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von Zwiebelfisch    erstellt: 16.11.2007    letztes Update: 16.11.2007    Drama / P12 Slash    (fertiggestellt) 12 Reviews
Hey ihr Lieben

Die Idee für den Oneshot ist mir gekommen, nachdem ich ne Story von Silver7772 gelesen hab, in der es um den Song „Bleib tapfer“ von WIZO ging und da hab ich mich an ein anderes Lied von denen erinnert, nämlich „Nice Day“ welches auch die Grundlage für den OS hier ist. Ich hoffe es gefällt euch, das ist mein erster Versuch, eine eher dramatische Geschichte zu schreiben. Hinterlasst mir bitte ein Review und sagt mir, wie ihr’s gefunden habt, okay?

Disclaimer: Draco und Harry gehören Mrs. J.K. Rowling
           “Nice Day” ist von WIZO
          “Sehnsucht” ist von den Toten Hosen
           Und die Idee ist von mir^^
Beta: natürlich wie immer mein lieber telefonhilfe
___________________________________________________________________
Nice Day

I woke up in the morning,
By the ringing of the telephone.
And everything he said to me was
'Baby please come home'!

Schweißüberströmt wachte er auf. Wieder geträumt, wieder aufgewacht und wieder festgestellt, dass alles nur ein Traum war. Ein verdammter Traum, der niemals, der unmöglich in Erfüllung gehen konnte.

Das Telefon klingelte. Vielleicht war er es doch...? Hoffnungsvoll streckte er die Hand aus um an das auf dem Nachttisch stehende Telefon zu kommen. In freudiger Erwartung flüsterte er ein „Ja..?“ in den Hörer.

„Hey Harry, hier ist Ron, ich wollte fragen, ob du heute Abend mit Hermine und mir essen möchtest?“

Er lies das Telefon fallen. Völlig neben sich stehend sah er, wie der Hörer in der Luft baumelte und an seiner gekringelten Schnur noch ein paar Mal auf und ab hüpfte, wie ein Erhängter, dem jemand perverserweise einen Schubs gegeben hatte.

Schwach konnte er Rons Stimme hören, die noch immer penetrant aus dem Hörer schallte.

„Harry? Harry, alles in Ordnung? Bist du noch dran?“

Nein, es war nicht alles in Ordnung. Und es würde auch nie wieder alles in Ordnung sein. Die Welt, die er kannte, die für ihn vollkommen in Ordnung war und in der er so gerne gelebt hatte, war vor wenigen Wochen zusammengebrochen.

It took a while to realize
That I was only dreaming
'cause he died some weeks ago
And nothing's like it seems

Träume. Manche Menschen träumen gerne. Früher hatte er auch gerne geträumt. Vorzugsweise von seinem späteren Leben, seinem Leben mit Draco, wie sie zusammen alt wurden. Wie sie endlich ihre Beziehung nicht mehr geheim halten musste, wenn sich die Wirren des Kriegs gelegt hatten.

Doch dazu war es nicht mehr gekommen. Eigentlich war es schon fast ironisch, wie er gestorben war. Sie beide hatten einen kompletten magischen Krieg überlebt. Sie hatten Dinge gesehen und erlebt, die sie niemals wieder vergessen würden.

Aber gestorben war er nicht durch einen Fluch oder durch einen Todesser. Weder durch Folter noch durch Gefangenschaft. Nein. Es war viel simpler. Und vielleicht deswegen so unendlich grausam.

Sie waren einkaufen gewesen. In London. Niemand kannte sie, niemand würde sie verfolgen. Sie konnten sich einfach benehmen wie ein ganz normales Pärchen, das an einem Samstagmorgen den Wochenendeinkauf erledigte.

Draco hatte sich noch nicht komplett in der Muggelwelt eingelebt und lernte jeden Tag etwas Neues. An jenem Morgen hatte Harry ihm erklärt, wie er sich in der U-Bahnstation eine Fahrkarte kaufen und einlösen konnte.

Was Draco jedoch am Meisten fasziniert hatte, waren die Ampeln in der Stadt, die den Verkehr regelten und jedem Fußgänger das sichere Überqueren der Straße ermöglichen sollte. Stolz wollte er ihm zeigen, dass er es sich mittlerweile gemerkt hatte, dass man bei Grün gehen und bei Rot stehen bleiben sollte.

Als sie an der Ampel ankamen, war das kleine grüne Männchen zu sehen. In der Ferne konnte man ein Taxi sehen, das mit der typisch hohen Londoner Geschwindigkeit angebraust kam.

