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You and me
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von Blacky007    erstellt: 28.08.2007    letztes Update: 28.08.2007    Allgemein / P18 Slash    (fertiggestellt) 12 Reviews
Autor: Blacky007
Teil: 1/1
Rating: P18-Slash
Pairing: Bennoda [Linkin Park]
Disclaimer: Chester und Mike gehören nicht mir, diese Geschichte hier ist frei erfunden und Geld verdiene ich hiermit auch nicht.  
Widmung: Der Seele. Warum, dass erfährt man im Laufe der Story ^^
Anmerkung: Noch ein One-Shot von mir. Und gleich im voraus: Hier ist kein Humor vorhanden.
Die Idee zu der Story bekam ich, als beim Saubermachen in der Arztpraxis durch meine Kopfhörer "Ohh la" von "The Kooks" schallte und ich drauf und dran war durch die ganze Praxis zu tanzen -.- Eigentlich sollte das hier auch eine humoristische (was für ein Wort) Story werden, aber aus Humor wurde Drama. Gut, habe ich gedacht, dann machste halt ein Drama, dafür baust du aber ein Lemon mit rein. Ich war zufrieden und auf dem Weg zu meinem ersten Lemon... aber auf einmal war ich bei Romatik oÔ Und wie sollte ich jetzt aus purer Romantik einen dramaristischen Lemon machen??? Das Ding hier ist mutiert, so wie es wollte und hat es mir ganz schön schwer gemacht! Trotzdem... ich finde, es ist ganz gut gewurden ^^
Aber: Premiere! Mein erster Lemon. Und ich benötige dringend eure Meinung/Kritik. In meine nächste Story wollte ich auch einen Lemon einbauen und das hier ist so eine Art Test dafür. Also: Eure Meinung ist diesmal ganz wichtig ^^
Freu mich auf eure Reviews!  

You and me


Ich beobachtete ihn jedes mal aufs neue. Immer, wenn ich aus dem Büro ging, sah ich ihn. Wie er mit Kopfhörern in den Ohren und den Besen in der Hand durch die Gegend sprang und dabei seinen Mund bewegte. Hören konnte ich ihn nicht. Dafür waren die Türen und Fenster zu dick. Aber ich sah ihn…. Und das reichte mir….

~x~


Als ich ihn das erste mal sah, glaubt ich meinen Augen kaum.
Da sprang ein junger blondhaariger Mann durch die Zahnarztpraxis im Erdgeschoss und benutzte den Besen anscheinend als Mikrophonständer. Nebenbei versuchte er den Boden zu fegen.

Ich empfand es als Belustigung.

Aber irgendwann wurde es zur Gewohnheit. Irgendwann machte ich immer extra ein paar Minuten früher Schluss, nur um eine Weile vor der Glastür der Praxis zu verharren und ihm bei seinem Tun zuzuschauen.

Im Laufe der Zeit wurden seine Bewegungen für mich fließender und geschmeidiger. Ich prägte mir jeden einzelnen Schritt, jeden einzelnen Sprung und jede einzelne Handlung von ihm ein. Ich beobachtete, wie seine Lippen sich stumm öffneten und wieder schlossen, wie seine Finger sich fest um den Besen klammerten und ihn dann wieder losließen, wie seine Augen verträumt mit seiner Stimme mitsangen.

Ich kannte ihn nicht, aber trotzdem wusste ich alles von ihm.

Jedenfalls hatte ich das im Gefühl. Ich glaubte, wenn er vor mir stehen würde, dass ich jede einzelne Bewegung von ihm vorhersagen konnte. Und das gefiel mir. Er gefiel mir; je öfter ich ihm zuschaute. Ich kannte weder seinen Namen, noch wusste ich wie seine Stimme klang. Trotzdem machte er mich wahnsinnig. Jede Bewegung, jeder Schritt brachte mich um den Verstand, entfachte eine Hitze in mir und ein Verlangen, ihm sofort sämtliche Kleider vom Körper zu reißen.

Doch ich blieb stumm, beobachtete ihn weiter und genoss, auch wenn es unerträglich war.
Ich wünschte mir, der Besen zu sein, den er fest umklammerte oder der Lappen, den er in seinen feingliedrigen Fingern hielt. Gott, es würde mir schon reichen, wenn ich nur der Eimer wäre.

Vielleicht war das pervers, was ich dachte; was ich machte. Aber es war ja nicht so, dass ich mich daran aufgeilte und mir zu Hause mit dem Gedanken an ihn einen runter holte. Nein. Diese Gefühle verspürte ich nur in diesem einen Moment. Es waren vielleicht nur zwei oder drei Minuten, in denen ich einfach dastand und auf den tanzenden Körper starrte, denn lange konnte ich nicht dort verharren, schließlich würde das auffallen. Aber trotzdem… Trotzdem genoss ich diese Zeit und verschlang gedanklich alles an ihm.

Und wenn es vorbei war, dann freute ich mich auf morgen. Wo ich ihn wieder beobachten konnte. Nur Freitags war es schwierig für mich, da ich ihn in den nächsten zwei Tagen nicht wieder sehen würde. Dafür wurde Montag aber immer wieder zum schönsten Tag meines Lebens.  


An einem Montag aber, musste ich länger arbeiten als sonst. Der Bürokram hatte sich angehäuft und mein  Chef bestand darauf, dass ich ihn heute noch fertig machen sollte.

Als ich dann endlich fertig war, sprang ich auf und rannte die Treppen des vierstöckigen Gebäudes hinunter. Ich verfluchte den Fahrstuhl, der nicht ging und betete gleichzeitig, dass er noch da war. Vor der Praxis angekommen, starrte ich wie gebannt durch die gläserne Tür.

