person, die nun eintrat, schwach entgegen.
„Hallo Neville.“, krächzte Harry, Neville nickte ihm erschöpft zu.
„Darf ich mich setzen?“ Nevilles Stimme hatte schon seit dem letzten Jahr eine tiefere Tonlage erhalten, jetzt jedoch, wirkte sie einfach nur müde und melancholisch.
„Da fragst du noch? Setz dich!“ Harry versuchte tapfer zu lächeln, Neville erwiderte es.
„Wie waren deine Ferien?“, fragte Neville, Harry seufzte.
„Super!“, meinte Harry sarkastisch, Neville gluckste ein klein wenig.
„Wahrscheinlich genauso toll wie meine, stimmts?“, lächelte Neville nachsichtig, Harry nickte.
„Sie fehlen dir, nicht wahr? Mir auch.“, meinte Neville leise und streichelte seine Kröte Trevor, die laut zu quaken anfing.
„Ja, und wie sie das tun.“, wisperte Harry leise, Neville seufzte.
„Du, Harry?“
„Hm?“
„Jetzt sind nur noch wir beide übrig. Dean und Seamus…“ Neville stoppte, Harry verstand.
„Schrieben sie dir?“, wollte Harry wissen, Neville lächelte leicht.
„Ja, und dir?“, erkundigte er sich sofort, Harry zog die Briefe aus seiner Hosentasche.
„Das haben sie. Sehr zuverlässig. Sie jammerten mich voll, weil sie nicht nach Durmstrang wollen, sich gar nicht darauf freuen. Außerdem werden sie es weiterhin versuchen, wieder nach Hogwarts zu wechseln. Ihre Eltern jedoch schalten auf stur.“
„Ja, dasselbe schrieben sie auch mir. Wir können nur hoffen, dass sie bald Erfolg haben und wieder zu uns dürfen.“, meinte Neville leise, Harry nickte abermals. Leider Gottes, und das wussten sie noch nicht, würde dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen.
„Ohne sie ist es nicht mehr dasselbe.“, sprach er Neville direkt an, sein Freund senkte betroffen den Kopf.
„Ob wir es jemals überwinden werden, - ihren Tod?“, hakte er nach, Harry gab diese Frage einen Stich ins Herz.
„Ich weiß es nicht, Neville. Jeder, der sie liebte, trauert um sie. Allen voran ihre Eltern, Geschwister und dann die Freunde. Ich besonders.“, murmelte Harry, Neville stand auf und setzte sich direkt neben ihn.
„Auch wenn es hart klingt, Harry. Wir müssen in die Zukunft sehen. Die Vergangenheit können wir leider nicht ändern. Vielleicht fühlen wir uns wegen ihrem Tod schwach und verletzlich, vielleicht sogar gelähmt, aber das Leben geht weiter.“
„Scheiß auf das Leben, was habe ich davon? Manchmal wünschte ich, ich könnte bei ihnen sein. Bei meinen Eltern, Sirius und meinen Freunden.“, meinte Harry leise, Neville schnappte nach Luft.
„Hast du sie nicht mehr alle!?“, rief Neville auf einmal aus, Harry zuckte zusammen und sah seinen Freund etwas erstaunt an. In dessen Augen glitzerten Tränen der Wut und der Verzweiflung, sein Kinn zitterte.
„Hör auf so einen Scheiß von dir zu geben! Was ist mit mir? Hm? Was! Würdest du mich auch noch alleine lassen wollen? Wieso denkst du nur an dich! Denk doch auch einmal an mich! Bin ich denn nichts wert? Nicht wert, dass du leben willst?“, blaffte Neville ihn an, erhob sich und schmiss sich Harry gegenüber auf die Sitzbank. Harry sah ihn schockiert an, sprang in die Höhe.
„Neville! Nein! Ich… Es tut mir Leid! Ich…“ Harry war mit zwei Schritten bei ihm, beugte sich vor, nahm sein Gesicht in die Hände. Danach legte er seine Stirn auf Nevilles, schloss die Augen. Er brauchte nicht hinzusehen, um zu wissen, dass Neville um seine Fassung rang.
„Entschuldige bitte, Neville. Natürlich bist du es wert! Ich bin sowieso zu feige mir das Leben zu nehmen! Ich.. Ich hatte wirklich nicht wirklich daran gedacht, dass mein Tod vielleicht anderen nahe gehen würde. Bitte verzeih mir. Du bist einer meiner besten Freunde und ich würde dich niemals mit Absicht verletzen wollen.“, flüsterte er leise, fühlte Nevilles Nicken.
„Wehe du lässt mich alleine.“ Die Worte wurden nur leise gesprochen, doch sie zeugten von inniger Kraft und Drohung. Harry nickte ebenfalls und ließ von ihm ab. Seufzend setzte er sich neben ihn, beide sahen sich etwas schüchtern an.
„Ähm…“
„Vergiss es, Harry. Ich weiß was du meinst. Es wäre aber nicht im Sinne von Hermine, Ron, Ginny und den anderen, die sich für dich opferten.“, brummte Neville, Harry bekam ein schlechtes Gewissen.
„Nein, Harry. Sie taten es aus freien Stücken. Fühl dich bitte nicht schuldig.“ Harry blinzelte – konnte Neville Gedanken lesen? Nein, es war eher die Tatsache, das dicke Freunde sich beinahe in und auswendig kannten.
„O-Okay?“, stotterte Harry, entlockte Neville damit ein schiefes Grinsen.
„Was würde wohl Hermine jetzt zu uns sagen?“, fragte Neville, Harry überlegte.
„Keine Ahnung.“
„Sie würde uns den Arsch aufreißen und uns ankeifen, wenn wir uns nochmals so verhalten. Ich bin mir sicher, sie würde nicht wollen, dass wir so leiden.“, meinte Neville eindringlich, Harry stimmte dem zu.
„Ja, schon, aber wir sind auch nur Menschen. Wir können uns schwer von Gewohntem, oder Liebgewonnenen, trennen. Der Tod ist eine andere Ebene, aber das verstehen unsere Gefühle nicht. Ich muss zugeben, ich komme nur schwer damit zurecht. Manchmal glaube ich alles nur zu träumen. Weißt du was ich damit meine?“, wandte sich Harry wieder an Neville.
„Natürlich. Mir geht es ja nicht anders! Aber ich bin mir sicher, sie beobachten uns und passen auf uns auf. Ich glaube jedenfalls daran.“, erwiderte Neville, Harry lächelte leicht.
„Was Ron wohl dazu sagen würde?“, überlegte Harry nun, beide wurden noch immer vom Zug durchgerüttelt. Mittlerweile waren sie schon seit längerer Zeit unterwegs, die Räder ratterten in regelmäßigen Abständen über die Gusstellen der Schienen.
„Wahrscheinlich, dass wir für ihn Schokofrösche weglegen sollen.“, kicherte Neville, Harry fing zu glucksen an. Aus dem Kichern wurde ein ausgewachsenes Lachen, welches sich schnell in Weinen umwandelte. Beide saßen nebeneinander, hatten jeweils einen Arm um den anderen geschlungen und spendeten sich Trost. Einige Minuten später hatten sich beide wieder unter Kontrolle, sahen sich verlegen an.
„Taschentuch?“
„Ja, bitte.“, schniefte Harry, nahm es gerne an. Geräuschvoll putzten sie sich die Nasen, seufzte ein wenig.
„Das hat gut getan.“, seufzte Neville, Harry stimmte ihm zu.
„Ja, schon.“
„Ich bin froh, dass du wieder Gefühle zeigen kannst.“, fing Neville einige Minuten später an, Harry runzelte die Stirn.
„Wie meinst du das? Konnte ich das denn…“
„Ich habe dich gesehen…“, meinte Neville kleinlaut.
„Wo?“ Harry klimperte unverständlich mit den Augen.
„Bei den Gräbern.“, nuschelte Neville, Harrys Augen wurden nun groß.
„Oh…“
„Ich habe dich und Dumbledore beobachtet. Bei der Beerdigung selber hätte man meinen können, eine leblose Hülle von dir zu sehen. Ohne Emotion, ohne Regung. Ich wollte es nicht glauben, deswegen ging ich zurück. Wie ich mitbekam, war ich nicht der einzige mit diesem Gedanken. Dumbledore stand bei dir, und dann bist du zusammengebrochen. Es war hart für mich, dich so zu sehen, aber es erleichterte mich schon sehr. Ich hatte Angst um dich. Befürchtete, dass du dich zurückziehen und verschließen würdest.“, meinte Neville leise.
„Denselben Eindruck hatte ich auch von dir.“, antwortete Harry direkt, ging nicht auf das vorher Gesagte ein.
„Ach.. wirklich?“, sah ihn Neville verdutzt an. Harry nickte.
„Ja, nach dem Kampf….“ Harry suchte die richtigen Worte zu finden, Neville winkte ab.
„Verstehe schon. Musste mich einfach zurückziehen, weißt du? Es war so schockierend… so viele Leichen auf dem Feld…Ich…“, stammelte Neville, spürte Harrys Hand auf der Schulter.
„Ich weiß, ich weiß. Mir ging es nicht besser. Verdammter Krieg.“
„Allerdings. Und es ist noch nicht zu Ende.“, seufzte Neville, Harry knurrte.
„Ich hasse ihn. Irgendwann einmal erwische ich Voldemort. Und wenn der richtige Moment da ist, werde ich ihn erledigen. Ein für alle Mal!“, stieß Harry hasserfüllt hervor, Neville sah ihn nachdenklich an.
„Bis dahin müssen wir uns vorbereiten. Das ist dir doch klar? Wir müssen immer wieder damit rechnen, dass er angreifen könnte. Es könnte jeden Moment passieren.“, erwiderte Neville ernsthaft.
„Stimmt. Allerdings bin ich mir auch sicher, dass Voldemort sich noch ein wenig Zeit lassen wird.“
„Ach? Vielleicht, weil du ihm ein paar Mal in den Arsch getreten hattest?“, erkundigte sich Neville mit einem Glitzern in den Augen, Harry lachte auf.
„Ja, genau deshalb. Immerhin hatte er von allen Seiten her mehr abbekommen, als ich.“, nickte Harry, Neville kicherte.
„Hm… hätte ruhig noch mehr sein können. Bis zum Tod, oder so.“, murmelte Neville, Harry grinste ihn von der Seite her an.
„Sieh mal einer an wer da ist!“, unterbrach sie eine schnarrende Stimme, Harry und Neville fuhren zusammen. Sie hatten nicht einmal gemerkt, dass sich die Türe zum Abteil aufgetan hatte, wo nun Malfoy stand und sie gehässig angrinste.
„Hau ab, Malfoy!“, zischte Harry wütend, griff zu seinem Zauberstab – ließ ihn jedoch noch stecken.
„Na, na? Wer wird denn gleich so unhöflich sein, Potter? Wie fühlt man sich als der Verlierer der Zauberwelt? Och! Mussten deine Freunde wegen deiner Unfähigkeit dran glauben? Wie leid mir das doch tut!“, schnarrte er weiter, hinter ihm standen – wie üblich – seine Gorillas. Neville fing zu knurren an, da Draco Malfoy wirklich unterstes Niveau benutzte.
„Verpiss dich, Malfoy!“, donnerte Harry nun kopflos, zog seinen Zauberstab. Mit einem schnell aufgesagten Spruch, riss es Malfoy von den Füßen. Er und seine Leibgarde wurden aus der Türe gefegt, prallten gegen das nächste Zugabteil und rutschten dieses mit vor Schmerz verzogenem Gesicht hinab.
„Das wirst du mir noch büßen, Potter!“, giftete Draco wütend und rappelte sich hoch. Harry stand keuchend im Rahmen, zeigte noch immer mit dem Zauberstab auf Draco und seine Freunde.
„Das glaube ich weniger, Malfoy. Und wehe du belästigst mich noch einmal! Geh zurück zu deinen falschen Schlangen. Denn dort gehörst du hin.“, knurrte Harry vor unterdrückter Wut. Er zog seinen Zauberstab zurück, steckte ihn ein und schob mit Schwung die Türe zu. Neville war so geistesgegenwärtig, die Türe mit vielen Zaubern zu verschließen. Kraftlos sanken sie auf ihre Sitzgelegenheiten zurück und sahen sich ausdruckslos an.
