Fanfiktion / Bücher / Harry Potter / Folge dem Licht in der Dunkelheit
Kapitel 1
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von gugi28    erstellt: 21.12.2007    letztes Update: 21.12.2007    Drama / P18 Slash    (fertiggestellt, keine anonymen Reviews) 101 Reviews
Hallo meine Lieben!




WICHTIG! BITTE UNBEDINGT LESEN!

Ja, hier bin ich wieder – mit einem neuen MONSTERSHOT. Kam selbst für mich überraschend! Aber bitte freut euch nicht zu früh, denn dieser ist anders, als meine bisherigen Werke. Ich schätze, dass dieser oneshot einigen von euch ein wenig an die Substanz gehen wird.

Deshalb rate ich jedem Leser, der zart besaitet, sensibel, gut aufgelegt und in Weihnachtsstimmung ist, ihn nicht zu lesen! Dieser oneshot kann nämlich wirklich runterziehen…



Vielleicht Taschentuchalarm!

Wieso ich ausgerechnet ein Drama schreibe? In meinem Leben läuft zurzeit nicht alles so rund, wie ich es mir wünsche und deshalb musste ich einige Gedankengänge unbedingt niederschreiben. Und noch etwas: Das Hauptthema, um das es geht, hat NICHTS mit meinem Leben zu tun, ich widme mich nur dem Schmerz, den ich in diesem oneshot beschreibe.

Dieser oneshot ist für alle Leser, die es schwer in ihrem Leben haben. Was auch immer passiert, meine Süßen, gebt niemals – hört ihr? – NIEMALS auf! Ihr müsst kämpfen, stark sein und immer an das Gute im Leben glauben. Das macht euch härter, widerstandsfähiger und lässt euch zu starken Persönlichkeiten heranwachsen! Ihr schafft das, denn ich schaffe es auch! Klar? Gut, dass wir darüber gesprochen haben. *lol* Schätze, mein trockener Humor lässt sich nicht so schnell vertreiben. *hust*

°°°°


Disclaimer: Mir gehört nichts, außer der Idee, doch die Figuren gehören einzig und alleine JKR. *schade* Ich verdiene damit leider kein Geld, sonst wäre ich heute eventuell reich. *heul!*

Rating: Slash R-18. Lemon. Nicht für Leser unter 18 Jahre geeignet! Bitte achtet darauf!

Warnung: Nichts für zarte Gemüter! Bitte nehmt diese Warnung unbedingt ernst!

Seiten: 39 – deshalb die Aufteilung auf zwei Kapitel.

Pairing: Harry/Draco

Info: OOC!

Beta: Diesmal niemand! Ich wollte meiner Beta das nicht antun. Wer also Fehler findet, der möge mir diesmal verzeihen! Danke!

Genre: Drama. Ob es ein happy end gibt, müsst ihr selbst herausfinden. *sorry*

Jahreszeit: Herbst, Winter

Inhalt: Post Hogwarts! Als Harry mit Ron eine neue Muggelbar besucht, trifft er auf eine Person, die er bereits seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte. Neugierig wie er ist, betreibt er Nachforschungen und findet etwas Grauenvolles heraus. Diesmal muss Harry wieder kämpften: Für einen Freund, dessen mächtiger Feind für das bloße Auge unsichtbar ist…

°°°°



Folge dem Licht in der Dunkelheit




Harry und Ron verließen soeben das Ministerium und plauderten lebhaft über den ereignisvollen Tag. Die zwei Auroren waren froh darüber, dass in der Zauberwelt seit Voldemorts Ableben und der Inhaftierung seiner Todesser in Askaban wieder Frieden herrschte, so blieb ihnen der gefährliche Außendienst erspart – auch wenn dies hieß, dass der Innendienst manchmal ziemlich langweilig war.

„Hermine erwartet mich erst in zwei Stunden. Gehen wir noch in die neue Bar in Muggellondon und genehmigen uns dort ein Bier?“, fragte Ron Harry, der Schwarzhaarige grinste amüsiert. „Die Bar hat es dir wirklich angetan, wie?“

Ron grinste zurück. „Ja, weißt du, irgendwie hat die Bar etwas, das mir gefällt. Die Stimmung ist klasse und man kann sich so richtig entspannen.“

Entspannung. Genau das, was ich jetzt brauche. Einverstanden“, stimmte Harry gut gelaunt zu.

Die zwei jungen Männer begaben sich in eine abgelegene Seitengasse, sahen sich sicherheitshalber um und apparierten. In Muggellondon, ganz in der Nähe der Bar, angekommen, zauberten sie ihre dunklen Roben in Muggelkleidung um und machten sich auf den Weg.

Die inzwischen heiß begehrte Bar gab es erst seit vier Monaten, Harry und Ron begrüßten den bulligen, ziemlich düster dreinsehenden Türsteher. Dieser brummte zurück, nickte ihnen knapp zu und ließ sie schließlich passieren.

„Also mit dem möchte ich mich nicht anlegen. Ein Schlag von ihm und ich befinde mich im Freiflug zum Mond“, verzog Ron sein Gesicht, Harry gluckste. „Das hast du schon mehrmals gesagt, Ron. Aber so lange du darauf achtest, immer artig zu sein, wird er dich auch nicht in die Mangel nehmen.“

„Kann schon sein, aber er sieht mich immer so merkwürdig an“, beharrte Ron fast weinerlich, Harry seufzte. Zugegeben, sein bester Freund war etwas paranoid, deshalb enthielt er sich seiner Antwort.

Ron und Harry stiegen soeben die unterschiedlich hohen Steinstufen hinab und wurden von einer samtigen, tiefen Stimme regelrecht eingelullt. Die Bar befand sich in einem Keller, somit gab es auch keine Fenster, dafür aber ein gutes Belüftungssystem. Die gemütliche Atmosphäre lud dazu ein, sich an einem der kleinen Tische zu setzen, die in versteckten Nischen aufgestellt waren. Wie aber nicht anders zu erwarten, waren alle besetzt und so begaben sich Harry und Ron zur Bar und bestellten ihre Biere beim Barkeeper.

„Der Sänger ist gut“, drehte sich Ron dem jungen Mann auf der Bühne zu und setzte sich auf seinen Barhocker. Harry machte es ihm gleich.

„Ja, sein Song geht tief unter die Haut“, antwortete Harry und betrachtete den Sänger ebenso. Ein einziger Scheinwerfer erhellte den musikalischen Unterhalter, der auf einem Stuhl saß und das Mikro dicht vor seinen Mund hielt.

„Sag, kommt er dir bekannt vor?“, wollte Ron von Harry wissen und nippte an seinem Bier.

„Nein, dir?“, fragte Harry retour, Ron schüttelte den Kopf.

„Wieso hat er denn eine Wollmütze auf?“, runzelte der Rotschopf die Stirn, da es in der Kellerbar angenehm warm war.

„Frag ihn doch“, entgegnete Harry einsilbig, Ron stieß ihn in die Rippen. „Na klar!“ Harry grinste ihn an und nahm ebenfalls einen Schluck von seinem Bier.

„Ich weiß nicht, aber diese Stimme…“, ließ Ron nicht locker, Harry lauschte jetzt genauer. Die Stimme war sehr melodisch, tief und traurig, aber bekannt kam sie ihm nicht vor. Der Sänger wirkte wie ein Schatten seiner selbst, auch dass er eine Wollhaube trug war sehr eigenartig.

„Er ist ein wenig dünn, findest du nicht auch?“, beugte sich Harry zu Ron, der Rotschopf zuckte seine Schultern. „Egal, er singt gut“, war sein Kommentar dazu.

In der nächsten Stunde unterhielten sich die beiden jungen Männer über Gott und die Welt, lachten zusammen und ließen sich ihr Bier schmecken, doch dann sah Ron auf die Uhr.

„Oh Mist, ich muss los, Harry! Hermine bringt mich um, wenn ich nicht rechtzeitig zum Abendessen erscheine“, haspelte er los, Harry lachte auf. „Ich glaube eher, dass dein Magen dich umbringt, wenn er nichts zu futtern bekommt.“

Okay, es trifft beides zu“, lenkte Ron mit einem schiefen Grinsen ein und trank sein Bier aus. „Und was hast du heute noch so vor?“, erkundigte er sich.

„Keine Ahnung“, entgegnete Harry einsilbig. „Ich hab noch keine Lust, nach Hause zu gehen. Schätze, ich bleibe noch eine Weile hier.“

„Harry, Harry - es wird langsam Zeit, dass du dich wieder verabredest, Mann“, rieb Ron ihm unter die Nase, Harry winkte ab. „Du weißt, dass ich mit den Frauen nur schwer klarkomme, Ron. Egal was ich auch mache, die Beziehungen gehen nach spätestens einem halben Jahr in die Brüche.“

Ron überlegte eine Weile. „Dann versuch es doch mal mit einem Jungen?“

Wie bitte?“ Harry verschluckte sich an seinem Bier, hustete und keuchte. Ron klopfte ihm auf die Schulter und musste wegen Harrys hochrotem Gesicht lachen.

„Ich verarsch dich nicht, Kumpel“, rutschte Ron von seinem Hocker und legte seine Hand auf Harrys Schulter. „Ich bin schon ziemlich lange der Meinung, dass du wahrscheinlich besser zu Männern passt – oder umgekehrt, wie du es sehen willst.“

„Ron? Hast du zu viel getrunken?“, kniff Harry skeptisch die Augen zusammen, Ron schmunzelte. „Ich wünschte, es wäre so.“ Rons Hand rutschte von Harrys Schultern. „Denk darüber nach, okay? Wie du dich auch entscheidest, ich stehe zu dir. Wir sehen uns morgen, Kumpel. Bis dann.“

Ron drückte ein letztes Mal Harrys Schulter und zwängte sich durch die tanzende Menge nach draußen, Harry sah ihm nach. Rons Verhalten überraschte ihn ein wenig, doch dann gestand er sich ein, dass auch sein bester Freund sich verändert hatte und wesentlich reifer geworden war – natürlich mit Hermines Einfluss.

Harry nahm es Ron nicht übel, dass er nach Hause wollte, da er und Hermine seit einem knappen halben Jahr verheiratet und noch immer wie frisch ineinander verliebt waren. Aber er nahm es ihm doch ein wenig krumm, dass er glaubte, Harry wäre schwul! Er war es nämlich nicht – oder? Unsicherheit machte sich in Harry breit.

Der schwarzhaarige Auror sah erneut zum Sänger und entdeckte direkt vor der Bühne einen leeren Tisch. Schnell schnappte er sich sein Bier und steuerte auf den Tisch zu, zufrieden setzte er sich. Von so nah wirkte der Sänger erschreckend auf ihn. Er war nicht nur dünn, er war beinahe mager, zudem musste der Sänger auch recht groß sein. Harry konnte es nicht genau beurteilen, da der singende junge Mann saß. Er hielt die Augen geschlossen und gab sich ganz dem Lied hin, dessen Text Harry noch nie zuvor gehört hatte.

Harry bemerkte nicht, dass Stunde um Stunde verging, er war gefangen von den melodramatischen Liedern, die tief unter die Haut gingen und jedem Besucher dieser Bar Gänsehaut verschaffte. Als der Sänger schließlich die letzten Töne von sich gab und das Lied zu Ende war, gab es tobenden Applaus, erst jetzt öffnete er die Augen. Harry kannte nur eine Person, die solch eine Augenfarbe besaß, aber der Rest passte nicht dazu.

