■
Teil eins
||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
| von gugi28 erstellt: 13.06.2006 letztes Update: 13.06.2006 Romanze / P18 Slash (fertiggestellt, keine anonymen Reviews) | 136 Reviews |
The Devils Dirty Dancing – oneshot
By gugi28
@@@@@@
Disclaimer: Mir gehört leider nichts, ich verdiene damit auch kein Geld *um Almosen bitten muss* Die wunderbaren Charaktere gehören einzig und alleine JKR! Ich borge sie mir aus und gebe sie danach artig wieder zurück!
Genre: Romantik, Kitschgefahr!
Pairing: Harry/Draco, eventuell sind die beiden OOC!
Hauptcharas: Harry, Draco, Familie Dursley (ebenso OOC), Dumbledore, Hermine, Ron, Samantha (Eigencharakter), Blaise, Pansy und Justin
Rating: Slash R18, Lemon! Warnung: Nur für User über 18 Jahre!
Länge: saulang – 37 Seiten (nehmt euch Zeit zum Lesen!) Deshalb auf zwei Teile aufgeteilt!
Inhalt: Dumbledore legte Harry, nach Beendigung des siebten Jahres, noch eine einzige Bitte nahe: Harry sollte ein erstes und ein letztes Mal Urlaub mit seinen Verwandten machen. Und obwohl Harry sich sträubte, stimmte er letztendlich zu. Denn er wusste, dass der Schulleiter dies nicht ohne Grund von ihm verlangte. Und als sie auf einer sehr schönen, jedoch abgelegenen Insel ankommen, wird Harrys Leben gründlich auf den Kopf gestellt. Und zwar in einer sehr schönen, erotischen Art und Weise…
Anmerkung der Autorin: Ihr kennt alle den Film Dirty Dancing? Ja? Nun, diese Kurzgeschichte wird einiges davon beinhalten, jedoch nicht direkt nicht danach handeln. Ich gehe hier nicht nach den Büchern von JKR!
Beta: Jathy! Danke mein Herz!
Und nun: viel Spaß beim Lesen!
Eure für immer – gugi und darkgugi!
P.s. Dachte, ich lade ihn heute schon hoch, damit ihr euch wenigstens freut…
@@@@@@
The Devils Dirty Dancing
„Ich soll was bitte?!“ Harry traute seinen Ohren nicht, als er die letzten Worte seines, nun ehemaligen, Schulleiters vernahm. Nichts ahnend war er ihm gefolgt, als dieser um eine letzte Unterredung bat, während die Schüler teils lachend, teils weinend, ihre Sachen zusammenpackten. Das Schuljahr war zu Ende, Voldemort endlich besiegt und beinahe alle hatten den Abschluss bestanden.
„Aber Harry! So beruhige dich doch bitte“, erhob sich Albus Dumbledore aus seinem Schreibtischstuhl, während sein ehemaliger Schüler ihn fassungslos anstarrte.
„Bei allem Respekt, Sir, aber…“, schüttelte Harry eingehend den Kopf. Schließlich wanderte er fassungslos im Raum des Schulleiters auf und ab, murmelte immer wieder etwas vor sich hin und konnte die letzte Bitte, seitens seines Mentors, einfach nicht verstehen. Albus schmunzelte ein klein wenig, während er den Tisch umrundete und Harrys mühsam unterdrückte Wut durchaus wahrnehmen konnte.
„Ich weiß, Harry, das mag ein Schock für dich sein. Aber ich wünsche es so. Natürlich musst du es nicht machen, aber es wäre nur zu deinem Vorteil“, sprach Albus Dumbledore weiter, Harry blieb ruckartig stehen und blitzte sein Vorbild an.
„Zu meinem… Zu meinem Vorteil? Aber Sir! Das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Ich werde niemals mit meinen so genannten Verwandten in den Urlaub fahren! Da kann ich gleich Selbstmord begehen!“ zischte Harry leidenschaftlich, Albus Augen funkelten. Kurzzeitig entstand Stille, Harry kehrte ihm den Rücken zu, ehe er weiter sprach.
„Wie- Wieso? Ich verstehe Ihre Bitte nicht.“ Harry beruhigte sich endlich wieder, stapfte zum Couchsessel und ließ sich erschöpft und wie ein nasser Sack darauf nieder. Nachdenklich blickte er in die tanzenden Flammen, während Dumbledore näher kam, sich in aller Ruhe ihm gegenüber setzte. Wachsame Augen huschten über den hübschen Jungen, den er, seit er ihn kannte, wie einen Augapfel behütete. Nun, nicht immer hatte er es geschafft, aber er hatte sich Mühe gegeben.
„Nun, Harry, ich habe durchaus meine Gründe. Wie schon vorhin erwähnt, musst du es nicht tun. Ich würde es mir nur wünschen“, äußerte er sich erneut, Harrys Augen wanderten zu seinem Gegenüber.
„Und welche Gründe wären das? Sir, Sie wissen, wie wichtig ich dieser Familie bin! Wie sie mich behandelten und…“ Albus fiel in sich zusammen, sah auf einmal ziemlich traurig aus. Harry stutzte, während Albus sich leise räusperte.
„Weißt du, Harry… Ich hatte auch einmal eine Familie und wir verstanden uns nicht besonders gut. Mein Bruder… Ich wurde von Sturheit und Verbitterung geleitet und während ich älter wurde, verabsäumte ich die Gelegenheit, mich mit ihnen, besonders mit Alberforth, auszusprechen. Ich möchte dir einfach nur eine Chance geben, dich mit ihnen auszusöhnen. Ja, Harry, mir ist durchaus bewusst, dass du dich nie gut mit ihnen verstanden hattest, sie dich selten bis nie mit Respekt behandelten. Doch seit zwei Jahren schon, kannst du dies nicht mehr behaupten…“
„Natürlich! Alles nur, weil Alastor Moody ihnen gut zuredete, ich verstehe!“ unterbrach Harry ihn bitter, abermals starrte er in die Flammen.
„Ja, diese Maßnahmen waren notwendig, da sie dich, meinem Erachten nach, sehr schlecht behandelten. Doch seit dem nicht mehr, habe ich Recht? Soweit ich mich erinnere, erzähltest du mir doch, dass sie sogar freundlich zu dir wären, dir ab und zu auch entgegenkamen, wenn es um Wünsche und Erledigungen ging. Ich weiß, es hört sich nicht überzeugend an, trotz allem wäre ein Urlaub mit ihnen nicht verkehrt.“
„Ja, Urlaub wäre schon wunderbar, doch nicht mit den Dursleys!“ begehrte Harry abermals auf, auf einmal musterte er sein Gegenüber und hielt kurzzeitig inne.
„Was steckt noch hinter ihrem Wunsch, Professor?“ Der schwarzhaarige, junge Mann kniff die Augen zusammen, Dumbledore fühlte sich ein wenig ertappt.
„Nun, dies sollte eine Überraschung werden. Du weißt, ich tue nichts, wenn es nicht seinen Grund hat. Natürlich musst du nicht mit ihnen unterwegs sein, wenn ihr euer Ziel erreicht. Du kannst dich frei bewegen, tun und lassen was du willst. Im schlimmsten Fall kannst du es so ansehen, dass du nur die Hin- und Rückfahrt mit ihnen verbringen musst.“ Dumbledore versuchte sich nichts anmerken zu lassen, doch um Harrys Mund legte sich ein kleines Schmunzeln.
„Ach ja? Eine Überraschung? Ich weiß nicht, Professor, aber ich traue Ihnen nicht über den Weg. Ja, es stimmt, die Dursleys verhalten sich anders mir gegenüber, seit dem Treffen mit Alastor. Dennoch bin ich vorsichtig, das wissen Sie!“ Albus nickte nur und wartete einfach ab. Hoffentlich würde Harry ja sagen!
„Sie wissen, in welchem Muster ich gestrickt bin, nicht wahr? Sie wissen ebenso, dass ich neugierig bin und unbedingt erfahren will, was Sie mit dieser Aktion bezwecken!“ Harry grinste.
„Ja! Darauf hatte ich gesetzt!“ gluckste Albus wie ein ertappter Junge, Harry rollte mit den Augen. Sekunden des Schweigens vergingen, Harry kaute auf seiner Lippe herum und dachte angestrengt nach.
„In Ordnung! Ich werde es tun! Aber nur, weil Sie mich darum bitten! Nach diesem Urlaub setze ich mich wieder mit Ihnen in Verbindung… Und wenn mein Urlaub nicht so verläuft, wie ich es mir wünsche, dann…“
„Schon gut, schon gut! Du wirst sehen, es wird alles zu deiner Zufriedenheit ablaufen!“ unterbrach ihn Albus freudig. Eilig stand er auf, schritt auf den Tisch zu und fischte nach einem kleinen Krug. Danach wurde eine Lade aufgezogen, ein Brief kam zum Vorschein. Mit strahlendem Gesichtsausdruck erreichte er ein weiteres Mal den Sitzenden, übergab ihm beides.
„Hier, Harry. Der Krug ist ein Portschlüssel. Bitte sei so nett und übergib deinen Verwandten diesen Brief. Ich werde dir allerdings nicht verraten, wohin es gehen wird, doch wird es dir gefallen! Ich wünsche dir einen schönen Urlaub und erwarte danach Eulenpost von dir! Oh! Schon so spät? Entschuldige bitte, leider habe ich noch etwas zu tun! Und du, Harry, solltest deinen Zug nicht verpassen!“
°°°°
Etwas perplex stand Harry vor der Türe zum Schulleiterbüro. So schnell war er noch nie abserviert worden! Wieso hatte es Albus auf einmal so eilig gehabt? Hatte ihn die Befürchtung geplagt, dass Harry es sich doch anders überlegen könnte? Der Schwarzhaarige schmunzelte, er stieg abwesend die Treppen hinab, trabte den Gang entlang und fragte sich immer wieder, wieso zum Henker er mit seinen Verwandten in den Urlaub fahren sollte? Und weshalb – beim Barte Merlin – hatte er ja gesagt? Neugierig wie er war, öffnete er den Brief, faltete das Papier auseinander und begann zu lesen.
°°°°
Albus Dumbledore stand vor dem Fenster und blickte in die Ferne. Ein unmerkliches Lächeln legte sich auf seine Lippen, ein Glucksen erklang.
„Ach Harry. Lass dir von einem alten Kauz helfen, der dir nur den Weg zum Glück zeigen will. Auf deiner Reise wirst du mehr gewinnen, als du schon besitzt.“ Oh ja, der Schulleiter von Hogwarts bestand meist aus Rätseln, nur er selber wusste die Antwort – seine Augen verrieten diese.
°°°°
„TANZEN?!“ Harrys Stimme hallte im Gang wider, sein Mund stand weit offen, Augen fuhren immer wieder die Zeilen ab.
„Die Dursleys und TANZEN? Himmel, wenn Vernon schon Probleme damit hat, einen Fuß vor den anderen zu setzen, wie soll er denn bitteschön tanzen lernen?“ Harry konnte es noch immer nicht fassen, wurde allerdings in seinen Gedankengängen unterbrochen.