Und da war er.

Ohne Besen. Ohne Eimer. Aber mit einer Frau. Sie unterhielten sich, lachten miteinander und tauschten verliebte Blicke aus. Vielleicht bildete ich mir das alles nur ein, aber für mich sahen sie wie ein Pärchen aus. Und meine Vorahnung wurde bestätigt, als er ihre Hand nahm und sie mit seiner verschränkte.

Ein Stich ins Herz, ein Tritt in den Magen und eine Schlag ins Gesicht… All das auf einmal. So fühlte es sich an.

Und als ich mit Tränen in den Augen das Gebäude verließ wurde mir zum erstem mal schmerzlich bewusst, dass er mich nicht sah.
Dass er mich noch nie gesehen hat.
Dass er mich nie sehen wird und dass es alles meine eigene Schuld war.

Warum sollte er sich auch für mich interessieren? Ich war unsichtbar, ein Nichts und dazu noch ein Mann.  Drei Dinge, die sich qualvoll in mein Herz rammten und dabei Risse und Löcher hinterließen.

Ich hatte mich verliebt.

In einen Kerl, den ich nur vom Sehen kannte. Den ich immer wieder beobachtet hatte und der mich noch nie bemerkt hatte. Diese Erkenntnis fügte meinem Herzen noch mehr Verletzungen zu. Verbrennungen, Quetschungen, Wunden… und ich wusste, wenn sie irgendwann heilen würden, dann würden Narben zurück bleiben. Tiefe und lange Narben, die ganz schnell wieder aufreißen könnten. Selbst die Tränen, die ich jetzt weinte, würden das nicht verhindern können.

Ich war selbst schuld. Hatte mich immer wieder diesem Verlangen hingegeben. Ich hätte ihn auf mich aufmerksam machen können. Ihn zu einem Kaffee oder sonst was einladen können. Egal was… Ich hätte das hier verhindern können. Aber nun… Nun hatte ich ein gebrochenes Herz, dessen Scherben mir mehr und mehr ins Fleisch schnitten und mich innerlich verbluten ließen.

Ja, ich war selbst schuld, wenn ich jetzt jeden Moment tot umkippen würde.

~x~


Schmerz ist eine Qual, die der menschliche Körper eine Zeit lang aushält. Er schreit am Anfang gepeinigt auf, erholt sich aber schneller, als ihm lieb ist. Die Seele ist anders. Wenn sie gebrochen ist, ist sie gebrochen. Es dauert Monate, wenn nicht sogar Jahre, ehe sie wieder Stück für Stück zusammen gesetzt wird. Und auch dann wird sie nie komplett geheilt sein. Es werden immer noch kleine Splitter fehlen oder winzige Rissen zu erkennen sein. Einmal zerstört, immer zerstört. Ob man es will, oder nicht. So ist es einfach.

Auch meiner Seele war das wieder fahren.

Sie war noch nicht ganz zertrümmert. Ein winziges Stück Kleber hielt sie noch zusammen, aber ein Wort oder eine Tat würde schon ausreichen, um sie endgültig zum Zerbersten zu bringen. Ich  habe aber eine Möglichkeit entdeckt, dem zu entkommen.

Alkohol.

Er betäubt, lässt einen empfang los machen für den Schmerz dieser Welt und allem, was einem weh tun könnte. Und auch wenn es nur für ein paar Stunden war, so legte er doch eine Art unsichtbare Schutzschicht über die letzten Stücke und verband sie miteinander . Seit einer Woche gebrauchte ich nun diese wertvolle Kraft, nutzte sie aus und betrank mich immer und immer wieder, wenn ich von der Arbeit kam. Die Glastür ignorierte ich seit dem. Auch wenn es schmerzte, aber noch mehr würde mir sein Anblick weh tun.

An einem Abend, wo ich gerade mein viertes Bier bestellte und der Alkohol so langsam seine Wirkung erzielte, stand auf einmal unerwartet eine Person vor meinen Tisch.

“Darf ich mich zu Ihnen setzen?”  

Eine Frage oder eine Bitte? Als ich aber nur mit einem Grummeln antwortete und dabei immer noch das Glas in meiner Hand fixierte, sah dieser Kerl, was an der Stimme zu erkennen war, dass einfach als Ja und setzte sich auf den Stuhl mir gegenüber. Ich sah nicht auf. Warum auch? Ich wollte nicht, konnte nicht, was auch immer…

“Nett hier!”, sagte er.

Ich weiß nicht, was er damit meinte. Wir waren in einer Kneipe. Und ich wüsste nicht, seit wann man solche Einrichtungen als nett bezeichnete.

“Sind sie öfters hier?”

Ein Nicken als Antwort. Das müsste reichen.

“Ich sehe sie hier heute zum ersten Mal.”

Mag sein, mag nicht sein. Was weiß ich. Ist mir auch ziemlich egal.

“Sie sind nicht sehr gesprächig, oder!?”

“Hören Sie!”, fing ich an und sah dabei auf. “Ich bin nicht gerade in Stim…”
Schlagartig hörte ich auf, als mein Blick auf der Person liegen blieb, die mich die ganze Zeit über versucht hatte, in ein Gespräch zu verwickeln.  

Nein, dass kann nicht wahr sein. Dass DARF nicht wahr sein. Blonde, zu Spikes gestylte Haare, Lippenpiercing, dunkelbraune Augen hinter eine schwarzen Kastenbrille… Vor mir saß Er.
Mein Herz machte einen kleinen Hüpfer, während der Kleber meine Seele sich langsam zu lösen begann.

Ironie des Schicksals, dass jetzt gerade der vor mir saß, weswegen ich mich seit einer Woche Abend für Abend betrank bis zur Besinnungslosigkeit.