Mit einem freudigen Lächeln betrat Draco die Fahrbahn, drehte sich zu ihm um, wie um ihm zu sagen: „Schau mal, was ich alles schon gelernt habe.“ In diesem Moment schaltete die Ampel um, das Taxi kam, versuchte noch zu bremsen und erfasste Draco.

Niemals würde er den erstaunten Gesichtsausdruck vergessen, den Mund dessen Lippen einen perfekten Kreis formten, perfekt so wie alles an ihm.

Sein Blick war mehr fragend als ängstlich. Sein ganzes Gesicht drückte pure Verwunderung aus, als würde es ihn fragen wollen, warum das hier gerade passiert. Die Ampel war doch grün gewesen.

Was danach passierte, daran konnte er sich nicht mehr erinnern. Im nächsten Moment war er im Krankenhaus, saß stundenlang auf den unbequemen Stühlen, trank einen schlechten Kaffee nach dem anderen und stand nur auf um sich eine neue Zigarette anzuzünden.

Er weinte nicht, als ihm der Arzt sagte, dass sie alles versucht hatten, aber leider... Er weinte nicht auf Dracos Beerdigung, auf der nur er und ein paar ihrer Muggelfreunde gewesen waren. Er weinte nicht, als er danach in ihrer gemeinsamen Wohnung saß und sich stundenlang ein Bild nach dem anderen anguckt.

Dracos Grab lag auf einem Friedhof in der Nähe ihrer Wohnung, vielleicht fünf Minuten entfernt von hier. Aber er hatte es nicht über sich gebracht, ihn zu besuchen. Er ertrug den Gedanken nicht, dass jetzt alles zu Ende sein sollte, dass Draco unter der Erde lag, niemals wieder lachen würde.

Es war so unfair. Ein Autounfall. Im Krieg hatten sie jeden Tag damit gerechnet zu sterben, jede Minute, jede Sekunde. Aber jetzt? Im Leben danach? Draco Malfoy, getötet von einem gottverdammten Muggelauto? Das war mehr als er ertragen konnte.

Seine Erinnerungen an ihn wurden von Tag zu Tag immer mehr von dem Bild überschattet, wie er dagelegen hatte. Die Augen geschlossen, die Haare ordentlich aus dem Gesicht gekämmt, seine alte Slytherinkrawatte um den Hals gebunden, gekleidet in einen Anzug.

Er sah so unheimlich perfekt aus, so lebendig, als würde er jeden Moment die Augen aufschlagen, aufstehen und ihn anlachen. Alles wäre nur ein Scherz gewesen. Ein makaberer zwar, aber ein Scherz.

Memories inside my head,
The sun is shining bright
Seems like I loose the will to live,
Just wanna catch the light...

Die Erinnerungen würden ihn noch wahnsinnig machen. Jeden Morgen dasselbe. Abends konnte er ewig nicht einschlafen, wenn er schlief, träumte er ununterbrochen von Draco und beim Aufwachen spürte er bereits nach wenigen Sekunden den Schock, den er jeden Morgen bekam, wenn er wieder mal bemerkte, dass alles nur ein Traum gewesen ist.

Er ist immer noch tot. Er kommt nie wieder zurück. Er würde ihn nie wieder sehen.

Zu Hermine und Ron hatte er nur noch sporadischen Kontakt. Nicht weil etwas vorgefallen war zwischen ihnen, sondern weil die Beiden jetzt ihr eigenes Leben führten und er mit Draco mehr als glücklich gewesen war.

Manchmal hatte er sich sehr gewünscht, wenigstens den Beiden erzählen zu können, dass er sein Glück gefunden hatte. Sicher hätten sie sich für ihn gefreut und Draco irgendwann akzeptiert. Und vor allem hätte er jetzt jemanden zum Reden gehabt.

Draußen war schönstes Juniwetter. Die Sonne schien vom strahlend blauen Himmel direkt in sein Schlafzimmer und beleuchtete das Chaos um ihn herum. Seit er gestorben war, hatte er einfach keine Kraft mehr zum Aufräumen gefunden und bei manchen Sachen hatte er es nicht übers Herz gebracht.

Dracos Schlafanzug lag noch genau da, wo er ihn am Morgen fallen lies, seine Zeitschriften, Bücher und CDs waren noch immer unordentlich über seinen Schreibtisch verteilt. Doch mittlerweile bedeckte eine graue Staubschicht alles, genau wie eine dicke, graue Schicht sein Herz bedeckt, die Sonne nicht herein lies und dafür sorgte, dass er fror, so erbärmlich fror.

