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Seifenblasen
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von Zwiebelfisch    erstellt: 24.11.2007    letztes Update: 24.11.2007    Allgemein / P12     11 Reviews
Ich weiß, man sollte sich immer auf eine Sache konzentrieren, bis man eine andere anfängt, aber der Oneshot spukte schon lange in meinem Kopf rum und wollte jetzt unbedingt raus. Ich hoffe er gefällt euch und ihr hinterlasst mir ein Review, wäre das machbar?

Beta: telefonhilfe

Genre: bissl Drama, ansonsten schwer einzuschätzen, vielleicht ein bissl Humor gegen Ende?

Kurzbeschreibung: Harry hat die Schnauze voll und verbringt einen Freitagabend mal wieder auf dem Astronomieturm und bekommt unerwarteten Besuch.

Viel Spaß beim Lesen! Die Story ist für -ich- weil sie immer so fleißig meine anderen Geschichten liest und ansonsten eine fantastische Persönlichkeit ist!
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Kalte Tropfen stachen wie Nadeln auf seine Haut. Der Regen bahnte sich langsam seinen Weg zur Erde, entlang seiner Schläfen, von der Stirn über die Nase, von wo er dann auf seine Lippen tropfte.

Ein kalter Wind heulte um das Schloss, fegte über die Wiesen und brachte die sonst so mächtigen und starken Bäume des Verbotenen Waldes dazu, sich wie kleine Sprösslinge zu neigen und hin und her zu wiegen.

Auf dem See konnte man kleine Wellen sehen, die in regelmäßigen Abständen gegen die Steine am Ufer prallten und wieder zurück ins Wasser geworfen worden. Und wieder. Und wieder. Immer und immer wieder.

Er lachte. Eigentlich könnte er das sein. Eine kleine Welle, die versuchte gegen etwas Festes, Massives, Gewaltiges anzukommen. Völlig aussichtslos. Wie Don Quichotte der versuchte gegen Windmühlen zu kämpfen.

Und trotzdem machte er weiter. Warum? Er wusste es selbst nicht mehr. Vielleicht weil er dazu bestimmt war. Vielleicht weil alle sagten, er wäre dafür bestimmt. Nur er. Niemand anders. Auf seinen Schultern lag die ganze Last der Verantwortung. Vielleicht weil er die einzige Hoffnung von so vielen Leuten war.

Hoffnung war eines der grausamsten Gefühle, zu denen die Menschheit fähig war. Immer wieder drängte sie sich in die Gedanken, füllte sie aus, nur um dann zu verschwinden, wie ein Dieb, der das Einzige mitgenommen hatte, was einem noch Halt gegeben hatte.

Aber Menschen hoffen. Immer. Egal wie oft sie enttäuscht wurden, egal wie oft sie erfahren mussten, dass es im Endeffekt sinnlos war zu hoffen.

Er hatte gehofft, gebetet, gebangt und war immer enttäuscht wurden. Und was hatte er nun? Verantwortung. Eine riesengroße Last auf seinen schmalen 17jährigen Schultern. Es war fast zuviel für ihn. Was heißt fast? Es war zu viel für ihn. Viel zu viel.

Langsam lies er seinen Kopf nach hinten sinken, an die kalte Mauer. So oft hatte er nun schon hier oben gesessen, auf einem wackeligen Turm, den man eigentlich gar nicht mehr betreten sollte.

Und trotzdem kam er jedes Mal hier her. Immer dann, wenn alles zuviel wurde, wenn er die Einsamkeit nicht mehr ertragen hat, wenn die Last der Verantwortung zu groß wurde oder wenn er einfach nur allein sein wollte, weg von seinen zahllosen Bewunderern.

In letzter Zeit war er fast täglich hier. Während da draußen Menschen starben saß er, Harry Potter, Retter der Zauberwelt und hoffentlich Bezwinger von Voldemort auf einem Turm und rauchte. Oder trank. Zumindestens am Wochenende.

Es regnete wie aus Eimern und das seit Stunden. Doch es störte ihn nicht, auch wenn er bis auf die Knochen nass war und Hermine wahrscheinlich einen Anfall bekommen würde. Wie immer würde sie fragen, wo er gewesen ist, was er gemacht hatte, warum er sie nicht mitgenommen hatte und warum er eigentlich so komisch geworden ist.

Und er würde wie immer mit den Schultern zucken, sagen, dass er ein bisschen durch das Schloss gelaufen war und sich verteidigen, dass er überhaupt nicht komisch, sondern ganz normal war.

Sie würde ihn wie immer bedrängen, ihr endlich zu sagen, was los sei, sie wäre seine beste Freundin, er könne ihr immer alles sagen und so weiter und so fort. Er würde wie immer nicken, sie halbherzig anlächeln, sich an ihr vorbei schieben und wieder gehen.