“Sind sie in Ordnung?” Seine dunklen Augen schauten mich fragend an, während seine Augenbrauen sich ein wenig nach oben zogen. “Sie sehen so blass aus.”

Blass? Wohl eher geschockt. Sollte ich jetzt antworten? Oder lieber Schweigen? Oder vielleicht doch lieber aufstehen und weg rennen? Weit weg. So weit weg, dass mein verdammtes Herz endlich aufhört zu klopfen und dabei weitere Splitter meiner Seele in mein wundes Fleisch reindrückt.

“Mister?”

“Ich bin in Ordnung!”, murmelte ich und versuchte seinen Blick auszuweichen, indem ich wieder das Bierglas fixierte. Er sah so nah noch besser aus als von weitem. Viel besser. Perfektion war nichts dagegen. Feine Gesichtszüge, hervorgehoben durch die helle Haut. Dunkle Augen, in dessen sanften Braun man zu versinken droht. Volle Lippen, umspielt mit dem Ring an der Unterlippe und die man einfach nur küssen möchte… Ich konnte nicht anders. Wie sehr ich mich auch dagegen wehrte. Ich musste wieder aufschauen. Ich musste ihn einfach wieder ansehen. Ich musste meinem Verlangen wieder nachgeben. Wollte jede Einzelheit in mich aufsaugen und in mein Gedächtnis brennen, auch wenn dies das Ende meiner Seele bedeuten würde.

“Dann ist ja gut.” Ein Lächeln umspielte seine wundervollen Lippen, während er sich leicht nach vorne beugte und mir die Hand hinstreckte. “Ich bin übrigens Chester.”

Ein Kloß bildete sich in meinem Hals, während mein Kopf auf Hochtouren arbeitete. Ich hatte die Möglichkeit, ihn zu berühren; Seine Haut an meiner eigenen zu spüren. War heute Weihnachten, mein Geburtstag oder ein anderer besonderer Tag von dem ich nichts wusste?

Mühsam versuchte ich den Brocken in meiner Kehle wegzuschlucken. “Mike.”, krächzte ich und ergriff seine Hand. Und es war wie Weihnachten, Geburtstag und sämtliche andere Feiertage zusammen. Seine Haut war so weich, seine Finger so feingliedrig und sein Lächeln im Gesicht raubte mir den Verstand. Oh bitte, bitte lass mich nicht mehr los.

“Freut mich, Mike.”, sagte er während er sich mir entzog. Und mit seinen Fingern, entglitt auch sämtliche Wärme und Glücksgefühl aus meinen Körper. Er sollte mich nicht loslassen und doch hatte er es getan. Er würde mich nie so sehen, wie ich ihn sah. Geschweige denn so fühlen wie ich. Ein Albtraum in einem wunderbaren Traum. So konnte man diese Situation gerade beschreiben.

Mit einer Geste seiner Hand winkte er den Barkeeper zu sich heran und bestellte für sich und, mit einem Blick auf mein leeres Glas, auch ein weiteres Bier für mich.
Keine zwei Minuten später kam der Kellner mit den Getränken auf dem Tablett an und wir prosteten uns zu.

Als ich dabei zu sah, wie er seine geschmeidigen Finger um das Glas legte und mit seinen zarten Lippen den Rand berührte, stieg in mir der Wunsch auf, genau dieses Glas zu sein. Von ihm so sanft umfasst und geküsst zu werden.

Und während meine Fantasie mit mir durchging, rauschte das Blut in meinen Ohren, schlug mein Herz  schneller und es breitete sich ein Ziehen in meiner unteren Region aus.
Wieder einmal musste ich den Blick von ihm abwenden. Diesmal aber um dem Verlangen nach zugeben, nicht jeden Moment über ihn her zufallen.

“Und? Was machen sie hier, wenn ich fragen darf?” Mit heiserer Stimme, die sich so gar nicht nach meiner anhörte, versuchte ich die Stille zu brechen, die zwischen uns lag.

“Du!”, lächelte er freundlich und der Anblick breitete in mir ein Hitze aus, die mich von innen verbrennen ließ. Gott, was tat er nur mit mir? Ein Blick und ich war hin und weg. Ein Bewegung und ich war vollkommen von den Socken. Eine Berührung und ich wusste nicht mehr, wo mir der Kopf steht.
“Ich glaube, so alt sind wir noch nicht, dass wir uns nicht duzen können, oder!?”, sein Lachen hallte durch die Kneipe und hinterließ ein angenehme Gänsehaut auf meinem Rücken. So hell und klar… Wie kann ein Lachen nur so viele Glücksgefühle frei setzen?

“Aber um auf deine Frage zurück zukommen: Ich hatte gehofft, hier jemanden Bekanntes zu treffen.”

Seine Worten schnitten sich in mein Fleisch, während grausame Erinnerungen in mir aufkeimten: dunkelbraunes Haar, schmale Figur, freundliches Lachen… die Frau von einer Woche! Ob er hier auf sie wartete?

“Und du?”, fragte er und schaute mich erwartungsvoll hinter seiner Brille an.

“Das Übliche!” Ich versuchte ein Grinsen aufzusetzen, was in einer misslungenen Grimasse endete und deutete mit einem Kopfnicken zu meinen vier leeren Biergläsern.

Irritiert zog er die Augenbrauen nach oben, bis er schließlich zu verstehen schien und ein leichtes Lächeln um seine Mundwinkel zuckte. “Eine Frau?”

“So ähnlich.”, murmelte ich leise und fixierte wieder mal mein Bierglas. Chester sagte nichts, sondern beließ es dabei. Ich weiß nicht, ob er nicht richtig zu gehört hatte oder sich einfach nichts dabei gedacht hatte… Mir war es egal. Hauptsache er bohrte nicht weiter.