„Danke“, hauchte der Sänger in das Mikro, erhob sich und ging an das Ende der Bühne. Harry verfolgte jede Bewegung des Sängers und bemerkte nicht, dass ein anderer nun den Platz auf dem Stuhl einnahm und ein neues Lied anstimmte. Der Sänger mit der Wollmütze kam auf Harry zu, zog den Stuhl zurück und setzte sich ihm gegenüber. Ein langes Seufzen folgte, Harry sah ihn überrascht an.

„Meine Lieder haben dir also gefallen, Potter?“, fragte der Sänger mit rauchiger Stimme, Harry riss die Augen auf. „Du kennst mich?“, fragte er verdutzt.

„Potter?! Ich bin´s! Jetzt sag nicht, dass du mich nicht erkennst! Und das, obwohl du keine Brille mehr trägst? Lachhaft“, schnarrte er.

Harry musterte das Gesicht ziemlich intensiv, und als der Sänger lächelte, fiel es dem Auror wie Schuppen von den Augen.

„M-Malfoy?“, keuchte er, sein Gegenüber nickte. „Wie er leibt und lebt.“

„Malfoy – aber… Was ist mit dir passiert? Du siehst so dünn und blass aus. Weshalb trägst du eine Wollhaube?“ Harry war wie vom Blitz getroffen und starrte ihn an.

„Du hast lange gebraucht, um mich zu erkennen, Potter. Anscheinend habe ich mich sehr verändert. Ich lebe schon seit einer Ewigkeit in der Muggelwelt und verdiene als Gelegenheitssänger mein Geld. Du willst wissen, weshalb ich diese dämliche Wollhaube trage?“

Harry nickte nur und Draco zog die Haube von seinem Kopf.

„Himmel! Was ist mit deinen Haaren passiert? Wo sind sie hin?“, krächzte Harry mit großen Augen, Draco setzte sich die Haube mit einem traurigen Lächeln wieder auf. „Die gibt es nicht mehr. Sonst noch Fragen?“

„Ja! Ich dachte, du wärst im Ausland oder so. Was machst du ausgerechnet in der Muggelwelt?“, konnte sich Harry nicht bremsen, Draco legte seine Hände auf dem Tisch ab.

„Mir blieb nichts Anderes übrig, als in die Muggelwelt zu flüchten, nachdem mich das Ministerium aufgrund meines Namens abgewiesen hat, obwohl meine Eltern freigesprochen wurden. Und was meine Erzeuger angeht: Sie haben mich enterbt und rausgeschmissen.“

„Aber warum!“ Harry war verwirrt.

„Das geht dich nichts an, Potter. So, und jetzt hast du die Möglichkeit, dich über mich lustig zu machen. Der große Draco Malfoy singt in Muggelbars und verdient sich so sein Geld“, spuckte er zum Schluss, doch Harry lachte nicht.

„Kann… Kann ich dir irgendwie helfen?“, fragte Harry, Draco zog die Augenbrauen zusammen. „Mir kann niemand mehr helfen, Potter. Du und dein verdammter Helferkomplex – du hast dich kein Stück verändert.“

„Aber du schon, Malfoy. Es tut mir leid für dich“, sagte Harry leise, Draco schnaubte. „Ich brauche dein Mitleid nicht, Potter. Gute Nacht.“ Mit diesen Worten erhob er sich, doch Harry schnappte sich sein knochiges Handgelenkt und hielt Draco zurück.

„Singst du jeden Abend hier?“, erkundigte er sich, Draco nickte kurz. Dann machte er sich aus Harrys Griff los und verschwand wie ein Geist in der Menge. Harry musste diese Begegnung erst einmal verdauen, da Draco Malfoy ziemlich elend aussah, ja beinahe krank. Was war mit Malfoy passiert? Vor vier Jahren hatte er ihn das letzte Mal gesehen, doch dann war Malfoy wie vom Erdboden verschluckt gewesen - bis heute.

Harry trank sein zweites Bier aus, bezahlte bei der Kellnerin und machte sich auf den Heimweg. Malfoy ging ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf! Was Ron wohl dazu sagen würde? Als er in sein Haus eintrat, empfing ihn eisiges Schweigen und Leere, Harrys Gesichtszüge wurden bitter. In den letzten zwei Jahren hatten zwei Frauen bei ihm gewohnt und ihre Spuren hinterlassen, nichts erinnerte mehr an Harrys altes Zuhause. Er war auch zu müde dafür, etwas zu ändern, so akzeptierte er das neue Mobiliar ohne zu meckern.

°°°°


In den nächsten zwei Wochen besuchte Harry nach Dienstschluss die Bar, nur um Draco singen zu hören. Seit er wusste, wer der Sänger auf der Bühne war, horchte er genauer auf die Inhalte der Texte. Sie waren traurig und erzählten von Hoffnungslosigkeit. Harry kam nicht umhin, sich Gedanken darüber zu machen.

Sobald Dracos Gesang zu Ende war und er sich zu Harry setzte, unterhielten sie sich über Belangloses, obwohl Harry viele Fragen auf der Zunge brannten.

Draco verstand es, etwas direkteren Fragen auszuweichen, er wollte partout nicht preis geben, was mit ihm passiert war. Verdiente er so schlecht, dass er sich nicht einmal ausreichend ernähren konnte? Draco sah wie der Tod selbst aus und Harry machte es sich zur Aufgabe, mehr über Draco in Erfahrung zu bringen.

Natürlich wussten auch Ron und Hermine, dass ausgerechnet Draco Malfoy in der Bar sang, nur wollten sie ihm nicht glauben. Als Harry ihnen anbot, sich selbst davon zu überzeugen, bekam er nur zwei skeptische Blicke von ihnen als Antwort und ließ dieses Thema ein für alle Mal fallen.

Ron bemerkte sehr wohl, dass Harry jeden Abend seit dem verhängnisvollen Besuch die Bar besuchte, aber er fragte nicht nach und begleitete ihn auch nicht. Er war sich inzwischen sicher, dass Harry die Wahrheit sprach, aber selbst Ron musste mit Dracos kränklichem Aussehen erst einmal umgehen. Er war sich sicher, dass Harry ihn auf den neuesten Stand der Dinge bringen würde, wenn er dazu bereit war.

°°°°


„Malfoy, warte!“, hielt Harry den ehemaligen Slytherin wie jeden Abend auf, Draco seufzte eingehend.
„Was denn noch, Potter?“

„Darf… Darf ich dich zu mir einladen? Ich könnte etwas für uns kochen, wenn du willst.“

Draco riss ungläubig die Augen auf und starrte Harry an. „Das ist wohl nicht dein Ernst, Potter! Wir sind nicht gerade Freunde, wenn du dich erinnerst. Weshalb willst du mich dann zum Essen einladen?“

„Ich finde, wir sollten uns besser kennenlernen, Malfoy. Immerhin sind wir nun alt genug, um erwachsener miteinander umzugehen. Die Essenseinladung ist mein Angebot, um vielleicht doch noch Freunde zu werden, wenn du daran interessiert wärst.“ Harrys Herz klopfte hart in der Brust, während er Dracos Antwort abwartete.

„Du willst also mit mir befreundet sein?“, vergewisserte sich Draco kühl, Harry nickte zaghaft.

„Das mit der Freundschaft muss ich mir noch überlegen, aber Hunger hätte ich schon.“ Der Hauch eines Lächelns legte sich auf die blassen Lippen des einstigen Blonden, Harry fühlte Erleichterung in sich hochsteigen.

„Dann gehen wir“, entschied der Auror.

Als Draco seinen Lohn abgeholt hatte, spazierten die beiden unterschiedlichen Männer an die Grenzen von Muggellondon, um von dort aus zu Harrys Haus zu apparieren. Als sie jenes betraten, sah sich Draco eingehend um und grinste. „Du hattest schon immer einen seltsamen Geschmack, Potter. Nicht ganz mein Stil.“

Harry drehte sich zu ihm um. „Das waren meine Ex-Freundinnen. Ich bin nur zu faul, per Zauber alles rückgängig zu machen.“

„Wenigstens kannst du noch zaubern“, nuschelte Draco, Harry wurde hellhörig. „Wieso? Kannst du denn nicht mehr zaubern?“

„Mein Vater hat meinen Zauberstab zerbrochen, zufrieden?“, schnarrte Draco und zog sich die Wollmütze vom Kopf. Harry musste sich erst an den kahlen Kopf gewöhnen, sprach Draco allerdings nicht darauf an.

„Nein, ich bin nicht zufrieden. Wieso kaufst du dir denn keinen neuen?“, wollte er erfahren.

„Von welchem Geld denn, Potter?“, schnappte der ehemalige Slytherin, Harry wirkte betroffen. „Entschuldigung.“

„Schon gut“, lenkte Draco müde ein, kurz herrschte unangenehme Stille zwischen ihnen.

„Was willst du essen?“, fiel Harry nun wieder ein, Draco zuckte die Schultern. „Mir egal, es sollte nur schmecken. Was bekommst du dafür?“

„Was ich…“ Harry war für einen Moment sprachlos. „Jetzt hör mal, Malfoy! Ich habe dich eingeladen und erwarte von dir nur, dass dir mein Abendessen zusagt, mehr nicht!“

„Ich… kann das nicht annehmen, Potter“, erwiderte Draco ruhig, Harry schüttelte stur den Kopf. „Und ob du das kannst!“

„Vorschlag!“, rief Draco aus, als Harry bereits auf den Weg zur Küche war.

„Ich höre?“, blieb Harry stehen und drehte sich ihm zu, Draco holte zu ihm auf.

„Du kochst und ich kümmere mich um die Einrichtung. Da du nicht zaubern willst…“ Draco leckte sich über die blassen Lippen und stierte Harrys Zauberstab an, den er gut sichtbar in der Hand hielt.

„Oh! Ja, das könnte gehen. Hier, mach, was du willst, mir gefällt diese Einrichtung sowieso nicht mehr. Du findest mich in der Küche“, überreichte Harry Draco seinen Zauberstab, sein Gast war verdutzt.

„Du überlässt mir einfach so deinen Zauberstab?“, ging er sicher, Harry lachte leise auf. „Ja, ich vertraue dir.“

„Seit wann das?“, kniff Draco skeptisch die Augen zusammen, Harry sah ihn lange an. „Seitdem ich dich wieder getroffen habe. Du hast dich verändert, bis bodenständiger geworden. Reicht dir das als Antwort?“

Draco nickte nur und beide gingen ihrer Wege. Während Harry also in der Küche arbeitete und Spaghetti Bolognese zubereitete, marschierte Draco von einem Zimmer zum nächsten und zauberte es nach seinem Geschmack um. Endlich fühlte sich Draco wieder wie ein Zauberer und genoss den magischen Umbau aller Zimmer sehr. Nach ungefähr einer halben Stunde betrat er schließlich die Küche und sog tief den wundervollen Duft ein.

„Riecht nicht schlecht, Potter“, gab er zu, Harry sah über seine Schulter und grinste. „Hoffentlich schmeckt es dir auch.“

„Denke schon“, setzte sich Draco an den Esstisch und sah sich in der Küche um. Ein paar gemurmelte Worte später und die Küche sah aus wie neu. Harry hielt im Kochen inne und staunte nicht schlecht.