Harry wusste, dass er Hermine damit wehtat, aber was sollte er machen? Ihr alles erzählen?

Dass er sich schuldig fühlte, bei jedem Menschen der starb?

Dass er die Verantwortung hasste, die er tragen musste?

Dass er nicht die Hoffnung von so vielen Leuten sein wollte?

Dass er eigentlich keine Ahnung hatte, wie er den Dunklen Lord besiegen sollte?

Dass er den Gedanken nicht ertrug, dass Ron seinetwegen gestorben war?

Nein, das konnte er nicht. Unter keinen Umständen. Sie hatte schon so genug Sorgen und er wusste, sie trauerte heftig um Ron. Aber sie musste auch nicht mit den Schuldgefühlen leben. Er wusste, er hatte Ron nicht gebeten, sich vor ihn zu werfen und den Fluch abzufangen. Er wäre tot ohne ihn und die Zaubererwelt ohne Hoffnung.

Und trotzdem tat es jeden Tag weh, jede Minute, jede Sekunde. Es waren schon zu viele gestorben, viel zu viele. Würde noch einer sterben, den er liebte, er wusste, er würde durchdrehen.

Seine Eltern, um ihn zu schützen.

Cedric, weil er fair sein wollte, den Pokal mit ihm teilen wollte.

Sirius, weil er sich hinters Licht führen lies.

Dumbledore, der ihm bei seiner Aufgabe helfen wollte.

Ron, der sich so tapfer und selbstlos vor ihn geworfen hatte.

Eigentlich war es ein Wunder, dass er noch am Leben war. So viele Male ist er dem Tod von der Schippe gesprungen. Aber er fühlte sich nicht gut. Nicht als Held. Nicht lebendig.

Und wenn man sich nicht lebendig fühlt, was kann man sich dann noch vom Leben erhoffen?
Sollte er losziehen, Voldemort aufsuchen und mit dem Gedanken, dass er die Sonne wahrscheinlich nie wieder sehen würde in einen aussichtslosen Kampf gehen, den er nur verlieren konnte?

Er nahm einen Schluck aus der halbleeren Flasche Feuerwhiskey, die bis gerade eben zwischen seinen Beinen gestanden hatte. Nachdem er sie wieder abgestellt hatte, angelte er aus seiner Hosentasche ein leicht zerdrücktes Päckchen Zigaretten.

Mittlerweile war es dämmrig geworden und oben auf dem Turm konnte man nur die Umrisse eines jungen Mann sehen und ab und zu das orange Aufglühen einer Zigarette.

Plötzlich öffnete sich die Tür mit einem Ruck und krachte gegen die Wand. Eine weitere Person trat durch die Tür, aggressive Haltung, verstrubbelte Haare, in Jeans und Pullover gekleidet.

Offensichtlich glaubte er, er wäre wie immer allein und erschrak fürchterlich als er die Umrisse der Person erblickte, die sich nach näherem Hinblicken als Harry Potter entpuppte.

„Potter! Was verdammt nochmal machst du hier?“ fauchte er sichtlich gereizt.

„Das Gleiche könnt ich dich fragen, Malfoy.“ antwortete dieser ganz gelassen.

„Was ich hier mache geht dich gar nichts an.“

„Dann musst du auch nicht wissen, was ich hier mache.“

„Ist mir eigentlich auch völlig egal. Verschwinde von hier.“

„Nein.“

„Wie nein? Ich sagte, du sollst abhauen!“ er wurde immer wütender.

„Warum sollte ich? Ich war als erster hier, deswegen solltest du verschwinden.“

„Ich bin ein Malfoy, wir verschwinden nirgendwohin, wir entscheiden selbst, wann wir gehen!“

„Mir ist völlig egal, wer du bist oder was deine Familie in solchen Fällen zu tun pflegt. Du kannst von mir aus hier bleiben, solange du mich in Ruhe lässt.“

„Dir ist es egal, wer meine Familie ist? Da bist du wahrscheinlich der Einzige...“ er klang auf einmal ziemlich geknickt.

„Sicher ist es mir egal, aus was für einer Familie du kommst. Würdest du nett zu mir sein, würde ich dich auch leiden können.“

Sicher, ganz bestimmt. Du bist doch auch nur wie alle anderen. ‚Ah ein Malfoy, lasst uns unterwürfig sein und hinter seinem Rücken über ihn lästern bis uns die Zungen anschwellen’ Verdammtes, hinterhältiges Pack! bei diesen Worten lachte er bitter auf.