“Tanzt du mit mir?”

“Was?” Mein Kopf  schnellte nach oben, während meine Augen sich unnatürlich weiteten. Hatte ich mich da gerade verhört? Oder hatte Chester mich gerade gefragt, ob ich mit ihm tanzen wollte?

“Tanzt du mit mir?”, wiederholte er seine Frage in einem flüsternden Ton, der mir wieder einmal eine Gänsehaut bescherte. Seine Wangen waren leicht gerötet und der Blick in seinen Augen schrie gerade so vor Angst. Angst darüber, etwas Falsches gesagt zu haben? Oder darüber, dass ich ihn falsch verstehen könnte? Oder Angst darüber, dass ich mit Nein antworten könnte? Gott, die dritte Möglichkeit klingt so verlockend, dass es gleich wieder schmerzte. Nie im Leben würde Chester Angst vor einer Absage von mir haben. Er kannte mich nicht. Er sah mich heute schließlich zum ersten Mal.        

“I-Ich… Ich…”

“Schon gut!” Er senkte den Blick, wie ich zuvor, auf sein Bierglas. “War ’ne dumme Idee. Sorry.”

“Nein, war es nicht!” Mein Stimme klang zum ersten Mal fest an diesem Abend. Wie dumm wäre ich denn bitte, mir solch eine Chance entgehen zu lassen? So nah würde ich ihm wohl nie wieder kommen. Nie wieder in meinem ganzen beschissen Leben. Und auch wenn nun die letzten Scherben ihren Weg Richtung Boden finden würden… Ich will Das . Jetzt und Hier. Gott, mit Chester zu tanzen scheint mir im Moment das Schönste auf dieser Welt. “Ich würde gerne mit dir tanzen.”

Sein Blick richtete sich wieder auf. Unglaube lag in seinen Augen, aber auch pure Erleichterung. Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen, während er mir eine Hand reichte. Ich ergriff diese und genoss jeden einzelnen Funken, der durch meinen Körper zog.

Langsam zog er mich auf die kleine Tanzfläche und erst jetzt realisierte ich, dass gerade “You and me” von Lifehouse lief.

“Darf ich?”, fragte er und schaute mich zögernd an. Mit einem knappen Kopfnicken antwortete ich ihm. Vorsichtig legte er seine Arme um meinen Nacken, vergrub seinen Kopf in meiner Schulter und fing an, sich im Takt der Musik zu bewegen.

Erst zögerte ich, doch dann legte ich meine Hände auf seine Hüfte. Jeder einzelner Hautpartikel meines Körpers brannte. Mein Magen zog sich abwechselnd zusammen und auseinander. Das Blut rauschte in meinen Ohren und gab ein Konzert mit meinem sich überschlagenden Herzen.

Vorsichtig fuhr ich mit meinen Händen über seinen Rücken, wobei sich ein Kribbeln von den Fingerspitzen angefangen bis hin zu meinen Fußsohlen ausbreitete. Mit einem tiefen Seufzer schloss ich nun endlich meine Arme um seinen zierlichen Körper und zog ihn näher an mich heran.

Ich spürte seinen Atem an meinem Hals und inhalierte seinen einzigartigen Geruch. Die Wärme, die von seinem Körper ausging, sog ich in mich ein, wie ein Schwamm das Wasser und ich bildete mir ein, dass ich sein Herz gegen meine Brust hämmern fühlte. Wenn er mich jetzt loslassen würde, dann würde ich sterben. Auf der Stelle.

Doch Chester dachte nicht daran, sich von mir zu lösen. Selbst als das Lied aufhörte zu spielen und schon die nächsten Töne des folgenden Songs erklangen, ließ er mich nicht los. Im Gegenteil: Er schien sich nur noch mehr an mich zuklammern. War das ein Traum? Oder hatte ich mal wieder zu viel getrunken, sodass ich halluzinierte?

“Meine Wohnung ist gleich um die Ecke.”, flüsterte er an meiner Schulter und brachte meine Nackenhaare dazu, sich aufzustellen. Und bevor ich auch nur antworten, geschweige den reagieren konnte, nahm er meine Hand, zog mich bis zu unserem Tisch, klatschte das Geld für die Getränke auf diesen und ging, ohne sich umzudrehen und immer noch mit mir an der Hand, aus der Kneipe hinaus.

Ich war sprachlos. Mein Mund war trocken und meine Kehle wie zugeschnürt. Einzig und allein meine Augen, die sich auf Chesters Hinterkopf brannten, schienen zu arbeiten.

Vor einem mehrstöckigem Hochhaus kamen wir letztendlich zum Stehen. Mit einer geschickten Bewegung zog er einen Schlüssel aus seiner Hosentasche und öffnete die Tür.

Und meine Hand ließ er dabei nicht los.

Stufe um Stufe erklommen wir. Das heißt, wie rannten sie regelrecht hoch. Mehrmals kam ich ins Straucheln, aber ihn interessierte das herzlich wenig. Im Gegenteil: Um so langsamer ich wurde, um so fester wurde seine Druck um meine Hand, während er mich hastig weiter hinter sich herzog.
Schließlich hielten wir vor einer Tür in den obersten Stockwerken ein weiteres Mal an.

Mein Atem rasselte. Meine Brust hob uns senkte sich im ungleichmäßigen Rhythmus und presste den Sauerstoff schmerzhaft in meine Lungenflügel. Mein Herzschlag hatte sich noch einmal um einige Takte verschnellert. Meine Beine taten vom vielen Laufen weh. In meinen Kopf hämmerte es und meine Finger fingen an zu schmerzen, von dem Druck, die er auf meine Hand ausübte.