„Harry! Beeil dich! Die Kutschen fahren bald ab!“ Harrys Kopf sauste in die Höhe, sein Grinsen wurde breiter. Hermine und Ron winkten ihm zu, der Schwarzhaarige lief den beiden entgegen.
„Leute! Ich muss euch etwas erzählen!“ lachte er, glaubte es noch immer nicht. Und während Hermine sich strahlend bei ihm einhing, klopfte ihm Ron zufrieden auf die Schulter. Tratschend machten sich die letzten und ehemaligen Schüler auf den Weg zu den Kutschen, während Harry den Brief an seine Freunde weiterreichte, damit sie Vermutungen aufstellen konnten.
°°°°
Leise Bitterkeit durchzog sein Herz, ebenso Schmerz. Hogwarts war immer sein Zuhause gewesen – und was passierte nun? Wie würde es jetzt werden? Sicher war: Er würde in das Haus seiner Eltern ziehen und es neu einrichten – und darauf freute er sich schon! Harry war frei, würde demnächst im Ministerium als Auror anfangen können – ebenso Ron. Wenigstens würde der Kontakt nicht abbrechen, dies war ihm sehr wichtig. Er würde seine lieb gewonnenen Freunde durchaus vermissen, wollte sie nicht mehr hergeben.
Während der Zug über die Gusseisen ratterte, die Insassen der Abteile durchgerüttelt wurden, hing Harry seinen Gedanken nach – Hermine und Ron küssten sich gerade zärtlich. Wehmütig verfolgte der Schwarzhaarige diesen Kuss, so gerne hätte auch er eine Beziehung! Wäre da nur nicht Voldemort gewesen! Dieser hatte einfach nicht aufgegeben, bis Harry es endlich geschafft hatte, ihn zur Strecke zu bringen – er war tot. Für immer und ewig. Gerade weil er sich im letzten Schuljahr auf den Kampf vorbereiten musste, blieb ihm keine Zeit eine Beziehung zu führen. Ginny war die Letzte gewesen, die so nahe an ihn herangekommen war. Seit dieser letzten Beziehung verflog die Zeit: Gespickt von der Erlernung des Kampfes und den Vorbereitungen für die Abschlussprüfung.
Und jetzt? Jetzt wurde er in wenigen Wochen 18 Jahre alt und hatte bisher noch nie Sex gehabt. Wie peinlich! Hermine und Ron hatten alle Register gezogen, ihren Freund an eine sehr nette, junge Dame zu bringen, doch Harry hatte keine Lust darauf gehabt. Vielleicht auch, weil ihm bewusst wurde, dass es kein Mädchen an dieser Schule gab, das ihn reizen konnte? Während Ron nicht verstand, wieso Harry bei solch hübschen Mädchen nein sagen konnte, murrte Hermine eifersüchtig. Wenigstens hatten die beiden danach zueinander gefunden, als auch Ron endlich schnallte, dass Hermine von Eifersucht geplagt wurde. Er wollte sie davon erlösen und wisperte ihr nur zu gerne ins Ohr, dass sie die Schönste aller Frauen sei. So schwer war er noch nie verliebt gewesen und Harry freute sich für die beiden!
Gedankenlos starrte er in den Gang hinaus, als ein blonder Schopf kurz auftauchte, gleich wieder verschwand: Malfoy. Harry seufzte und dachte an ihre gemeinsame Zeit zurück. Seit dem Malfoys Eltern in Askaban saßen, der dunkle Lord tot war, hatte sich der Blonde eher zurückgezogen, ließ Harry in Ruhe. Und irgendwie fehlte es Harry, sich mit dem Blonden streiten zu können. Was er wohl nun vorhatte, nachdem das Schuljahr vorbei war und er endlich richtig leben konnte? Die Gerüchte, nach Voldemorts Tod, beherrschten die Schule. Eines handelte davon, dass der Malfoyerbe durchaus erleichtert darüber war, dass er kein Todesser werden musste. Allerdings gab es auch ein weiteres Gerücht, welches vom Gegenteil sprach. Harry bekam nie die Wahrheit heraus. Ja, auch Malfoy würde ihm fehlen – irgendwie.
°°°°
„Kumpel? Du willst das wirklich durchziehen? Wirklich jetzt? Boah, Alter, ich kapier nicht wieso! Aber wenn du zurück bist, dann musst du dich unbedingt bei uns melden!“ Ron stand direkt vor ihm, Hermine lehnte sich in dessen Umarmung hinein und Harry schmunzelte. Die drei befanden sich am Bahnsteig, sie waren angekommen. Trennungen fielen Harry immer schwer, doch diesmal war es anders. Er würde sie wieder sehen, nur darauf kam es an. Seamus, Dean und Neville, ebenso Ginny – sie alle hatten sich schon verabschiedet und ihm versprochen, auf jeden Fall in Kontakt mit ihm zu bleiben. Und Harry glaubte ihnen.
„Tja, weißt du Ron…“, fing Harry an, „Dumbledore führt etwas im Schilde! Dessen bin ich mir ganz sicher! Ja, ich freue mich auch nicht darauf, mit den Dursleys in den Urlaub zu fahren, aber du kennst mich ja! Ich bin nun mal neugierig! Sobald ich wieder zurück bin, werde ich euch schreiben, in Ordnung? Dann kommt ihr mich besuchen und wir reden über alles. Einverstanden?“
„Das klingt gut, Harry. Wir werden dich sehr vermissen.“ Hermine, die vormals gelächelt hatte, wurde ernst und löste sich aus der Umarmung. Langsam näherte sie sich ihrem besten Freund, umarmte ihn und drückte ihn fest an sich.
„Ich werde euch auch vermissen, schrecklich vermissen“, nuschelte Harry in ihre Locken, schloss dabei die Augen und erwiderte die Umarmung. Eine zweite gesellte sich dazu, Ron kuschelte geradezu mit ihnen. Die drei fingen gleichzeitig zu lachen an, lösten sich und sahen sich leicht verlegen an.
„Gut, Kumpel. Wenn sie Ärger machen sollten, sag uns Bescheid, okay?“ mahnte Ron, Harry lachte auf.
„Natürlich werde ich das tun! Allerdings darf ich nun zaubern und mein Zauberstab reist selbstverständlich mit mir“, zwinkerte er, Hermine schüttelte belustigt den Kopf.
„Was sonst“, erwiderte sie verschmitzt, Ron nickte zufrieden.
„Na dann? Ich wünsche dir einen schönen Urlaub und komm gut erholt wieder nach Hause.“ Auch Ron umarmte Harry nochmals, drückte ihn fest an sich und ließ ihn spüren, wie tief ihre Freundschaft sie verband. Als sie sich lösten, ließ Harry seinen Blick über die schwatzenden, an Ort und Stelle stehenden Schüler wandern, die gerade ihre Eltern oder Bekannten herzlich begrüßten. Gedanklich verabschiedete er sich von jedem einzelnen, ehe ihm Malfoy ins Auge stach.
Er und Blaise Zabini standen etwas abseits und beobachteten das Treiben, ehe eine schöne und etwas ältere Frau auf die beiden Jungen zukam, Blaise herzlich umarmte.
„Ist das die Mutter von Zabini?“ Ron riss die Augen auf, Harry nickte.
„Sieht wohl so aus“, meinte Harry nachdenklich, er beobachtete weiter. Die Umarmung wurde gelöst, Miss Zabini schüttelte Draco freundschaftlich die Hand. Anscheinend erzählte Blaise gerade etwas lustiges, denn seine Mutter lachte hell auf und nickte nur. Sekunden später verschwand sie in der Menge, die beiden Jungen blieben noch stehen.
Plötzlich trafen sich die Blicke von Harry und Draco, hingen ineinander fest – die Zeit stand für Sekunden still. Harry riss die Augen auf, als Draco ihm unmerklich zunickte, kein Hass oder Abscheu in seinen Augen zu erkennen war. Menschenmassen schoben sich vor Harry, der Blickkontakt wurde unterbrochen. Fluchend reckte Harry seinen Hals und versuchte dabei den Blonden nochmals zu finden. Und als die Sicht wieder frei war, waren beide Jungen verschwunden und hinterließen ein leeres Fleckchen Bahnsteig.
°°°°
„Wir sollen gemeinsam in den Urlaub fahren?“ Vernon riss Harry den Brief aus der Hand, überflog nicht glaubend die Zeilen und fühlte sich irgendwie überfordert. Abwartend musterte der ehemalige Gryffindor seinen Onkel, der schwer am Überlegen war.
„Tanzen?“ Petunia gesellte sich zu ihm, nahm den Brief an sich und las leise vor. Harry verschränkte die Arme vor der Brust und wartete einfach ab, während Petunia zu strahlen begann. Harrys Blick huschte von Vernon zu Petunia.
„Aber Liebling! Tanzen! Wir waren schon so lange nicht mehr tanzen!“ begehrte sie auf, Vernon grummelte vor sich hin.
„Vielleicht ist dies unser Lohn, weil wir gut zu diesem Jungen waren“, fügte sie eingebildet hinzu, Harry rollte genervt mit den Augen.
„Und dieser Urlaub ist kostenlos“, murmelte sie weiter, Harry nickte.
„Junge? Was steckt dahinter? Was treibst du für ein Spiel?“ Vernon redete leise, doch gefährlich und kniff dabei seine Augen zusammen.
„Nichts? Ich kann es euch ehrlich nicht sagen! Mir ist dies genauso ein Rätsel wie euch! Ich bin auch nicht gerade begeistert, aber ich will herausfinden, was Albus Dumbledore damit bezweckt“, erwiderte er einfach, Vernon überlegte und Petunia strahlte weiterhin.
„Pah! Tanzen! Ich hasse tanzen!“ meldete sich eine weitere Stimme, die zu einem sitzenden und schmollenden Dudley gehörte, der starr wo anders hinsah. Harry verrenkte sich beinahe den Hals, musterte ihn, grinste ein wenig. Stimmt, Dudley konnte ja nicht tanzen!
„Dann wirst du es lernen!“ Vernon hatte gesprochen und Harry wandte sich ihm erstaunt zu.
„Ihr werdet also…“, fragte Harry ungläubig.
„Natürlich! Wohin es auch immer geht, ich bräuchte dringend Urlaub! Und wenn Petunia einen Tanzkurs haben will, dann werden wir ihren Wunsch erfüllen! Und du, Dudley, wirst es ebenso lernen!“ Das Oberhaupt der Familie fällte das Urteil, Dudley knallte mit dem Kopf auf den Küchentisch und stellte sich stur.
„Einen Scheiß werde ich tun! Mann, mich kotzt das an! Tanzen! Wer braucht das schon!“
Harry lachte leise los, Petunia summte zufrieden vor sich hin und musterte noch immer den Brief. Keiner hörte auf den maulenden Dudley.