„Wow, jetzt sieht die Küche viel heller aus!“, freute er sich, Draco lächelte ein wenig. „Du kannst dir ja später auch das restliche Haus ansehen, jetzt hat es Stil.“

„Ich freue mich schon darauf“, konterte Harry mit einem Zwinkern und richtete die Teller an. Draco schnupperte an der frischen Speise, legte den Zauberstab auf den Tisch und nahm das Besteck an sich.

„Guten Appetit“, wünschte Harry, Draco nickte ihm stumm zu. Dann begannen sie zu essen und Harry staunte nicht schlecht, wie schnell Draco die Nudeln mit Sauce in sich hineinstopfte. Er wollte nicht nachfragen, was Draco sonst so aß, viel lieber genoss er dessen unglaublichen Appetit. Als sie zu Ende gegessen hatten, hielten sie sich ihre Bäuche und grinsten sich an, doch dann wurde Draco bleich im Gesicht.

„Malfoy? Geht´s dir nicht gut?“, erkundigte sich Harry sofort, Draco fing an zu schwitzen.

„Toilette“, quetschte er hervor.

„Zweite Türe rechts“, zeigte Harry nach draußen, Draco stürzte los. Besorgt sah Harry ihm hinterher und konnte nur Sekunden später Würgegeräusche wahrnehmen. Alarmiert sprang er hoch und lief zur Toilette, Draco kniete vor der Klomuschel. Bestürzt ging Harry neben ihm in die Knie und streichelte zart über Dracos knochigen Rücken, doch der Blonde schlug seine Hand weg.

„Lass mich!“

„Nein! Sag mir endlich, was mit dir los ist, Malfoy! Hab ich etwas Falsches gekocht? Verträgst du es nicht?“

„Nein, dein Abendessen war vorzüglich, muss ich zugeben“, kam Dracos Magen wieder zur Ruhe. Er betätigte die Spülung, lehnte sich bleich an die Wand an und nahm sich etwas vom Toilettenpapier, um sich damit den Mund abzuwischen. Harry setzte sich ihm gegenüber.

„Bitte sag mir, was mit dir los ist“, wisperte Harry besorgt.

„Du nervst, Potter“, keuchte Draco, Harry schmunzelte. „Ich weiß. Und ich nerve so lange, bis du mir die Wahrheit sagst.“

„Die Wahrheit?“, sah Draco ihm erledigt ins Gesicht, seine Augen wirkten stumpf, Harry nickte.

„Ich habe Krebs, Potter, das ist die Wahrheit. Die Geschwülste in meinem Körper breiten sich immer mehr aus.“

„Du hast was?“, keuchte Harry auf, sein Herz begann zu rasen. „Das ist ein Scherz, oder?“

„Sehe ich so aus, als würde ich scherzen?“, entgegnete Draco bitter und Harry wurde mit einem Schlag bewusst, dass Draco tatsächlich die Wahrheit sprach.

„Oh mein Gott, das darf nicht wahr sein“, flüsterte Harry entsetzt, Draco schmunzelte ergeben. „Das habe ich auch gedacht, als der Krebs bei mir diagnostiziert wurde.“

„In… In welchem Stadium?“, krächzte Harry, seine Hände wurden feucht. Draco sah ihn lange an und seufzte. „Ich werde nicht mehr lange zu leben haben, wenn die Chemotherapie nicht anschlägt.“

„Die wievielte ist es denn?“, fragte Harry weiter.

„Die Dritte. Jetzt weißt du, wo meine Haare abgeblieben sind.“

„Weiß deine Familie bescheid?“, erkundigte sich Harry.

„Bist du wahnsinnig, Potter? Natürlich nicht! Sie haben mich enterbt, meinen Zauberstab zerbrochen und mich rausgeschmissen!“, keifte er, Harry schluckte schwer. „Aber sie sind deine Eltern, Malfoy. Sie sollten wissen, dass du krank bist.“

„Vergiss es, Potter, ich werde ihnen nichts sagen!“

„Was ist mit… mit Zabini! Ihr wart doch mal befreundet!“, fiel Harry ein.

„Ja, das war einmal“, antwortete Draco leise.

„Was ist passiert?“, fragte Harry einfühlsam, Draco schnaufte.

„Ich will ihm nicht auf der Tasche liegen, Potter. Als ich erfuhr, dass ich… Blaise hat genügend Probleme, da braucht er nicht noch eins mehr.“

„Sag mal, spinnst du?“, zischte Harry und hätte Draco am liebsten eine schallende Ohrfeige verpasst. „Blaise Zabini würde dich niemals als Last sehen! Er war doch dein bester Freund, Malfoy! Du musst es ihm sagen!“

Draco erwiderte nichts, sah stur zur Seite und biss sich auf die Lippen.

„Wo wohnst du, Malfoy?“, wechselte Harry das Thema, bevor er wahnsinnig wurde.

„In der Nähe der Bar, ich bewohne eine Ein-Zimmer-Wohnung. Reicht vollkommen und die Miete kann ich auch bezahlen.“

„Aber die Gegend dort ist unter deiner Würde!“, regte sich Harry auf, Draco grinste ihn an. „Als ob ich eine Wahl hätte.“

„Die hast du!“, erwiderte Harry fest. „Von nun an wohnst du bei mir. Mein Bett ist groß genug für zwei. Gleich morgen kündigst du deine Wohnung. Ich könnte Gesellschaft vertragen. Wenn du willst, nehme ich mir morgen frei und dann gehen wir beide einkaufen. Diese Klamotten trägst du schon seit ein paar Tagen – du könntest dringend neue gebrauchen. Und dann kaufen wir dir noch einen Zauberstab, damit du wieder…“

„Hey, Potter! Mach halblang! Was redest du denn da? Ich soll zu dir ziehen? Bist du denn komplett übergeschnappt? Wie kommst du bloß auf diese blöde Idee?! Ich brauche deine Hilfe nicht!“, schoss Draco zurück, Harrys Miene verfinsterte sich. „Vielleicht brauchst du sie nicht, Malfoy, aber ich will sie dir geben. Ich will dir helfen, verstehst du?“

„Warum?“, fragte Draco müde, Harry senkte den Blick. „Weißt du, Malfoy, in den letzten Jahren habe ich immer wieder an dich denken müssen und wie es dir geht. Obwohl wir Feinde waren, warst du in den sieben Jahren auf Hogwarts ständig für mich präsent. Wir verfluchten uns, stritten, rauften, was auch immer. Aber du warst immer anwesend, hast mich nie als Held gesehen. Du warst irgendwie ein Teil meines Lebens und… ähm…“

„Sag nicht, du hast mich vermisst.“ Klang Dracos Stimme amüsiert?

Harry sah wieder hoch. „Irgendwie schon. Ich frage mich oft, wie wir miteinander umgegangen wären, wenn wir Freunde geworden wären“, gestand Harry, Dracos rechte Augenbraue zuckte in die Höhe. „Aha…“

„Was ist jetzt? Nimmst du mein Angebot an? Draco, ich wäre gerne dein Freund. Schade dass ich erst älter werden musste, um mir dessen klar zu werden.“

Harry hielt Draco die Hand entgegen, sein Gegenüber starrte regungslos darauf. Harry holte tief Luft: „Hallo, mein Name ist Harry Potter und es freut mich, dich kennen zu lernen. Und wer bist du?“

Draco sah Harry an, als hätte dieser nicht mehr alle Tassen im Schrank, dann schlug er zögerlich ein. „Ich bin Draco Malfoy, angenehm.“

Harry lächelte ihn so strahlend an, dass Dracos Wangen ein wenig rötlich wurden, verlegen sah er weg.

„Sag nicht, du bist schüchtern“, gluckste Harry und ließ seine Hand los.

„Schwachsinn“, zischte Draco retour, zum ersten Mal blitzten seine Augen angriffslustig auf. Harry lachte los, erhob sich und zog Draco auf die Füße. „Komm mit, du könntest ein Glas Wasser gebrauchen.“

„Ich hab Hunger“, nuschelte Draco, doch Harry hatte ihn gehört. „Sehr gut! Es ist noch genügend übrig, bedien dich. Ach, Draco?“, drehte er sich zu ihm um.

„Klingt eigenartig, wenn du mich mit meinem Vornamen ansprichst, Potter… ähm… Harry“, korrigierte sich Draco schnell, Harry grinste wie ein Lausbub. „Gewöhn dich daran. Während du etwas isst, werde ich mir das Haus ansehen, okay? Und wenn du auf die Toilette musst… Du weißt nun, wo sie ist“, stellte Harry ihm das Glas vor die Nase und verließ die Küche.

Draco starrte auf das Glas Wasser und fragte sich, ob er träumte. Vier Jahre waren vergangen, seit er Harry Potter zuletzt gesehen hatte. Wie beschissen war das Schicksal, wenn er erst krank werden musste, um Potters Freundschaft zu bekommen? Wie auch immer, Draco bemerkte wohlwollend eine Wende in seinem Leben und fühlte das erste Mal seit langem Hoffnung in seinem Herzen. Auch wenn er nicht wusste, wie lange er noch zu leben hatte, wollte er die Zeit, die ihm verblieb, so ausgiebig wie möglich genießen.

Minuten später kam Harry in die Küche gestürzt und strahlte übers gesamte Gesicht. „Das Haus ist nicht wieder zu erkennen! Dein Geschmack kann sich sehen lassen, wirklich! Ich bin begeistert! Vielleicht solltest du dich zum Raumausstatter umschulen lassen.“

„Raumausstatter? Was ist das?“, fragte Draco, Harry setzte sich ihm gegenüber. „Jemand, der anderen Zauberern und Hexen in der Gestaltung ihrer Räumlichkeiten behilflich ist und ihnen Tipps gibt. Du wärst perfekt für diesen Job“, war Harry überzeugt.

„Ich weiß nicht“, stocherte Draco in seinen Nudeln, drehte seine Gabel und führte sie zu seinem Mund.

„Soweit ich weiß, gibt es auch in der Zauberwelt Raumausstatter“, lehnte sich Harry zurück, Draco schluckte den zerkauten Bissen hinab. „Genau, Hauselfen.“

„Das war einmal“, gab Harry zu und fuhr sich durch die Haare. „Heut zu Tage gibt es immer mehr Zauberer, die den Beruf Raumausstatter ausüben.“

„Ich hab keinen Zauberstab, Potter.“

„Nenn mich bitte Harry.“

„Okay, Harry, ich hab keinen Zauberstab.“

„Aber bald, das verspreche ich dir“, lehnte sich Harry zu ihm vor und sah Draco tief in die Augen.

°°°°


Harry hatte Wort gehalten und all das erfüllt, von dem er gesprochen hatte. Eine Woche statt nur einem Tag Urlaub war schnell beantragt, dann war Harry voll und ganz für Draco da. Von Tag zu Tag lernte Harry eine neue Seite an Draco kennen und fing an, den ehemaligen Slytherin zu mögen – besonders dessen Lächeln hatte es ihm angetan. Hatte er früher auch schon so gelächelt?

Beim Einkaufen konnte Harry fast wieder den alten Draco ausmachen, wenn es um die Qualität der Kleidungsstücke ging, so überließ der Auror seinem ehemaligen Feind die Auswahl. Gleich danach wurde für Draco ein neuer Zauberstab gekauft, es folgte die Suche nach einem attraktiven Job. Inzwischen gestand Harry sich ein, dass Draco auch mit Glatze ansehnlich genug war und trotz seiner Krankheit Stolz und Würde ausstrahlte.