Mittlerweile war seine Trauer zu einer handfesten Depression ausgewachsen. Die graue Schicht um sein Herz wurde mit jedem Tag dicker, mit jedem Tag wurde er selbst dünner, seine Augen hatten jeden Glanz verloren und jeden Tag fror er mehr.

Man könnte fast sagen, je wärmer es draußen wurde, umso kälter wurde es in seinem Inneren. Heute war es unerträglich. Mit einem Ruck versuchte er die Bettdecke enger um seine spitzen Schultern zu schlagen, doch gegen die Kälte half nichts.

Wenn er in der Nacht die Sterne beobachtete, überlegte er von Zeit zu Zeit, ob er ihm einfach folgen sollte. Selbstmord bzw. der Freitod, um den euphemistischen Ausdruck dafür zu verwenden, war so einfach. Ein kleiner Schnitt, ein kleiner Schritt und schon würde alles besser sein.

Er könnte seinem trostlosen Leben entfliehen, der Kälte, die mit jedem Tag schlimmer wurde, der Wohnung, die sich in ein Museum verwandelt hatte, welches aufzuräumen er einfach keine Kraft mehr hatte, den Träumen, die ihn aussaugten und die jedes Erwachen in eine Höllenqual verwandelten.

It's a nice day to die today

Ja, heute war ein schöner Tag zum Sterben. Die Tatsache, dass in wenigen Stunden alles vorbei sein würde, dass er in wenigen Stunden wieder bei ihm sein würde, stimmten ihn zum ersten Mal seit Wochen fröhlich. Sogar ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen.

Mit frischem Mut sprang er aus dem Bett, öffnete das Fenster und griff nach seinen Zigaretten, die neben dem Telefon auf dem Nachttisch lagen. Er blickte fünf Stockwerke hinab auf die Menschen, die unten in den Straßen herumwuselten.

Von hier oben betrachtet, wirkten sie wie kleine, unbedeutende Ameisen. Er und Draco hatten es geliebt an einem Sonntagmorgen auf ihrem Balkon zu frühstücken und dabei die Menschen zu beobachten, die in London selbst an einem Sonntag immer unterwegs zu sein schienen.

An der Hälfte seiner Zigaretten angekommen, fragte er sich, wie er sterben wolle. Pulsadern aufschneiden? Lieber nicht, zuviel Blut. Schlaftabletten? Davon hatte er zwar genug, aber er wollte nicht bewusstlos sterben. Was dann? Nach zwei weiteren Zügen kam ihm die Idee.

Er wollte sterben, wie Draco gestorben ist. Durch den harten Aufprall auf der Erde aus großer Höhe mit hoher Geschwindigkeit. So hatte es ihm zumindestens der Arzt erklärt.

Wenn er vom Balkon...? Hoch genug war es, er musste sich einfach nur nach vorne fallen lassen und schon flog er. Fünf Stockwerke müssten genug sein, um den Aufprall nicht zu überleben. Er müsste natürlich warten, bis es dunkel wurde, denn wenn ihn seine Nachbarn auf der Brüstung stehen sehen würden, würden sie natürlich gleich Alarm schlagen.

Nein, er würde es am Abend machen, einen letzten Blick auf die Sterne und dann einfach fallen lassen. Hatte das nicht Draco immer gesagt?

„Lass dich fallen, ich verspreche dir, ich fang dich auf.“

Er wusste, er würde unten auf ihn warten. Vielleicht konnte er ihn sehen, wenn er fallen würde. Aber er wusste eins: er freute sich drauf.

Die Trägheit und die Kälte waren einer freudigen Erregtheit gewichen. Kaum hatte er seinen Zigarettenstummel aus dem Fenster geschnippst, ging er ins Bad, duschte seit Tagen das erste Mal wieder richtig ausgiebig, zog sich eine Hose und ein frisches T-Shirt an und verlies die Wohnung.

Gleich um die Ecke lag ein kleines Café, in dem sie am Samstagmorgen immer gefrühstückt hatten. Heute würde er zum ersten Mal wieder dort sein. Doch der Gedanke macht ihm keine Angst, er freute sich drauf.

Angekommen, setzte er sich an einen kleinen Tisch, der im Freien stand und bestellte sich einen Kaffee und ein frisches Croissant, für die das Café so berühmt war. Nachdem der Kaffee gekommen war, zündete er sich eine weitere Zigarette an, atmete den Rauch tief ein und schloss die Augen.

I close my eyes and I can feel you
Standing right beside me
But when I open up my eyes
There's nothing like it used to be

Als er die Augen wieder öffnete, saß ihm Draco gegenüber und lächelte ihn an. Er stieß den Rauch aus der Nase aus und lächelte zurück. Nach dem nächsten Zug war er wieder verschwunden. Doch heute deprimierte ihn das nicht so sehr wie sonst. Bald, bald würde er wieder bei ihm sein.