Und ich hatte immer noch kein einziges Wort über meine Lippen gebracht.    
 
Mit zittrigen Fingern, jedenfalls sah es so für mich aus, öffnete er auch diese Tür und zerrte mich hinter sich hinein.
Ich wusste nicht wie mir geschah. Meine Sinne waren komplett ausgeschaltet, sowie mein Gehirn. Ich sah mich immer noch in einem dieser Wunschträume und betete, dass ich nie aufwachen würde.

Erst als ich die Tür in meinem Rücken spürte, schien ich wieder aus meiner Starre zu erwachen.
Chester stand mit gesenktem Kopf genau vor mir und drückte mich gegen das Stück Holz. Sein  betörender Duft stieg mir in die Nase und die Hitze, die er ausstrahlte, schien mich regelrecht zu verbrennen. Zaghaft hob er seinen Kopf. Sein warmer Atem streifte über mein Gesicht und meine Lippen, aber das, was mich in diesem Moment zu meiner Tat brachte, war sein Blick: Verlangen, Begierde, Sehnsucht…

Ohne darüber auch einen einzigen Moment nachzudenken legte ich eine Hand in seinen Nacken und drückte meine Lippen auf seine. Und ich wusste, dass ich ihn mit den gleichen Gefühlen küsste, die in seinem Blick lagen.

Gierig erwiderte Chester meinen Kuss und öffnete seine Lippen einen Spalt, als ich mit meiner Zunge um Einlass bat.
Ein Feuerwerk explodierte in mir, als sich unsere Zungen trafen und miteinander fochten.

Ich plünderte seine Mundhöhle und er meine.
Ich raubte ihm die Luft zum Atmen und er tat es mir gleich.
Ich legte meine ganze Besessenheit nach ihm in den Kuss, genau wie er.

Ein Keuchen entrann mir, als er sein Knie gegen meinen Schritt drückte.
“Das ist ein Traum.”, murmelte ich gegen seine Lippen. “Das muss ein Traum sein!”
“Fühlt sich ein Traum so an?”, fragte er flüsternd und knabberte an meiner Unterlippe, während sein Knie leichte Bewegungen vollführte.

Ich konnte ihm nicht antworten, sondern starrte ihn nur aus verschleiertem Blick an. Die Hitze in meinem Körper breitete sich immer mehr aus, bis sie schließlich meine Körpermitte anvisierte, um dort mit meinem Blut einen heißen Samba-Tanz aufzuführen.

“Mike…” Chester arbeitete sich langsam vor. Er küsste meine Halsschlagader entlang, verteilte Schmetterlingsküsse auf mein Kinn, bis er schließlich an mein Ohr ankam und mich mit seiner vor Lust dunklen Stimme noch mehr verrückt werden ließ. “Mike… Schlaf mit mir!”

Meine Antwort war einfach und simpel: Ich drückte ihn an meiner Stelle gegen die Tür und küsste ihn mit einer Leidenschaft, die ich nie von mir erwartete hätte.

Wäre mein Verstand wenigstens noch halbwegs da, hätte ich wahrscheinlich aufgehört. Dann wäre ich abgehauen, hätte mich versteckt oder sonst irgendwas getan. Er hätte mir gesagt, dass das, was ich hier tat, nicht gut für mich war. Dass meine Seele schon angeknackst war und dies hier mir den Rest geben könnte. Dass ich hier nach nie wieder so sein würde wie vorher.

Aber mein Verstand war nicht mehr da. Im Moment wurde ich nur von zwei Sachen beherrscht: Lust und Gier.

Fast schon hektisch zog ich den Reißverschluss an Chesters Jacke auf und streifte diese von seinen Schultern. Ein eng anliegendes Shirt kam darunter zum Vorschein und hätte ich darauf geachtet, hätte ich gesehen wie sehr es doch seine zierliche Gestalt untermalte. Aber es interessierte mich nicht, schließlich störte das Kleidungsstück nur, und fuhr mit meinen Händen unter sein Oberteil.

Warme, weiche Haut und angedeutete Bauchmuskel, die sich bei meinen Berührungen anspannten, ertastete ich. Vorsichtig fuhr ich mit meinen Fingerspitzen auf und ab, umkreiste seinen Bauchnabel und wanderte wieder nach oben.

Auch Chester blieb jetzt nicht untätig, sondern schob seine Hände unter meinen Pullover. Er strich über meinen Rücken, mit seinen Nägeln oder mit seinen Fingerkuppen, malte kleine Kreise auf meiner Haut oder streichelte einfach nur auf und ab.  

Als ich eine seiner Brustwarzen streifte keuchte er in den Kuss hinein. Und das Geräusch war der Wahnsinn. Die Tatsache, dass er auf mich genauso reagierte wie ich auf ihn, trieb mich noch mehr in Ekstase. Ich zog ihm das T-Shirt über den Kopf und widmete mich seinen Hals: verteilte kleine Küsse, liebkoste ihn mit meiner Zunge, biss hinein, um versöhnlich wieder drüber zulecken…

Sein Atem wurde schneller und streifte dabei meinen Nacken. Er war heiß und spiegelte genau das wieder, was wir gerade empfanden.

Mein Hände strichen weiterhin über seine Brustwarzen. Mal sanft mal fest, bis sie schließlich hart waren.

“Mike…”, Chester stöhnte, als ich an sein Schlüsselbein ankam und dort die gleiche Prozedur wie an seinem Hals verrichtete. “Gott… du machst mich verrückt…”
Mit seinen Händen, die von meinen Rücken verschwanden, zog er mein Gesicht zu sich und küsste mich innig.