„Und morgen geht es los“, nickte Vernon allen zu, Harry lächelte ein wenig. Er wandte sich bereits ab, bewegte sich Richtung Treppen, als Vernon ihn ein weiteres Mal aufhielt.
„Ach, Junge?“ Harry drehte sich ihm zu.
„Hm?“
„Ist das ein fauler Zauber oder können wir dir trauen?“ Sein Neffe zuckte mit den Schultern und seufzte.
„Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht. Allerdings denke ich nicht, dass der Urlaub ein fauler Zauber ist. Ich bin mir sicher, euch wird es gefallen“, nickte er ihnen aufmunternd zu, Onkel und Tante schienen erleichtert zu sein. Nun ja, sie vertrauten ihm nicht blind, trotzdem wollten sie Harry dieses Mal Glauben schenken. Als der Schwarzhaarige die Treppen empor stieg, dröhnte Dudleys Stimme abermals zu ihm vor.
„Ich will aber nicht tanzen! Ich hasse tanzen! Das ist voll uncool!“
„Es interessiert mich nicht im Geringsten, was du willst und was du uncool findest, Sohn! Deine Mutter ist begeistert von dieser Idee und du wirst gefälligst tun, was ich dir sage!“ rief Vernon wütend aus. Ein hartes Stuhlrücken, schnelle Schritte und Gekeife erklangen. Dann knallte eine Türe – Dudley war sauer und verschanzte sich in seinem Zimmer.
°°°°
„Seid ihr bereit?“ Der Tag der Abreise war gekommen und die Familie Dursley wirkte ein wenig nervös.
„Was müssen wir tun?“ Petunia zierte sich ein wenig, als Harry den Krug auf den Tisch stellte und sie sich mit Sack und Pack um diesen aufstellten.
„Vertraut mir, ja? Wir müssen den Krug zugleich anfassen, dann spürt ihr ein ungewohntes Ziehen. Lasst euch davon nicht beirren, denn es geht bald vorbei. Kann es losgehen?“ Harry sah seine Verwandten an, die ein wenig unsicher zurücknickten.
„Auf drei…“ Und schon ging es los. Harry und auch seinen Verwandten wurde ein wenig übel, doch die Reise dauerte nicht lange. Als sie ankamen, standen sie im Freien vor einem etwas baufälligen Haus. Dessen Schild, angebracht über der Türe, trug die Aufschrift: Autovermietung. Verwundert sahen sich die vier um, Hitze hüllte sie ein. Die Sonne brannte, Grillen zirpten.
„Wo sind wir hier?“ fragte Petunia, die ängstlich ihre Tasche an die Brust drückte.
„Wenn ich das wüsste“, nuschelte Harry. Dudley schnaubte einfach und scharrte mit seinem Fuß im sandigen Boden, bis eine Staubwolke aufstieg. Plötzlich ging die Türe auf, ein dicker Mann kam ihnen entgegen.
„Willkommen, willkommen! Ich hatte euch schon erwartet! Euer Auto steht schon bereit, Albus informierte mich!“ lachte er los. Er wirkte auf alle ziemlich sympathisch und suspekt zugleich, aber keiner wusste, ob dieser Mann Muggel war, oder nicht. Wie auch immer, er kannte Albus Dumbledore.
„Ich habe nur das Beste für euch!“ rief er überschwenglich aus und eilte gut gelaunt und summend voran. So umrundeten sie das Haus, kamen zu einem abfälligen, staubigen Parkplatz, auf dem viele verschiedene Wagen standen. Der Vermieter steuerte auf ein cremefarbiges Auto, das sicherlich aus den Fünfzigerjahren stammte, zu.
„Entschuldigt bitte, aber dieses Schmuckstück hat leider keine Klimaanlage. Ach – ist dieser Wagen nicht wunderbar? Wie für euch gemacht!“ seufzte er liebevoll dem Auto entgegen, die vier anderen glotzten den komischen Kauz einfach nur an. Schon machte er sich an die Arbeit, das Gepäck der vier zu verstauen.
„Hat der einen an der Waffel? Was ist an dieser Schrottkarre so besonders?“ schnaufte Dudley neben Harry stehend – die Sonne brannte sich auf ihrer Haut nieder. Der Vermieter warf Dudley einen verärgerten Blick zu, ehe er sein Grinsen wieder fand und Vernon am Arm packte.
„Kommen Sie bitte mit mir! Sie brauchen noch die Papiere für das Auto und die Karte- und dann können Sie Ihre schöne Reise fortsetzen!“ Der Dicke zog einen verdatterten Vernon mit sich, während Petunia an Verfolgungswahn litt. Ängstlich sah sie sich in diesem fremden Land um, ihre Tasche – würde sie leben – wäre schon längst an Luftmangel gestorben. Der heiße Wind wirbelte den rot gefärbten, staubigen Sand auf, wehte ihn durch die Luft und bedeckte damit die Besucher, die durch die Reizung zu husten anfingen und die Hände schützend vor ihr Gesicht hielten. Sekunden später verzog sich der heiße Wind - Harry und Dudley bestaunten den Wagen. Nun ja, sie musterten ihn eher kritisch und noch immer hustend, während Dudley an Allem etwas auszusetzen hatte. Plötzlich wurde die Türe aufgestoßen und Vernon lief hastig seiner Familie entgegen. Er war kalkweiß im Gesicht, Panik stand in seinen Augen geschrieben.
„Schnell weg hier! Der Typ ist mir nicht geheuer!“ kreischte er los und ehe sie sich versahen, wurden sie von einem, diesmal sehr flinken, Vernon ins Auto gestoßen – die Autotüren knallten. Dudley und Harry saßen hinten, Petunia vorne – der Wagen wurde rasch gestartet und die Reifen quietschten, wirbelten Staub auf. Das etwas in die Jahre gekommene Auto preschte los. Gerade noch zur rechten Zeit kam der Vermieter aus dem Haus und sah dem Wagen nach.
„Auf Wiedersehen! Auf Wiedersehen!“ lachte und winkte der Vermieter hinterher und seufzte unglücklich.
„Schade, endlich ein gestandener Mann und dann ist dieser mit so einer dürren Skelettfrau verheiratet!“ schüttelte er den Kopf, seufzte und huschte schnell wieder in die Kühle des Hauses.
°°°°
„Was war denn los, Vernon?“ fragte Petunia spitz, während Vernon die Papiere und die Karte nach hinten schmiss – Harry fing die Dokumente verdutzt auf und musterte sie.
„Zeig her!“ keifte Dudley und entriss sie ihm, Harry rollte genervt mit den Augen und sah starr aus dem schmutzigen und verstaubten Fenster.
„Was los war?!“ überschlug sich Vernons Stimme, Petunia nickte.
„Der Typ flirtete mir mit, das war los!“ donnerte er weiter, Petunia schnappte nach Luft. Harry stand der Mund offen und Dudley brüllte vor Lachen los, als er die Aussage seines Vaters hörte.
„Nein, Vernon, da musst du dich irren!“ entschied seine Frau bestimmt, während Harry sich sein Lachen verkniff und Dudley schon Tränen lachte.
„IRRE!“ japste der Dursleysohn nach Luft, Vernon wurde rot im Gesicht und folgte mit dem Wagen dem Verlauf der hohen Küstenstraße.
„So etwas bilde ich mir nicht ein! Wieso sollte ich mich irren? Immerhin sehe ich gut aus und du hast mich schließlich auch geheiratet!“ brauste er auf, Petunia sah demonstrativ aus dem Fenster – antwortete nicht mehr. Kurzzeitig war es still, was das Oberhaupt der Familie etwas störte. Ein altes Radio mit einem Drehknopf stach ihm ins Auge, schon wurde es angemacht. Ein sehr altes Lied erklang, Harry stöhnte auf – ebenso Dudley. Petunia summte es vor sich hin.
„Unser Lied“, grummelte Vernon beruhigt, er warf seiner Frau einen eindeutigen Blick zu. Harry schielte zu Dudley, der sich einen Finger in den Rachen steckte und so tat, als müsste er kotzen.
„Hier, Freak! Mit diesem Kram fange ich nichts an!“ blaffte Dudley, ein zweites Mal hielt Harry die Dokumente in der Hand.
„Ähm…“, räusperte er sich, Vernon lugte kurz über seine Schulter und richtete danach seine Aufmerksamkeit wieder der schmalen Küstenstraße zu.
„Junge! Wo geht es lang!?“ keifte er ihn an. Harry räusperte sich wieder, grinste entschuldigend und studierte die Karte. Dudley rückte näher, auch seine Augen suchten die Landkarte ab.
„Äh – also… Ich glaube, wir befinden uns auf der Hauptstraße. Der Vermieter hat mit einem Stift den Standort seines Hauses markiert und unseren Weg gekennzeichnet. Fahr einfach die Straße entlang, bei der nächsten Biegung müssen wir rechts über eine Brücke“, erklärte er leise, Dudley nickte dazu.
„Ist das sicher, Junge? Petunia! Sag du mir den Weg an!“ herrschte er los, Dudley riss Harry mit einem Grinsen die Karte aus der Hand und reichte sie seiner Mutter. Harry gab es auf, kreuzte seine Arme vor der Brust und sah wieder aus dem Fenster. Scheiße, es war sauheiß hier im Auto! Langsam aber sicher fing er zu schwitzen an. Petunia studierte nun die Karte und gab leise zu, dass Harry Recht hatte.
„Sage ich ja“, nuschelte der Schwarzhaarige, Dudley boxte ihn auf die Schulter.
„Aua! Wofür war dass denn?“ zischte Harry, Dudley grinste.
„Weil du mir auf den Sack gehst, Freak“, grunzte Dudley, Harry rollte mit den Augen. Abermals glitt sein Blick aus dem Fenster, sein Mund stand ihm weit offen. Egal wo sie sich befanden, es war wunderschön hier! Aus der Position des Autos heraus, befanden sie sich direkt auf der kurvenreichen Küstenstraße. Links von ihnen erstreckten sich verschiedene Gebirgsketten, während rechts ein tiefer Abgrund klaffte. Dieser wurde Gott sei Dank von einer sehr alten und aus Holz gebauten Leitplanke abgezäunt. Das Meer grenzte direkt an, die Sonne zauberte Lichtfunken auf die glatte Oberfläche. Je weiter sie fuhren, um so mehr Grün mischte sich in die ansonsten steinige Landschaft. Auch kam die besagte Brücke langsam in Sicht, die Harry sehr an jene aus London erinnerte.
„Wow, sieh dir das an, Freak“, säuselte Dudley, dessen Kopf sich nun neben Harrys befand. Der Schwarzhaarige verzog die Nase und grummelte.
„Ich heiße Harry, Dudley. Schon vergessen?“
„Aber nicht doch, Freak“, gluckste Dudley, Harry gab es auf.