„Für Malfoy ist das ein gefundenes Fressen.“, schlussfolgerte Harry, Neville blitzte wütend zur Türe.
„Ja, das ist es. Er wird uns damit nicht mehr in Ruhe lassen. Ob er Feste feierte, als er erfuhr, wer alles gestorben war?“, zischte Neville, Harry zuckte mit den Schultern.
„Höchstwahrscheinlich, Neville. Etwas anderes wäre von dieser fiesen Schlange nicht zu erwarten, glaube mir. Nur komisch, dass fast kein Schüler aus Slytherin sein Leben verlor. Und was sagt uns diese Tatsache?“, zischte Harry, Neville grinste spöttisch.
„Dass sie alle auf der Seite von Vo.. Voldemort stehen.“, antwortete er mutig, Harry nickte.
Den Rest der Fahrt wurden die beiden nicht mehr gestört und so unterhielten sie sich noch eine Weile. Ihr Gesprächsthema wechselte immer wieder, es tat gut sich miteinander aussprechen zu können. Sie waren die letzten Siebtklässler und das Band ihrer Freundschaft stärkte sich von Minute zu Minute mehr. Obwohl Neville immer wusste, dass Ron und Hermine an erster Stelle gestanden hatten, hatte Harry sich immer um ihn gekümmert. Er gab ihm niemals das Gefühl das fünfte Rad am Wagen zu sein. Das Schicksal wollte es so, dass sie enger zueinander fanden und sich vielleicht dadurch noch besser kennen lernten.
°°°°
Es ging bereits auf den Abend zu, da fuhr der Zug in Hogsmeade ein. Ein schriller Pfiff erklang, Harry und Neville waren bereits umgezogen. So schnell sie konnten, schnappten sie sich ihre Sachen und zwängten sich aus dem Zug. Sie versuchten standhaft zu sein, stark zu sein. Denn egal welchen Schritt sie auch taten, wie sie sich verhielten und in welcher Umgebung sie sich befanden – alles erinnerte sie an ihre Freunde. Harry ging durch den Kopf, das er suchen konnte wo er wollte – er würde sie nicht finden. Sie würden niemals wieder lachend auf ihn zustürmen, ihn umarmen und ihm auf die Nerven gehen.
Bei allen Mächten dieser Erde – es tat so weh, so verflucht weh. Der Schmerz schnürte seine Kehle zu, ließ ihn schwer Luft bekommen. Dieser verdammte Knoten im Hals wollte sich einfach nicht auflösen, Tränen wollten unbedingt über seine Wangen rollen. Doch Harry war stark, er musste da durch – alleine – oder aber auch mit Neville. Sein einziger Freund litt mindestens genauso wie er. Obwohl Harry engeren Kontakt zu den Verstorbenen gepflegt hatte, war Neville meistens mit von der Partie. Er ließ sich selten etwas entgegen und hatte sie ebenso gern gehabt wie Harry.
Neville und Harry zogen es vor, Hagrid aus dem Weg zu gehen, der schniefend die Erstklässler einsammelte und ihnen eine sehr traurige Geschichte erzählte. Er badete größtenteils in Selbstmitleid und schaffte es nicht, seine Beherrschung wieder zu erlangen. Immer und immer wieder schnäuzte er in sein Stofftaschentuch, schniefte und schluchzte. Harry und Neville konnten es sehr wohl verstehen, doch wären sie bei ihm, würden sie sich von seiner Trauer anstecken lassen.
Sie selber mussten sich schwer zusammenreißen, da auch schon einige Erstklässler zu heulen anfingen und größtenteils nicht einmal wussten, um was es ging. Die beiden Gryffindors setzten sich in eine halbvolle Kutsche, welche von Ravenclaws und Hufflepuffs besetzt war.
Mitleidige Blicke streiften die beiden, Harry und sein Schulfreund starrten eher aus dem Fenster. Sie konnten diese Blicke nicht mehr ertragen, denn sie halfen nicht bei der Bewältigung des Schmerzes. Wenn sie allerdings dachten, sie hätten es schon überstanden, dann irrten sie sich. Als sie in Hogwarts ankamen und zum Schloss gingen, verfolgten sie verschiedene Arten von Reaktionen.
Viele von ihnen taten ihr Mitleid kund, andere wiederum, beschimpften sie übelst, oder lachten sie einfach nur aus. Harry war die perfekte Zielscheibe und musste sich viel darüber anhören, dass alles seine Schuld wäre. Neville erkannte mit einem Seitenblick sofort, wie es um seinen Freund stand, der kalkweiß im Gesicht wurde und am ganzen Körper zitterte.
„Schon gut, Harry. Hör einfach nicht hin, ja?“, flüsterte er ihm leise zu, bedachte die gehässigen und vorlauten Schüler mit einem tödlichen Blick. Bei einigen wirkte er, bei den meisten jedoch nicht. Was Neville jedoch stutzig werden ließ, war die Tatsache, dass die Slytherins sich eher ruhig verhielten – allen voran ein grimmig drein sehender Draco Malfoy. Malfoy blähte wütend seine Nasenflügel auf und in seinen Augen tobte ein wilder Sturm. Neville schob es darauf, dass Draco vor Hass bald platzen würde – sein Vater wurde ja gefasst und nach Askaban verfrachtet. Seine Mutter lag im St. Mungos und Draco war somit Waise.
Neville blieb dicht an Harrys Seite, als sie in die Halle kamen und sich zu ihrem Tisch setzten. Harry seufzte, als er neben sich die leeren Plätze betrachtete. Er konnte nur froh sein, dass Neville bei ihm war, denn alleine hätte er es niemals durchgestanden. Wie in Watte gepackt, drang die Stimme von Dumbledore an sein Ohr. Er fing damit an, die Erstklässler zu begrüßen. Danach folgte die Häusereinteilung. Nachdem alle Schüler verteilt waren, erhob sich Dumbledore nochmals und bat die Schüler um Ruhe.
Er erklärte mit leiser und doch wirkungsvoller Stimme die Sachlage, die vielen der Neuen einen Schock versetzte. Anscheinend, so kam es Neville in den Sinn, hatten die Eltern alles getan, um sie im Ungewissen zu lassen. Albus Dumbledore, Leiter von Hogwarts, nahm sich niemals ein Blatt vor den Mund. Neville ließ seinen Blick schweifen, welcher beim Slytherintisch hängen blieb.
Bildete er es sich ein, oder starrten viele von ihnen Harry an? Oder vielleicht auch ihn? Neville fühlte sich unter den zahlreichen, eindringlichen Blicken äußerst unwohl und senkte den Kopf. Er war sich auch bewusst, dass die Verteilung der Schüler deshalb so schnell vollzogen war, da dieses Jahr viel weniger nach Hogwarts geschickt wurden. Während die Jahre zuvor die Halle am ersten Schultag meist aus den Nähten platzte, gab es dieses Jahr noch massig freie Plätze.
Harry starrte noch immer auf den Tisch, seine Gesichtsfarbe glich der eines Geistes. Jetzt las Dumbledore all die Personen vor, die bei der Schlacht gefallen waren. Harry zitterte immer mehr und Neville stand ihm um nichts nach. Als der Direktor nun berichtete, dass die meisten Opfer aus Gryffindor stammten, wünschte sich Harry weit weg. Erneut brannten Tränen in seinen Augen, ebenso war es bei Neville. Sie waren die einzigen männlichen Wesen der letzten Schulstufe, und dies sollte auch so bleiben. Harry glaubte nicht daran, dass Dean und Seamus es schaffen würden, ihre Eltern doch noch zu überzeugen.
Albus fuhr traurig damit fort, die Liste zu vervollständigen. Er bemerkte jedoch auch an, dass ohne Harrys Hilfe und Einsatz noch mehr Schüler ihr Leben verloren hätten. Harry hatte nicht nur viele der Schüler beschützt, sondern auch die Lehrer. Viele nickten ihm dankbar zu, doch Harrys Augen pinnten sich weiterhin auf den Tisch. Er merkte nicht einmal, dass seine Hände zu Fäusten geballt waren, man alle Emotionen sehr wohl in seinen Augen ablesen konnte.
Nicht nur Neville bemerkte dies, auch die restliche Schülerschaft. Albus Dumbledore machte eine kurze Pause, die die Schüler dazu nutzten, um miteinander zu tuscheln. Nicht wenige von ihnen warfen Harry verstohlene Blicke zu. Der Gryffindor war jedoch froh, als Dumbledore endlich in die Hände klatschte und das Essen erschien. Obwohl er keinen Hunger verspürte, schaufelte er das Essen mechanisch in sich hinein.
Iss Harry! Anständig! Sonst wird dir wieder schlecht! Hast du abgenommen? Es steht dir nicht, wenn du so dünn bist!
Harry lächelte leicht. Die Worte von Hermine, die er all die Jahre über gehört hatte, kamen ihm in den Sinn.
„Woran denkst du, Harry?“, wisperte Neville, beide saßen etwas abseits des Trubels ihres Hauses.
„Wieder einmal an Hermines Worte. Sie würde mich sicherlich tadeln.“, grinste Harry schief, trotzdem er einen leisen Schmerz im Herzen verspürte.
„Sie würde nicht nur mit dir schimpfen. Ron war derjenige, der beinahe alles verdrücken konnte. Erinnere dich an ihren Gesichtsausdruck, wenn er sich wieder einmal aufführte.“
Harry lächelte wieder, er nickte.
„Ja, das stimmt.“, krächzte er, Neville hielt lieber den Mund. Kaum, dass das Abendessen vorbei war, lief Harry eiligst Richtung Turm, Neville folgte sogleich. Atemlos blieben sie vor dem Portrait stehen, Gott sei Dank wussten sie das neue Passwort. Endlich im Schlafraum angekommen, blieben sie wie angewurzelt stehen. Ihr Blick wurde trübe, bei dem Gedanken, dass sie dort alleine schlafen mussten. Ihre Fantasie spielte ihnen Streiche, denn ein maulender Ron wollte seine Ruhe haben und warf Harry ein Kissen entgegen. Da es leider nicht der Wahrheit entsprach, flog das eingebildete Kissen durch Harry hindurch. Schnell schüttelte er seine Gedanken ab, auch Neville kämpfte mit sich.
„Packen wir aus.“, murmelte er müde, Harry brummte zustimmend. In stiller Zweisamkeit verstauten sie ihre Sachen im Gemeinschaftskasten – der jetzt so leer und übergroß wirkte. Harry hasste es immer und überall daran erinnert zu werden. Nach einer gemeinsamen Katzenwäsche im Badezimmer, beeilten sich die beiden so schnell wie nur möglich schlafen zu gehen. Harry war viel zu sehr mit sich selber beschäftigt, um zu erkennen, wie sehr Neville litt. Viel zu sehr in seinen Gedanken gefangen, um weiter zu erkennen, dass Neville sich leise in den Schlaf weinte.
Eine Woche ging ins Land – Harry und Neville brachten den Tagesablauf eher mechanisch hinter sich. Sie hörten nicht auf die Schüler, die sie noch immer beschimpften, ihnen die Schuld an allem gaben. Sie passten im Unterricht auf und sogen jede Information, in der Hoffnung auf Ablenkung, in sich auf. Nur bei den Hausaufgaben bliesen sie Trübsal, malten eher das Pergament voll, anstatt ihre Aufsätze zu schreiben.
Dieses Jahr hielten sie sich mehr im Gemeinschaftsraum auf, da sich dort viele ihrer Hausgenossen befanden, welche sie ein wenig ablenken konnten. Im Schlafraum hingegen, erdrückte sie die unangenehme Stille. Wenn sie glaubten, dass ihr Kummer und ihre Trauer verborgen blieben und sich niemand daran störte, so irrten sie sich. Es gab immer mehr Schüler die verstummten und sich für ihre gehässigen Worte schämten. Auch die Lehrerschaft machte sich langsam Sorgen und ein Teil von ihnen setzte sich eines Abends zusammen. Sie berieten sich, was mit Harry und Neville geschehen sollte, wie man ihnen helfen konnte. Für Neville fanden sie eine passende Lösung, doch bei Harry sah es anders aus.