Jeden Tag hatte Harry etwas Anderes mit Draco vor, da dieser das Singen in der Bar und seine schäbige Wohnung aufgegeben hatte, Geld nun nicht mehr zur Debatte stand. Allerdings gab es deshalb oft genug Krach zwischen ihnen, da Draco unbedingt das geliehene Geld zurückzahlen wollte. Harry hingegen bestand darauf, dass Draco die finanziellen Ausgaben akzeptieren sollte, was dem einstigen Blonden nur sehr schwer fiel.

„Sieh mal, Draco, mir macht es nichts aus, für dich einkaufen zu bezahlen. Ich habe genügend Geld auf der Kante, um dich Jahrzehnte über Wasser zu halten. Bitte nimm es endlich an.“

Nun, das war leichter gesagt als getan, denn Draco Malfoy besaß eine ausgeprägte Sturheit und versprach Harry, sich zu revanchieren. Vergessen war die tödliche Krankheit namens Krebs, als Draco nach und nach zunahm und endlich wieder eine gesunde Hautfarbe besaß. Dennoch war dieses Thema nicht vom Tisch und eines Tages sprach Harry Draco darauf an.

„Draco? Ich kenne eine sehr gute Klinik…“

„Nein, Harry!“, erwiderte Draco barsch, „lass es!“

„Ich kann es nicht sein lassen, Draco! Du bist mein Freund und als solcher mache ich mir Sorgen um dich!“

„Wie rührend“, schnappte Draco und stocherte lustlos in seinem Abendessen herum.

„Ja, das sollte es eigentlich sein! Bitte, Draco, ich will noch länger etwas von dir haben!“, begehrte Harry auf, Draco sah hoch in sein Gesicht.

„Die ersten beiden Chemotherapien haben nicht besonders gut angeschlagen, Harry. Sieh es doch endlich ein. Ich glaube nicht, dass die dritte besser anschlagen wird. Wenn ich Glück habe, dann habe ich noch…“

Nein!“ Harry rastete vollkommen aus. „Ich will keine Theorien darüber hören, wie lange du noch zu leben hast, Draco! Diese Diskussion hatten wir bereit zu genüge! Du wirst sehen, dass die zweite Chemotherapie anschlagen wird, da bin ich mir sicher!“, knurrte er düster.

„Und was ist wenn nicht?“, entgegnete Draco nüchtern, Harry ließ die Schultern hängen. „Wenn nicht, dann werde ich an deiner Seite sein.“

„Ich will aber nicht, dass du mich so siehst, Harry. Wenn es dem Ende zugeht, werde ich schrecklich aussehen“, wisperte Draco erstickt, in Harrys Augen schimmerten Tränen. „Es ist mir egal, wie du aussehen wirst, Draco. Ich werde immer für dich da sein, ich verspreche es. Und wehe, du wagst es noch einmal, von deinem Tod zu sprechen.“

Draco schwieg für einen Moment und betrachtete Harrys Gesicht. „Weshalb bist du keine Beziehung mehr eingegangen?“, wechselte er das Thema, Harry wurde rötlich im Gesicht. „Klappt nie.“

„Vielleicht waren es nur nie die richtigen Frauen“, zuckte Draco die Schultern.

„Die Frauen können mir gestohlen bleiben“, antwortete Harry unwirsch, Draco schmunzelte. „Steht der große Harry Potter etwa auf böse Jungs?“ Da war er wieder: Der alte Draco Malfoy. Harrys Röte im Gesicht nahm zu und Draco bekam seine Gewissheit.

„Verlieb dich bloß nicht in mich, Harry, es wäre ein Fehler“, war er mutig, Harry stand auf. Langsam umrundete er den Tisch und zog Draco in die Höhe. Der ehemalige Slytherin überragte ihn um einen halben Kopf, aber es störte Harry nicht.

„Was ein Fehler wäre und was nicht, entscheide noch immer ich, Draco. Außerdem bin ich schon längst in dich verliebt, es ist einfach so passiert“, gestand Harry ihm, Dracos Augen wurden groß.

„Ich würde dich nur verletzen“, sah Draco auf Harry hinab, doch der Auror schüttelte entschieden den Kopf und lächelte gutmütig. „Irrtum. Du machst mich glücklich, Draco. Durch dich ist mein Leben viel spannender geworden, ich genieße deine Anwesenheit sehr. Wieso war ich nur so ein Idiot und habe nicht schon viel früher gefragt, ob wir Freunde sein können?“

„Harry…“, krächzte Draco gerührt und sah schnell weg, seine Augen schimmerten.

„Sieh mich an, Draco, bitte sieh mich an.“ Harry nahm Dracos Kinn in die Hand und drehte dessen Gesicht zu sich. „Du bist nicht alleine und du wirst es niemals sein. Ich verspreche dir, in guten wie in schlechten Tagen, an deiner Seite zu sein. Und ich verspreche dir auch, dass ich jede Minute mit dir genießen werde. Die Frage ist nur, ob du es zulassen willst.“

„Ich…“ Draco versagte die Stimme und schloss die Augen. Harry zögerte nicht lange, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste seinen Freund auf die weichen Lippen. Draco versteifte sich zunächst, doch dann ließ er sich fallen.

Er kannte so eine Art von Zuneigung nicht, deshalb war er wie ausgehungert und lechzte geradezu danach. Draco umarmte Harry, zog ihn fest an sich und erwiderte das Geschmuse von Harrys Lippen. Als sein Freund allerdings die Zunge sprechen ließ, konnte Draco ein Stöhnen nicht verhindern und öffnete den Mund. Dieser Zungenkuss war der erste seit 5 Jahren, und er war besser als jene, die er bisher mit Mädchen geteilt hatte.

Schon vor einer Woche hatte Draco bemerkt, dass Harry ihm gewisse Blicke zuwarf, was ihn aufgeregt wie ein kleiner Junge werden ließ. Und als er dann feststellte, dass er sich ausgerechnet in Harry Potter verliebt hatte und ihn heimlich beim Umziehen beobachtete, war er sich dessen Gefühle nicht mehr sicher. Dass er jedoch den ersten Schritt machte, ihm seine Liebe beichtete und ihn auch noch küsste, ließ Draco im siebten Himmel schweben. Es tat so gut, glückliche Gefühle in sich zu tragen!

Jeder Zungenschlag saß und Draco fühlte wieder Leben in sich. Ohne Zurückhaltung stöhnte er in den Kuss hinein und ließ ihn leidenschaftlicher werden. Harry presste sich an ihn, erwiderte den Kuss hingebungsvoll und schlang seine Arme um Dracos Nacken. Adrenalin jagte durch ihre Körper, dieser Kuss war einfach berauschend! Hektisch atmend lösten sie sich voneinander, beide besaßen rote Wangen.

„Wow, was für ein Kuss“, schwärmte Harry, Draco grinste breit. „Da stimme ich dir zu.“ Nun wurde Draco ernst, unsicher sah er Harry an.

„Wieso ich, Harry? Ich bin nicht mehr hübsch, du hingegen schon. Du könntest alle Zauberer dieser Welt in dein Bett locken, aber was habe ich dir zu bieten?“

Harry räusperte sich. „Du bist sogar sehr hübsch, Draco. Deine gesamte Ausstrahlung ist umwerfend, dein Charme verschlägt mir jedes Mal den Atem. Du hast das gewisse Etwas, das mich schon immer angezogen hat. Wahrscheinlich habe ich mich schon früher zu dir hingezogen gefühlt, sonst hätte ich mich mit dir niemals gestritten. Noch was: Dein Lächeln macht mich weich, es müsste eigentlich verboten werden.“

Und Draco lächelte. Er lächelte so sexy, dass es Harry den Atem verschlug und er ganz verklärt in Dracos Augen blickte.

„Sieh mal einer an. Harry Potter ist tatsächlich in mich verschossen“, näselte Draco und zog amüsiert eine Augenbraue hoch, Harry stöhnte leise auf. „Himmel, und wie ich auf dich stehe“, keuchte er.

Alleine dieser Satz ließ Blitze durch Dracos Körper fahren und seine Lenden anschwellen, Harry rieb sich an ihm.

Hm, Harry… Ich… uh… hab keine Erfahrung… oh Merlin… vorzuweisen. Ich… ah!“, stotterte Draco, zwischendurch stöhnte er auf. Harry saugte inzwischen an Dracos Hals, leckte darüber und fuhr mit seinen Händen unter Dracos Shirt. „Ich doch auch nicht. Aber ich bin mir sicher, dass wir unseren Spaß haben werden.“

„Bist du dir sicher, dass du…“ Weiter kam Draco nicht, da Harrys Hand sich ungeniert auf Dracos Härte legte und anfing, das halb erigierte Glied durch den Hosenstoff hindurch zu reiben. Draco stöhnte sündig auf, seine Knie wurden weich.

„Schlafzimmer“, nuschelte Harry an Dracos Hals, unterbrach das Saugen und zog seinen Freund hinter sich her. Draco konnte es kaum erwarten, mit Harry im Bett zu landen, nur… Was würde Harry sagen, wenn er seinen Körper sah? Immerhin war Draco nicht mehr so gutaussehend wir früher!

Seine Gedanken wurden unterbrochen, als Harry ihn aufs Bett schupste und ihn im nächsten Moment leidenschaftlich küsste. Wie Ertrinkende klammerten sie sich aneinander fest, streichelten sich und rieben sich aneinander. Die Temperatur im Schlafzimmer stieg rapide an, zwischen den beiden sprühten regelrecht die Funken. Von Leidenschaft gepackt entledigten sie sich eiligst ihrer Kleidung, bis Draco innehielt und peinlich berührt in die Ecke des Raums sah.

„Du bist schön, Draco“, hauchte Harry fasziniert, der ehemalige Slytherin sah seinen Freund überrascht an. Er erkannte in Harrys Augen die Lust, die Leidenschaft und die Ehrlichkeit seiner Worte, schon fühlte er sich besser. In diesem Moment fühlte sich Draco tatsächlich schön, er glaubte endlich daran. Mit einem Aufstöhnen zog er Harry auf sich und küsste ihn feurig, ein weiterer Zungenkuss wurde ausgetauscht.

„Ab jetzt übernehme ich das Kommando“, knurrte Draco inbrünstig, rollte Harry auf den Rücken und machte es sich zwischen seinen gespreizten Beinen bequem. Beide keuchten sich erregt und zittrig ins Gesicht und Draco begann, sich sündig auf ihm zu bewegen. Harry stöhnte lüstern auf, verdrehte die Augen und legte den Kopf in den Nacken. Draco gefiel, was er sah und wurde mutiger. Ein weiterer Kuss entbrannte, danach bahnte sich Draco seinen küssenden Weg über Harrys Hals und verbrannte jeden Zentimeter der berührten Haut seines Freundes.

Harry wand sich unter ihm, drückte seinen Rücken durch und wusste nicht wohin mit seiner Lust. Dracos Küsse und Hände machten ihn schier wahnsinnig, dessen heiße Lippen wanderten über seinen Bauch. Schließlich spürte er den warmen Atem an seinem wippenden Glied, keuchend sah er an sich hinab.

„Draco? Du musst das nicht tun, wenn…“ Harry hielt die Luft an, als Dracos Zunge hervorschnellte und lasziv über Harrys pralle Eichel leckte. Draco sah dabei so scharf aus, dass Harry enorme Mühe hatte, um nicht sofort zu kommen. Heiße Wellen schossen durch seinen Körper, seine Lenden kribbelten immer mehr. Draco schloss seine silbergrauen Augen, legte die Lippen um die feuchte Spitze und begann zu saugen.