Die Brücke kam immer näher, es ging leicht bergab. Vernon steuerte den Wagen durch die engen und staubigen Kurven, bald hatten sie die Auffahrt zur Brücke erreicht. Am Ende dieser erstrecke sich eine unglaubliche Insel, die aus lauter dicht bewaldeten Bergspitzen bestand. Und als sie sich auf der Brücke befanden, verlief der Weg spitz und direkt in die grüne Urwaldinsel hinein.
„Ich frage mich noch immer, wo wir hier sind? Es ist wunderschön hier, Vernon!“ zwitscherte Petunia zufrieden, Vernon schmunzelte. Harry kurbelte das Fenster hinab, ließ die heiße Sommerluft in das Wageninnere eindringen. Der Fahrtwind spielte mit seinen Haaren, Pfeiler der Brücke legten zeitweise einen Schatten auf sein Gesicht.
Vernon mäßigte das Tempo, als sie von der Brücke abfuhren. Der Wagen rollte, mit staunenden Insassen, in den Urwald hinein, der mit der Zeit jedoch lichter wurde. Palmen, die den Weg säumten, lösten Gestrüpp und wild gewachsene Bäume ab – und dann kamen sie an. Der Wagen blieb stehen, beeindruckte Urlauber stiegen aus und sahen sich um.
„Vernon! Es… Es ist zauberhaft hier!“ Petunia faltete ihre Hände zusammen, presste sie an die Brust und ließ ihren Blick mit glänzenden Augen schweifen. Vernon grinste nur und tat es ihr nach. Dudley war alles egal und auch Harry musste sich eingestehen, dass sie hier in einem Paradies gelandet waren, fern der normalen Zivilisation. Die Zeit stand hier anscheinend still, denn die Zukunft hatte diese Insel noch nicht erreicht.
Ein älteres, jedoch gepflegtes, Eindruck schindendes Hauptgebäude, befand sich links von ihnen. Danach folgten einzelne Blockhütten aus Holz, und gemeinsam bildeten sie in großen Abständen einen riesigen Kreis. Drei Blockhäuser weiter wurde die Aneinanderreihung unterbrochen, da ein kleiner Wasserfall seinen Weg über dicht bewaldetes Gebirge nach unten suchte. Die hinabstürzenden Wassermassen landeten in einem Wassernebel in einem unförmigen Teich, der wiederum die Mitte in dieser Umzäunung der Häuser bildete.
Zwischen den Häusern befanden sich feminin gewachsene Laternen, die, wie der Wagen auch, eher sehr altertümlich waren. Ein gepflegter Rasen, in einem satten Grün, legte sich wie ein Teppich auf die noch freien Stellen. Ja, sie hatten das Paradies erreicht! Anscheinend war ihr Ankommen nicht unbemerkt geblieben, denn eine Frau mittleren Alters kam aus dem Hauptgebäude herausgeeilt und lief auf die Besucher zu.
„Familie Dursley? Harry Potter?“ rief sie von der Ferne, vier Köpfe nickten.
„Willkommen auf der Insel der Entspannung! Und bevor Sie sich fragen, ja! Ich bin darüber informiert, dass Sie Muggel sind – mit Ausnahme von Harry Potter. Sie müssen wissen, dass dieses Paradies für alle zugänglich ist, die die Insel kennen. Sie ist, sozusagen, ein kleiner Geheimtip für Muggel und Zauberer, die hier in Frieden miteinander ihren Urlaub verbringen“, erklärte sie mit einem sanften Lächeln. Dudleys Kinn landete am Boden, Petunia schnappte nach Luft und Vernon lief rot an. Nun brach es aus ihm heraus:
„Zauberer?!! Wir wollen mit solchen Freaks nichts zu tun haben und…“, brauste er wütend auf, doch die Empfangsdame lachte leise los und nahm ihm somit den Wind aus den Segeln.
„Keine Sorge, Mister Dursley! Es wird alles nach Ihren Wünschen passieren! Das Gelände ist sehr groß, so dass Sie sich Ihren Aufenthalt durchaus aussuchen und gestalten können, wie Sie es wollen! Wenn Sie durch den angrenzenden Wald gehen – ungefähr nach fünf Minuten Fußmarsch – kommen Sie direkt am langen Sand/Kiesstrand an, der hauptsächlich von Muggeln genutzt wird. Die meisten Besucher jedoch gehen hier schwimmen, in unserem schönen See! Der Wasserfall ist durchaus beliebt! Wenn Sie mir nun folgen wollen?“ Freundlich zwinkerte sie den Ankömmlingen zu, machte kehrt und eilte voraus.
Vernon kam nicht mehr zu Wort und Harry war froh darüber. Nachdem sie eingecheckt hatten, wurden sie der Blockhütte Nummer drei zugeteilt, die von außen kleiner aussah, als von innen. Bewundernd stiegen sie die knarrenden Holztreppen zur Veranda hoch, öffneten die Türe aus Netzgespann, erst dann folgte die eigentliche Eingangstüre. Eine gemütliche Räumlichkeit erwartete sie, alles war in hellen und freundlichen Farben gehalten. Durch einen Flur gelangten sie in das Wohnzimmer, links und rechts davon befanden sich weitere Zimmer. Dudley brüllte laut los, dass er ein Einzelzimmer haben wollte und tauchte in das erste Zimmer ein. Harry gab sich geschlagen und nahm das Gegenüberliegende. Auch Vernon und Petunia suchten nach ihrem Schlafzimmer.
°°°
Langsam brach der Abend an und Dudley raunzte herum, dass er Hunger hätte. Harry meldete sich nicht zu Wort, er folgte eher teilnahmslos. Zusammen schritten sie aus der Hütte, betraten das Hauptgebäude und gelangten somit in den Essenssaal. Harry sah sich um, hörte neben sich Dudley stöhnen.
„Da sind ja nur alte Leute!“ donnerte der Dursleysohn los, Petunia rief ihn leise zur Ordnung.
„Sei still, Dudley! Was sollen denn die anderen Leute von uns denken?“ zischte sie und ließ ihre Augen über die anderen Tische wandern. Harry gab Dudley allerdings im Stillen Recht. Gab es hier keine Jugendlichen? Langsam machte sich Enttäuschung in ihm breit, da Dumbledore ihm doch versprochen hatte, dass Harry eine Überraschung zu erwarten hätte. Ja, die Überraschung war gelungen, denn damit hatte er nicht wirklich gerechnet. Das Essen wurde serviert und als sie das wirklich gute Mahl verspeist hatten, meldete sich wieder die Empfangsdame, die ein Mikrophon in der Hand hielt und sich mittig in den Saal stellte. Als sie die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte, begrüßte sie die Neuankömmlinge und las den Plan vor. Veranstaltungen wurden vorgelesen, auch sämtliche Tanzkurse wurden erwähnt. Petunia quiekte und Vernon stöhnte auf. Tja, man durfte zu einer Frau niemals nein sagen.
Harry wurde dies zu bunt, er stand auf und schlich sich davon. Als er den Raum verließ, in den Vorraum schritt, prallte er mit einem Mädchen zusammen – beide saßen nun stöhnend am Boden.
„Oh Gott, tut… Tut mir Leid! Ich habe dich nicht gesehen!“ begehrte sie auf, Harry fing zu lachen an und kam wieder in die Höhe. Galant hielt er ihr eine Hand entgegen, welche sie dankend annahm und mit seiner Hilfe ebenso aufstand.
„Kein Problem! Das bin ich schon gewohnt!“ lachte Harry weiter, das Mädchen fing leicht zu lächeln an und musterte Harry von oben bis unten.
„Auch so wenig Erfolg gehabt wie ich?“ kam sie ein kleines Stück näher, Harry hob fragend eine Augenbraue hoch.
„Wie meinen?“
„Hast du dich schon einmal im Essenssaal umgesehen? Nur alte Knacker! Das kann doch nicht sein? Gibt es hier denn keine Jugendlichen? Meine Großeltern fuhren mit mir hierher, auch, weil ich tanzen lernen sollte. Mann, das ist so mühsam!“ seufzte sie und fuhr sich durch ihr glattes, halblanges und braunes Haar.
„Stimmt, da gebe ich dir Recht“, nickte Harry und hielt ihr die Hand entgegen.
„Harry Potter, erfreut dich kennen zu lernen. Wir jungen Leute müssen zusammenhalten!“ lachte er los, das Mädchen schlug freudig ein.
„Samantha Jones, ebenso erfreut. Und? Wie geht es dir, Hogwartsjunge?“ zwinkerte sie ihm zu, Harry machte große Augen.
„Woher…“, stammelte er leise. Samantha fing zu lachen an. Sie war zwar nicht sein Typ, aber sie schien sehr nett zu sein. Als er sie musterte, fiel ihm auf, dass sie etwas kleiner-, fraulicher gebaut war.
„Ich komme ebenso aus einer Zauberschule, Harry. Du wirst sie nur leider nicht kennen, denn sie ist eine reine Mädchenschule. Eigentlich erhoffte ich mir, hier einige Jungs kennen zu lernen, aber… Na ja, wenigstens habe ich den berühmten Harry Potter kennen gelernt. Und nein, es war nicht deine Narbe, sondern dein Name, der dich verriet. Aber ich lege keinen Wert darauf, keine Sorge. Du bist nett, stelle ich gerade fest! Sorry, ich rede zu viel!“ kicherte sie nun mit roten Wangen, Harry winkte ab.
„Wie lange bist du schon hier?“ wollte er wissen, Sam seufzte.
„Bin ebenso erst heute angekommen. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich hier noch andere Jugendliche verkriechen. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass man sie, wenn man lange genug sucht, auch finden würde… Hoffentlich.“ Etwas skeptisch betrachtete sie den Schwarzhaarigen, der zustimmend nickte. Plötzlich wurden sie unterbrochen, Dudley platzte in die Unterhaltung.
„Freak, ich… Oh!“ Sofort wurde Dudley zahm wie ein Baby, Harry grinste.
„Samantha? Darf ich dir Dudley Dursley vorstellen? Er ist mein Cousin und seine Eltern verdonnerten auch ihn zum Tanzen“, zwinkerte er ihr zu, Dudley wurde leicht rot im Gesicht.
„Oh! Hallo! Freut mich, dich kennen zu lernen!“ hielt sie ihm die Hand entgegen, schüchtern schlug Dudley ein und blieb ruhig.
„Weißt du, Dudley ist ein Muggel und…“
„Was? Sie ist eine… eine…“, stotterte Harrys Cousin mit großen Augen.
„Ja, ich bin eine Hexe – hast du ein Problem damit?“ fragte sie lauernd, doch Dudley schüttelte gleich den Kopf.
„Nein! Absolut nicht! Zauberer sind… cool… ja… ähm… Ich bin keiner“, kam die geistreiche Antwort von ihm, Harry stöhnte innerlich auf.
„Sehr gut! Dudley? Wie wäre es, wenn wir ab morgen gemeinsam tanzen würden? Ich meine… Ich habe noch keinen Partner und…“
„JA! Sehr gerne!“ Dudley strahlte, wurde danach knallrot im Gesicht.