„Arme Sau.“

„Wie bitte?“

„Ich sagte, du bist ne arme Sau. Ist mir vorher gar nicht aufgefallen. Wobei, eigentlich bist du selbst dran Schuld. Würdest du nicht immer so herrisch, arrogant, eiskalt und bösartig sein, hättest du bestimmt ein paar richtige Freunde.“

„Schon mal was von Erziehung gehört, Potter? Ich kenn’s nicht anders, meine Eltern waren genauso. Und haben immer dafür gesorgt, dass ich auch so werde und ja nichts falsch mache. Immer kalt, immer beherrscht, immer undurchsichtig. Wobei, woher willst du das wissen, du hast ja keine Eltern mehr.“ ein letzter, verzweifelter Versuch seine Contenance wieder zu gewinnen

„Du hast auch keine mehr. Und da sie jetzt weg sind, kannst du doch sein, wie du willst. „ langsam wunderte sich Harry wirklich, was Malfoy hier eigentlich wollte. Und warum er so aussah, als hätte er geweint?

„Schön wär’s. Aber keiner glaubt mir. Alle denken, ich wäre ein Spion für die Dunkle Seite und hätte mich nicht ernsthaft für eure entschieden. Keiner vertraut mir, alle sind zwar froh über die nützlichen Informationen, aber das war’s auch schon. Kein freundliches Wort, kein Schulterklopfen, kein Lob. Weißt du, wie belastend das sein kann?“

Während er geredet hatte, war er ein paar Schritte auf Harry zugekommen und lies sich mit einigem Abstand neben ihm an der Mauer nieder.

„Möchtest du was zu trinken?“ er hielt ihm die halbleere Flasche hin und Draco griff dankbar danach.

„Was? Der große Harry Potter, Held der Zauberwelt, sitzt an einem Freitagabend einsam auf dem Astronomieturm und raucht und trinkt?“ Aus seiner Hosentasche holte er ein ebenfalls zerdrücktes Päckchen heraus.

„Hör auf mit dem dämlichen „Held der Zauberwelt“! Ich will kein Held sein, wollte ich nie und werde ich auch nie sein wollen. Ich hasse es, es geht mir auf die Nerven, nimmt mir die Luft und raubt mir den Schlaf. Kannst du dir auch nur ansatzweise vorstellen, was ich für eine verdammte Verantwortung hab? Ich muss die ganze scheiss Welt retten!“

Während er das gesagt hatte, war er aufgesprungen, lief aufgeregt über den Turm und zog ab und an heftig an seiner Zigarette.

„Ich habe keine Lust mehr. Rettet euch doch alle selber, ich will hier eigentlich nur noch weg. Ich will weg aus Hogwarts, ich fühl mich hier wie lebendig begraben. Kurz vor dem Ersticken und keine Rettung in Sicht. Ich will in die Muggelwelt, wo mich keiner kennt, wo ich das machen kann, was ich will, ohne, dass einer sagt ‚Harry, du kannst das jetzt nicht tun, du musst vorher die Welt retten.’ Verstehst du was ich meine?“

War vorhin Draco noch aufgeregt und sauer, dass er den Turm nicht mehr für sich allein hatte, so freute er sich doch insgeheim, dass er Harry getroffen hatte. Er dachte immer, der Junge-der-lebt wäre mit seinem Leben vollkommen zufrieden und würde in seiner Rolle als Retter der Welt aufgehen. Anscheinend war dem nicht so und irgendwie ging es ihm ja ähnlich. Nicht ganz, aber wenigstens fühlten sie ein kleines bisschen dasselbe.

„Potter! Setzt dich wieder hin und hör auf hier so rumzukeifen. Indem du mir Vorträge hältst, was du ändern willst aber nichts gegen deine Situation tust, erreichst du nichts. Du musst aktiv werden. Geh doch am Wochenende nach London. Mach was du willst. Aber quäl dich nicht, indem du nur davon träumst und immer verbitterter wirst.“

Während er diese eindrucksvolle Rede hielt, holte er aus einer anderen Tasche ein kleines Beutelchen mit grünem, krümeligem Inhalt hervor. In aller Seelenruhe drehte er mit geübter Hand daraus eine Zigarette und zündete sie elegant mit einem grünen Zippo an.

Zu seinem eigenen Erstaunen setzte sich Harry wieder zu Draco und beäugte interessiert den Inhalt des Beutels.

