■
One-Shot
||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
| von Lejune erstellt: 27.12.2007 letztes Update: 27.12.2007 Allgemein / P12 (fertiggestellt, keine anonymen Reviews) | 3 Reviews |
Es ist wieder typisch... halb 3 nachts und ich hab' nicht Besseres zu tun, als eine Story online zu stellen... und darüber zu stolpern, dass es viel komplizierter ist, einen One-Shot online zu stellen, als ein neues Kapitel hochzuladen.
Jedenfalls ist diese Story der lieben Miffi gewidmet, ohne die ich wahrscheinlich gar keine Fanfictions mehr schreiben würde (Katastrophe!). :)
Wolfsmond
Ausgerechnet hier.
Severus Snape sieht sich um. Das Mondlicht malt lange Schatten auf die Erde; es ist kalt, kalt und dunkel und Januar.
Er weiß nicht, wieso er genau diesen Ort gewählt hat: vielleicht ist es die Schuld des Dunklen Lords, der von Fenrir Greyback gesprochen hat, gerade als Severus zum Grimmauldplatz apparieren wollte. Fenrir Greyback bedeutet Werwölfe, ein Werwolf ist Remus Lupin, und Severus verbindet Remus Lupin grundsätzlich mit der Heulenden Hütte.
Also ist er hier. Für einen Augenblick denkt er daran, seine Reise geradewegs nach London fortzusetzen; aber die kühle Nachtluft trägt den Gedanken mit sich davon. Vielleicht ist er nicht ohne Grund hier. Severus hat die Heulende Hütte noch nie von innen gesehen und es ist wenig, das er über sie weiß.
Ein Todessertreffen ist nicht gerade etwas, das man einfach so vergisst. Severus Snape erinnert sich an jedes einzelne Mal. Menschen, die gequält werden, dieses kalte Lachen und immer wieder eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit. Für gewöhnlich ist es schlimmer und nur ein Glück, dass Severus erst zum Orden zurückkehrt, bevor er etwas anderes tut. Dort... ja, fühlt er etwas wie Sicherheit. Die anderen mögen ihm nicht vertrauen, aber er vertraut ihnen – das ist die Hauptsache. Der Orden ist, trotz aller Sorgen, eine heile Welt.
Doch nun ist er hier gelandet, fern ab jeglicher Zivilisation. Hogsmeade scheint weit fort. Da ist niemand, der ihn vor sich selbst beschützen kann.
Vielleicht ist er hierher gekommen, um zu sterben. Der Vollmond versucht nicht länger, sich hinter Wolken zu verstecken; irgendwo heult etwas. Ein Werwolf.
Severus weiß, dass Remus manchmal noch immer hierher zurückkehrt, auch wenn er nun auf Dumbledores Anweisung unter den anderen Werwölfen lebt.
Vielleicht ist dies seine letzte Nacht. Vielleicht wird er sterben, ohne jemals die Heulende Hütte von innen gesehen zu haben, die Zufluchtsort und Gefängnis für jemanden ist, der stets widersprüchliche Gefühle in Severus verursacht hat.
Er beherrscht Legilimentik, aber Remus Lupin hat er nie verstanden.
Seine Füße bewegen sich von allein; da drinnen könnte der Tod warten, aber das ist ihm egal. Was ihn überhaupt noch hält, ist der Orden, Unvertrauen hin oder her: aber er verblasst hinter den Erinnerungen an den kleinen Jungen, der mit dem Cruciatus-Fluch gequält wurde. Verblasst hinter der Muggel-Frau, die starb, weil sie einfach nur da war. Verblasst hinter der Hilflosigkeit, die ihm von denen auferlegt wurde, die so etwas eigentlich verhindern sollten: Zu gern würde er gegen die Todesser kämpfen – stattdessen ist er unter ihnen, machtlos, wehrlos.
Die Tür knarrt. Ein Windhauch wirbelt den Staub auf, der Augenblicke lang im Mondlicht tanzt; durch die Lücken in den zugenagelten Fenstern kann Severus ein paar Bäume sehen und in der Ferne einsame Lichter: Hogsmeade.
Ohne besonderen Grund geht er die Treppe hinauf; Spinnenweben am Geländer, als wären selbst sie seit langer Zeit verlassen. Oben ist es heller, Sternenlicht durch offene Fenster, deren Glas schon lang zersplittert ist. Niemand ist hier. Der Raum scheint kahl; ein unbenutzter Kamin auf der rechten Seite; links, wie verloren, ein Himmelbett, dessen zerfetzte Vorhänge sich leicht im Windzug bewegen, lose Dielenbretter, sonst nichts.
Zerfetzt...
Zerfetzt wie der Umhang dieses Todessers, Severus kennt nicht einmal seinen Namen; er hat Informationen verraten, unwichtige Information, aber der Lord überließ ihn dafür Greyback. Während die anderen der dunklen Diener zusahen...