„Oh Merlin!“, stöhnte Harry laut auf, krallte seine Hände ins Laken und betete stumm zu Gott, dass er durchhalten möge.

„Du machst mich wahnsinnig!“, stieß er rau hervor, als Draco anfing, seinen Kopf auf und ab zu bewegen, Harrys pralle Länge mit Zungenschlägen und Saugtechniken verwöhnt wurde. Harry sah bereits Sterne vor den Augen und befürchtete, nicht mehr lange durchhalten zu können.

„Draco“, stöhnte er, „es war schon zu lange her. Ich… Wenn du so weiter machst, dann komme ich“, quetschte er hervor und presste die Pobacken zusammen. Draco knurrte leise, intensivierte seine Saugbewegungen und nahm Harrys harte Länge fast bis zum Anschlag in seinem Mund auf. Harry schrie laut auf, als Draco immer schneller und sicherer wurde, bis er kurz darauf seinen Höhepunkt erreichte und sich in Dracos Mund ergoss.

Frustriert legte er sich die Hand aufs Gesicht und schnaufte. „Es tut mir leid, Draco, ich hmpf…!“, wurden seine Worte unterbrochen, als Draco ihn leidenschaftlich küsste und Harry sich selbst schmecken konnte. Draco rieb sich abermals an Harrys Vorderfront, denn seine Lenden schmerzten enorm. Als er sich weiter hinab bewegte, stieß seine Spitze gegen Harrys Eingang, der Kuss wurde unterbrochen.

„Tu´s einfach“, keuchte Harry mit verschleierten Augen, Draco sah nervös zu ihm hinab. Er schaffte es nicht, Harry zu antworten, da er viel zu aufgeregt war und es kaum erwarten konnte, mit Harry Eins zu sein. Während er Harry ins Gesicht sah, schnappte er sich seinen neuen Zauberstab, sprach einen Spruch und legte das Stück Holz beiseite – sein Glied war nun dick mit Gleitgel beschichtet. Ihre Blicke hafteten noch immer ineinander, als Harry langsam seine Beine anhob und um Dracos Hüften schlang, die Spannung zwischen ihnen baute sich immer mehr auf.

Draco keuchte und schwitzte, stützte sich neben Harrys Kopf ab und hoffte, alles richtig zu machen, als er mit der Spitze in Harry eindrang und innehielt. Harry verzog sein Gesicht, Draco biss sich auf die Lippen.

„Geht schon, aber langsam, ja?“, keuchte Harry, Draco atmete stockend. Es war die Hölle für ihn, sich zurück zu halten, da er sich am liebsten unnachgiebig in Harrys Körper versenkt hätte. Harry fühlte sich heiß und eng an, Draco stöhnte gequält auf und biss sich auf die Unterlippe. Stück für Stück schob er sich in Harry und achtete auf seine Mimik – Himmel, wie er es genoss! Als er endlich tief in ihm versunken war, verharrten sie in dieser Position. Draco beugte sich zu Harry hinab und küsste seinen Liebsten zärtlich auf die Lippen.

„Beweg dich, Draco“, wimmerte Harry, sein Blick war fiebrig. Da Dracos Gliedspitze eines der Lustzentren Harrys anstieß, verging der Schwarzhaarige vor Wonne und zog die Beine noch näher an seine Brust. Draco knurrte und zog sich wieder zurück, nur um sich erneut vorsichtig in Harrys Körper zu schieben.  

„Schneller“, wisperte Harry etwas weggetreten. Sein Glied stand wieder prall von seinem Körper ab, die Spitze rieb an Dracos flachem Bauch.

Draco brannte die erste Sicherung durch, als er endlich die Reibung erhöhen durfte und driftete immer tiefer in die Welt aus Lust und Leidenschaft ab. Sein gesamter Körper stand unter Strom, während er sein Becken beherrscht vor- und zurückschob.

„Oh Harry“, keuchte er und öffnete seine Augen. Beide schnappten nach Luft, als sie das Feuer in den Seelenspiegeln des jeweils Anderen erkannten.

„Noch schneller, Baby“, stöhnte Harry ungehalten, Draco knurrte animalisch auf. Kurz setzte er sich auf die Fersen, legte Harrys Beine auf seine Schultern und stützte sich erneut mit den Händen neben dem Kopf seines Liebhabers ab. Dann hob er sein Becken an und versenkte sich mit einem tiefen, geschmeidigen Stoß bis zum Anschlag in Harry.

Der Auror schrie leidenschaftlich auf und Draco nahm an Schnelligkeit zu. Seinen knackigen Po zusammengekniffen stieß sein Becken immer schneller vor und brachte Harry damit immer wieder zum Schreien. Beide wurden von einem Strudel aus purer Ekstase erfasst und schafften es nicht mehr, sich aus diesem zu befreien. Dracos Stöße wurden leidenschaftlicher, gingen tiefer und stimulierten Harry so sehr, dass der Körper des Aurors ständig in Flammen stand.  

Draco erging es nicht anders und spürte nicht einmal die Kratzer auf seinem Rücken, die Harry ihm bereitwillig zufügte, da die Reibung auf seinem prallen Glied tausend Blitze in seinen Lenden freisetzte. Beide stöhnten und schrien um die Wette, Draco katapultierte seinen Kopf in den Nacken.

Schließlich gab es für die Liebenden kein Entrinnen und katapultierten sich an den Gipfel ihres gemeinsamen Lustberges. Zwei laute Lustschreie bezeugten das Erreichen ihrer Höhepunkte, während Harry zwischen ihren Leibern schubweise sein Erbe verteilte. Als Draco seinen Orgasmus erlebte, hatte er sich noch nie in seinem Leben so befreit, so lebendig gefühlt. So fühlte sich Liebe an! So fühlte sich Leben an! Bei Merlin, es war das Schönste, was Draco jemals erlebt hatte!

Geschafft, verschwitzt und außer Puste brach Draco auf Harry zusammen, der Schwarzhaarige ließ seine Beine sinken.

„Hab ich dir wehgetan?“, fragte Draco behutsam und hob seinen Kopf an. Doch Harry lächelte nur, strahlte über das gesamte Gesicht und küsste seinen Süßen frech auf die Nase. „Gott, das war der geilste Sex meines Lebens“, stieß er hervor.

„Du darfst mich gerne Draco nennen“, schnarrte der ehemalige Slytherin, Harry verpasste ihm einen liebevollen Seitenhieb. Vorsichtig und leise lachend entzog sich Draco seinem Geliebten, legte sich neben ihn, nahm den Zauberstab zur Hand und reinigte sie. Gleich danach kuschelten sie sich zusammen unter die Bettdecke.

„Hat es dir auch gefallen?“, erkundigte sich Harry, Draco lächelte unwiderstehlich. „Dank dir weiß ich wieder, wie es ist zu leben, Harry. Ich will dich nie wieder hergeben“, wurde er zum Schluss ernst, Harry zog Draco fest an sich. „Musst du auch nicht.“

In dieser Nacht liebten sie sich ein weiteres Mal und genossen es mit jeder Faser ihres Körpers. Erst in den Morgenstunden schliefen beide erschöpft, doch überglücklich in geborgenen Armen ein – ein zauberhaftes Lächeln lag auf ihren Lippen.

°°°°


Am nächsten Tag konnte Harry noch nicht ahnen, dass er starke Nerven beweisen musste, während Draco sich bei einer renommierten Firma in der Zauberwelt als Raumausstatter vorstellte und sich bestens verkaufte.

„Harry! Du kannst mir nicht einfach so vor die Füße werfen, dass du mit Malfoy zusammen bist, er Krebs hat und dann verschwinden!“, keifte Ron Harry hinterher, als der Schwarzhaarige Rons Büro verlassen wollte und auf die Tür zuging.

„Wie du siehst, kann ich es“, antwortete Harry barsch, Rons Gesicht war ungesund weiß.

„Du liebst ihn, oder?“, keuchte Ron. Harry blieb stehen, drehte sich um und nickte.

„Aber wer weiß, ob Malfoy den Krebs überhaupt überleben…“

„Halt den Mund, Ron! Natürlich wird er ihn überleben! Etwas Anderes kommt für mich nicht in Frage!“, schnauzte Harry seinen besten Freund an und bemerkte zu spät, dass Ron ihn gekränkt ansah.

„Es tut mir leid, Ron, ich bin nur sehr empfindlich, was dieses Thema angeht“, entschuldigte er sich sofort, Ron umschritt seinen Tisch und kam auf Harry zu.

„Schon gut Mann – aber wieso ausgerechnet Malfoy?“, quengelte er und entlockte Harry somit ein kleines Lächeln.

„Weil es ausgerechnet bei ihm passiert ist, Ron. Ich war noch nie so glücklich wie mit Draco.“

„Ich weiß, denn du strahlst wie schon lange nicht mehr“, seufzte Ron, Harry bekam rote Wangen.

„Was hast du jetzt vor, Harry?“, wollte Ron erfahren.

„Ich werde alles geben, um meine große Liebe zu retten, Ron, das habe ich vor. Entweder du unterstützt mich darin oder du lässt es.“

„Du bist so ein Idiot, Harry!“, blaffte Ron ihn an, seine Augen funkelten. „Ich mag Malfoy nicht, aber es geht mich auch nichts an, mit wem du zusammen bist! Also tu, was du nicht lassen kannst, du weißt, dass ich hinter dir stehe!“

„Ron…“ Harry verlor seine Sprache, machte einen Schritt auf ihn zu und umarmte ihn fest aber freundschaftlich. Auch Ron legte seine Arme um ihn.

„Tu, was du am besten kannst, Harry, hilf ihm – auch wenn´s Malfoy ist.“

„Danke, Mann“, krächzte Harry, die Umarmung wurde gelöst. „Schon gut.“

„Ach, Ron? Wärst du bitte so nett und könntest meine Nachmittagsschicht übernehmen? Ich muss noch etwas Dringendes erledigen“, machte Harry Hundeaugen, Ron war frustriert.

„Ist es wichtig?“, verschränkte er die Arme vor der Brust, Harry nickte wie wild.

„Einverstanden.“

°°°°


Harry verließ mit schnellen Schritten das Zaubereiministerium und machte sich auf nach Malfoy Manor, den genauen Standort wusste er bereits. Als er mittels Apparieren vor dem riesigen Anwesen ankam, holte er tief Luft, stieß das hohe Stahltor auf und stieg entschlossen die Treppen hoch. Mit jedem Schritt steigerte sich die Wut in ihm, seine Augen blitzten regelrecht vor Zorn.

Schließlich kam er vor der Eingangstür an und klopfte. Nur ein paar Sekunden später wurde sie geöffnet und Harry von einem unhöflichen Hauself empfangen.

„Sie wünschen?“, fragte er genervt, Harry schob den Hauselfen mit einer einzigen Bewegung beiseite und trat in die große Halle ein.

„Ich will sofort Mister und Misses Malfoy sprechen“, knurrte er, der Elf erstarrte.

„Wen darf ich melden, Sir?“, quiekte er ein wenig eingeschüchtert, Harry drehte sich mit Schwung zu ihm um. „Mein Name ist Harry Potter. Und nun beeil dich!“, keifte er, der Elf verschwand.    

Harry durchquerte mit langen Schritten die Halle und sah sich nur flüchtig um, als bereits die Herrin des Hauses die Treppen hinab geschwebt kam.