Wer macht hier bitte wen verrückt? Er küsste mich mit soviel Verlangen und soviel Leidenschaft, dass mir das atmen schwer fiel. Ich konnte nicht mehr denken; wollte nicht mehr denken. Das einzige was ich wollte war derjenige, der mir hier gerade den letzten Funken Selbstbeherrschung wegküsste.

Chester schob mich küssend vor sich her, was nicht so einfach war, da ich nun rückwärts laufen musste und ich mich in dieser Wohnung kein bisschen auskannte. Zudem wurde es langsam dunkel.
Aber, ob nun weil er so ein guter Dirigent war oder weil sein Zungenspiel mich so ablenkte, auf einmal spürte ich ein Kante an meiner Kniekehle.

Wir waren in Chesters Schlafzimmer angekommen und standen vor seinem Bett.

Mit einem letzten Schubser bugsierte er mich auf die weiche Matratze und kam mir hinterher.
Sein Gewicht drückte mich tief ins Lacken und sein Geruch, der von diesem nur umso mehr ausging, betörte wieder einmal meine Sinne.
Seine Hände wanderten über meinen Oberkörper und betasteten jedes Fleckchen Haut. Mein Pullover hatte ich irgendwo auf den Weg ins Schlafzimmer verloren.

Ich stöhnte ungehalten, als seine Zunge die Arbeit seiner Fingerspitzen weiterführte. Er umkreiste meine Brustwarzen, wanderte von da aus nach unten und hinterließ ein feuchte Spur auf meinem Bauch.
Bei meinem Bauchnabel hielt er kurz inne. Betörend langsam leckte er sich vorwärts und versenkte schließlich seine Zunge in meinem Nabel.  

Ich keuchte unter ihm und wollte, dass er weiterging. Meine Hose war eindeutig zu eng geworden.  
Aber er ließ sich Zeit, zog mit den Fingern die Form meiner Bauchmuskeln nach und strich immer wieder meine Seite auf und ab. Seine Zunge dagegen widmete sich ganz meinem Bauchnabel, blieb aber von meiner Körpermitte fern.

Ich hielt das nicht mehr aus. Mit einem Ruck drehte ich uns Beide um und lag schließlich auf ihm. Dabei gelangte mein Bein zwischen seine Beine, worauf er sich auf die Zunge biss um nicht laut aufzustöhnen.

“Lass mich dich hören.”, flüsterte ich rau an sein Ohr und bewegte mein Bein. Chester schien noch kurz mit sich zukämpfen, gab dann aber auf. Seine Lustgeräusche schallten nun im ganzen Raum wieder und trieben mich noch höher auf die Welle der Leidenschaft.

Meine Zunge fand ihren Weg über seinen Oberkörper und hinterließ feuchte Spuren, während meine Hände ungeduldig an seinem Hosenknopf werkelten. Dabei streiften meine Finger seine Erregung, worauf ein Zittern seinen ganzen Körper ergriff und seine Stimme umso lauter wurde.
Noch gieriger auf ihn öffnete ich schließlich den Knopf und den Reißverschluss, um dann mit meiner Hand in seine Hose zu gleiten.

“Oh Gott, Mike…”. stöhnte er, als ich meine Finger um ihn schloss und sanft zudrückte. Sein Brustkorb hob und senkte sich genauso hektisch wie sein Atem gerade war. Die Hände waren ins Laken gekrallt, bevor sie sich in meinen Haaren verfingen und er mich an diesen zu sich hochzog, um seine Lippen auf meine zupressen.

Langsam fing ich an ihn zu massieren. Strich mit meinen Fingern auf und ab und brachte ihn dazu, sich unter mir zu winden. Nur mühsam konnte ich ihn zurückhalten, in meine Hand zustoßen.
Bevor er aber auf den Höhepunkt der Lust ankam, ließ ich ihn los um ihn seiner Kleidung gänzlich zu entledigen.  

Unter schwerfälligen Liedern sah er mich mit dunklen Augen an, während sein Atem rasselte. Ich strich mit meinen Fingerspitzen an seinen Innenschenkeln entlang und mied dabei vollkommen seine Körpermitte.

“Willst du, dass ich anfange zu betteln?”, fragte er mich flüsternd worauf ich nur grinsen konnte.
“Warum nicht?”, entgegnete ich und küsste ihn erneute.
Chester aber ignorierte meine Antwort und machte sich nun an meiner Hose zu schaffen. Ziemlich ungeduldig öffnete er Knopf und Reißverschluss und streifte mir Jeans samt Boxershorts von den Beinen. Ich stöhnte und schloss die Augen, als er nun seinerseits mich anfing zu verwöhnen.

Seine Finger waren sanft und gleichzeitig fest; Brachten mich bis kurz vor dem Höhepunkt, nur um dann wieder locker zulassen. Wer quälte jetzt hier wen?

Als er von mir abließ öffnete ich wieder meine Augen und wartete auf seine Reaktion. Wollte er wirklich soweit gehen?

“Tu es!”, flüsterte er auf meine unausgesprochene Frage und ließ mich zwischen seinen Beine verschwinden.

“Wenn es weh tut, dann sag!” murmelte ich. Chester grinste. “Du wirst sowieso nicht aufhören können, wenn es soweit ist!” Ich wusste, dass er Recht hatte, trotzdem wollte ich ihm alles andere als Schmerzen bereiten.
Deshalb drang ich langsam und so vorsichtig wie möglich in ihn ein. Im ersten Moment verzog er das Gesicht, worauf ich angsterfüllt inne hielt.
“Mach weiter!”, keuchte Chester und ich folgte seiner Aufforderung. Seine Finger krallten sich in meine Schulterblätter und verursachten einen süßen Schmerz. Es machte die ganze Sache einfacher. Mein Gewissen wurde regelrecht erleichtert, da ich nun auch ein wenig leiden musste, wenn auch nicht so dolle wie er.