Es war seltsam hier zu sitzen, ohne ihn, ohne ihre Gespräche, sein Lächeln, seine Art Kaffe zu trinken, sein Croissant zu essen ohne zu krümeln und sich dabei elegant wie immer eine Zigarette anzuzünden. Der Kellner schenkte ihm ein mitleidiges Lächeln, er dachte wahrscheinlich, sie hätten sich getrennt und er wäre deshalb alleine hier. Er lächelte zurück.

Nachdem er zu Ende gefrühstückt hatte, beschloss er, sich ein letztes Päckchen Zigaretten zu holen und dann nach Hause zu gehen. Zum letzten Mal. Dort angekommen, begann er damit gründlich aufzuräumen, alles sauberzumachen und ihre Unterlagen zu sortieren. Er schaffte es, Dracos Sachen ordentlich in Kartons zu räumen, räumte auch seinen Schrank auf.

Es war schon nachmittags, als er endlich eine Pause machte. Draußen auf dem Balkon rauchte er eine und trank Kaffee. Eigentlich war es das, was ihn in den letzten Wochen am Leben gehalten hatte: Zigaretten und Kaffee. Gegessen hatte er kaum etwas, wie er in der Küche feststellen musste, hatte er auch nichts mehr in der Wohnung, was noch essbar war.

Schließlich wurde es Abend. Er griff zum Telefon und wählte die Nummer seiner beiden besten Freunde, die doch so wenig über ihn wussten. Er entschuldigte sich dafür, dass das Gespräch am Morgen so abrupt geendet hatte und lehnte bedauernd die Einladung zum Essen ab. Es war schon fast unheimlich, wie fröhlich und ausgelassen er wirkte.

Nachdem er aufgelegt hatte, stand er auf und durchsuchte ihre CD Regal nach passender Musik. So makaber wie das klang, aber er hatte in den letzten Wochen kein Radio, keine CD, kein Nichts gehört und irgendwie wollte er nicht leise sterben.

Als er endlich die richtige CD gefunden hatte, musste er lächeln. Er erinnerte sich an das, was Draco gesagt hatte, als sie diese CD gekauft hatten:

„Ich liebe diese Musik, sie ist zum Sterben schön.“

Zum Sterben schön... Das passte doch. Genau das wollte er: sterben. Und in wenigen Minuten würde es so weit sein.

I know the only way for me
Is going to the other side
The place where evil turns to good,
And darkness turns to light

Er wusste, es war richtig, was er tat. Das einzige was er wollte, war Draco wieder sehen und daran war nichts falsches, nicht wahr?  

„Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide.“

Das hatte schon ein berühmter Muggel gesagt und so dumm waren die schließlich nicht. Er litt wirklich. Jeden Tag wünschte er sich nichts mehr, als wieder bei ihm zu sein, wieder leben zu können und nicht den Tag zwischen Delirium und Depression verbringen zu müssen.

Es war paradox: er wollte sterben, damit er leben konnte. Aber sein ganzes Leben war paradox und ironisch gewesen, also war es doch zu erwarten, dass der Schluss genauso wurde.

Aus den Boxen erklang die raue Stimme des Sängers, für den sich Draco so begeistern konnte und er nahm die Zigaretten vom Tisch, öffnete die Balkontür und trat hinaus in die sternklare, warme Nacht. Zündete sich die letzte Kippe an, inhalierte tief und kletterte auf die Brüstung.

Unter ihm die Straßen, die Menschen, die Autos. Von drinnen Musik, ein Lied über Sehnsucht, über die Macht, die sie über die Menschen hatte und das Leid, das sie bringen konnte.

Noch ein kleiner Schritt, dann war es soweit. Der letzte Zug. Mit einem lässigen Schnippsen flog der Stummel tief nach unten.

Ich bin die Sehnsucht in dir....

Ein kleiner Schritt nach vorne und er fiel. Ein Stockwerke, noch eins. Ein Meer von Farben und Gefühlen umgab ihn und er hatte ein Rauschen in den Ohren was auf den letzten Metern einer tiefen Stille wich. Er konnte Draco sehen, er stand unten und wartete auf ihn. Er lächelte und breitete die Arme aus.

... und du stirbst mit mir.
__________________________________________________________________________

So, das war’s auch schon, ich hoffe, es hat euch gefallen. Lasst mir ein Review da und sagt mir, wie ihr’s fandet.
Der Satz „Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide.“ ist übrigens von Goethe.


Liebe Grüße Zwiebelfisch
 
 
   
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