„Mister Potter? Welch Ehre für unser Haus. In welcher Angelegenheit sind Sie zu uns gekommen?“, fragte sie steif, Harrys Gesicht verdüsterte sich. „Es geht um Draco.“

Narzissa verlor ihre Kühle, Sehnsucht und Schmerz wallten in ihren Augen auf. „Draco?“, hauchte sie.

„Narzissa! Was ist hier los!“, donnerte eine Stimme vom obigen Treppenansatz zu ihnen hinab, Lucius gesellte sich sofort zu seiner Frau.

Mister Potter? Ich möchte meinen Augen nicht trauen!“, näselte er nicht besonders erfreut.

„Er ist wegen Draco hier“, hauchte die Blonde schneeweiß im Gesicht, Lucius sog scharf die Luft ein. „Ich habe keinen Sohn namens Draco!“, fauchte er sie an.

„Aber Lucius…!“

„SCHWEIG!“ Lucius´ Stimme hallte an den kühlen Wänden wider.

„Und ob Sie einen Sohn namens Draco haben“, fauchte Harry, seine Augen schossen Todesblitze ab. Lucius wollte bereits erwidern, als Harry ihm nicht einmal die Möglichkeit dazu bot. Mit langsamen Schritten kam er auf Lucius zu, während er ihm die Leviten las.

„Wie können Sie nur so herzlos sein, Ihren eigenen Sohn zu enterben, seinen Zauberstab zu zerbrechen und ihn auf die Straße zu setzen! So etwas wie Sie und Ihre Gattin wagen es, sich Eltern zu nennen! Bei allen Mächten! Draco ist Ihr Fleisch und Blut! Sie sollten sich schämen! Wussten Sie, dass Draco fast 3  Jahre in der Muggelwelt lebte und sein Geld als Sänger in einer abgelegenen Bar verdiente? Wussten Sie auch, dass er nur zwei Hosen, zwei Shirts, zwei paar Socken, ein paar Schuhe, eine Zahnpasta und eine Zahnbürste besaß?!“

Harry drehte so richtig auf, Narzissa zitterte bereits am gesamten Körper.

„WACHE!“, brüllte Lucius mit Zornesröte im Gesicht, zwei verhüllte Gestalten apparierten neben Harry. Blitzschnell griffen sie nach Harrys Armen, der Schwarzhaarige wehrte sich mit aller Gewalt und schrie auf.

„Ich habe keinen Sohn mehr, Potter! Er hat unsere Familienehre besudelt!“, keifte Lucius.

Scheiß drauf!“, plärrte Harry retour, Narzissa sah ihn geschockt an. „Ihr Sohn Draco Lucius Malfoy ist sterbenskrank, er hat Krebs! HABEN SIE MICH VERSTANDEN, SIE BASTARD! Draco wird sterben, nur weil Sie als Eltern versagt und nicht auf ihn aufgepasst haben!“ Inzwischen überschlug sich Harrys Stimme. Die Wärter ließen ihn sofort los, als hätten sie sich an ihm verbrannt.

Totenstille hüllte die Anwesenden ein, Harry schnaufte wie ein Stier. „Falls es Sie interessiert, Mister Malfoy“, spuckte er, „Draco ist mein fester Partner. Ich werde auf ihn aufpassen und für ihn kämpfen! Denn ich werde immer an seiner Seite sein, weil ich ihn liebe! Sie als Eltern“, sah er zwischen ihnen angewidert hin und her, „sollten das normalerweise auch tun, egal was Ihr Kind verbrochen hat.“

Harry beruhigte sich wieder und strich sich die Robe glatt. Hoheitsvoll hob er sein Kinn an. „Ich werde mit Draco eine Weltrundreise machen und in vier Wochen wieder zurück sein. Bis dahin sollten Sie sich entschieden haben, ob Sie einen Sohn haben oder nicht. Doch wenn Sie Glück haben, müssen Sie sich das nicht mehr antun, denn dann weilt Draco sowieso nicht mehr unter uns“, beendete Harry mit Bitterkeit in der Stimme seinen Vortrag und straffte seine Schultern.

„Guten Tag“, verabschiedete er sich, machte kehrt und rauschte mit wehendem Umhang davon. Hinter sich hörte er Narzissa zusammenbrechen, gefolgt von einem lauten, herzhaften Schluchzen. Harry war davon nicht beeindruckt, denn er marschierte mit eisiger Miene aus dem Manor und scherte sich einen Dreck um sie.

°°°°


Vor den Toren des Manors holte Harry seine Karte hervor und studierte sie genau. Dann steckte er sie weg, konzentrierte sich und apparierte ein weiteres Mal. Diesmal war sein Ziel Miami, welches er erst nach einer Weile erreichte. Die an den Straßen angesiedelten Palmen waren das Erste, was Harry in die Augen stach, doch er interessierte sich nicht dafür. Eher suchte er eine ganz bestimmte Hausnummer, fand sie und läutete an der Glocke. Ein Summen erklang, die Tür sprang auf. Harry schritt den langen, sehr gepflegten Flur entlang, bis er schließlich eine Halle erreichte. Ein Portier verließ seinen Platz und kam lächelnd auf Harry zu.

„Sir? Sie…“

„Ich weiß schon, wo ich hin muss“, hielt Harry sich nicht lange mit dem Portier auf, benutzte den magischen Aufzug und erreichte mit unglaublicher Geschwindigkeit den fünften Stock. Als Harry ausstieg, war er endlich an seinem Ziel, er betätigte erneut eine Glocke. Gedämpfte Schritte waren zu hören, dann wurde die Tür aufgezogen.

Das lächelnde Gesicht wurde ernst, Harry wurde von oben bis unten gemustert.

„Potter? Was zum Henker willst du hier?“ Blaise Zabini trat hinter der Tür hervor und schien nicht gerade begeistert zu sein.

„Blaise? Wer ist denn an der Tür?“, hörte er eine männliche Stimme, die dazugehörige Person trat in Harrys Blickfeld.

„Kevin? Kevin Leary?“, staunte Harry nicht schlecht, Kevin kam mit gerunzelter Stirn näher. „Harry Potter! Das gibt’s nicht!“, strahlte er ihn an, Blaise unterbrach die Plauderstunde.

„Was willst du!“, herrschte er ihn an, Harry stierte in seine Augen. „Es geht um Draco.“

„Mit dem bin ich fertig!“, spie Blaise ihm entgegen und war im Begriff, die Tür vor Harrys Nase zuzuschlagen.

„Draco hat Krebs…“, flüsterte Harry, die Tür hielt inne – und wurde regelrecht aufgerissen. Harry wurde an der Robe gepackt und ins Innere gezerrt, die Tür knallte ins Schloss.

„Über Krebs macht man keine Späße, Potter!“, keifte Blaise ihn an, doch Harry blieb ganz ruhig.

„Er wird vielleicht sterben, Zabini“, hauchte Harry, Blaise verlor sein Gesicht. All seine Wut verrauchte, stattdessen stand Unglaube und Verzweiflung in seinen Augen geschrieben. „Was?“

„Draco hat Krebs“, wiederholte Harry stockend, seine Augen fingen an zu brennen.

„Bei Merlin“, hauchte Kevin erschüttert, Blaise kam ins Schwanken. „Was?“, wiederholte er wimmernd, er blinzelte die Tränen weg.

„Blaise, er braucht dich jetzt. Mehr denn je. Draco wollte dir mit seiner Krankheit nicht auf der Tasche liegen, deshalb vertrieb er dich“, erklärte Harry mit tonloser Stimme, Blaise schüttelte permanent den Kopf.

„Das ist nicht wahr. Das ist nicht wahr! Potter, sag mir, dass du lügst!“, brüllte Blaise los, Kevin umarmte ihn fest. Das Kinn des ehemaligen Slytherins zitterte verräterisch, die erste Träne bahnte sich über seine Wange.

„Ich wünschte, es wäre so. Wenn die zweite Chemotherapie nicht wirkt, stehen seine Chancen sehr schlecht, Blaise. Ich bin seit fast zwei Monaten mit Draco zusammen und achte darauf, dass er ausreichend isst und abgelenkt wird. Blaise, ich habe ihn in einer Bar aufgelesen. Er wurde von seinen Eltern enterbt, rausgeschmissen, arbeitete als Muggelsänger und lebte in einer schäbigen Wohnung. Hast du davon gewusst?“  

„Woher denn?“, wimmerte Blaise, er schluchzte trocken auf. „Wie kommt dieser Idiot darauf, dass er mir auf der Tasche liegen könnte, wenn… Ich wär doch für ihn da gewesen! Wieso…“ Blaise verstand die Welt nicht mehr und musste von Kevin gestützt werden.

„Wie geht es ihm denn jetzt?“, erkundigte sich Kevin einfühlsam, Harry lächelte. „Eigentlich sehr gut. Er hat an Gewicht zugenommen und sieht fast wieder gesund aus. Seine Haare wachsen nur langsam nach. Inzwischen kann er sie sogar ein wenig stylen, worauf er besonders stolz ist. Vor eurem Besuch war ich bei seinen Eltern auf ein nettes Pläuschchen bei Tee und Kuchen. Sie waren sehr erfreut, mich wieder zu sehen. Und wenn ich jetzt heimkomme, dann werde ich ihm sagen, dass wir eine Rundreise machen werden. In vier Wochen sind wir wieder zurück“, ließ er die beiden wissen, Kevin nickte erleichtert.

„Draco wird sich freuen. Mann, Harry, ich bin froh, dass du sein Freund geworden bist. Auf dich kann man sich verlassen“, wollte Kevin unbedingt noch loswerden, Harry bekam rote Wangen.

„Du passt auf ihn auf, ja?“, keuchte Blaise noch immer unter Schock stehend, Harry versprach es ihm.

„Und du schreibst mir, wenn ihr wieder zurück seid?“, vergewisserte er sich noch schnell, auch darauf bekam Blaise sein Versprechen.

°°°°


Harrys nächste Station war wieder das Zaubereiministerium – er stattete seinem Chef einen nicht angemeldeten Besuch ab.  

„Mister Potter! Es ist unmöglich, dass Sie sich 4 Wochen Urlaub an einem Stück nehmen können! Wie Sie wissen, sind wir knapp besetzt!“, herrschte Rufus Scrimgeour ihn an, doch Harry blieb unbeeindruckt.

„Entweder ich bekomme meinen Urlaub, oder ich muss kündigen, Minister. Sie dürfen entscheiden“, blieb Harry hart, Scrimgeour wurde blass. „Es ist Ihr absoluter Ernst, oder? Darf ich wenigstens den Grund für Ihren Urlaub erfahren?“

„Ich muss mich um meinen krebskranken Freund kümmern, Sir.“

Rufus musste sich setzen und sah Harry lange an. „Ich verstehe. Unter diesen Umständen genehmige ich Ihnen Ihren wohlverdienten Urlaub. Sie können gehen.“

„Danke, Sir“, war Harry erleichtert und verließ das Büro, dann setzte er Ron darüber in Kenntnis. Zu Harrys Erleichterung reagierte Ron verständnisvoll und versprach Harry, sich um eine Vertretung zu kümmern.

„Danke, Kumpel, es bedeutet mir viel“, lächelte Harry ihn an.

„Ich weiß, Harry. Ihr macht gerade eine sehr schwere Zeit durch. Schreib mir, wenn ihr wieder zurück seid, okay?“

„Sicher. Grüß Hermine von mir, ja? Bis dann, Ron.“

„Bis dann, Kumpel“, verabschiedete sich Ron von Harry und wünschte ihm im Stillen alles Glück dieser Erde. Er hoffte sehr, dass Draco Malfoy es schaffte, den Krebs zu besiegen, sonst würde auch Harry zugrunde gehen. Darin gab es keinen Zweifel…

°°°°


„Draco? Bist du da?“, trat Harry in den Flur.