„Gut…“, nickte Samantha zufrieden und musterte den dunkelblonden Jungen mit den dunkelbraunen Augen.
„Freut mich…“, fügte sie noch hinzu, Dudley fing belämmert zu grinsen an.
„Ja, mich auch…“, stotterte er leise, Harry räusperte sich.
„Leute? Ich will mich noch umsehen und bevor es komplett dunkel wird, werde ich jetzt verschwinden“, meinte er leise, Dudley trug Panik in seinen Augen. Anscheinend, so wie Harry es sah, interessierte er sich für Samantha. Aber auch Dudley hatte noch keine Erfahrungen in Sachen Frauen vorzuweisen.
„Eine sehr gute Idee! Ich habe im Wald eine Stelle entdeckt, die sehr schön ist. Dudley? Willst du mitkommen? Oder bleibst du noch hier, bei den…“
„Nein! Scheiß drauf! Ich meine – ich komme mit!“ rief Dudley polternd aus, Harry schlug sich mental auf die Stirn. Wenn Dudley etwas leiser reden würde, nicht so temperamentvoll wäre, dann…
„Entschuldigung. Ich bin etwas…“ Harry sah Dudley erstaunt an, da er ihn das erste Mal eine Entschuldigung aussprechen hörte. Sam lachte herzhaft auf.
„Kein Problem! Ich kenne das, wenn man nervös ist. Ich bin es auch“, versicherte sie ihm, Dudley glotzte sie an.
„Merkt man nicht“, nuschelte er, Sam zuckte mit den Schultern.
„Gehen wir?“ Und schon hackte sie sich bei Dudley unter, der vor Freude abermals rot wurde. Harry verabschiedete sich sofort und eilte in eine andere Richtung. Endlich war er im Freien, sah sich um und lauschte dem beruhigenden Wind, der leise pfiff. Erst jetzt fiel ihm auf, dass sich weiter hinten, direkt hinter Blockhaus Nummer sechs, ein kleiner Weg befand. Da ihm sowieso langweilig war, beschloss er, endlich die Gegend zu erkunden.
Die tropische Hitze setzte ihm ein wenig zu, obwohl die Sonne bereits hinter den bewaldeten Bergwipfeln verschwand. Das Rauschen des Wasserfalls wurde immer lauter, je näher er kam. Allerdings ging er daran vorbei, steuerte auf Haus sechs zu, umschritt es und nahm den angrenzenden Waldweg. Der Weg ging leicht bergauf und da anscheinend ein kleiner Bach ebenso in den See mündete, welcher hinter Haus sechs vorbeilief, überquerte er eine kleine, alte Brücke. Holzscheite ächzten bei jedem Schritt, den er tat, und vorsichtshalber hielt er sich am Geländer fest. Am Anschluss der Brücke befand sich ein weiterer Weg, der jedoch aus weißem Kiesel bestand und direkt ins Gebirge führte. Allerdings war dieses nicht steinig, sondern ebenso dicht bewaldet. Nur vereinzelt stachen auch Palmen hervor, die eher den kleinen Kiesweg säumten.
Harry kam es so vor, als ob er sich in einem Märchenwald befand, denn als es immer dunkler wurde, sprangen die Lichter in den Laternen an, spendeten sanftes Licht. Der bergauf führende Weg wurde somit in drei Meter Abständen ausgeleuchtet, Harry fing zu keuchen an. Der Kies knarrte unter seinen Tritten und er fragte sich, wohin wohl dieser kleine Weg führen sollte.
„Verdammte Scheiße!“ fluchte jemand, Harrys Kopf schoss nach oben, er kniff die Augen zusammen. Da ihn das Licht einer Laterne etwas blendete, hatte er nicht bemerkt, dass sich noch jemand auf diesem Weg befand.
„Hallo?“ fragte Harry, der Fluchende hielt kurz inne.
„Hier oben bin ich! Kannst du mir bitte helfen?“ erklang nochmals die Stimme, Harry trat aus dem Lichtkegel, der von Motten umschwirrt wurde, heraus und eilte den steilen Weg einige Meter hinauf. Erst jetzt erkannte er einen Jungen in seinem Alter, der auf seinen Händen dicke und längliche Melonen balancierte.
„Schnell! Ah!“ stieß der Junge aus, Harry kam gerade an und fing eine der Melonen auf.
„Huch, danke! Mann, das war knapp! Hilfst du mir tragen? Ich muss zu der Hütte dort oben. Ich bin Jessy und du?“ fragte der blonde, hagere Junge, Harry lächelte.
„Harry Potter, angenehm. Sag mal, gibt es hier mehrere Jugendliche?“ fragte er weiter, nahm noch weitere Melonen ab und gemeinsam gingen sie den Weg hoch. Jessy grinste.
„Und ob, Harry! Wir verstecken uns nur vor den alten Knackern, das ist alles. Los! Ich bin schon spät dran!“ drängte er, Harry nickte. Langsam wurde der Weg eben, Harry atmete auf. Er hatte nicht bemerkt, dass sie wieder Richtung Wasserfall gingen, an dem der Weg auf einmal abrupt endete.
„Und jetzt?“ wollte Harry wissen, Jessy lachte auf.
„Na was wohl, Zauberjunge! Halt mal!“ Harry wunderte sich, ließ sich die anderen Melonen aufladen und hielt sie mit einer sehr guten Balance fest. Jessy schnippte mit den Fingern und schon erschien eine kleine Brücke – ebenso aus Holz. Zufrieden sah er zu Harry, nahm ihm wieder die Melonen ab und summte vor sich hin. Harry stand der Mund offen.
„Wie hast du das gemacht und woher…“
„Ach Harry! Du bist eine Legende und trotzdem wird niemand auf deinen Ruhm Rücksicht nehmen. Wir sind alle gleich, weißt du? Und das zauberhafte an dieser Insel ist, dass du keinen Zauberstab brauchst, wenn du bestimmte Zauber ausführen willst. Einfach schnippen und daran denken. Viele der nützlichen Zauber sind hier auf diese Art gestattet, musst du wissen. Sehr praktisch, was? Ich bin auch ein Zauberer, falls du dich das fragst. Und wir sind nicht die einzigen.
Bin gespannt, was die anderen dazu sagen werden, wenn sie dich sehen! Ach ja, viele von ihnen wirst du wahrscheinlich kennen, doch die Insel ist ein Geheimtip. Deshalb sind so wenige Zauberer hier“, zwinkerte er ihm zu, während sie weiter gingen. Nicht nur die Brücke war erschienen, denn eine weitere Laterne leuchtete diese aus, während der Wasserfall eine kühle Brise zu ihnen herwehte. Als sie diese überquert hatten, verschwand sie wieder – Harry blieb stehen, betrachtete das Schauspiel und schüttelte den Kopf.
„Hm, das hatte diese Empfangstante auch schon gesagt. Das mit dem Geheimtipp“, stimmte er Jessy zu, dieser lachte kurz auf.
„Oh ja, wir haben hier unseren Spaß. Nur ausgewählte Personen aus verschiedenen Zauberschulen, so wie ausgewählte Muggel, dürfen diese Insel besuchen. Ich vermute, Dumbledore schickte dich hierher? Oder hatte dir ein anderer Schüler den Geheimtipp gegeben?“ fragte er nach, Harry verneinte und bejahte die Vermutung über Dumbledore. Der Weg wurde wieder steiler, beide keuchten. Leise Musik drang zu ihnen vor, Harry schmunzelte. Ja, diese Art von Musik war zwar auch aus den Fünfzigerjahren, doch konnte man diese sehr wohl ertragen. Sie besaß einen schnelleren Takt und Harry fragte sich, ob man auch dazu tanzen konnte.
Je näher sie kamen, umso lauter wurde es. Endlich erstreckte sich vor ihnen eine kleine Holzhütte, das Licht drang durch die Fenster in die Dämmerung hinaus.
„Na komm schon! Es wird dir gefallen, Harry“, schmunzelte Jessy, Harry wirkte nervös. Der andere Junge stieg die zwei Treppen hoch, drückte die Türe auf und verschwand darin. Harry folgte, blieb jedoch im Rahmen stehen. Was er dann sah, verschlug ihm den Atem. Oh ja, er kannte viele von ihnen, er hätte es niemals gedacht. Einige Schüler waren aus Ravenclaw, Hufflepuff und auch aus Slytherin. Allerdings konnte er niemanden aus…
„Tja, Harry, keiner aus Gryffindor, was? Du bist der Erste, musst du wissen. Gryffindor war uns eher zu… hm… sagen wir, zu langweilig, zu brav. Du verstehst? Aber du, Harry, du bist nicht brav. Du passt perfekt zu uns“, säuselte Jessy ihm ins Ohr, Harry zuckte kurz zusammen. Er bemerkte nicht einmal, dass der andere Junge ihm die Melonen abnahm, starrte einfach nur auf die tanzenden Schüler. Nein, sie tanzten nicht normal, sondern ziemlich verrucht und wild. Körper pressten sich im Rausch aneinander, Becken stießen zusammen und bewegten sich im Einklang der Musik. Hitze drang ihm entgegen, Harrys Herz raste in der Brust. Ohne es zu merken, trat er mit langsamen Schritten und sich umschauend ein.
Doch dann erkannte er jemanden in der Menge, der ihm überall aufgefallen wäre: Draco Malfoy. Dieser tanzte mit niemand geringerem als Pansy Parkinson. Beide bewegten sich perfekt zur Musik, Pansys Hände lagen auf Dracos Po. Zusammen ließen sie ihre Becken kreisen, gingen dabei in die Knie. Die Augen hielten sie geschlossen, Stirn lehnte an Stirn. Draco hatte seine Arme gestreckt auf Pansys Schultern abgelegt, die Hände hingen entspannt ineinander.
„Harry!“ rief eine ihm bekannte Stimme aus, viele der Schüler bemerkten erst jetzt den Neuen und tuschelten angeregt und neugierig miteinander. Anscheinend fanden sie ihn nicht so interessant, denn sie fragten ihn nicht aus, kamen nicht einmal auf ihn zu.
„Justin?“ Harry konnte es nicht fassen.
„Oh Harry! Toll, dass du auch hier bist!“ Mit diesen Worten bahnte sich Justin Finch-Fletchley, damaliger Ravenclaw, einen Weg zu ihm durch, schien schon ziemlich angetrunken zu sein.
„Öhm…“, stotterte Harry, da Justin seine Arme um ihn schlang und ihn an sich drückte. Als Harry über dessen Schulter hinweg wieder zu Malfoy sehen wollte, war dieser mit Pansy verschwunden. Etwas irritiert sah er wieder zu Justin, der nun seine Hände auf Harrys Po legte und anfing, sich mit ihm gemeinsam im Takt der Musik zu bewegen.