„Was ist das? Sieht mir nicht nach normalem Tabak aus.“

„Blitzmerker. Das ist Gras.“

„Gras? Warum trocknest und zerkrümelst du Gras? Kannst du dir keinen Tabak leisten?“

„Das ist nicht dein Ernst? Du bist bei Muggeln aufgewachsen und kennst kein Gras?“

„Natürlich kenn ich Gras. Ich muss das bei meinen Verwandten immer mähen und in heißen Sommer abends wässern. Aber ich rauche es nicht. Ich kauf mir lieber Zigaretten.“

Draco lachte laut auf. Langsam fühlte er sich schon viel entspannter, ja entspannter als die ganzen letzten Wochen über, in denen er einsam auf seinem Zimmer gesessen und gelesen hatte. Das Gras hatte daran wahrscheinlich keinen geringen Anteil...

„Nimm einfach einen Zug und warte ab, dann wirst du schon sehen, wofür es gut ist, okay?“

„Seh ich aus wie ne Kuh?“

„Oh Potter, jetzt reg dich nicht künstlich auf, vertrau mir und zieh einfach mal.“

Entgegen seines besseren Wissens - einem Malfoy Vertrauen? Obwohl, man sollte ja tolerant und unvoreingenommen an so was rangehen -  nahm Harry im die Zigarette ab und nahm einen tiefen Zug. Schmeckte seltsam. Anders. Aber nicht unbedingt schlecht. Könnte man sich dran gewöhnen...

„Nicht schlecht. Und was bringt das nun?“

„Warte ab... Das wirst du schon noch merken“ grinste der blonde Slytherin, der an diesem Abend gar nicht so kalt und abweisend wie sonst aussah.

Eine halbe Stunde später sah man zwei Schüler, die trotz Nieselregen auf dem Rücken lagen und in den Himmel schauten.

„Ich kann mich nicht mehr bewegen.“

„Doch, kannst du. Du musst nur wollen.“

Langsam hob Harry eine Hand vor sein Gesicht.

„Weißt du, woran ich grade denken muss?“

„Nein, an was?“

„Als ich klein war, hatte mein Cousin eine kleine Dose und mit der konnte er Seifenblasen machen. Das war toll. Viele kleine bunte Bläschen, die durch die Luft geschwebt sind und in der Sonne bunt geschillert haben. Ich wollte immer am liebsten losrennen und versuchen sie zu fangen.“

„Warum hast du’s nicht gemacht?“

„Ich hab es einmal versucht, aber als ich sie angefasst habe, sind sie zerplatzt. Dudley hat gemerkt, dass ich die kleinen Dinger mag und vor meinen Augen die Flüssigkeit ausgeschüttet und ist dann zu meiner Tante gerannt und hat gemeint, ich hätte sie mit Absicht ausgeschüttet. Ich musste den Nachmittag im Schrank verbringen und als ich wieder raus durfte hat Dudley schon mit etwas anderem gespielt. Aber ich wollte immer solche Seifenblasen machen können.“

„Weißt du... ich hatte als Kind auch solche Seifenblasen. Aber mein Vater hat sie weggeschüttet und gemeint, ein Malfoy spielt nicht mit Seifenblasen.“

„Ich wollte mir mal in einem Laden welche kaufen. Hermine hat mich aber weiter gezogen und gemeint, ich bin zu alt dafür. Ich hab nie wieder welche gefunden.“

„Guck mal... das hat mir Blaise mal gezeigt.“

Draco zog seinen Zauberstab aus der Tasche, murmelte leise ein paar Worte und schon blubberten aus der Spitze seines Stabes bunte Seifenblasen und schwebten über den Turm.

Harry erhob sich und begann vorsichtig den Versuch, eine der Blasen zu fangen. Nach einigen erfolglosen Versuchen landete eine große auf seiner ausgestreckten Hand.

Wie ein kleines Kind freute er sich darüber, dass sie nicht zerplatze und begann sie genauer zu untersuchen.

Nach einiger Zeit legte er sich wieder neben Draco und starrte den dunklen, wolkenverhangenen Himmel an.

„Wer ist Blaise?“

„Potter... ich möchte nicht drüber reden. Ich frag dich doch auch nicht nach Weasley.“

Schweigen. Schmerzhafte Erinnerungen schossen wie Blitze durch die Köpfe der Beiden.

„Kommst du morgen mit mir nach Muggellondon?“

„Wie bitte? Ich? Du weißt schon, mit wem du redest oder? Ich bin’s Malfoy. Hinterlistig, arrogant, Slytherin und so weiter.“

„Na und? Du musst hier auch mal raus oder du gehst ein vor Einsamkeit. Und ich brauch Begleitung. Also? Kommst du mit?“

„Na gut. Wenn du das willst, komm ich mit. Vielleicht wird’s ja ganz lustig.“

Und zum ersten Mal seit langer Zeit schlich sich ein Lächeln auf Dracos Lippen.
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Ich hoffe, es hat euch gefallen, sagt mir einfach eure Meinung! Liebe Grüße Zwiebelfisch
 
 
   
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