Als ich gänzlich in ihm verschwunden war, musste ich mich mühsam zusammen reißen, um nicht wild und ungezügelt in ihn hineinzustoßen. Seine Enge verpasste mir Sterne vor den Augen.

Nach einiger Zeit signalisierte er mir, dass er sich an mich gewöhnt hatte, indem er sein Becken betörend kreisen ließ.
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich zog mich aus ihm zurück und stieß, wenn auch immer noch vorsichtig, in ihn hinein. Chester quittierte das mit einem lauten Stöhnen. Anscheinend hatte ich genau den richtigen Punkt erwischt.

Meine Bewegungen wurden unkontrollierter. Hektischer. Brachten mich immer mehr zum höchsten Punkt der Lust und entlaubten mir ein unsittsames Stöhnen nach dem anderen.  
Auch Chester schein es nicht anders zu gehen, da seine  Laute genauso lusterfüllt waren wie meine.
Gemeinsam trieben wir uns immer weiter, bis wir schließlich mit einem lauten Aufschrei und dem Namen des Anderen auf dem Lippen über die Klippe sprangen.

Keuchend sackte ich auf ihm zusammen. Gott, das war das Wundervollste und zugleich Unglaublichste was ich seit Jahren erlebt hatte.

~x~


Mein Kopf war auf seiner nackten Brust gebettet, während er sanft mit seinen Fingern durch meine Haare fuhr. Seit unserem gemeinsamen Erlebnis lagen wir nun schon eine ganze Weile so da und hatten noch kein Wort miteinander gewechselt.

Am Anfang genoss ich diese vertraute Stille zwischen uns Beiden, doch nun kehrte mein Verstand langsam wieder zurück. Ich hatte gerade mit dem Mann meiner Träume geschlafen. Und das, obwohl die Scherben meiner Seele schon so gut wie verloren waren.

War es das Richtige? War es falsch? Und was noch viel wichtiger war: War es das überhaupt wert? In ein paar Minuten würde er mich wahrscheinlich rauswerfen und ich würde zurückbleiben mit einem gebrochen Herzen und einer vernarbten Seele.

Insgeheim hatte ich mir diese Art von Nähe die ganze Zeit über gewünscht. Immer wenn ich ihn angestarrt hatte, bei seinen wundervollen Bewegungen oder wenn ich mir gewünscht hatte, der Lappen in seiner Hand zu sein oder als wir vorhin getanzt hatten… Ja, das war es eindeutig wert gewesen. Trotzdem würde ich nun endgültig in den Abgrund springen, wenn es für ihn nur ein Spiel gewesen wäre.

“Weißt du, das hatte ich schon von Anfang an tun wollen.” Er unterbrach die Stille und damit meine zweifelnden Gedankengänge.
“Was meinst du?” Fragend und mit gehöriger Angst sah ich ihn an. Würde er mich nun rausschmeißen und sagen, dass ich aus seinem Leben verschwinden soll?

“Dich ansprechen…”, flüsterte er und wandte seine Augen auf mich. “… dich küssen…” Sein Blick wurde intensiver und verdunkelte sich wieder ein wenig. “… dich berühren, wie es kein anderer tut…” Langsam neigte er seinen Kopf und legte seine Lippen auf meine. Sanft, wie ein Windhauch, war seine Berührung bevor er wieder in die alte Leidenschaft überging.

Als er sich von mir löste, lächelte er. “Ich hab dich immer gesehen… Immer, wenn du vor der Glastür standst und mich beobachtet hast…”

“Was?” Angst stieg in mir auf. Angst, die schon fast Panik glich. Dann hatte er doch… Dann war es doch nur ein Spiel? Ich fühlte, wie der Kleber sich löste und die erste Scherbe langsam ihren Weg Richtung Boden fand.  

“Du hattest immer so geschaut. So seltsam… Am Anfang fand ich das doch sehr… eigenartig…”

Klirr. Die zweite Scheibe.

“Und irgendwann wurde mir bewusst, was da genau in deinen Augen war: Leidenschaft, Lust, Sehnsucht… Im ersten Moment war ich doch ziemlich geschockt und angewidert…”

Klack. Das dritte Stück.

“Aber bald war es doch…” Widerwärtig? Abartig? Pervers? Ein Wort… Ein Wort und ich würde auch die letzte Scherbe aus ihrer ursprünglichen Form springen sehen. “… ja, anregend. Obwohl es das auch nicht richtig trifft. Ich fand deine Blicke irgendwann richtig toll. Es machte mir Spaß, vor dir zutanzen und zu sehen, wie deine Blicke bei meinen Bewegungen immer weiter abdrifteten…”

Mein Magen zog sich regelrecht bei seinen Worten an zuzuschnüren. Und obwohl meine Zunge schwer war wie Blei, fing ich trotzdem an zu sprechen. “Sag nichts … bitte, rede nicht weiter!”

Geschockt sah mich Chester an, als ich aufstand und anfing, meine Sachen zusammen zusuchen, immer darauf bedacht, nicht loszuheulen.

“Mike?”

“Ich… Ich… Gott, ich werde sofort verschwinden, aber bitte sag mir nicht ins Gesicht, dass es nur ein Spiel für dich war oder eine Ablenkung oder sonst was. Ich… Ich könnte das nicht ertragen, weil… weil…”

“Es war kein Spiel für mich, geschweige den einer Ablenkung!” Chester suchte meinen Blick. “Wie kommst du bitte darauf?”