„Sei locker, Harry. Gehe nach dem Rhythmus“, säuselte er ihm zu, Harry schluckte hart. Er hatte noch nie mit einem Mann getanzt und irgendwie fühlte er sich eigenartig dabei. Nicht einmal ein Mädchen war ihm so nahe gekommen. Langsam legte er auch seine Arme um den anderen Jungen. Der Schwarzhaarige schnappte nach Luft, als Justin seine Vorderfront an Harrys rieb. Danach bekam er rote Wangen, als er merkte, dass sein Körper darauf reagierte. Harry war weiterhin verwirrt, während Justin ihm ins Ohr schnurrte und ihn noch näher an sich presste.
Als Harry bemerkte, dass er ziemlich harte Probleme bekam, löste er sich schnell, stotterte eine Entschuldigung und stolperte aus der Türe. Justin grinste ihm hinterher und leckte sich über die Lippen. Doch das Grinsen verging ihm, als eine raue, weibliche und unbekannte Stimme ihm ins Ohr flüsterte, dass Harry Potter für ihn tabu sei.
Harry rang nach Atem, sah an sich hinab und stöhnte innerlich auf. Das konnte doch nicht wahr sein! War er bereits so notgeil, dass er schon auf einen Jungen ansprang? Wie wäre es gewesen, wenn ein Mädchen mit ihm getanzt hätte? Zitternd strich er sein dunkelrotes Shirt glatt, richtete seine ausgebleichte Jeans und wollte sich wieder auf den Rückweg machen, als er Stimmen hörte. Neugierig, wie er war, schlich er ums Haus herum und blieb in der Dunkelheit stehen, Grillen zirpten.
Wieso kann ich nicht damit abschließen?
Wer weiß? Vielleicht wollte das Schicksal es so?
Das glaube ich kaum! Wieso ausgerechnet diese Person? Ich wollte sie nie wieder sehen und dann… Von dieser verdammten Insel wissen doch nur wenige!
Bist du dir sicher, dass du diese Person nie wieder sehen wolltest, Draco?
Mann, ich weiß es nicht. Ich wollte einfach mit meiner Vergangenheit abschließen und… Merlin, ich vermisse…
Ein Geräusch erklang.
Blaise, hast du das gehört?
Harry biss sich auf die Lippen, da er, an der Wand entlang, näher herangeschlichen war und leider Gottes auf einen Ast trat, ein knackendes Geräusch erzeugte. Still verfluchte er sich, hetzte davon und lief so schnell er konnte. Plötzlich tauchten zwei Gestalten hinter dem Haus auf, traten in den Schein einer Laterne und sahen Harry nach.
„Harry Potter, unser Goldjunge“, knurrte der blonde Ex-Slytherin, der cool an der Hausmauer anlehnte und emotionslos dem sprintenden Jungen nachsah. Sein platinblondes Haar fiel ihm, wegen seines Seitenscheitels, ins Gesicht und trotzdem waren seine Augen wachsam.
„Hm, stimmt. Jetzt ist er auch hier. Was nun, Draco?“ fragte Blaise Zabini, Dracos bester Freund. Gemeinsam sahen sie Harry noch immer hinterher, bis er aus ihrem Sichtfeld verschwunden war.
°°°°
Völlig konfus verzog sich Harry in seinem Zimmer, schmiss sich auf sein Bett und überlegte. Er hätte vieles erwartet, doch keinen Draco Malfoy auf dieser Insel! Verdammt, diese Welt war so groß und trotzdem trafen sie sich hier? Welch ein Zufall! Oder? Immer wieder tauchte das Bild des tanzenden Paares vor seinen Augen auf, wobei es sich um Draco und Pansy handelte. Sie hatten so harmonisch zusammen getanzt und Harry hatte sich für einen Moment gewünscht, auch so tanzen zu können. Wie es wohl gewesen wäre, wenn… Nein! Solche Gedanken passten überhaupt nicht zu ihm! War Malfoy mit Parkinson zusammen? Oder tanzten sie nur so miteinander?
Als Harry in der Blockhütte eintraf, fragten ihn seine Verwandten aus, wo er so lange gewesen war. Er gab ihnen keine Antwort, sondern rauschte einfach, ohne Erklärung, in sein Zimmer, drückte die Türe zu. Und da lag er: Bewegungslos am Bett, schnaufend, starr an die Decke blickend. Plötzlich ging die Türe auf, Dudley kam herein und warf diese laut ins Schloss.
„Hau ab“, nuschelte Harry abwesend, doch Dudley lachte boshaft auf.
„Versager! Wo warst du?!“ herrschte er ihn an, doch Harry rührte sich nicht. Dudley versuche es mit weiteren Beschimpfungen, die nicht zu dem Liegenden vordrangen. Viel eher befanden sich seine Gedanken beim letzten Gespräch, welches er belauscht hatte. Über welche Person hatten Malfoy und Zabini gesprochen? Wer war sie? Und wieso wollte er es überhaupt wissen?
„Hast du was gesagt? Du bist ja noch immer hier“, seufzte Harry, drehte seinen Kopf in Dudleys Richtung. Sein Cousin schnaufte leise, ehe er sich aufs Bett setzte und Harry ansah.
„Kennst du dich mit Mädchen aus?“ fragte er auf einmal im neutralen Ton, Harry setzte sich auf und glotzte Dudleys Rücken an.
„Nein, wieso? Warum fragst du mich das überhaupt?“ kniff er die Augen zusammen und auch in der Dunkelheit des Zimmers erkannte er sofort, dass Dudley rot wurde, als er seinen Kopf zu dem Pottererben drehte.
„Ich mag diese Samantha. Und für einen Freak ist sie sehr nett.“
„Auch wenn ich keine Ahnung von Frauen habe, Dudley, solltest du aufhören uns Zauberer und Hexen Freak zu nennen. Klar? Ich bin mir sicher, dass sie das nicht mag und…“
„Habe ich schon zu spüren bekommen“, erklärte Dudley kleinlaut, Harry spitzte seine Ohren und setzte sich direkt neben ihn auf die Bettkante. Dudley sah beschämt zu Boden.
„Erzähl“, forderte Harry ihn auf, der so ein Gespräch nicht gewohnt war.
„Ich war mit ihr spazieren und mir rutschte dieses Wort raus. Und ihr rutschte die Hand aus. Aua“, nuschelte er nur, rieb sich die Wange - Harry verbiss sich ein Grinsen.
„Och! Der arme Dudley!“ konnte er sich nicht verkneifen, sein Cousin blinzelte ihn wütend an.
„Ja, ja! Habe es schon verstanden! Wenn du…“, blaffte Dudley los, Harry hob abwehrend die Hand.
„Hast du dich bei ihr entschuldigt?“ verlangte er zu wissen, Dudley wurde ruhiger.
„Sollte ich das denn?“ wollte er wissen, Harry rollte stöhnend mit den Augen und schüttelte den Kopf.
„Natürlich, du Idiot! Ich merkte vorhin schon, dass du auf sie abfährst! Du musst dich auf jeden Fall entschuldigen, klar? Sonst redet sie nie wieder mit dir“, klärte er ihn auf, Dudley wurde nervös.
„Jetzt gleich?“ hakte er unsicher und leise nach, Harry sah auf die Uhr.
„Mitternacht – hm, eher nicht. Morgen wäre passend“, zuckte er mit den Schultern, doch Dudley sprang auf.
„Ich muss es versuchen!“ rief er aus und schon stürmte er aus dem Zimmer. Harry sah verdutzt auf die offen stehende Türe, ehe seine Tante ihren Kopf ins Zimmer steckte.
„Harry? Darf ich mit dir reden?“ Harry blinzelte verdutzt. Seit wann fragte seine Tante, ob sie mit ihm reden durfte? Zaghaft nickte er, Petunia kam herein und schloss die Türe. Unschlüssig stand sie vor dem Sitzenden, ehe sie tief Luft holte.
„Dudley quält etwas, Harry. Und ich glaube, Vernon und ich können ihm nicht helfen. Aber du vielleicht schon. Würdest du…“, versuchte sie zu erklären, Harry lächelte.
„Ja, ich mache das schon. Den ersten Tipp hatte er gerade bekommen“, nickte er ihr zu, seine Tante schien erleichtert zu sein.
„Danke, Harry. Ach und noch etwas: Es tut uns Leid, wie wir dich all die Jahre behandelt haben. Ich… Wir können es nicht mehr gut machen und deshalb beschlossen Vernon und ich, unser Verhalten dir gegenüber zu ändern. Wir…“ Petunia wirkte schuldig, fand einfach keine Worte, Harry winkte ab.
„Schon gut, lassen wir es ruhen, okay? Wir werden niemals eine Familie sein und trotzdem hoffe ich, dass wir in diesem Urlaub gut miteinander auskommen werden“, kam er ihr entgegen, seine Tante wirkte erleichtert.
„Ja, das könnten wir einrichten“, nickte sie ihm schnell zu, wünschte ihm eine gute Nacht und verschwand. Harry schüttelte über ihr Verhalten den Kopf – diese Familie war sonderbar! Leider konnte sich niemand seine Verwandtschaft aussuchen. Keine zwei Minuten später platzte Dudley schon wieder in sein Zimmer, schmiss sich auf sein Bett und grinste breit. Harry stöhnte.
„Was ist?“ fragte er nach, Dudley hielt sich die Brust.
„Sie war noch auf! Hat mir vergeben! Nett, nicht? Und morgen tanze ich mit ihr! Danke, Freak!“ lachte er los, stand auf und ging zum Ausgang. Kurz davor blieb er stehen, drehte sich Harry zu, der leicht grinste.
„Ich meine – Harry. Wieso darf ich nicht Freak zu dir sagen!? Mann, ich hasse es, wenn Frauen mir vorschreiben, was ich zu tun habe!“ keifte er los, Harry lachte auf.
„Hat Samantha von dir verlangt, nett zu mir zu sein?“ hakte er grinsend nach, Dudley murrte.
„So in der Art. Nacht Harry“, nuschelte er und schon war er verschwunden. Und der Höhepunkt dieser Nacht war, dass auch Vernon kurz ins Zimmer schaute, Harry zunickte und ihm ebenso eine gute Nacht wünschte. Gut, jetzt war Harry mehr als überrascht, erstaunt und glaubte, eine andere Familie vor sich zu haben. Sie waren erst Stunden hier und trotzdem lag etwas Magisches in der Luft. War diese Insel wirklich zauberhaft und ließ Menschen wieder normal werden? Müde schüttelte Harry den Gedanken ab, kleidete sich aus und legte sich schlafen. Was für ein Tag!
°°°°
Der Nächste war allerdings nicht so sonnig. Im Gegenteil! Es regnete in Strömen und Harry stand auf der Veranda, seufzte lautlos. Das Frühstück hatte hervorragend geschmeckt, seine Familie befand sich im Tanzkurs und er? Er langweilte sich zu Tode. Was sollte er bloß tun? Plötzlich ertönte eine Lautsprecherstimme, die meinte lustig zu sein, als sie rief:
Tri, Tra, Trull, wer hat den Eimer als erster full!