Da er gleichzeitig ein schweres Schicksal trug, benötigte er jemanden, der ihn aus der Trauer riss, ihn aus dem Loch zog. Obwohl Dumbledore wusste, dass Harry Potter ihn dafür hassen würde, musste er diesen Schritt tun. Es gab nur zwei Möglichkeiten Harry zu helfen. Entweder man ließ ihn in Ruhe und er verlor immer mehr den Mut am Leben, oder man tat es auf die harte Tour und Harry bekam seinen Kampfgeist wieder zurück. Neville in allen Ehren, doch Harry brauchte jemanden, der ihn wieder „aufweckte.“
„Die Entscheidung ist gefallen, liebe Kollegen. Mögen uns die beiden Jungen vergeben.“, meinte Dumbledore müde, rieb sich die Stirn. Snape schnaubte, Minerva sah Albus ein wenig skeptisch an.
„Albus, bist du dir sicher, dass es die richtige Entscheidung ist?“, legte sie den Kopf schief, wirkte bei ihrer Aussage mehr als erschüttert.
„Ja, ich bin mir ziemlich sicher, Minerva. Es geht nicht anders. Ich kann nur hoffen, dass Harry es eines Tages verstehen wird.“, seufzte er schwermütig und erhob sich.
„Die Sitzung ist für heute beendet. Morgen will ich Harry und Neville gleich in der Früh in meinem Büro sehen.“, gab er die Anweisung, Minerva und Severus erhoben sich. Severus Gesicht zeigte eindeutig, was er von dieser Sache hielt. Er verzog angewidert sein Gesicht, machte kehrt und rauschte, ohne ein Wort zu sagen, mit wehendem Umhang, ab.
„Oh Albus. Ich weiß nicht.“, seufzte Minerva, schüttelte den Kopf, nickte ihm zu und verschwand ebenso. Albus sah ihr lange nach, starrte auf die Türe, die sich vor seinen Augen schloss.
„Merlin stehe uns allen bei.“, murmelte er und verließ sein Büro.
°°°
Der nächste Morgen kam schneller als erwartet, Harry blinzelte einige Male. Zufrieden, sich noch nicht der Realität stellend, kuschelte er sich ins Bett und schmatzte.
„Harry! Aufstehen!“, donnerte Neville los, Harry saß senkrecht im Bett.
„Verdammt, Neville! Du machst Ron ganz schön Konkurrenz!“, haspelte er mit Herzrasen los, Neville fing zu lachen an.
„Na das hoffe ich doch! Immerhin muss jemand den Ton so hart anschlagen! Ansonsten würde man dich nicht aus dem Bett bekommen!“, schüttelte er den Kopf und machte sich auf den Weg ins Badezimmer. Harry gähnte ausgiebig, verdrängte die Erinnerungen und versuchte nicht zu den leeren Betten zu sehen. Mit Schwung sprang er aus dem Bett, folgte Neville. Eine ausgiebige Dusche später waren beide fertig, zogen sich an und machten sich auf den Weg zur großen Halle. Als sie gerade den Gemeinschaftsraum durchquerten, kam ihnen Minerva Mc Gonagall entgegen.
Sie wirkte alles andere als glücklich, ehe sie vor ihnen stehen blieb und einen nach den anderen ansah.
„Mister Potter? Mister Longbottom? Nach dem Essen will Professor Dumbledore Sie in seinem Büro sprechen. Es ist sehr wichtig. Das Passwort lautet Schokokuchen. Guten Tag, die Herren.“, verabschiedete sie sich hastig, Harry und Neville sahen sich Schulter zuckend an.
„Was Dumbledore bloß von uns will?“, fragte sich Neville laut, Harry hatte keine Ahnung. So sprachen sie über Gott und die Welt, setzten sich an ihren Tisch und nahmen das Frühstück zu sich. Wie es auch gestern schon der Fall war, wurden sie auch heute kritisch beäugt, besonders von den Slytherins. Harry schauderte, versuchte nicht zu dessen Tisch zu sehen und aß einfach weiter. Als sie fertig waren, standen sie auf, machten sich sofort auf den Weg zu Dumbledore.
°°°°
„Ah! Harry! Neville! Kommt nur herein!“, freute sich Albus Dumbledore, als die beiden Jungs eintraten und Harry die Türe ins Schloss drückte. Einen Augenblick später zauberte Dumbledore Stühle herbei und wies sie an sich zu setzen.
„Professor?“, fragte Harry sogleich, Dumbledore räusperte sich und nahm hinter seinem Schreibtisch Platz. Neville sah kurz zu Harry, dann wieder zu Dumbledore.
„Nun, ich habe euch aus einem guten Grund zu mir geordert.“, fing er leise zu sprechen an, sah beide offen und ehrlich an.
„Uns allen blieb nicht verborgen, wie schlecht es um euch steht. Wir können den Schmerz und die Trauer verstehen und wollen euch gerne helfen.“, fuhr er fort, Harry und Neville nickten brav.
„Was nun kommt, wird für euch schwer zu verstehen sein. Glaubt mir, es geht nicht anders. Alles hat seinen Grund, auch meine Entscheidung. Ich tue es nicht, damit ich euch noch mehr Leid aussetze, sondern um euch zu helfen. Es könnte durchaus der Fall sein, dass ihr die Beweggründe meines Handelns erst später verstehen werdet. Die Erinnerungen an eure verstorbenen Klassenkammeraden holen euch immer wieder ein. Es ist sicherlich nicht leicht mit dem Verlust umzugehen, habe ich Recht?“, fragte er sie sanft, beide nickten.
„Aus diesem Grund habe ich folgendes beschlossen: Neville? Du wirst in den Schlafsaal der Sechstklässler umziehen. Und du, Harry, wirst ab sofort zu den Slytherins wechseln.“ Dumbledore hielt inne, um seine Aussage wirken zu lassen. Während Neville nach Luft schnappte, wurde Harry erstmals rot vor Zorn, danach weiß wie die Wand.
„WIE BITTE? ABER PROFESSOR!“, regte sich Harry auf, sprang hoch und ballte seine Hände zu Fäusten.
„Das können Sie doch nicht tun!“, kreischte er panisch los, Dumbledore seufzte.
„Doch, das kann ich. Mein Entschluss steht fest. Harry, ich hatte viel Zeit, um darüber nachzudenken. Glaube mir, es wäre das Beste für dich.“
„DAS BESTE FÜR MICH?“, rief Harry wutentbrannt aus, knirschte mit den Zähnen.
„Sie wollen mich zu den Schlangen stecken! Was soll daran gut sein? Sie wissen genauso gut wie ich, dass die Slytherins größtenteils Voldemort dienen und…“, rief Harry weiterhin aus, Dumbledore erhob die Hand.
„Das ist ein Irrglaube, Harry! Nichts dergleichen ist wahr! Du wirst dich bald selbst davon überzeugen können, dass dem nicht so ist!“, sprach Dumbledore bestimmt, Harry sank ergeben auf seinen Stuhl.
„Aber die hassen mich!“, wimmerte er los, Dumbledore seufzte.
„Nein, das tun sie nicht. Das kann ich einfach nicht glauben.“, beteuerte Dumbledore mit verstehendem Blick.
„Sie werden mich zerfleischen! Ich hatte mich gegen Voldemort gestellt! Viele Eltern dieser Schüler werden ihre Kinder darauf ansetzen, mir das Leben zur Hölle zu machen!“, zischte Harry abermals los, Dumbledore rieb sich die Stirn.
„Nein, dafür haben wir vorgesorgt. Du stehst unter dem persönlichen Schutz von Professor Snape und…“
„PAH! Natürlich! Snape wird auf mich aufpassen, sicherlich.“, meinte er säuerlich, verschränkte seine Hände vor der Brust und schnaubte.
„Es heißt noch immer Professor Snape, Harry! Und ja, ich habe sein Wort darauf!“, teilte ihm Dumbledore ungerührt mit, doch Harry hatte kein Einsehen. Dumbledore wusste, dass die Schlangen die Erzfeinde der Gryffindors waren! Wollte er ihn in den sicheren Tod schicken? Wieso half Dumbledore ihm nicht? Wieso fiel er ihm einfach so in den Rücken? Harry fühlte sich verarscht, ausgenutzt, abgeschoben. Verzweiflung überkam sein Herz, verbittert senkte er den Kopf.
„Kann Neville nicht mitkommen?“, versuchte er es leiser, Dumbledore schüttelte den Kopf.
„Nein, Harry. Neville hatte nicht, wie du, die Chance zwischen zwei Häusern zu wählen. Es tut mir Leid, Harry. Neville? Du kannst gehen. Bitte packe deine Sachen und ziehe um. Du bist für die erste Unterrichtsstunde entschuldigt. Ein Bett steht für dich schon bereit. Falls es euch etwas hilft, habt ihr noch immer die Möglichkeit euch zu treffen, euch zu unterhalten. Wenn es sein muss, erlaube ich auch die Kommunikation durch den Kamin.“
Neville stand erschüttert auf, legte eine Hand auf Harrys Schulter und sah ihn traurig an.
„Du packst das schon, Kumpel. Egal was passiert, wir sind für immer Freunde. Wenn etwas sein sollte, kannst du dich immer an mich wenden. Ich bin nicht aus der Welt, Harry.“ Beinahe mechanisch drehte er sich um und ging aus Albus Büro. Harry hasste Dumbledore in diesem Moment mehr als Voldemort, denn er verstand die Notwendigkeit dahinter nicht. Er konnte sich schon denken, wie gut er aufgenommen werden würde. Als die Türe hinter Neville ins Schloss fiel, umschritt Albus seinen Schreibtisch und blieb vor Harry stehen.
„Harry… Ich bitte dich.. Glaube mir, ich will dir nichts Schlechtes. Eines Tages wirst du verstehen, wieso ich dich nach Slytherin schicke. Nimm dein Schicksal an, sehe das Gute darin und mache etwas daraus.“, wies er ihn an, legte seine Hand auf seine Schulter. Harry zuckte zusammen, entzog ihm die Schulter und stand steif auf.
„Wie Sie wünschen, Professor.“, erwiderte er kalt, drehte sich um und wollte soeben gehen.
„Ach, Harry? Eines noch.“ Harry blieb, mit dem Rücken zu ihm, stehen, zählte gedanklich bis zehn.
„Professor Snape erwartet dich in diesem Moment. Deine Sachen sind bereits nach Slytherin gebracht worden. Sollte es Schwierigkeiten geben, werde ich immer für dich da sein.“
„Danke, Professor. Allerdings werde ich Ihre Hilfe sicherlich nicht mehr in Anspruch nehmen.“, triefte seine Stimme vor Spott, Albus seufzte. Harry sagte kein Wort mehr, ging mit schnellen Schritten auf die Türe zu und knallte sie hinter sich ins Schloss. Albus seufzte und schüttelte den Kopf. Er konnte nur hoffen, dass dieser Schritt auch den gewünschten Erfolg erzielen würde.
°°°°
Als Harry Richtung Kerker schritt, sämtliche Schüler wutschnaubend aus dem Weg stieß, war ihm noch nicht bewusst, dass er bereits die Kleidung der Schlangen trug. Dumbledore hatte sie umgezaubert, als Harry ihm den Rücken zuwandte. Harry war noch nie so wütend gewesen, wie in diesem Augenblick. Endlich im Kerker angekommen, wartete Snape bereits vor dem Portrait.
„Mister Potter, wie angenehm.“, schnarrte er mit öliger Stimme und betrachtete Harry mit einem abschätzenden Blick.
„Nicht meinerseits.“, zischte Harry angewidert, starrte an Snape vorbei.
„Hüten Sie Ihre Zunge, Potter.“, knurrte Snape, zog scharf die Luft ein.
„Ab nun sind Sie ein Mitglied meines Hauses. Ich erlaube keinen Verstoß gegen die Regeln! Haben wir uns da verstanden, Potter? Sie werden lernen und artig Hausaufgaben machen, wie es jeder Schüler meines Hauses tut. Seien Sie sich gewiss, dass ich Sie beobachten werde, Potter.“, zischte er ungemütlich, Harry schnaubte.
„Natürlich, Sir.“, erwiderte Harry desinteressiert, Snape betrachtete ihn mit einem arroganten Gesichtsausdruck.