„In der Küche!“, hörte Harry Dracos Stimme und kam neugierig näher. Als er diese betrat, wollte Harry nicht glauben, was er sah. Draco stand tatsächlich am Herd und bereitete etwas zu essen zu.

„Hm, riecht sehr gut. Was gibt´s heute zu essen?“, wollte Harry sofort wissen, sein Magen knurrte.

„Ich versuche mich in ‚asiatischer Küche‘. Mal sehen, ob es mir gelingt“, war sich Draco nicht so ganz sicher, doch Harry lief bereits das Wasser im Mund zusammen. „Oh doch, es wird köstlich schmecken!“

Und so war es dann auch. Es gab asiatische Bandnudeln mit Hühnchen, Harry konnte nicht genug davon bekommen. Draco war stolz auf sich, da es Harry sichtlich mundete, dennoch fragte er immer wieder nach.

„Draco? Ich habe eine Überraschung für dich“, konnte es Harry kaum erwarten, Draco hielt im Kauen inne.

„Wir werden verreisen!“ Harry grinste über beide Ohren, während Dracos Kinnlade Bekanntschaft mit dem Boden machte. „Verreisen? Wohin denn? Hast du Urlaub bekommen oder bist du jetzt deinen Job los?“, konterte er nüchtern, Harrys Grinsen verging.

„Zu deiner Information, Draco, habe ich meinen Job behalten und trotzdem Urlaub bekommen. Ich finde, er steht mir auch zu, da ich in den letzten beiden Jahren fast nie einen Urlaubsantrag gestellt habe.“ Harrys gute Laune war verflogen, was Draco natürlich merkte.

„Und wohin verreisen wir? Komm schon, mach es nicht so spannend!“ Worte konnten Wunder wirken, denn auf einmal war Harry wieder ganz aufgeregt und erzählte ihm von einer Rundreise mittels Apparieren, Flugzeug und Schiff – Draco wurde blass.

„Glaubst du nicht, dass das anstrengend für mich werden wird, Harry?“, fragte er an, der Auror dachte kurz darüber nach.

„Na ja, also zuerst apparieren wir zum Muggelflughafen, dann fliegen wir ein paar Stunden nach Griechenland. Dort bleiben wir eine Weile, bis das Schiff uns abholt. Wir werden ein paar Tage auf dem Kreuzschiff verbringen, erst dann haben wir wieder festen Boden unter den Füßen. Warst du schon mal in Ägypten? Ich noch nie. Die Pyramiden sollen einzigartig sein! Und dann…“

„Schon gut, schon gut!“, lachte Draco auf und lehnte sich im Stuhl zurück. „Ich vertraue dir. Wenn du meinst, dass mir eine kleine Weltreise gut tut, dann soll es so sein. Wann geht’s los?“

Harry war nicht mehr zu bremsen und zauberte ihre Reiseunterlagen auf den Tisch, die er Draco ausgiebig erklärte. Der nun wieder Platinblonde war fasziniert von den ausgewählten Orten, die Harry mit ihm besuchen wollte und entwickelte immer mehr Eifer und Vorfreude für diese Reise. So geschah es, dass sie gleich am nächsten Tag mit gepackten Koffern aufbrachen, denn die Welt wartete bereits auf sie.

In der ersten Woche lief alles wie am Schnürchen, denn Harry und Draco genossen die Sonne, obwohl auch in Griechenland die winterlichen Temperaturen längst eingezogen waren. Dick eingepackt besuchten sie Ausgrabungsstätten, alte Kloster, machten Spaziergänge am Strand oder in der Innenstadt und gingen gut essen. Die beiden jungen Männer fühlten sich frei von allen Sorgen, scherzten, lachten und vertieften ihre Liebe zueinander.

Schließlich wartete das Kreuzfahrtschiff für Zauberer und Hexen auf sie, es legte Montag morgen am Hafen an. Die ersten 24 Stunden auf diesem schwimmenden Koloss machten Draco nichts aus, nur meckerte er über ihre etwas zu kleine Unterkunft und wurde wieder friedlicher gestimmt, als er die üppige Auswahl verschiedenster Speisen aus verschiedenen Ländern im Speisesaal vorfand.

Als Draco Tags drauf unter den ersten Strahlen der Sonne die Augen öffnete, wurde ihm speiübel, rasch setzte er sich auf. Seine Eingeweide zogen sich schmerzhaft zusammen, ihm brach der Schweiß aus.

„Draco? Was ist denn?“, nuschelte Harry noch halb im Schlaf, da schlug Draco auch schon die Decke beiseite und stürzte ins Badezimmer. Harry war sofort hellwach, kam seinem Freund zur Hilfe und kniete sich neben ihn. Bestürzt musste er mit ansehen, wie Draco sich die Seele aus dem Leib kotzte, bis er völlig geschwächt neben der Toilettenschüssel zusammenbrach.

„Draco! Soll ich einen Heiler holen?“, war Harry sofort sprungbereit, aber der Blonde schüttelte nur müden den Kopf.

„Wahrscheinlich bin ich seekrank, nichts weiter“, fand er einen Grund für seine Übelkeit, doch Harry war alles andere als überzeugt. Zwar übergab sich Draco wesentlich seltener als zu Anfang ihrer Beziehung, trotzdem machte Harry sich Sorgen um seinen blonden Geliebten. Liebevoll zog er ihn hoch, kümmerte sich um ihn und brachte Draco ein frisches Glas Wasser.

„Du wirst sehen, bald wird es dir wieder besser gehen“, war Harry zuversichtlich, Draco auch.

Diese Zuversicht hielt allerdings nicht lange an, als Dracos Zustand sich verschlechterte und er von Minute zu Minute schwächer wurde. Harry riet ihm permanent, wenigstens einen Bissen der gebrachten Speisen zu sich zu nehmen, aber Draco verweigerte jede Nahrungsaufnahme und wollte viel lieber schlafen. Als seine Augen endlich zufielen und Draco in einen unruhigen Schlaf fiel, suchte Harry den Heiler dieses Schiffes auf und bat ihn um Hilfe.

„Es tut mir leid, Mister Potter. Ich bin zwar ein Heiler, doch ich habe nicht die Ausbildung zu einem Spezialisten. Ihr Freund gehört unbedingt ins St. Mungos“, eröffnete er ihm ohne Umschweife.

„Was soll ich denn nur tun?“, jammerte Harry am Ende seiner Nerven, der Heiler überlegte.

„Es wäre besser, wenn Sie mit ihrem Freund direkt ins St. Mungos apparieren, wobei dies in Mister Malfoys jetzigem Zustand nicht empfehlenswert ist. Deshalb rate ich Ihnen, bis übermorgen zu warten, bis wir auf Festland stoßen, dann können wir Mister Malfoy ohne Probleme abtransportieren. In der Zwischenzeit werde ich sofort einen Brief an meinen Kollegen im St. Mungos verfassen und um Hilfestellung bitten.“

„Ja, bitte tun Sie das. Und die Antwort darf ich spätestens morgen früh erwarten?“, erkundigte sich Harry eingehend, er fühlte sich wie betäubt.

„Selbstverständlich. Doch vorher benötige ich noch einige Informationen von Ihnen – natürlich Mister Malfoy betreffend“, lehnte sich der Heiler zu ihm vor und legte die Unterarme auf seinem Tisch ab. Harry stand ihm Rede und Antwort, er verzweifelte immer mehr.

„Gut, das wäre dann fast alles. Ich müsste ihrem Freund noch Blut abnehmen, würden Sie mir bitte Ihr Zimmer zeigen?“, erhob sich der Heiler, Harry hastete voran. Nach nur kurzer Zeit betraten sie die Unterkunft von Harry und Draco, der Blonde lag noch immer schlafend in ihrem Bett und sah sehr ungesund aus. Der Heiler musterte ihn streng, kam näher, untersuchte ihn mit Hilfe seines Zauberstabs und seufzte.

„Was?“, kaute Harry an seinen Fingernägeln, der Heiler sah zu ihm. „Wir müssen uns beeilen, denn Mister Malfoy ist sehr schwach“, teilte er ihm mit, Harry fing an zu zittern. „Kann ich irgendetwas tun?“

„Nein, ich befürchte nicht“, erwiderte der Heiler ruhig, während er dem Schlafenden Blut abnahm und das kleine Röhrchen versiegelte.

„Wachen Sie heute Nacht über ihn. Und wenn sich etwas an seinem Zustand ändert, dann lassen Sie es mich sofort wissen!“, erhob sich der Heiler, Harry nickte schnell.

Als hinter Harry die Tür ins Schloss glitt, kletterte der Auror in voller Montur zu Draco ins Bett und zog den verschwitzten Schlafenden fest in seine Arme. Sein Herz fing an enorm zu schmerzen, wimmernd wiegte er seinen geliebten Freund vor und zurück. Heiße Tränen sammelten sich in seinen Augen und liefen nach einem Blinzeln Harrys Wangen hinab.

„Du darfst nicht aufgeben, hörst du?“, quetschte er hervor, seine Kehle brannte. Ein Schluchzen entkam ihr, Harry weinte stumm.

„Bitte, Draco, folge dem Licht in der Dunkelheit. Es bringt dich wieder zu mir. Ich kämpfe für dich, kämpfe du auch für mich. Lass mich nicht allein“, schluchzte er lauthals, er starb beinahe vor Angst. Draco war so blass im Gesicht! Wie lange würde er noch durchhalten? Wie stand es um ihn? Hatte er den Kampf bereits verloren?

Harry wollte schreien und toben, stattdessen saß er wie ein Häufchen Elend in ihrem Bett und klammerte sich an seinen schlafenden Freund, der schlaff und flach atmend in seinen Armen hing. Der Auror weinte bitterlich und glaubte, an seinem Schmerz ersticken zu müssen, denn er fraß ihn von innen heraus auf. Er fühlte sich so nutzlos und wünschte, Dracos Krebs besiegen zu können. War es falsch gewesen, Draco auf diese Reise mitzunehmen? War es Folge dessen dann seine Schuld, wenn die Hilfe für Draco zu spät kam?

Nein…“, heulte Harry auf, warf den Kopf in den Nacken und vergoss mit verzogenem Gesicht bittere Tränen. Den Tod eines weiteren geliebten Menschen würde er selbst nicht überleben können, das wusste er. Doch hatte er geschworen, immer für Draco da zu sein, egal wie es ihm ging.

°°°°


Es war bereits Nacht und der Mond schien zu ihrem Fenster herein, während Harry apathisch an die gegenüberliegende Wand starrte, Draco weiterhin fest in seinen Armen hielt und immer wieder flüsterte: „Wir schaffen das, Draco. Wir beide, das weißt du. Wir gehen gemeinsam diesen Weg, so schwer er auch ist.“

Die Nacht verging und der nächste Tag brach an – es gab keine Veränderung zu verzeichnen.

„Mister Potter? Mister Potter!“ Harry wurde an der Schulter gerüttelt. Endlich kam der Auror zu sich und blinzelte. Ein Mann mittleren Alters, den er nicht kannte, beugte sich zu ihm hinab und lächelte freundlich.

„Mein Name ist Dr. Onato Yoko, ich komme direkt aus dem St. Mungos“, stellte er sich vor, Harry riss die Augen auf.