Harry schüttelte, über so einen schlechten Scherz, den Kopf und kniff die Augen zusammen. Sein Blick wanderte wieder zu dem kleinen Weg – er hatte eine Idee. Da es wie aus Eimern goss, schnippte er mit dem Finger, dachte an einen Regenschirm und – hielt ihn in der Hand.
„Irre! Es hat geklappt!“ bestaunte er ihn kurz, spannte ihn und schon machte er sich auf den Weg. Heute trug er ein weißes Shirt und die ausgebleichte Jeanshose von gestern. Seine Haare hatte er versucht zu bändigen und nur mit Gel bekam er sie halbwegs so hin, wie er es wollte. Mit einem Sprung brachte er die knarrenden Treppen hinter sich, seine weißen Turnschuhe versanken im aufgeweichten Rasen, doch das war ihm gleich. Schnellen Schrittes bog er in den Weg ein, überquerte die Brücke und stieg den schmalen Kiespfad empor. Als er beim Wasserfall ankam, schnippte er ein weiteres Mal, noch eine Brücke kam zum Vorschein. Und nach einigen Minuten Fußmarsch erreichte er endlich…
Wo war denn die Hütte abgeblieben? Erstaunt blieb Harry stehen, sah sich um und entdeckte nur eine große Fläche an grünem Rasen. Enttäuscht wollte er sich wieder auf den Weg machen, machte kehrt, als er ein Knarren, danach eine schnarrende und herablassende Stimme hörte.
„Sieh an, sieh an, Harry Potter!“
Langsam drehte sich der Schwarzhaarige um, blinzelte einige Male. Erst jetzt verstand er! Die Hütte war unsichtbar gezaubert worden! Dies erkannte er sofort, da Malfoy im nun sichtbaren Türrahmen stand, den Türknopf noch in der Hand hielt. Ein gehässiges Lächeln zierte seine Lippen.
„Malfoy, wer sonst“ erwiderte Harry ohne Emotion, Draco lachte hohl auf.
„Was willst du hier!“ Abwartend musterte er den Ex-Gryffindor, der etwas unsicher auf der Lichtung stand und den Griff des Schirmes in den Fingern drehte.
„Keine Antwort? Dabei war ich mir so sicher, dass du tanzen lernen wolltest. Immerhin sahst du gestern Abend doch sehr interessiert aus. Oder irre ich mich da, Potter?“ Malfoys Augen funkelten.
„Ich hatte diesen Ort nur durch Zufall gefunden, das war alles! Ich habe nicht vor, tanzen zu lernen!“ giftete Harry ihn an, Draco grinste ein weiteres Mal fies und hob eine Augenbraue hoch.
„Ach, wirklich? Was denn sonst!? Der große Harry Potter braucht so eine Art Tanz nicht zu beherrschen, natürlich! Wie konnte ich das vergessen! Oder kann es sein, dass du einfach nur Schiss davor hast?“ konnte er es nicht lassen, ein wenig zu sticheln, Harry schnaubte.
„Träum weiter, Malfoy“, knurrte Harry ihm entgegen, Dracos Grinsen wuchs zu einem ausgewachsenen Lächeln.
„Na dann? Tritt ein, Potter! Na mach schon, ich habe nicht den ganzen Tag Zeit!“ schnarrte er ihn an, Harry murrte. Trotzdem trat er ein, schloss den Schirm und kam der Aufforderung somit nach. Leise Musik spielte, es war ein langsamer Song. Ein alter Plattenspieler stand in der Ecke, daneben saß Pansy gelangweilt und ihre Fingernägel studierend auf einem Tisch. Als Harry eintrat, musterte sie ihn nur kurz, grüßte mit einem Nicken und wartete auf Draco.
„Ich bin noch nicht fertig, Potter. Du musst noch ein wenig warten“, ließ er ihn kühl wissen, Harry nickte daraufhin und setzte sich auf einen der Stühle. Den Schirm hatte er schon vorhin in eine vorgesehene Halterung, neben der Eingangstüre, gesteckt.
„Pansy? Wo waren wir?“, kam der Blonde mit schnellen Schritten auf seine Partnerin zu, die auf einmal zu strahlen anfing. Schon sprang sie vom Tisch und stellte sich in Position auf. Draco kam hinzu, nahm ihre Hände und wartete den richtigen Einsatz ab. Schon zählte er den Takt der Musik mit, setzte sich mit seiner Partnerin in Bewegung.
Harry konnte nur staunen, denn die beiden tanzten so harmonisch und so geübt miteinander. Geschmeidige Bewegungen, bei denen die Tänzer ab und zu zwecks Weichheit und Federung in die Knie gingen, folgten, Draco wirbelte seine Partnerin umher. Harry versank in diesem harmonischen Bild und runzelte die Stirn. Er bemerkte erst jetzt, dass die beiden zu eng miteinander tanzten. Was ihm noch auffiel war, dass Draco eher ernst blieb, sich konzentrierte, während Pansy ihn anhimmelte und ein seliges Lächeln auf den Lippen trug.
Einige Minuten später endete das Lied, keuchend sahen sie sich an. Draco fing zu grinsen an und fasste an Pansys Schultern.
„Ich glaube, wir könnten es beim Wettbewerb schaffen, Pansy! Wir sind gut! Sehr gut!“ schnarrte er ihr das Lob entgegen, Pansy kicherte immerzu und seufzte.
„Natürlich, Dray! Alles was du sagst!“ quietschte sie, Harry wollte unbedingt kotzen gehen.
„Brauchst du mich noch hier, Dray? Wenn du möchtest, kann ich so lange hier bleiben, bis Potter freiwillig wieder abhaut! Wer braucht den schon hier?“ kritisierte sie eingehend, mit einem abschätzenden Blick Richtung Harry.
„Nein, das ist nicht nötig, Pansy. Ich komme schon alleine mit ihm klar“, erwiderte Draco doch nun ziemlich kühl, Pansy schnaubte und funkelte Harry an.
„Aber…“, sprach sie dagegen, Draco knurrte.
„Ich sagte, es ist nicht notwendig, Pansy! Geh!“ zischte er ihr zu. Pansy studierte sein Gesicht, ihre Miene verschloss sich. Noch einmal schickte sie Harry einen Todesblick zu, ehe sie sich umdrehte und durch die Türe verschwand. Harry sah ihr nach, danach fühlte er sich unwohl. Jetzt waren er und Draco Malfoy alleine. Nur langsam hob er seinen Blick, blieb regungslos auf dem Stuhl sitzen. Draco stand mit dem Rücken zu ihm, durchforstete gerade die Platten und tauschte die vorherige gegen eine andere aus. Vorsichtig setzte er die Nadel an der Außenrille der Platte an, die ersten Klänge der neuen Melodie füllten den Raum.
Geschmeidig wandte er sich Harry zu, grinste ihn schief an und deutete mit seiner Hand an, endlich aufzustehen, näher zu kommen. Harry schluckte hart, kam der Aufforderung nur langsam nach.
„Beeilung, Potter, Zeit ist Geld!“ schnarrte Draco ohne Geduld, Harrys Schritte wurden schneller. Unschlüssig stand er vor ihm, erst da fiel Harry auf, was für ein Lied es war. Kein normales, welches vorhin den Raum in süßen Tönen eingehüllt hatte. Das Lied erzählte von Leidenschaft, Rhythmus und Geschmeidigkeit. Harry schluckte seine Unsicherheit runter, Draco lachte heiser auf.
„Oh Mann, Potter! So nervös? Kannst du eigentlich tanzen?“ fragte er sicherheitshalber, Harry schüttelte langsam den Kopf. Draco stöhnte auf, rollte mit den Augen und seufzte.
„Gut, mache es mir einfach nach, verstanden? Du musst den Rhythmus fühlen, ihn in Fleisch und Blut übergehen lassen, klar? Lasse dich von dieser Musik anstecken, vergiss die Realität. Bereit?“ Harrys Herz pochte hart in der Brust – was hatte er schon entgegen zu setzen? Zum Streiten war ihm nicht zumute, auch wenn er gerne darüber gemeckert hätte, dass er keinen Bock darauf hatte, mit einem Jungen zu tanzen. Außerdem war sein Gegenüber nicht nur irgendein Junge. Nein, es war Draco Malfoy! Gut, das letzte Jahr waren sie besser denn je miteinander ausgekommen, trotzdem waren sie sich in diesem Augenblick mehr als nahe!
Draco beobachtete Harrys Mimenspiel, verkniff sich ein Grinsen und streichelte mit seinen Fingerspitzen der linken Hand von Harrys Schulter aus den Arm entlang. Harry hielt die Luft an, war unfähig sich zu rühren. Dracos Finger umfassten Harrys Hand, hoben sie hoch und legten Harrys Arm lose um seinen Nacken. Harry zuckte ein wenig zusammen, ließ es allerdings geschehen. Er spürte, dass Draco seinen rechten Arm um seine Taille legte, ihn fest an sich zog. Harry hisste kurz auf, riss die Augen auf.
„Entspann dich, Potter. Werde lockerer“, raunte er ihm ins Ohr, Harry räusperte sich neben Dracos Ohr. Wange lang an Wange, der linke Arm beider Jungen hing schlaff am Körper hinab.
„Bewege dein Becken, Potter“, forderte der Blonde leise, der warme Atem streichelte Harrys Ohr und Halspartie. Der Schwarzhaarige versuchte, so gut es ging, dem nachzukommen, doch Draco fand es einfach miserabel.
„Nicht so kantig, Potter, geschmeidig!“ Harry fühlte sich unwohl, wollte sich lösen, doch der Arm um seine Taille ließ es nicht zu. So gab Draco den Takt vor, bewegte sein Becken und ließ es hin und her wiegen. Dabei presste er Harry fest an sich, der damit ein Problem hatte. Der Schwarzhaarige spürte die Reibung, die seine Lenden aufheizte. Oh nein! Nicht schon wieder! Etwas panisch, versuchte er sich abermals aus dem Griff zu befreien, doch es war zwecklos. Ein triumphierendes, heiseres Lachen drang in seinen Gehörgang, schon wurde er einmal im Kreis umher gewirbelt. Danach tanzten sie wieder auf der Stelle, ließen nur ihre Becken hin und her wiegen.
„Fühle den Rhythmus, Potter, fühle die Leidenschaft. Ich weiß, dass du welche besitzt, also lasse sie raus“, flüsterte er weiter und schloss die Augen. Genüsslich sog er den Duft von Harry ein, bemerkte dessen Herzrasen und – sein wachsendes Problem. Kurzzeitig öffnete er seine silbergrauen Seen, Triumph blitzte in ihnen auf. Zufrieden schloss er abermals seine Lider, und da sie versetzt voreinander standen, drückte er seinen Schenkel etwas mehr gegen Harrys Lenden.