„Das Passwort lautet: Schlangenzunge. Folgen Sie mir, Potter.“
Harry schaltete alles an Emotionen ab, denn jetzt hieß es, sich mutig von der Löwenhöhle in die Schlangegrube zu stürzen. Merlin stehe ihm bei.
TBC….
Und? Was sagt ihr dazu? Sehr schlimm? Fandet ihr es okay? Ich habe versucht die Trauer verständlich zu machen und hoffe, dass ich mit diesem Chap nicht über- oder untertrieben habe. Es ist schwer über Trauer zu schreiben, das gebe ich gerne zu. Ich hoffe doch sehr auf Kommis und würde mich freuen, euch beim nächsten Teil wieder zu lesen!
Bussis an euch!
Eure gugi und darkgugi (die noch ein wenig warten muss)
Oh scheiße! *lach* Ich bekomme auf ein Vorwort Kommis? Na wie geil ist das denn? *kreisch*
Danke, Leute! *euch anstrahl* Da ich ein wenig Zeit habe, dachte ich mir, ich beantworte die gleich einmal! *zwinker*
@mad-cat: Danke sehr! Ich freue mich, dass du wieder hier bist! Ich bin Minuten vor dem Summary gesessen und wusste nicht, was ich interessantes schreiben soll, damit jeder Gusto bekommt. Ja, es wird auch interessant, das kann ich dir garantieren! Und anders, als du bisher gelesen hast! *teuflisch grins* Du weißt sicherlich, ich schaue immer darauf, bei gleichen Themen trotzdem anders zu schreiben. Ich will mich ja, wenn ich es schaffe, von anderen unterscheiden. Danke für dein Vertrauen! Dickes Knuddel.
@Vanilla-Ice: Sorry, Mad war schneller! Cool, du bist auch hier! Geil! Danke sehr! Ich gebe mir auch so Mühe, auch wenn es nur Vorworte sind. Ich hoffe doch sehr, dass es interessant wird, denn ich habe mir schon so viel zusammengeschrieben. Werde mich besonders auf Magie und Mystik verstärken. Mann, ich freue mich schon so darauf! Genau, steh Harry bei, er wird dich gerne sehen wollen! Ja! Bin ja schon da! *lach* Dickes Bussi, Kleines!
@Sweetbunny: Na dann hoffe ich, mein Schatz, dass dich dein Riecher nicht verlässt! Gut, du hast schon einiges von mir gelesen, du kennst mich zu gut. Nein, ich lade gleich hoch, sobald ich mit der Beantwortung fertig bin. Hab dich auch lieb! Bussis!
@jasmin: *lach* Geil! Ehrlich! Du sagtest mir doch vor kurzem, das du nicht so oft kannst, gell? Und jetzt schleichst du dich sogar an Papas PC ran, damit du meine Storys lesen kannst? Na das nenne ich Abhängigkeit! Danke! Das ehrt mich voll! Und ja, du bist schneller als die anderen gewesen! Respekt! Die werden sich vielleicht in den Arsch beißen, was? Hehe.
@DarkSarina: Das hoffe ich doch! Ich will dich ja neugierig machen, Kleines! Gut, wenn ich dein Wort als Slytherin habe, dann bin ich ja froh! Ich hoffe, dass ich dich mit meiner Story zufrieden stellen kann. Anfangs muss man Nerven beweisen, aber du kennst mich – ohne dass es gut ausgeht, geht’s einfach nicht! Ich kann ja nicht anders! *lach* Bin zu gutmütig. Na dann wünsche ich dir viel Spaß dabei! Es macht mich ungemein stolz, dass ich deine Lieblingsautorin bin! So süß von dir! *dich abknuddel* Danke sehr!! BUSSI
@Draco1990: Na das hoffe ich! Vielleicht kann ich dich ja mit dieser Story auch fesseln. Ich wünsche es mir sehr. Mal sehen, ob ich es schaffe! Bis dann! *knuddel*
@Yuna20: Hm, ich weiß sehr wohl was du meinst. Ich mag solche Storys auch eher selten, weil ich zu sehr mit Harry mitleide. Aber weißt du was ich so geil von dir finde? Du gibst mir tatsächlich die Chance mich dir zu beweisen. Und ich bin so was von happy darüber! Danke für dein Vertrauen! Ich kann dir jedoch etwas beichten: Anfangs wird es hart sein, aber dann wird sich einiges ändern und es wird wieder seichter. Anfangs ist es Drama, aber dann wird es Mystik, Humor und Romanze. Und es wird sich anders entwickeln, als du vielleicht je gelesen hast. Zumindest habe ich es hier noch nie gelesen. Sag mir bitte, ob ich dich überzeugen konnte, ja? Das ist toll von dir! *mich so freu*
@Eftelya: Na das finde ich ja megageil, dass du dich so freust! Das kann echt was! Ich weiß, es klingt ja voll heftig und ich kann dir sagen, dass du die ersten Chaps durchhalten musst. So heftig wird es auch nicht, die Hoffnung ist immer zu lesen. Du wirst danach zufrieden sein, da bin ich mir sicher. Nein, Blaise lebt, den kann ich doch nicht sterben lassen! *lach* Na mal sehen, was du zu diesem Chap sagst.. Dickes Knuddel!
So ihr Süßen! Ich hoffe, es hat euch gefallen!
Ich danke euch vielmals für die Kommis!
Eure gugi
Bereit für einen Neuanfang? Ja? Dann seid ihr hier genau richtig! Habt ihr alle brav das Vorwort gelesen? Ja? Sehr gut! *freu* Ist nämlich sehr wichtig! Ich glaube, dass diese Geschichte gut werden kann. *hoffen tu*
Allerdings kann ich euch das noch nicht zeigen, sitzt noch in meinem Gehirn fest. *zwinker* Mal sehen, ob ich das, was ich für diese Geschichte bereithalte, auch in die Tat umsetzen -, bzw. zu PC bringen kann. Ich bin bei jedem Neuanfang etwas nervös, da meine Geschichten sich trotz fester Planung meist verselbstständigen *grins* Also? Lassen wir uns überraschen!
Haltet die ersten Chaps durch und glaubt immer an das Gute!
Kann´s losgehen? Wenn ja – viel Spaß!
Bussis, eure gugi und darkgugi.
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Kapitel 1
Veränderungen in Harrys Leben
Erneuter Angriff der Todesser!
Ein weiterer Schlag traf die Zauberwelt unvorbereitet!
Du-weißt-schon-wer und seine Gefolgsleute, konnten einen erneuten Angriff und dessen Sieg für sich verbuchen.
Am 1. Juni diesen Jahres, gelang es ihnen Hogwarts, die Schule für Hexerei und Zauberei, anzugreifen. Tatsache ist, die Gefolgsleute und der dunkle Lord bereiteten sich sorgfältig auf den Angriff vor.
Sie fanden - unter zahlreichen Schutzzaubern, die die Schule umgaben – eine kleine Lücke, durch welche sie eindringen konnten. Albus Dumbledore erklärte uns kurz, dass sie dadurch nicht die Möglichkeit fanden, sich vorzubereiten, jetzt allerdings zur Sicherheit der Schüler neue und stärkere Schutzwalle errichtet hätten.
Der Kampf dauerte die ganze Nacht an und viele Kämpfer mussten ihr Leben lassen.
Leider traf es vorwiegend Schüler, die durch Harry Potter angeführt wurden.
Obwohl beinahe die gesamte Schülerschaft von Hogwarts kämpfte, ebenso die Lehrer, verloren sie. Trotzdem konnten einige der Todesser gefangen genommen werden – der dunkle Lord entkam allerdings.
Die Zauberwelt stellt sich nun die Frage, was noch alles passiert, wenn es nicht einmal Harry Potter schaffte, den dunklen Lord zu besiegen?
Harry Potter, was ist nur mit dir passiert? Auf wen sollen wir nun hoffen?
Viele Bewohner der Zauberwelt leben seit dem in Sorge und Angst.
Trotzdem hoffen sie noch immer, dass Der-Junge-der-lebt sie eines Tages befreien und retten wird.
Zu den Opfern zählten: Hermine Granger, Markus Flint, Susan Bones, Amanda Watson, Ronald Weasley, Ginny Weasley, Carolin Smith, …
@@@
Harry Potter saß wie versteinert in seinem Zimmer auf dem Fenstersims – im Hause seiner Verwandten – und ließ den zerknautschten Artikel des Tagespropheten sinken. Emotionslos blickte er aus dem Fenster, die Sicht wirkte verschwommen. Der prasselnde Regen beherrschte den letzen Ferientag, bevor es morgen wieder nach Hogwarts gehen würde.
Harry freute sich das erste Mal nicht darauf, den roten Hogwartsexpress zu sehen. Die gesamten Ferien über, war er mit seinen Gedanken bei seinen gefallenen Freunden gewesen. Jene, die sich vor ihn warfen, als er mehrmals aus einem Hinterhalt angegriffen wurde. Es waren einfach zu viele gewesen! Seine Brille wurde so stark beschädigt, so dass Harry beim letzten Kampf nicht mehr so gut sehen konnte.
Die Zeit reichte jedoch nicht aus, um sie zu reparieren und Hermine war weit und breit nicht zu sehen gewesen. Harry wäre damals beinahe verzweifelt, als immer mehr Schüler tot zu Boden sanken, das Gelände von Hogwarts mit ihren Leichen gepflastert wurde. Es war ein sehr makaberes Bild gewesen und Harry war sich noch nie so bewusst gewesen, wie schnell ein Leben erlöschen konnte.
Obwohl sie zahlenmäßig unterlegen waren, schaffte es Harry den Lord ziemlich übel zuzurichten, so dass dieser den Rückzug befohl. Einige der Todesser konnte man schnappen, viele von ihnen schafften es aber zu flüchten. Im durchnässten Schlafanzug war Harry keuchend auf dem Kampffeld gestanden, als alles vorbei war. Nur durch einen Nebel hindurch vernahm er fragende, an ihn gerichtete Stimmen, auch jene, die ihm mitteilten, wer aller gefallen war. Als seine besten Freunde erwähnt wurden, brach Harry zusammen.
Madam Pomfrey hatte danach alle Hände voll zu tun und versorgte all die Schwerverletzten nach gutem Wissen und Gewissen. Harry war einer von ihnen, ihm selber war bis zum Schluss nicht aufgefallen, wie schlimm er durch sämtliche Flüche zugerichtet worden war. Erst Tage später – die meisten Schüler befanden sich schon in den Ferien, die Schule wurde geschlossen – erwachte Harry. Dumbledore wurde informiert, eilte zur Krankenstation und unterhielt sich mit lange mit ihm.
Poppy benötigte viele Tränke, um Harry zu beruhigen. Der Schock saß tief, denn Harry hatte beinahe alle seine Freunde verloren. Nur ein einziger war noch in seiner Jahresstufe: Neville Longbottom. Dieser Junge war Harry ebenso wenig von der Seite gewichen, doch seit diesem Kampf war Neville nicht mehr derselbe. Er zog sich größtenteils in ein Schneckenhaus zurück, sprach so gut wie kein Wort mehr. Dean Thomas und Seamus Finnigan wurden von ihren Eltern sofort abgeholt, nach Durmstrang geschickt.
Nun war Harry alleine, er würde niemals wieder die Stimmen seiner geliebten Freunde hören. Ab dem Moment, in dem Dumbledore ihm alles erzählte, zerbrach etwas in Harry. Sein Herz erstarrte zu Eis, nur dumpfe Wellen des Schmerzes wurden ab und zu ausgesandt. Harry hatte sich damals erkundigt, welche Todesser gefasst werden konnten. Einer von ihnen war Lucius Malfoy, der Vater von Draco Malfoy. Seine Frau lag im St. Mungos, da sie von einem Fluch getroffen wurde, der sie wahnsinnig werden ließ.
°°
Harry saß zusammengekauert am Fenstersims und starrte noch immer in die trübe Nässe hinaus. Der Regen sollte eigentlich eine beruhigende Wirkung auf ihn ausüben, doch diesmal war es nicht so. Wie oft sich Harry den Artikel durchlas, konnte er nicht mehr sagen. Er gab sich die alleinige Schuld, nicht besser auf seine Freunde geachtet zu haben. Was passierte mit ihm, wenn es wieder nach Hogwarts zurück ging? Wie ging es Neville? Er hatte sich leider nicht per Brief gemeldet.