„Sie sind hierher appariert?“, keuchte Harry hellwach, Dr. Onato nickte. „Nachdem ich den Brief meines Kollegen mit der Blutprobe erhielt, machte ich mich sofort daran, das Blut zu untersuchen und stellte ein paar äußerst komplizierte Tränke her, die ihrem Freund eventuell helfen könnten. Dank Ihrer hilfreichen Informationen war mir dies möglich.“

Erst jetzt bemerkte Harry, dass Dr. Onato, der als Japaner deutlich europäische Gesichtszüge besaß, dunkle Augenringe aufwies.

„Welche Tränke?“, informierte sich Harry sofort, Dr. Onato seufzte. „Wenn ich Ihnen jetzt die Zusammensetzung erkläre, dann sind wir wahrscheinlich morgen noch nicht fertig. Wie geht es Ihrem Freund? Hat sich sein Zustand verändert?“, wurde er geschäftlich, Harry machte sofort Platz und verneinte. Dr. Onato nickte nur, überprüfte den Zustand des schlafenden Patienten und sah Harry danach fest in die Augen.

„Ich sehe es als gutes Zeichen, dass sich der Zustand Ihres Freundes nicht verschlechtert hat. Ich bitte Sie, Ihrem Freund die mitgebrachten Tränke jeden Morgen und Abend zu verabreichen. Die Wirkung sollte sofort einsetzen. Hoffen wir, dass es nicht zu spät ist. Sollte sich der Zustand von Mister Malfoy verbessern, können Sie Ihre Reise fortsetzen.“

„Entschuldigen Sie bitte, Dr. Onato, aber sollten Sie mir nicht lieber den Rat geben, sofort ins St. Mungos zu apparieren, wenn es Draco besser geht?“, runzelte Harry die Stirn, Dr. Onato lächelte schmal.

„Normalerweise schon, Mister Potter. Ich erkläre es mal so: Wenn Sie Mister Malfoy ins St. Mungos bringen, würde es einige Zeit dauern, bis wir ihm helfen könnten. Wir würden ihm ebenfalls die notwendigen Tränke verabreichen, müssten aber abwarten, ob die dritte Chemotherapie anschlägt. Erst dann könnten wir handeln. Wenn sich der Zustand von Mister Malfoy innerhalb 24 Stunden nicht verändert oder sich gar verschlechtert, dann müssten wir ihn auf meiner Station sofort behandeln.“

„Müsste er dann operiert werden?“, krächzte Harry.

„Durchaus möglich“, erklärte Dr. Onato, Harry wischte sich über das Gesicht. Plötzlich legte Dr. Onato eine Hand auf Harrys Schulter und zwang ihn somit, ihm ins Gesicht zu sehen.

„Sie müssen an Wunder glauben, Mister Potter. Nur so können Sie ihm helfen.“

Mit diesen Worten stand er auf, holte die Phiolen und überreichte sie an Harry. Dann flößte er Draco den ersten Trank ein und begab sich anschließend zum Ausgang.

„Mein Kollege ist jederzeit für Sie erreichbar, Mister Potter. Aber in spätestens drei Wochen möchte ich Mister Malfoy für eine ausgiebige Untersuchung auf meiner Station sehen. Auf Wiedersehen, Mister Potter, und viel Glück.“

„Ja, auf wiedersehen“, wisperte Harry und sah ihm traurig nach, dann glitten seine Augen zum Gesicht seines Freundes. „Er hat gesagt, dass ich an Wunder glauben soll, Draco. Glaubst du denn an Wunder? Wenn nicht, dann tu ich es für uns beide.“

Harry ging in den nächsten 12 Stunden durch die Hölle. Mal besaß er Hoffnung, mal stützte er in tiefe Verzweiflung. Wie sehr wünschte er sich eine vertraute Person an seine Seite, die ihn unterstützte! Doch wenn er jetzt einen Brief verfasste, würde es Stunden wenn nicht Tage dauern, bis der ausgeliehene geflügelte Bote sein Ziel erreichte. So fand sich Harry damit ab, den Höllenweg alleine durchschreiten zu müssen.      

Am frühen Nachmittag flatterten endlich Dracos Augenlider, mit einem kleinen Seufzen öffnete er sie. Zuerst einmal musste er sich orientieren und stellte mit einem Blick auf die Uhr erschrocken fest, dass er fast einen ganzen Tag verschlafen hatte. Als er sich ein wenig drehte, entdeckte er endlich das schlafende Gesicht seines Freundes, Draco runzelte die Stirn. Waren das eingetrocknete Tränenspuren, die er auf Harrys Wangen sah?

„Harry? Harry…“, versuchte Draco, ihn sanft wach zu bekommen, was schließlich auch Erfolg zeigte. Harry öffnete seine Augen und keuchte auf, als er in Dracos besorge Augen sah.

„Bei allen Göttern, Draco!“, rief Harry aus und zog den Blonden noch fester in die Arme. „Du bist wieder wach!“ Harrys Stimme zitterte.

Dracos Stirn war noch immer gerunzelt. „Und du hast geweint.“

„Hab ich nicht“, erklärte Harry stur, lockerte die Umarmung und wischte sich erneut über das Gesicht, Draco beobachtete ihn sehr genau.

„Mir geht es gut, Harry, ehrlich. Hab mich schon lange nicht mehr so gut gefühlt“, konnte er fast selbst nicht glauben, aber es entsprach der vollen Wahrheit.

„Wirklich?“, hauchte Harry voller Hoffnung, der Blonde nickte. Harrys Augen füllten sich erneut mit Tränen, während er erleichtert auflachte und sich ans Herz griff. „Jag mir nie wieder so einen Schrecken ein, Draco! Deinetwegen musste ein Spezialist aus St. Mungos kommen, um…“

„Ein Heiler aus St. Mungos? Was… Wieso?“, ereiferte sich Draco. Harry erzählte ihm knapp, was sich in den letzten 24 Stunden zugetragen hatte, Draco schwieg betroffen.

„Dr. Onato hat dir einen Trank eingeflößt, den nächsten musst du heute Abend trinken“, zeigte Harry auf die Phiolen, die auf dem Tisch lagen.

„Und was ist, wenn ich sie nicht trinken will? Ich weiß ja nicht mal, was die mir zusammengemischt haben“, murrte Draco zum Tisch starrend, Harry setzte sich auf und schnaufte. „Das ist mir scheißegal, Draco, denn du wirst diese Tränke zu dir nehmen, auch wenn ich dich dazu zwingen muss! Wieso, verdammt noch mal, gibst du dich auf!“, keifte er ihn an, Draco sah verlegen weg.

„Weil die Schmerzen manchmal unausstehlich sind, deshalb. Ich denke mir, dass, wenn Schmerzen so intensiv sind, mein Körper schon verloren hat.“

Stille breitete sich im Zimmer aus, Harry betrachtete ihn fassungslos.

„Wenn es bereits zu spät wäre, Draco, würde der Trank nicht anschlagen. Du bist wieder aufgewacht und siehst viel gesünder aus“, antwortete Harry erstickt, Draco kuschelte sich näher zu ihm. „Ich wollte auch wieder aufwachen, deinetwegen. Deshalb bin ich dem Licht in der Dunkelheit gefolgt.“

„Was?“, keuchte Harry auf, Draco hob sein Gesicht an. „Was hast du denn?“

„Ich… Hast du mich gehört? Ich habe über dich gewacht, Draco, und dir immer wieder zugeflüstert, dem Licht zu folgen.“

„Nein, ich hab gar nichts gehört. Hm – hätte auch das falsche Licht sein können“, scherzte Draco trocken, Harry stieß ihn liebevoll an. „Hör auf mit dem Scheiß!“

Draco lachte leise und legte sich wieder zurück in die Kissen. „Ich bin hungrig.“

„Super! Dann gehen wir etwas essen, hm? Oder soll ich etwas Leckeres auf unser Zimmer bringen lassen?“, ereiferte sich Harry augenblicklich, Draco schmunzelte. „Nein danke, ich will an die frische Luft. Ein Spaziergang auf dem Deck zum Speiseraum wäre jetzt genau das Richtige für mich.“

Harry war natürlich damit einverstanden, sprang aus dem Bett und wollte Draco helfen, auf die Beine zu kommen. Nur als sie es versuchten, bemerkten beide Jungs, dass Draco noch immer zu schwach war, ohne beim Stehen schwarze Punkte vor Augen zu sehen, so griff Harry zu einer List. Schnell zauberte er einen Rollstuhl herbei, den Draco kritisch beäugte.

„Du willst, dass ich mich in dieses hässliche Ding setze, Potter? Geht’s noch?“, schnarrte Draco, Harry grinste ihn breit an. „Hast du eine andere Wahl?“

Draco hasste es, wenn Harry Recht behielt und ließ sich nur widerwillig in den Rollstuhl helfen. Dann zauberte sich Harry rasch frische Kleidung an, putzte sich im Badezimmer die Zähne und unterstützte Draco in der morgendlichen Wäsche. Als sie ausgehfertig waren, schob Harry den noch geschwächten Draco durch die Gänge und traf auf den Heiler des Schiffes. Dieser war froh, Draco Malfoy endlich erwacht und ausgeruht anzutreffen und teilte ihm nochmals mit, dass er sich in spätestens 3 Wochen zwecks ausgiebiger Untersuchung im St. Mungos einfinden müsste. Draco gab ihm knurrend sein Versprechen, denn er hatte Angst vor den Ergebnissen.

„Mister Malfoy. Ich weiß, dass Sie Angst haben. Aber bitte lassen Sie die Krankheit nicht siegen, wenn Ihr Lebenswille stark ist. Denn wenn Sie nicht kämpfen, verliert Ihr Körper“, vermittelte er ihm beinhart, verabschiedete sich von den zwei jungen Männern und ging seines Weges.

„Siehst du, Draco? Hör gefälligst auf diesen Mann“, pflichtete Harry dem Heiler bei, Draco murrte. „Ja, ja.“

Die letzten 1 ½ Tage auf dem Schiff genoss das Paar in vollen Zügen. Obwohl es Draco von Stunde zu Stunde besser ging, war es ihm noch immer nicht möglich, ohne Rollstuhl auszukommen. Viel zu schnell sackte sein Kreislauf zusammen, was Harry natürlich Sorgen bereitete.

Am letzten Abend ging Draco ziemlich früh schlafen und so nutzte Harry die Chance, sich noch einmal mit dem Heiler dieses Schiffes zu unterhalten. Er bekam von ihm vergewissert, dass es völlig normal war, dass Dracos Kreislauf solche Probleme bereitete, denn der Trank arbeitete in ihm und benötigte alle Kräfte des Körpers. Harry sollte Draco noch ein paar Tage geben, dann würde der Blonde den Rollstuhl sicher nicht mehr benötigen.

Harry glaubte den Worten des Heilers und begab sich wieder auf ihr Zimmer. Nach der abendlichen Katzenwäsche kuschelte sich der Auror neben Draco ins Bett und lauschte den regelmäßigen Atemzügen des Blonden. Dann überprüfte er die Temperatur seines Freundes, indem er die Hand auf dessen Stirn legte.

Wie es aussah, musste Harry wegen Dracos Zustand einige Reiseziele streichen, doch das war ihm egal. Zufrieden, da es Draco gut ging, schloss auch er die Augen und glitt ins Land der Träume.



Weiter geht’s mit Teil 2…
 
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