Genüsslich vernahm er Harrys Japsen, jetzt fing das gemeinsame Beckenkreisen an. Harry fing zu keuchen an, schloss die Augen, sein Mund stand offen. Oh ja, er hörte die Musik, fühlte den Takt und spürte die Leidenschaft, die sich in ihm ausbreitete. Doch sein Problem wurde immer schlimmer, Blitze der Lust zischten durch seinen Körper und verrieten ihn aufs Heftigste. Wieso sagte Malfoy denn nichts und… was spürte er da?
Harry riss die Augen auf, als ihm bewusst wurde, dass auch Draco Malfoy durch seine heißen Bewegungen anscheinend angeheizt wurde. Die Härte des Blonden nahm immer mehr zu, auch ein Keuchen war zu hören. Harry verdrehte die Augen, der Kopf lag leicht im Nacken. Ein kleines Stöhnen glitt über seine Lippen, wurde von Dracos Ohr mit vollem Genuss empfangen.
„Du kannst es noch besser, Potter. Bemühe dich“, raunte Draco heiser, Harry war unfähig, auch nur einen Ton zu sagen. Er ließ sich treiben, ließ alle Beherrschung fallen und gab sich der Musik hin. Leidenschaftlich bewegte er sich immer sicherer gegen Dracos Becken, kreiste mit diesem im Einklang der Musik und erzeugte eine enorme Hitze der Reibung.
„Ja, ja, Potter. Genau das ist es. Ja“, keuchte Draco in Harrys Ohr, ihre Bewegungen wurden immer sicherer und eingespielter. Draco zog Harry noch fester an sich, rieb seinen harten Stahl an Harrys Schenkel, wobei er bei Harry dasselbe tat. Langsam ging Draco mit Harry zusammen in die Knie, kam mit ihm hüftschwingend wieder hoch, wirbelte ihn mit drei Schritten kurz im Kreis und wiegte ihn danach wieder an Ort und Stelle umher. Harrys Wangen brannten, sein Körper stand in Flammen. Die Luft knisterte und das Lied wollte einfach nicht aufhören zu spielen!
Plötzlich entkam Harry ein verzweifeltes Stöhnen, als Dracos Hand sich von seiner Taille löste, tiefer wanderte und fest zupackte. Zärtlich knetete er Harrys kleine Pobacken, ihre Erregungen schmerzten. Harry hielt nicht mehr lange durch und er verschwendete keinen Gedanken daran, wieso Draco ihn nicht angewidert von sich stieß. Plötzlich biss Draco sich in Harrys Halskuhle fest, dem Schwarzhaarigen entkam ein kleiner Lustschrei. Er merkte nicht einmal, dass sein Arm nun fest um Dracos Nacken lag, er den Blonden leidenschaftlich an sich zog und mehr wollte.
Was er allerdings schon bemerkte, war, dass er durch diesen Biss Lust und Schmerz gleichermaßen spürte und dies der Auslöser war, um hart in seiner Hose zu kommen, endlich die Befreiung zu finden. Ein gedämpftes Stöhnen vom Blonden gesellte sich dazu, welches der Ex-Gryffindor nicht wahrnahm. Das Lied ging zu Ende, die Nadel kratzte über die Platte und der Arm erhob sich, setzte sich in die Ruheposition zurück. Harry und Draco keuchten mit roten Wangen, standen noch immer eng umschlungen da.
Harry riss die Augen auf, der Zauber verflog. Peinlich berührt riss er sich frei, stolperte einige Schritte zurück und starrte Draco Malfoy ungläubig ins Gesicht. Draco verzog keine Miene, hob die Hand, schnippte und Harry wurde knallrot im Gesicht – die Feuchte in seiner Hose existierte nicht mehr.
„Nicht übel, Potter. Allerdings tanzt du noch etwas zu holprig. Wir sollten das weiterhin üben, wenn du ein guter Tänzer werden willst. Und noch etwas, Potter: Versuche deinen Körper unter Kontrolle zu bringen, sonst kann es zukünftig sehr peinlich werden.“ Nach diesen Worten folgte ein schadenfrohes und teuflisches Grinsen, Harry wollte in der Erde versinken. Blanke Wut verzerrte Harrys hübsches Gesicht, ehe er zur Türe stürmte, im Laufschritt seinen Schirm schnappte und nach draußen stürzte.
„Wir sind noch lange nicht fertig, Potter! Ehrlich – so ein mieser Tänzer kam mir noch nie unter!“ rief er ihm nach, doch Harry hörte nicht mehr darauf. Er sah nur zu, dass er so schnell wie nur möglich von diesem Ort verschwand.
Draco schüttelte den Kopf, das Grinsen verging. Nachdenklich sah er seinem Ex-Feind nach und zuckte zusammen, als sich eine Hand auf seine Schulter legte.
„Und? Wie war die Tanzstunde mit Potter?“ fragte ihn Blaise, Draco straffte seine Schultern.
„Gut, durchaus gut. Mehr als gut“, krächzte er, drehte sich um, schritt – ohne aufzusehen – an Blaise vorbei und fing an, alles für den Abend her zu richten. Blaise zog amüsiert eine Augenbraue hoch, betrachtete Draco bei der Arbeit und fing breit zu grinsen an. Er kannte das Verhalten des Blonden und wenn er sich so gab, dann steckte noch mehr dahinter. Blaise wusste, dass Draco ein exzellenter Tänzer war und sehr wohl seinen Körper beherrschte. Eine Frage drängte sich trotzdem auf: Hatte er diese Beherrschung bei Potter fallen lassen? Und wieso war er so durcheinander, so verschlossen?
Was er jetzt noch nicht wusste war, dass auch Draco in seiner Hose gekommen war, was diesem vorher noch nie passiert war…
°°°°
Und wieder einmal sprintete Harry absolut verwirrt den Kiesweg entlang, stolperte, fing sich gerade noch auf und fragte sich immer wieder, wie dämlich er nur sein konnte! Und wie, zum Henker, hatte Malfoy es geschafft, ihn so einzulullen? Ihn so zu verzaubern, sei es auch nur mit seiner Stimme? Außerdem war ihr Tanz vormals so zärtlich gewesen und uferte danach in purer Leidenschaft aus. So etwas hatte er noch nie gespürt und peinlicher Weise war er auch noch gekommen! Und Malfoy natürlich nicht, obwohl er doch auch harte Probleme gehabt hatte? Harry fragte sich außerdem, ob Malfoy sich immer so gab, seiner Lust freien Lauf ließ. Vielleicht bei Pansy? Irgendwie passte Harry dieser Gedanke nicht, allerdings schob er ihn schleunigst beiseite.
Der Tag verging nur schleppend, ihm wurde wieder langweilig. Das Mittagessen kam und ging, nachmittags gesellte er sich sogar freiwillig zu seiner Familie. Ziemlich teilnahmslos sah er Dudley und Samantha beim Tanztraining zu und konnte sogar ab und zu lachen. Endlich kam der Abend, auch die Nacht brach bald an, doch Harry tat keinen Schritt mehr in Richtung Geheimweg. Er ließ sich sogar dazu überreden, mit seinen Verwandten ein Kartenspiel zu spielen. Hätte ihm dies jemand vor einigen Wochen erzählt, er hätte diesen Jemand sofort nach St. Mungos einliefern lassen. Doch jetzt…
°°°°
Und es regnete noch immer, unvorstellbar! Müde rieb sich Harry am nächsten Morgen die Augen und maulte das Fenster an.
„Scheiß Wetter! Das kann doch nicht wahr sein!“ fing er zu keifen an, er hatte die Schnauze voll. Unausgeschlafen machte er sich auf den Weg ins Badezimmer, welches ausnahmsweise endlich einmal unbesetzt war. Sicherheitshalber schloss er ab und starrte in den Spiegel.
„Verdammter Malfoy!“ fluchte er vor sich hin, denn die ganze Nacht hatte er immer wieder von diesem heißen Tanz geträumt. Es war schon komisch: Früher hätte er Malfoy am Liebsten verflucht und jetzt? Jetzt war es so, als ob die letzten Feindschaftsjahre niemals existiert hätten. Eine kleine Stimme flüsterte Harry immer wieder zu, dass er sich nach den starken und beschützenden Armen Malfoys sehnte. Er wieder diesen Tanz tanzen wollte.
„Nein! Will ich nicht!“ blaffte er sein Spiegelbild an, ein Klopfen ertönte.
„Freak? Äh – Harry? Mach endlich auf! Ich will auch ins Bad!“
„Komme schon“, seufzte Harry, entriegelte die Türe und machte sich endlich daran, seine Zähne zu putzen. Dudley musterte ihn die ganze Zeit, sagte allerdings nichts – bis zum Frühstück.
„Was ist denn mit dir los? Du siehst wirklich scheiße aus, Idiot“, sprach Dudley ihn an, Harry funkelte zurück. Er merkte allerdings am Ton, dass Dudley es nicht so ernst meinte, wie die Worte vermuten ließen. Hegte auch den Verdacht, dass sein Cousin nicht wusste, wie er sich verhalten sollte. Freundlich? Oder doch so wie immer?
„Mich kotzt das scheiß Wetter an, ich sehe tatsächlich scheiße aus und ich bin kein Idiot, du Idiot“, zischte er zurück, Dudley stieß ihn kurz in die Rippen – Harry verzog das Gesicht.
„Nenn mich nie wieder Idiot!“ knurrte er zurück, Harry senkte seinen Löffel.
„Ebenso. Beschimpfe mich noch einmal und ich garantiere für nichts, Dudley. Ich bemühe mich wirklich, also leg dich auch ins Zeug! Oder willst du, dass Samantha einen schlechten Eindruck von dir bekommt?“ knurrte er seinen Cousin an, dem das Essen zum ersten Mal vergangen war. Keiner von beiden sagte mehr ein Wort, sie standen auf und gingen in entgegen gesetzte Richtungen.
„Was haben die beiden jetzt schon wieder?“ empörte sich Petunia, während Vernon seine Tageszeitung las.
„Ach lass sie doch, Liebes. Die Jugend von heute, du weißt ja“, murrte er mit den Gedanken weit weg.
°°°°
„Und was wollen wir tun? Immerhin haben wir am heutigen Tag frei!“ ereiferte sich Samantha, die sich mit Dudley im Wald traf.
„Keine Ahnung, Samantha. Fre- Ich meine, Harry, ist heute so komisch drauf. Irgendetwas ist ihm über die Leber gelaufen“, runzelte Dudley die Stirn, Samantha sah ihn nachdenklich an.
„Dann finden wir heraus, was passiert ist“, bestimmte sie, Dudley zeigte ein fieses Grinsen.
„Bin dabei.“
°°°°
Harry lehnte wieder einmal am Geländer der Veranda, blickte grimmig Richtung versteckter Hütte, in der er sie vermutete. Immer wieder verfluchte er sein gestriges Auftreten, verfluchte seinen Körper – peinliche Hitze stieg ihm in die Wangen.
„Nie werdet ihr mich wiedersehen! Das schwöre ich“, wisperte er überzeugt, seine Stimme mischte sich unter die laut auftreffenden Regengüsse.
°°°°
Teil zwei gleich im Anhang!!
|
||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