Viele Fragen, in Richtung dieser Kategorie, bestimmten seit Ferienbeginn seine Gedanken. Voldemort verhielt sich wieder still, Harry lächelte sarkastisch aus dem Fenster. Natürlich musste dieser erst einmal seine Wunden lecken, bevor er erneut angreifen konnte. Wie lange würde es diesmal dauern, bis sie sich wieder gegenüber standen? Würde Harry dann gewinnen? Würden neue Opfer das Schlachtfeld zieren? Wieso musste Harry dies alles durchmachen? Sein Leben war mehr als beschissen, denn ihm wurde alles genommen, was ihm je wichtig gewesen war.
°°°°
Es war ihm egal wen er anrempelte, wer ihn ausschimpfte, er ging einfach seinen Weg und zog den Koffer hinter sich her. In der anderen Hand hielt er den Käfig, in dem Hedwig saß und aufgeregt fiepte. Harry starrte auf die Mauer, die er jedes Jahr durchlief. Sein Gesichtsausdruck wirkte verschlossen und ohne jegliche Gefühle. Früher lief er gerne hindurch, in der Vorfreude, seine Freunde wieder zu sehen. Diesmal war ihm alles egal. Langsamen Schrittes verschluckte die Mauer den hoch gewachsenen Jugendlichen, der kurz darauf am Bahnsteig 9 ¾ erschien.
Wie jedes Jahr, liefen aufgescheuchte Schüler herum, vorwiegend Erstklässler. Harry lächelte bitter, denn die Kids wussten nicht, wie hart das Leben sein konnte. Schnell stieg Harry in den Zug ein, beachtete die Blicke kaum, die meist vorwurfsvoll, oder traurig waren. Das nächste, freie Abteil lud dazu ein einzutreten, was Harry auch tat. Seufzend sah er aus dem Fenster, beobachtete die Schüler, welche sich vor dem nochmals einsetzenden Regen zu schützen versuchten. Für diesen Zweck wurden entweder die Umhänge, oder Bücher missbraucht. Harry schmunzelte, denn er saß ja schon im Trockenen.
Je mehr die Sicht durch die Regenergüsse verschwamm, umso weiter drifteten seine Gedanken ab. Er erinnerte sich an das „Massenbegräbnis“, welches von Albus arrangiert wurde. Harry, ganz in schwarz gekleidet, stand als einer der ersten Personen an den jeweiligen Gräbern, starrte auf diese hinab und las die Namen seiner Freunde immer wieder. Er konnte es noch immer nicht fassen. Seine Freunde sollten leblos unter der Erde liegen? Ein verflucht bitterer und unrealistischer Gedanke – im Moment jedenfalls. Weinen und Schluchzen drang damals an seine Ohren, doch Harry hatte keine einzige Träne vergossen. Beileidsbekundungen wurden ausgesprochen, die Harry nur mit halbem Ohr vernahm.
Als die Stimmen nach und nach verklangen, blinzelte Harry das erste Mal mit den Augen, sah sich um und bemerkte verwundert, dass er der einzige noch Anwesende war. Wie lange er bei den Gräbern stand, wusste er nicht genau. Er konnte sich einfach nicht verabschieden, er schaffte es nicht. Eine warme und Trost spendende Hand legte sich auf seine Schulter, ein Schluchzen erklang. Er war es selber, der aufgeschluchzt hatte. Endlich – endlich konnte er seinen Gefühlen Ausdruck verleihen.
Der Schmerz brach wie eine enorme und verschlingende Flutwelle über ihm zusammen, sein Kopf fiel nach vorne. Seine Schultern zuckten immer wieder, der ganze Körper wurde von heftigen Schluchzern geschüttelt. Sein Herz tat so verflucht weh!
„Schon gut, Harry.“ Es war Dumbledore, der ihn als einziger nicht alleine gelassen hatte. Harry schämte sich seiner Tränen nicht, denn sie waren schon längst überfällig gewesen. Auch bemerkte er nicht, dass er sich in Dumbledores kommende Umarmung vergrub, sich nicht mehr beruhigen konnte.
„Ich kann mir denken, was durch deinen Kopf geht, Harry. Es war nicht deine Schuld, denn deine Freunde opferten sich freiwillig für dich. Ihr Tod wäre sinnlos, würdest du jetzt aufgeben. Sie haben es für dich getan.“, murmelte Dumbledore erschöpft vor Trauer, sein Blick hing irgendwo in der Luft. Harry schluchzte nochmals auf, stieß sich von Dumbledore ab und sah ihn verzweifelt an.
„ICH HABE SIE NICHT DARUM GEBETEN!“ Albus stand ruhig vor ihm, sagte kein Wort, ließ Harry einfach handeln. Der Gryffindor schmiss sich auf die Knie, brüllte die Gräber an, verfluchte sie und flehte sie an wieder zurück zu kommen. Dumbledore brach es bei diesem Schauspiel das Herz, Harry so leiden sehen zu müssen. Natürlich ging ihm der Tod dieser Schüler ebenso nahe, allerdings war Harry sein Liebling. Und er war froh, dass er noch lebte. Auch wenn Harry Potter der zukünftige Retter der Zauberwelt sein sollte, so brauchte auch er Schutz, den Dumbledore ihm geben wollte.
Sie alle brauchten einander, schützten sich gegenseitig, starben für den anderen – wenn es sein musste. Harrys Freunde hatten ihn geliebt, das wusste Albus Dumbledore. Wenn Harry nun aufgab, war ihr Tod in der Tat umsonst gewesen. Seufzend ging der Schulleiter in die Knie, legte seine Hand auf die bebenden Schultern des verzweifelten Jungen und streichelte sanft dessen Rücken.
Lange Zeit saß Albus weiterhin an Harrys Seite, der eine lange brauchte, um sich wieder zu beruhigen. Albus hatte sich – bevor er zu Harry zurückgegangen war – um die Eltern der Verstorbenen gekümmert, ihnen im Auftrag von Harry sein Beileid übermittelt. Obwohl Mütter, Väter und Geschwister diesen Schmerz des Verlustes mit tragen mussten, hatten sie Mitleid mit Harry.
Harry war in ihren Augen fast noch ein Kind, für den die große Verantwortung einfach zu früh kam. Es gab erwachsene Menschen in höheren Positionen, die es nicht einmal schafften ihre Mitarbeiter richtig zu führen. Wie sollte ein Junge von knappen 17 Jahren es schaffen, ein gesamtes Heer an Zauberern und Hexen zu führen?
Wie sollte ein Junge, dessen Schicksal ihm in die Wiege gelegt wurde, sein Leben ohne dazugehörige seelische Schäden, überstehen? Sie verstanden Harry und dessen Trauer, denn Harry hatte das schwerste Los von allen gezogen. Er musste, ob er wollte, oder nicht, die Verantwortung auf seinen schmalen, jugendlichen Schultern tagen. Von seinen zukünftigen Taten hing es ab, ob die Zauberwelt Frieden finden würde, oder nicht.
°°°
„Harry?“
Harry blinzelte einige Male, wischte sich verstohlen eine Träne weg und lächelte der Person, die nun eintrat, schwach entgegen.
„Hallo Neville.“, krächzte Harry, Neville nickte ihm erschöpft zu.
„Darf ich mich setzen?“ Nevilles Stimme hatte schon seit dem letzten Jahr eine tiefere Tonlage erhalten, jetzt jedoch, wirkte sie einfach nur müde und melancholisch.
„Da fragst du noch? Setz dich!“ Harry versuchte tapfer zu lächeln, Neville erwiderte es.
„Wie waren deine Ferien?“, fragte Neville, Harry seufzte.
„Super!“, meinte Harry sarkastisch, Neville gluckste ein klein wenig.
„Wahrscheinlich genauso toll wie meine, stimmts?“, lächelte Neville nachsichtig, Harry nickte.
„Sie fehlen dir, nicht wahr? Mir auch.“, meinte Neville leise und streichelte seine Kröte Trevor, die laut zu quaken anfing.
„Ja, und wie sie das tun.“, wisperte Harry leise, Neville seufzte.
„Du, Harry?“
„Hm?“
„Jetzt sind nur noch wir beide übrig. Dean und Seamus…“ Neville stoppte, Harry verstand.
„Schrieben sie dir?“, wollte Harry wissen, Neville lächelte leicht.
„Ja, und dir?“, erkundigte er sich sofort, Harry zog die Briefe aus seiner Hosentasche.
„Das haben sie. Sehr zuverlässig. Sie jammerten mich voll, weil sie nicht nach Durmstrang wollen, sich gar nicht darauf freuen. Außerdem werden sie es weiterhin versuchen, wieder nach Hogwarts zu wechseln. Ihre Eltern jedoch schalten auf stur.“
„Ja, dasselbe schrieben sie auch mir. Wir können nur hoffen, dass sie bald Erfolg haben und wieder zu uns dürfen.“, meinte Neville leise, Harry nickte abermals. Leider Gottes, und das wussten sie noch nicht, würde dieser Wunsch nicht in Erfüllung gehen.
„Ohne sie ist es nicht mehr dasselbe.“, sprach er Neville direkt an, sein Freund senkte betroffen den Kopf.
„Ob wir es jemals überwinden werden, - ihren Tod?“, hakte er nach, Harry gab diese Frage einen Stich ins Herz.
„Ich weiß es nicht, Neville. Jeder, der sie liebte, trauert um sie. Allen voran ihre Eltern, Geschwister und dann die Freunde. Ich besonders.“, murmelte Harry, Neville stand auf und setzte sich direkt neben ihn.
„Auch wenn es hart klingt, Harry. Wir müssen in die Zukunft sehen. Die Vergangenheit können wir leider nicht ändern. Vielleicht fühlen wir uns wegen ihrem Tod schwach und verletzlich, vielleicht sogar gelähmt, aber das Leben geht weiter.“
„Scheiß auf das Leben, was habe ich davon? Manchmal wünschte ich, ich könnte bei ihnen sein. Bei meinen Eltern, Sirius und meinen Freunden.“, meinte Harry leise, Neville schnappte nach Luft.
„Hast du sie nicht mehr alle!?“, rief Neville auf einmal aus, Harry zuckte zusammen und sah seinen Freund etwas erstaunt an. In dessen Augen glitzerten Tränen der Wut und der Verzweiflung, sein Kinn zitterte.
„Hör auf so einen Scheiß von dir zu geben! Was ist mit mir? Hm? Was! Würdest du mich auch noch alleine lassen wollen? Wieso denkst du nur an dich! Denk doch auch einmal an mich! Bin ich denn nichts wert? Nicht wert, dass du leben willst?“, blaffte Neville ihn an, erhob sich und schmiss sich Harry gegenüber auf die Sitzbank. Harry sah ihn schockiert an, sprang in die Höhe.
„Neville! Nein! Ich… Es tut mir Leid! Ich…“ Harry war mit zwei Schritten bei ihm, beugte sich vor, nahm sein Gesicht in die Hände. Danach legte er seine Stirn auf Nevilles, schloss die Augen. Er brauchte nicht hinzusehen, um zu wissen, dass Neville um seine Fassung rang.
„Entschuldige bitte, Neville. Natürlich bist du es wert! Ich bin sowieso zu feige mir das Leben zu nehmen! Ich.. Ich hatte wirklich nicht wirklich daran gedacht, dass mein Tod vielleicht anderen nahe gehen würde. Bitte verzeih mir. Du bist einer meiner besten Freunde und ich würde dich niemals mit Absicht verletzen wollen.“, flüsterte er leise, fühlte Nevilles Nicken.
„Wehe du lässt mich alleine.“ Die Worte wurden nur leise gesprochen, doch sie zeugten von inniger Kraft und Drohung. Harry nickte ebenfalls und ließ von ihm ab. Seufzend setzte er sich neben ihn, beide sahen sich etwas schüchtern an.
„Ähm…“
„Vergiss es, Harry. Ich weiß was du meinst. Es wäre aber nicht im Sinne von Hermine, Ron, Ginny und den anderen, die sich für dich opferten.“, brummte Neville, Harry bekam ein schlechtes Gewissen.
„Nein, Harry. Sie taten es aus freien Stücken. Fühl dich bitte nicht schuldig.“ Harry blinzelte – konnte Neville Gedanken lesen? Nein, es war eher die Tatsache, das dicke Freunde sich beinahe in und auswendig kannten.