“Ich habe euch doch gesehen… Dich und deine Freundin… In der Praxis! Auf sie hast du doch heute auch gewartet!?” Meine Stimme war brüchig und leise. Spielte er jetzt sein Spiel weiter?

Im ersten Moment sah er aus, als ob er überlegte. Dann lächelte er. “Du meinst Sam. Sie ist nur eine gute Freundin von mir. Außerdem…” Leise stand er auf und ging auf mich zu. Immer noch dieses wunderbare Lächeln im Gesicht. “Wer sagt denn, dass ich auf sie gewartet habe? Mike, um ehrlich zu sein, bin ich dir hinterher geschlichen. Die ganze Woche über habe ich auf dich gewartet. Aber du bist nicht gekommen. Dann habe ich den Entschluss gefasst dich darauf anzusprechen. Ich bin dir bis zur Kneipe gefolgt und habe dich dort dann angequatscht.” er zuckte mit den Achseln und lächelte dann wieder. “Den Rest kennst du ja!”

“Du… Du bist mir gefolgt?”, fragte ich flüsternd und stand wie versteinert da.
Chester nickte als Antwort.
“Warum?”

“Das sagte ich doch schon: Ich wollte wissen, warum du die ganze Woche nicht aufgetaucht bist.”

Energisch schüttelte ich den Kopf und wich ein Schritt von ihm zurück. “Das meinte ich nicht… Warum wolltest du überhaupt mit mir sprechen? Fandest du es nicht abartig und… widerlich, was ich da gemacht habe? Ich meine, ich habe dich beobachtet; immer und immer wieder. In meinen Gedanken habe ich dich regelrecht ausgezogen… Das ist doch pervers!”
Ich schrie die Worte regelrecht heraus. Aber Chester blieb ruhig, lächelte weiter und ging auf mich zu, um schließlich seine Arme um meinen zitternden Körper zu schlingen.

“Warum sollte ich das pervers finden? Mir erging es doch nicht anders… Gut, zu Beginn war es schon eigenartig, aber wie gesagt: Mir gefiel es. Du gefielst mir. Ich wollte diese Blicke von dir. Ich wollte diese Gedanken und vor allem: Ich wollte so von dir begehrt werden.”

Seine Worte drangen nur langsam zu mir und durchbrachen schließlich meinen Verstand, um in mein Herz zugelangen. Sollte das möglich sein? Fühlte Chester vielleicht genauso wie ich?

“Verstehst du nicht, Mike? Für mich war es kein Spiel, weil ich…”, seine Stimme brach ab und sein Kopf vergrub sich in meine Schulter. “…weil ich dich liebe!”

Und mit diesen Worten flogen die Scherben an ihren rechtmäßigen Platz zurück. Verbanden sich zu einem schimmernden Gefäß aus festen, dicken Glas und nicht einmal Narben oder andere Wunden waren zu sehen.

Meine Arme schlangen sich um Chesters zierliche Gestalt und zogen ihn noch näher an mich heran. Immer wieder halte sein Gesagtes in meinem Kopf wieder und entfachte in mir eine Euphorie, sodass ich anfing ihn durch die Luft zuwirbeln.

“Mike.”, lachte Chester und ließ meine Freude noch mehr wachsen. “Komm schon, Mike. Lass mich runter!”
Und ich kam seiner Aufforderung nach, nicht aber ohne ihn einen leidenschaftlichen Kuss aufzudrücken. Als wir uns lösten, grinste er mich frech an. “Was meinst du: Wollen wir duschen gehen?”

Und als Antwort nahm ich ihn auf den Arm und trug ihn ins Badezimmer, begleitet von seinem hellen Lachen und dem unaufhörlichen Glücksgefühl.


~x~


Die menschliche Seele ist kein Gegenstand, aber ein lebendiges Wesen ist sie auch nicht. Sie besitzt keinen Pulsschlag, atmet nicht und Blut fließt auch nicht durch ihre Adern.

Trotzdem gehört sie zu einem Menschen.

Sie charakterisiert ihn, prägt ihn und macht aus ihm das, was er ist. Sie ist ein Teil eines jeden Lebewesens. Wenn nicht sogar der wichtigste. Sie hilft uns beim Atmen, auch wenn nicht durch Sauerstoffzufuhr. Sie lässt uns empfinden und nicht ertauben. Sie lässt uns leben und nicht vegetieren. Das macht sie zu etwas Besonderem. Jeder sollte seine Seele schützen. Mit Liebe, Verstand und manchmal auch mit Gewalt.

In vielen Fällen ist ein Mensch mit dem Schutz seiner Seele überfordert. Erst wenn sie kurz vor dem Bruch steht, bekommen die meisten mit, wie es um sie steht.

Auch mir erging es so.

Ich habe sie vergessen und als es soweit war, sie ignoriert. Erst als es fast zu spät war, bin ich aus meiner Trance erwacht und habe versucht, wenigstens die letzten Bruchstücke zu bewahren.

Durch Chesters Hilfe habe ich gelernt, wie wichtig die Seele ist, wenn auch auf die harte Tour. Meine Geschichte habe ich euch erzählt, damit auch ihr erwacht. Schützt eure Seele und euch damit. Liebt sie, hasst sie und vergesst nicht, dass sie existiert. Ohne sie könnt ihr nicht atmen, durchhalten, leben…

Macht nicht den gleichen Fehler wie ich und wartet bis auf den letzten Drücker.

Lebt mit dem Wissen, dass eure Seelen ihr sei.

Micheal Kenji Shinoda


~Ende~


Reviews? - Yeah!
Kritik? - Yeah!!
Morddrohungen? - Ye...  öhm... lieber doch nicht! XD
 
 
   
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