„O-Okay?“, stotterte Harry, entlockte Neville damit ein schiefes Grinsen.
„Was würde wohl Hermine jetzt zu uns sagen?“, fragte Neville, Harry überlegte.
„Keine Ahnung.“
„Sie würde uns den Arsch aufreißen und uns ankeifen, wenn wir uns nochmals so verhalten. Ich bin mir sicher, sie würde nicht wollen, dass wir so leiden.“, meinte Neville eindringlich, Harry stimmte dem zu.
„Ja, schon, aber wir sind auch nur Menschen. Wir können uns schwer von Gewohntem, oder Liebgewonnenen, trennen. Der Tod ist eine andere Ebene, aber das verstehen unsere Gefühle nicht. Ich muss zugeben, ich komme nur schwer damit zurecht. Manchmal glaube ich alles nur zu träumen. Weißt du was ich damit meine?“, wandte sich Harry wieder an Neville.
„Natürlich. Mir geht es ja nicht anders! Aber ich bin mir sicher, sie beobachten uns und passen auf uns auf. Ich glaube jedenfalls daran.“, erwiderte Neville, Harry lächelte leicht.
„Was Ron wohl dazu sagen würde?“, überlegte Harry nun, beide wurden noch immer vom Zug durchgerüttelt. Mittlerweile waren sie schon seit längerer Zeit unterwegs, die Räder ratterten in regelmäßigen Abständen über die Gusstellen der Schienen.
„Wahrscheinlich, dass wir für ihn Schokofrösche weglegen sollen.“, kicherte Neville, Harry fing zu glucksen an. Aus dem Kichern wurde ein ausgewachsenes Lachen, welches sich schnell in Weinen umwandelte. Beide saßen nebeneinander, hatten jeweils einen Arm um den anderen geschlungen und spendeten sich Trost. Einige Minuten später hatten sich beide wieder unter Kontrolle, sahen sich verlegen an.
„Taschentuch?“
„Ja, bitte.“, schniefte Harry, nahm es gerne an. Geräuschvoll putzten sie sich die Nasen, seufzte ein wenig.
„Das hat gut getan.“, seufzte Neville, Harry stimmte ihm zu.
„Ja, schon.“
„Ich bin froh, dass du wieder Gefühle zeigen kannst.“, fing Neville einige Minuten später an, Harry runzelte die Stirn.
„Wie meinst du das? Konnte ich das denn…“
„Ich habe dich gesehen…“, meinte Neville kleinlaut.
„Wo?“ Harry klimperte unverständlich mit den Augen.
„Bei den Gräbern.“, nuschelte Neville, Harrys Augen wurden nun groß.
„Oh…“
„Ich habe dich und Dumbledore beobachtet. Bei der Beerdigung selber hätte man meinen können, eine leblose Hülle von dir zu sehen. Ohne Emotion, ohne Regung. Ich wollte es nicht glauben, deswegen ging ich zurück. Wie ich mitbekam, war ich nicht der einzige mit diesem Gedanken. Dumbledore stand bei dir, und dann bist du zusammengebrochen. Es war hart für mich, dich so zu sehen, aber es erleichterte mich schon sehr. Ich hatte Angst um dich. Befürchtete, dass du dich zurückziehen und verschließen würdest.“, meinte Neville leise.
„Denselben Eindruck hatte ich auch von dir.“, antwortete Harry direkt, ging nicht auf das vorher Gesagte ein.
„Ach.. wirklich?“, sah ihn Neville verdutzt an. Harry nickte.
„Ja, nach dem Kampf….“ Harry suchte die richtigen Worte zu finden, Neville winkte ab.
„Verstehe schon. Musste mich einfach zurückziehen, weißt du? Es war so schockierend… so viele Leichen auf dem Feld…Ich…“, stammelte Neville, spürte Harrys Hand auf der Schulter.
„Ich weiß, ich weiß. Mir ging es nicht besser. Verdammter Krieg.“
„Allerdings. Und es ist noch nicht zu Ende.“, seufzte Neville, Harry knurrte.
„Ich hasse ihn. Irgendwann einmal erwische ich Voldemort. Und wenn der richtige Moment da ist, werde ich ihn erledigen. Ein für alle Mal!“, stieß Harry hasserfüllt hervor, Neville sah ihn nachdenklich an.
„Bis dahin müssen wir uns vorbereiten. Das ist dir doch klar? Wir müssen immer wieder damit rechnen, dass er angreifen könnte. Es könnte jeden Moment passieren.“, erwiderte Neville ernsthaft.
„Stimmt. Allerdings bin ich mir auch sicher, dass Voldemort sich noch ein wenig Zeit lassen wird.“
„Ach? Vielleicht, weil du ihm ein paar Mal in den Arsch getreten hattest?“, erkundigte sich Neville mit einem Glitzern in den Augen, Harry lachte auf.
„Ja, genau deshalb. Immerhin hatte er von allen Seiten her mehr abbekommen, als ich.“, nickte Harry, Neville kicherte.
„Hm… hätte ruhig noch mehr sein können. Bis zum Tod, oder so.“, murmelte Neville, Harry grinste ihn von der Seite her an.
„Sieh mal einer an wer da ist!“, unterbrach sie eine schnarrende Stimme, Harry und Neville fuhren zusammen. Sie hatten nicht einmal gemerkt, dass sich die Türe zum Abteil aufgetan hatte, wo nun Malfoy stand und sie gehässig angrinste.
„Hau ab, Malfoy!“, zischte Harry wütend, griff zu seinem Zauberstab – ließ ihn jedoch noch stecken.
„Na, na? Wer wird denn gleich so unhöflich sein, Potter? Wie fühlt man sich als der Verlierer der Zauberwelt? Och! Mussten deine Freunde wegen deiner Unfähigkeit dran glauben? Wie leid mir das doch tut!“, schnarrte er weiter, hinter ihm standen – wie üblich – seine Gorillas. Neville fing zu knurren an, da Draco Malfoy wirklich unterstes Niveau benutzte.
„Verpiss dich, Malfoy!“, donnerte Harry nun kopflos, zog seinen Zauberstab. Mit einem schnell aufgesagten Spruch, riss es Malfoy von den Füßen. Er und seine Leibgarde wurden aus der Türe gefegt, prallten gegen das nächste Zugabteil und rutschten dieses mit vor Schmerz verzogenem Gesicht hinab.
„Das wirst du mir noch büßen, Potter!“, giftete Draco wütend und rappelte sich hoch. Harry stand keuchend im Rahmen, zeigte noch immer mit dem Zauberstab auf Draco und seine Freunde.
„Das glaube ich weniger, Malfoy. Und wehe du belästigst mich noch einmal! Geh zurück zu deinen falschen Schlangen. Denn dort gehörst du hin.“, knurrte Harry vor unterdrückter Wut. Er zog seinen Zauberstab zurück, steckte ihn ein und schob mit Schwung die Türe zu. Neville war so geistesgegenwärtig, die Türe mit vielen Zaubern zu verschließen. Kraftlos sanken sie auf ihre Sitzgelegenheiten zurück und sahen sich ausdruckslos an.
„Für Malfoy ist das ein gefundenes Fressen.“, schlussfolgerte Harry, Neville blitzte wütend zur Türe.
„Ja, das ist es. Er wird uns damit nicht mehr in Ruhe lassen. Ob er Feste feierte, als er erfuhr, wer alles gestorben war?“, zischte Neville, Harry zuckte mit den Schultern.
„Höchstwahrscheinlich, Neville. Etwas anderes wäre von dieser fiesen Schlange nicht zu erwarten, glaube mir. Nur komisch, dass fast kein Schüler aus Slytherin sein Leben verlor. Und was sagt uns diese Tatsache?“, zischte Harry, Neville grinste spöttisch.
„Dass sie alle auf der Seite von Vo.. Voldemort stehen.“, antwortete er mutig, Harry nickte.
Den Rest der Fahrt wurden die beiden nicht mehr gestört und so unterhielten sie sich noch eine Weile. Ihr Gesprächsthema wechselte immer wieder, es tat gut sich miteinander aussprechen zu können. Sie waren die letzten Siebtklässler und das Band ihrer Freundschaft stärkte sich von Minute zu Minute mehr. Obwohl Neville immer wusste, dass Ron und Hermine an erster Stelle gestanden hatten, hatte Harry sich immer um ihn gekümmert. Er gab ihm niemals das Gefühl das fünfte Rad am Wagen zu sein. Das Schicksal wollte es so, dass sie enger zueinander fanden und sich vielleicht dadurch noch besser kennen lernten.
°°°°
Es ging bereits auf den Abend zu, da fuhr der Zug in Hogsmeade ein. Ein schriller Pfiff erklang, Harry und Neville waren bereits umgezogen. So schnell sie konnten, schnappten sie sich ihre Sachen und zwängten sich aus dem Zug. Sie versuchten standhaft zu sein, stark zu sein. Denn egal welchen Schritt sie auch taten, wie sie sich verhielten und in welcher Umgebung sie sich befanden – alles erinnerte sie an ihre Freunde. Harry ging durch den Kopf, das er suchen konnte wo er wollte – er würde sie nicht finden. Sie würden niemals wieder lachend auf ihn zustürmen, ihn umarmen und ihm auf die Nerven gehen.
Bei allen Mächten dieser Erde – es tat so weh, so verflucht weh. Der Schmerz schnürte seine Kehle zu, ließ ihn schwer Luft bekommen. Dieser verdammte Knoten im Hals wollte sich einfach nicht auflösen, Tränen wollten unbedingt über seine Wangen rollen. Doch Harry war stark, er musste da durch – alleine – oder aber auch mit Neville. Sein einziger Freund litt mindestens genauso wie er. Obwohl Harry engeren Kontakt zu den Verstorbenen gepflegt hatte, war Neville meistens mit von der Partie. Er ließ sich selten etwas entgegen und hatte sie ebenso gern gehabt wie Harry.
Neville und Harry zogen es vor, Hagrid aus dem Weg zu gehen, der schniefend die Erstklässler einsammelte und ihnen eine sehr traurige Geschichte erzählte. Er badete größtenteils in Selbstmitleid und schaffte es nicht, seine Beherrschung wieder zu erlangen. Immer und immer wieder schnäuzte er in sein Stofftaschentuch, schniefte und schluchzte. Harry und Neville konnten es sehr wohl verstehen, doch wären sie bei ihm, würden sie sich von seiner Trauer anstecken lassen.
Sie selber mussten sich schwer zusammenreißen, da auch schon einige Erstklässler zu heulen anfingen und größtenteils nicht einmal wussten, um was es ging. Die beiden Gryffindors setzten sich in eine halbvolle Kutsche, welche von Ravenclaws und Hufflepuffs besetzt war.
Mitleidige Blicke streiften die beiden, Harry und sein Schulfreund starrten eher aus dem Fenster. Sie konnten diese Blicke nicht mehr ertragen, denn sie halfen nicht bei der Bewältigung des Schmerzes. Wenn sie allerdings dachten, sie hätten es schon überstanden, dann irrten sie sich. Als sie in Hogwarts ankamen und zum Schloss gingen, verfolgten sie verschiedene Arten von Reaktionen.
Viele von ihnen taten ihr Mitleid kund, andere wiederum, beschimpften sie übelst, oder lachten sie einfach nur aus. Harry war die perfekte Zielscheibe und musste sich viel darüber anhören, dass alles seine Schuld wäre. Neville erkannte mit einem Seitenblick sofort, wie es um seinen Freund stand, der kalkweiß im Gesicht wurde und am ganzen Körper zitterte.
„Schon gut, Harry. Hör einfach nicht hin, ja?“, flüsterte er ihm leise zu, bedachte die gehässigen und vorlauten Schüler mit einem tödlichen Blick. Bei einigen wirkte er, bei den meisten jedoch nicht. Was Neville jedoch stutzig werden ließ, war die Tatsache, dass die Slytherins sich eher ruhig verhielten – allen voran ein grimmig drein sehender Draco Malfoy. Malfoy blähte wütend seine Nasenflügel auf und in seinen Augen tobte ein wilder Sturm. Neville schob es darauf, dass Draco vor Hass bald platzen würde – sein Vater wurde ja gefasst und nach Askaban verfrachtet. Seine Mutter lag im St. Mungos und Draco war somit Waise.
Neville blieb dicht an Harrys Seite, als sie in die Halle kamen und sich zu ihrem Tisch setzten. Harry seufzte, als er neben sich die leeren Plätze betrachtete. Er konnte nur froh sein, dass Neville bei ihm war, denn alleine hätte er es niemals durchgestanden. Wie in Watte gepackt, drang die Stimme von Dumbledore an sein Ohr. Er fing damit an, die Erstklässler zu begrüßen. Danach folgte die Häusereinteilung. Nachdem alle Schüler verteilt waren, erhob sich Dumbledore nochmals und bat die Schüler um Ruhe.
Er erklärte mit leiser und doch wirkungsvoller Stimme die Sachlage, die vielen der Neuen einen Schock versetzte. Anscheinend, so kam es Neville in den Sinn, hatten die Eltern alles getan, um sie im Ungewissen zu lassen. Albus Dumbledore, Leiter von Hogwarts, nahm sich niemals ein Blatt vor den Mund. Neville ließ seinen Blick schweifen, welcher beim Slytherintisch hängen blieb.
Bildete er es sich ein, oder starrten viele von ihnen Harry an? Oder vielleicht auch ihn? Neville fühlte sich unter den zahlreichen, eindringlichen Blicken äußerst unwohl und senkte den Kopf. Er war sich auch bewusst, dass die Verteilung der Schüler deshalb so schnell vollzogen war, da dieses Jahr viel weniger nach Hogwarts geschickt wurden. Während die Jahre zuvor die Halle am ersten Schultag meist aus den Nähten platzte, gab es dieses Jahr noch massig freie Plätze.
Harry starrte noch immer auf den Tisch, seine Gesichtsfarbe glich der eines Geistes. Jetzt las Dumbledore all die Personen vor, die bei der Schlacht gefallen waren. Harry zitterte immer mehr und Neville stand ihm um nichts nach. Als der Direktor nun berichtete, dass die meisten Opfer aus Gryffindor stammten, wünschte sich Harry weit weg. Erneut brannten Tränen in seinen Augen, ebenso war es bei Neville. Sie waren die einzigen männlichen Wesen der letzten Schulstufe, und dies sollte auch so bleiben. Harry glaubte nicht daran, dass Dean und Seamus es schaffen würden, ihre Eltern doch noch zu überzeugen.
Albus fuhr traurig damit fort, die Liste zu vervollständigen. Er bemerkte jedoch auch an, dass ohne Harrys Hilfe und Einsatz noch mehr Schüler ihr Leben verloren hätten. Harry hatte nicht nur viele der Schüler beschützt, sondern auch die Lehrer. Viele nickten ihm dankbar zu, doch Harrys Augen pinnten sich weiterhin auf den Tisch. Er merkte nicht einmal, dass seine Hände zu Fäusten geballt waren, man alle Emotionen sehr wohl in seinen Augen ablesen konnte.
Nicht nur Neville bemerkte dies, auch die restliche Schülerschaft. Albus Dumbledore machte eine kurze Pause, die die Schüler dazu nutzten, um miteinander zu tuscheln. Nicht wenige von ihnen warfen Harry verstohlene Blicke zu. Der Gryffindor war jedoch froh, als Dumbledore endlich in die Hände klatschte und das Essen erschien. Obwohl er keinen Hunger verspürte, schaufelte er das Essen mechanisch in sich hinein.
Iss Harry! Anständig! Sonst wird dir wieder schlecht! Hast du abgenommen? Es steht dir nicht, wenn du so dünn bist!
Harry lächelte leicht. Die Worte von Hermine, die er all die Jahre über gehört hatte, kamen ihm in den Sinn.
„Woran denkst du, Harry?“, wisperte Neville, beide saßen etwas abseits des Trubels ihres Hauses.
„Wieder einmal an Hermines Worte. Sie würde mich sicherlich tadeln.“, grinste Harry schief, trotzdem er einen leisen Schmerz im Herzen verspürte.
„Sie würde nicht nur mit dir schimpfen. Ron war derjenige, der beinahe alles verdrücken konnte. Erinnere dich an ihren Gesichtsausdruck, wenn er sich wieder einmal aufführte.“
Harry lächelte wieder, er nickte.
„Ja, das stimmt.“, krächzte er, Neville hielt lieber den Mund. Kaum, dass das Abendessen vorbei war, lief Harry eiligst Richtung Turm, Neville folgte sogleich. Atemlos blieben sie vor dem Portrait stehen, Gott sei Dank wussten sie das neue Passwort. Endlich im Schlafraum angekommen, blieben sie wie angewurzelt stehen. Ihr Blick wurde trübe, bei dem Gedanken, dass sie dort alleine schlafen mussten. Ihre Fantasie spielte ihnen Streiche, denn ein maulender Ron wollte seine Ruhe haben und warf Harry ein Kissen entgegen. Da es leider nicht der Wahrheit entsprach, flog das eingebildete Kissen durch Harry hindurch. Schnell schüttelte er seine Gedanken ab, auch Neville kämpfte mit sich.
„Packen wir aus.“, murmelte er müde, Harry brummte zustimmend. In stiller Zweisamkeit verstauten sie ihre Sachen im Gemeinschaftskasten – der jetzt so leer und übergroß wirkte. Harry hasste es immer und überall daran erinnert zu werden. Nach einer gemeinsamen Katzenwäsche im Badezimmer, beeilten sich die beiden so schnell wie nur möglich schlafen zu gehen. Harry war viel zu sehr mit sich selber beschäftigt, um zu erkennen, wie sehr Neville litt. Viel zu sehr in seinen Gedanken gefangen, um weiter zu erkennen, dass Neville sich leise in den Schlaf weinte.
Eine Woche ging ins Land – Harry und Neville brachten den Tagesablauf eher mechanisch hinter sich. Sie hörten nicht auf die Schüler, die sie noch immer beschimpften, ihnen die Schuld an allem gaben. Sie passten im Unterricht auf und sogen jede Information, in der Hoffnung auf Ablenkung, in sich auf. Nur bei den Hausaufgaben bliesen sie Trübsal, malten eher das Pergament voll, anstatt ihre Aufsätze zu schreiben.
Dieses Jahr hielten sie sich mehr im Gemeinschaftsraum auf, da sich dort viele ihrer Hausgenossen befanden, welche sie ein wenig ablenken konnten. Im Schlafraum hingegen, erdrückte sie die unangenehme Stille. Wenn sie glaubten, dass ihr Kummer und ihre Trauer verborgen blieben und sich niemand daran störte, so irrten sie sich. Es gab immer mehr Schüler die verstummten und sich für ihre gehässigen Worte schämten. Auch die Lehrerschaft machte sich langsam Sorgen und ein Teil von ihnen setzte sich eines Abends zusammen. Sie berieten sich, was mit Harry und Neville geschehen sollte, wie man ihnen helfen konnte. Für Neville fanden sie eine passende Lösung, doch bei Harry sah es anders aus.
Da er gleichzeitig ein schweres Schicksal trug, benötigte er jemanden, der ihn aus der Trauer riss, ihn aus dem Loch zog. Obwohl Dumbledore wusste, dass Harry Potter ihn dafür hassen würde, musste er diesen Schritt tun. Es gab nur zwei Möglichkeiten Harry zu helfen. Entweder man ließ ihn in Ruhe und er verlor immer mehr den Mut am Leben, oder man tat es auf die harte Tour und Harry bekam seinen Kampfgeist wieder zurück. Neville in allen Ehren, doch Harry brauchte jemanden, der ihn wieder „aufweckte.“
„Die Entscheidung ist gefallen, liebe Kollegen. Mögen uns die beiden Jungen vergeben.“, meinte Dumbledore müde, rieb sich die Stirn. Snape schnaubte, Minerva sah Albus ein wenig skeptisch an.
„Albus, bist du dir sicher, dass es die richtige Entscheidung ist?“, legte sie den Kopf schief, wirkte bei ihrer Aussage mehr als erschüttert.
„Ja, ich bin mir ziemlich sicher, Minerva. Es geht nicht anders. Ich kann nur hoffen, dass Harry es eines Tages verstehen wird.“, seufzte er schwermütig und erhob sich.
„Die Sitzung ist für heute beendet. Morgen will ich Harry und Neville gleich in der Früh in meinem Büro sehen.“, gab er die Anweisung, Minerva und Severus erhoben sich. Severus Gesicht zeigte eindeutig, was er von dieser Sache hielt. Er verzog angewidert sein Gesicht, machte kehrt und rauschte, ohne ein Wort zu sagen, mit wehendem Umhang, ab.
„Oh Albus. Ich weiß nicht.“, seufzte Minerva, schüttelte den Kopf, nickte ihm zu und verschwand ebenso. Albus sah ihr lange nach, starrte auf die Türe, die sich vor seinen Augen schloss.
„Merlin stehe uns allen bei.“, murmelte er und verließ sein Büro.
°°°
Der nächste Morgen kam schneller als erwartet, Harry blinzelte einige Male. Zufrieden, sich noch nicht der Realität stellend, kuschelte er sich ins Bett und schmatzte.
„Harry! Aufstehen!“, donnerte Neville los, Harry saß senkrecht im Bett.
„Verdammt, Neville! Du machst Ron ganz schön Konkurrenz!“, haspelte er mit Herzrasen los, Neville fing zu lachen an.
„Na das hoffe ich doch! Immerhin muss jemand den Ton so hart anschlagen! Ansonsten würde man dich nicht aus dem Bett bekommen!“, schüttelte er den Kopf und machte sich auf den Weg ins Badezimmer. Harry gähnte ausgiebig, verdrängte die Erinnerungen und versuchte nicht zu den leeren Betten zu sehen. Mit Schwung sprang er aus dem Bett, folgte Neville. Eine ausgiebige Dusche später waren beide fertig, zogen sich an und machten sich auf den Weg zur großen Halle. Als sie gerade den Gemeinschaftsraum durchquerten, kam ihnen Minerva Mc Gonagall entgegen.
Sie wirkte alles andere als glücklich, ehe sie vor ihnen stehen blieb und einen nach den anderen ansah.
„Mister Potter? Mister Longbottom? Nach dem Essen will Professor Dumbledore Sie in seinem Büro sprechen. Es ist sehr wichtig. Das Passwort lautet Schokokuchen. Guten Tag, die Herren.“, verabschiedete sie sich hastig, Harry und Neville sahen sich Schulter zuckend an.
„Was Dumbledore bloß von uns will?“, fragte sich Neville laut, Harry hatte keine Ahnung. So sprachen sie über Gott und die Welt, setzten sich an ihren Tisch und nahmen das Frühstück zu sich. Wie es auch gestern schon der Fall war, wurden sie auch heute kritisch beäugt, besonders von den Slytherins. Harry schauderte, versuchte nicht zu dessen Tisch zu sehen und aß einfach weiter. Als sie fertig waren, standen sie auf, machten sich sofort auf den Weg zu Dumbledore.
°°°°
„Ah! Harry! Neville! Kommt nur herein!“, freute sich Albus Dumbledore, als die beiden Jungs eintraten und Harry die Türe ins Schloss drückte. Einen Augenblick später zauberte Dumbledore Stühle herbei und wies sie an sich zu setzen.
„Professor?“, fragte Harry sogleich, Dumbledore räusperte sich und nahm hinter seinem Schreibtisch Platz. Neville sah kurz zu Harry, dann wieder zu Dumbledore.
„Nun, ich habe euch aus einem guten Grund zu mir geordert.“, fing er leise zu sprechen an, sah beide offen und ehrlich an.
„Uns allen blieb nicht verborgen, wie schlecht es um euch steht. Wir können den Schmerz und die Trauer verstehen und wollen euch gerne helfen.“, fuhr er fort, Harry und Neville nickten brav.
„Was nun kommt, wird für euch schwer zu verstehen sein. Glaubt mir, es geht nicht anders. Alles hat seinen Grund, auch meine Entscheidung. Ich tue es nicht, damit ich euch noch mehr Leid aussetze, sondern um euch zu helfen. Es könnte durchaus der Fall sein, dass ihr die Beweggründe meines Handelns erst später verstehen werdet. Die Erinnerungen an eure verstorbenen Klassenkammeraden holen euch immer wieder ein. Es ist sicherlich nicht leicht mit dem Verlust umzugehen, habe ich Recht?“, fragte er sie sanft, beide nickten.
„Aus diesem Grund habe ich folgendes beschlossen: Neville? Du wirst in den Schlafsaal der Sechstklässler umziehen. Und du, Harry, wirst ab sofort zu den Slytherins wechseln.“ Dumbledore hielt inne, um seine Aussage wirken zu lassen. Während Neville nach Luft schnappte, wurde Harry erstmals rot vor Zorn, danach weiß wie die Wand.
„WIE BITTE? ABER PROFESSOR!“, regte sich Harry auf, sprang hoch und ballte seine Hände zu Fäusten.
„Das können Sie doch nicht tun!“, kreischte er panisch los, Dumbledore seufzte.
„Doch, das kann ich. Mein Entschluss steht fest. Harry, ich hatte viel Zeit, um darüber nachzudenken. Glaube mir, es wäre das Beste für dich.“
„DAS BESTE FÜR MICH?“, rief Harry wutentbrannt aus, knirschte mit den Zähnen.
„Sie wollen mich zu den Schlangen stecken! Was soll daran gut sein? Sie wissen genauso gut wie ich, dass die Slytherins größtenteils Voldemort dienen und…“, rief Harry weiterhin aus, Dumbledore erhob die Hand.
„Das ist ein Irrglaube, Harry! Nichts dergleichen ist wahr! Du wirst dich bald selbst davon überzeugen können, dass dem nicht so ist!“, sprach Dumbledore bestimmt, Harry sank ergeben auf seinen Stuhl.
„Aber die hassen mich!“, wimmerte er los, Dumbledore seufzte.
„Nein, das tun sie nicht. Das kann ich einfach nicht glauben.“, beteuerte Dumbledore mit verstehendem Blick.
„Sie werden mich zerfleischen! Ich hatte mich gegen Voldemort gestellt! Viele Eltern dieser Schüler werden ihre Kinder darauf ansetzen, mir das Leben zur Hölle zu machen!“, zischte Harry abermals los, Dumbledore rieb sich die Stirn.
„Nein, dafür haben wir vorgesorgt. Du stehst unter dem persönlichen Schutz von Professor Snape und…“
„PAH! Natürlich! Snape wird auf mich aufpassen, sicherlich.“, meinte er säuerlich, verschränkte seine Hände vor der Brust und schnaubte.
„Es heißt noch immer Professor Snape, Harry! Und ja, ich habe sein Wort darauf!“, teilte ihm Dumbledore ungerührt mit, doch Harry hatte kein Einsehen. Dumbledore wusste, dass die Schlangen die Erzfeinde der Gryffindors waren! Wollte er ihn in den sicheren Tod schicken? Wieso half Dumbledore ihm nicht? Wieso fiel er ihm einfach so in den Rücken? Harry fühlte sich verarscht, ausgenutzt, abgeschoben. Verzweiflung überkam sein Herz, verbittert senkte er den Kopf.
„Kann Neville nicht mitkommen?“, versuchte er es leiser, Dumbledore schüttelte den Kopf.
„Nein, Harry. Neville hatte nicht, wie du, die Chance zwischen zwei Häusern zu wählen. Es tut mir Leid, Harry. Neville? Du kannst gehen. Bitte packe deine Sachen und ziehe um. Du bist für die erste Unterrichtsstunde entschuldigt. Ein Bett steht für dich schon bereit. Falls es euch etwas hilft, habt ihr noch immer die Möglichkeit euch zu treffen, euch zu unterhalten. Wenn es sein muss, erlaube ich auch die Kommunikation durch den Kamin.“
Neville stand erschüttert auf, legte eine Hand auf Harrys Schulter und sah ihn traurig an.
„Du packst das schon, Kumpel. Egal was passiert, wir sind für immer Freunde. Wenn etwas sein sollte, kannst du dich immer an mich wenden. Ich bin nicht aus der Welt, Harry.“ Beinahe mechanisch drehte er sich um und ging aus Albus Büro. Harry hasste Dumbledore in diesem Moment mehr als Voldemort, denn er verstand die Notwendigkeit dahinter nicht. Er konnte sich schon denken, wie gut er aufgenommen werden würde. Als die Türe hinter Neville ins Schloss fiel, umschritt Albus seinen Schreibtisch und blieb vor Harry stehen.
„Harry… Ich bitte dich.. Glaube mir, ich will dir nichts Schlechtes. Eines Tages wirst du verstehen, wieso ich dich nach Slytherin schicke. Nimm dein Schicksal an, sehe das Gute darin und mache etwas daraus.“, wies er ihn an, legte seine Hand auf seine Schulter. Harry zuckte zusammen, entzog ihm die Schulter und stand steif auf.
„Wie Sie wünschen, Professor.“, erwiderte er kalt, drehte sich um und wollte soeben gehen.
„Ach, Harry? Eines noch.“ Harry blieb, mit dem Rücken zu ihm, stehen, zählte gedanklich bis zehn.
„Professor Snape erwartet dich in diesem Moment. Deine Sachen sind bereits nach Slytherin gebracht worden. Sollte es Schwierigkeiten geben, werde ich immer für dich da sein.“
„Danke, Professor. Allerdings werde ich Ihre Hilfe sicherlich nicht mehr in Anspruch nehmen.“, triefte seine Stimme vor Spott, Albus seufzte. Harry sagte kein Wort mehr, ging mit schnellen Schritten auf die Türe zu und knallte sie hinter sich ins Schloss. Albus seufzte und schüttelte den Kopf. Er konnte nur hoffen, dass dieser Schritt auch den gewünschten Erfolg erzielen würde.
°°°°
Als Harry Richtung Kerker schritt, sämtliche Schüler wutschnaubend aus dem Weg stieß, war ihm noch nicht bewusst, dass er bereits die Kleidung der Schlangen trug. Dumbledore hatte sie umgezaubert, als Harry ihm den Rücken zuwandte. Harry war noch nie so wütend gewesen, wie in diesem Augenblick. Endlich im Kerker angekommen, wartete Snape bereits vor dem Portrait.
„Mister Potter, wie angenehm.“, schnarrte er mit öliger Stimme und betrachtete Harry mit einem abschätzenden Blick.
„Nicht meinerseits.“, zischte Harry angewidert, starrte an Snape vorbei.
„Hüten Sie Ihre Zunge, Potter.“, knurrte Snape, zog scharf die Luft ein.
„Ab nun sind Sie ein Mitglied meines Hauses. Ich erlaube keinen Verstoß gegen die Regeln! Haben wir uns da verstanden, Potter? Sie werden lernen und artig Hausaufgaben machen, wie es jeder Schüler meines Hauses tut. Seien Sie sich gewiss, dass ich Sie beobachten werde, Potter.“, zischte er ungemütlich, Harry schnaubte.
„Natürlich, Sir.“, erwiderte Harry desinteressiert, Snape betrachtete ihn mit einem arroganten Gesichtsausdruck.
„Das Passwort lautet: Schlangenzunge. Folgen Sie mir, Potter.“
Harry schaltete alles an Emotionen ab, denn jetzt hieß es, sich mutig von der Löwenhöhle in die Schlangegrube zu stürzen. Merlin stehe ihm bei.
TBC….
Und? Was sagt ihr dazu? Sehr schlimm? Fandet ihr es okay? Ich habe versucht die Trauer verständlich zu machen und hoffe, dass ich mit diesem Chap nicht über- oder untertrieben habe. Es ist schwer über Trauer zu schreiben, das gebe ich gerne zu. Ich hoffe doch sehr auf Kommis und würde mich freuen, euch beim nächsten Teil wieder zu lesen!
Bussis an euch!
Eure gugi und darkgugi (die noch ein wenig warten muss)
@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@@
Oh scheiße! *lach* Ich bekomme auf ein Vorwort Kommis? Na wie geil ist das denn? *kreisch*
Danke, Leute! *euch anstrahl* Da ich ein wenig Zeit habe, dachte ich mir, ich beantworte die gleich einmal! *zwinker*
@mad-cat: Danke sehr! Ich freue mich, dass du wieder hier bist! Ich bin Minuten vor dem Summary gesessen und wusste nicht, was ich interessantes schreiben soll, damit jeder Gusto bekommt. Ja, es wird auch interessant, das kann ich dir garantieren! Und anders, als du bisher gelesen hast! *teuflisch grins* Du weißt sicherlich, ich schaue immer darauf, bei gleichen Themen trotzdem anders zu schreiben. Ich will mich ja, wenn ich es schaffe, von anderen unterscheiden. Danke für dein Vertrauen! Dickes Knuddel.
@Vanilla-Ice: Sorry, Mad war schneller! Cool, du bist auch hier! Geil! Danke sehr! Ich gebe mir auch so Mühe, auch wenn es nur Vorworte sind. Ich hoffe doch sehr, dass es interessant wird, denn ich habe mir schon so viel zusammengeschrieben. Werde mich besonders auf Magie und Mystik verstärken. Mann, ich freue mich schon so darauf! Genau, steh Harry bei, er wird dich gerne sehen wollen! Ja! Bin ja schon da! *lach* Dickes Bussi, Kleines!
@Sweetbunny: Na dann hoffe ich, mein Schatz, dass dich dein Riecher nicht verlässt! Gut, du hast schon einiges von mir gelesen, du kennst mich zu gut. Nein, ich lade gleich hoch, sobald ich mit der Beantwortung fertig bin. Hab dich auch lieb! Bussis!
@jasmin: *lach* Geil! Ehrlich! Du sagtest mir doch vor kurzem, das du nicht so oft kannst, gell? Und jetzt schleichst du dich sogar an Papas PC ran, damit du meine Storys lesen kannst? Na das nenne ich Abhängigkeit! Danke! Das ehrt mich voll! Und ja, du bist schneller als die anderen gewesen! Respekt! Die werden sich vielleicht in den Arsch beißen, was? Hehe.
@DarkSarina: Das hoffe ich doch! Ich will dich ja neugierig machen, Kleines! Gut, wenn ich dein Wort als Slytherin habe, dann bin ich ja froh! Ich hoffe, dass ich dich mit meiner Story zufrieden stellen kann. Anfangs muss man Nerven beweisen, aber du kennst mich – ohne dass es gut ausgeht, geht’s einfach nicht! Ich kann ja nicht anders! *lach* Bin zu gutmütig. Na dann wünsche ich dir viel Spaß dabei! Es macht mich ungemein stolz, dass ich deine Lieblingsautorin bin! So süß von dir! *dich abknuddel* Danke sehr!! BUSSI
@Draco1990: Na das hoffe ich! Vielleicht kann ich dich ja mit dieser Story auch fesseln. Ich wünsche es mir sehr. Mal sehen, ob ich es schaffe! Bis dann! *knuddel*
@Yuna20: Hm, ich weiß sehr wohl was du meinst. Ich mag solche Storys auch eher selten, weil ich zu sehr mit Harry mitleide. Aber weißt du was ich so geil von dir finde? Du gibst mir tatsächlich die Chance mich dir zu beweisen. Und ich bin so was von happy darüber! Danke für dein Vertrauen! Ich kann dir jedoch etwas beichten: Anfangs wird es hart sein, aber dann wird sich einiges ändern und es wird wieder seichter. Anfangs ist es Drama, aber dann wird es Mystik, Humor und Romanze. Und es wird sich anders entwickeln, als du vielleicht je gelesen hast. Zumindest habe ich es hier noch nie gelesen. Sag mir bitte, ob ich dich überzeugen konnte, ja? Das ist toll von dir! *mich so freu*
@Eftelya: Na das finde ich ja megageil, dass du dich so freust! Das kann echt was! Ich weiß, es klingt ja voll heftig und ich kann dir sagen, dass du die ersten Chaps durchhalten musst. So heftig wird es auch nicht, die Hoffnung ist immer zu lesen. Du wirst danach zufrieden sein, da bin ich mir sicher. Nein, Blaise lebt, den kann ich doch nicht sterben lassen! *lach* Na mal sehen, was du zu diesem Chap sagst.. Dickes Knuddel!
So ihr Süßen! Ich hoffe, es hat euch gefallen!
Ich danke euch vielmals für die Kommis!
Eure gugi
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