Auf einmal ist es wieder in seinem Kopf. Das Blut, die Schreie, Greybacks triumphierendes Heulen. Severus tastet nach Halt, greift den Bettpfosten, sinkt auf die zerschlissene Matratze. Ewige Treue oder Tod. Ein langsamer, qualvoller Tod. Ohne Gnade.
Die Nacht ist allgegenwärtig und senkt sich auf seine Lider. Er möchte fliehen. Aufgeben und fliehen aus seiner Ohnmacht... Der Schlaf, die Hand der Erschöpfung, greift nach ihm und stößt ihn in eine albtraumzerfressene Bewusstlosigkeit.
***
Als er aufwacht, steht Lupin im Türrahmen. Das blasse Licht der Morgendämmerung kriecht über den dunklen Himmel und schleicht unmerklich in den Raum hinein.
„Wir haben uns Sorgen gemacht“, sagt Lupin, doch seine Worte verschwinden in den Schatten.
Severus richtet sich auf. Die Nacht hängt noch an ihm; schwarze Träume streifen wie Nebel dann und wann sein Bewusstsein, ohne dass er sie zu fassen vermag.
„Severus?“
„Wie hast du mich gefunden?“
„Ich habe dich nicht gesucht.“
Lupin durchquert den Raum und blickt aus dem Fenster. Weit hinten liegt der See unter den schwachen ersten Sonnenstrahlen, ohne sich zu kräuseln; er ist zugefroren. Erst jetzt fällt Severus auf, dass es kalt sein muss – zu kalt, um gefahrlos einzuschlafen.
„Wie lange bist du schon hier?“
„Seit ein paar Stunden. Der Mond ist früh untergegangen.“ Lupin hält inne. „Du hast Glück gehabt.“
„Bist du sicher?“
Sie schweigen. Die Situation scheint Severus unwirklich: da draußen sterben Menschen, es ist essentiell, dass er Dumbledore die Informationen des Treffens überbringt, und zwar so schnell wie möglich. Aber sie sind hier und reden und reden doch wieder nicht, als hätten sie alle Zeit der Welt.
Vielleicht ist es, weil sie wissen, dass sie es doch nicht ändern können.
Oder weil auch sie einmal anhalten müssen. Anhalten und Luft holen. Um weitermachen zu können.
Lupin lässt das Fenster Fenster sein und setzt sich auf den Rand des Himmelbettes. Er hinkt leicht; die Wunden auf den sichtbaren Teilen seiner Haut wirken jung, und für einen Moment stellt Severus sich vor, wie es früher gewesen sein muss: Lupin als schuldloser elfjähriger Junge, der nach einer Vollmondnacht allein in diesem Bett aufwacht und nicht weiß, was er die letzte Nacht getan hat.
Im verfallenen Kamin auf der anderen Seite des Raumes glimmt Asche auf – Severus ist sich sicher, dass es Lupin gewesen ist, der ihn vor dem Erfrieren bewahrt hat. Und auf einmal weiß er, dass der andere ihn versteht.
„Es ist dasselbe unter den Werwölfen, nicht wahr?“
Lupin nickt leicht. Es ist, als wären sie wieder Kinder, die unbefangen ihre Ängste teilen; wie damals im Hogwarts ihrer Schulzeit, als sie manchmal diese Gespräche führten und wortlosem Staunen feststellten, wie ähnlich sie sich waren; trotz aller Unterschiede. Damals durften sie nicht befreundet sein. Was jetzt ist – das ist noch ungewiss.
Schließlich erhebt Severus sich. Er streckt Lupin die Hand entgegen, um ihm aufzuhelfen; der Werwolf schenkt ihm den Hauch eines Lächelns und erwidert den Händedruck.
Und Severus bekommt den Eindruck, dass zumindest ein Mitglied des Ordens ihm vertraut.
Jedenfalls ist diese Story der lieben Miffi gewidmet, ohne die ich wahrscheinlich gar keine Fanfictions mehr schreiben würde (Katastrophe!). :)
Wolfsmond
Ausgerechnet hier.
Severus Snape sieht sich um. Das Mondlicht malt lange Schatten auf die Erde; es ist kalt, kalt und dunkel und Januar.
Er weiß nicht, wieso er genau diesen Ort gewählt hat: vielleicht ist es die Schuld des Dunklen Lords, der von Fenrir Greyback gesprochen hat, gerade als Severus zum Grimmauldplatz apparieren wollte. Fenrir Greyback bedeutet Werwölfe, ein Werwolf ist Remus Lupin, und Severus verbindet Remus Lupin grundsätzlich mit der Heulenden Hütte.
Also ist er hier. Für einen Augenblick denkt er daran, seine Reise geradewegs nach London fortzusetzen; aber die kühle Nachtluft trägt den Gedanken mit sich davon. Vielleicht ist er nicht ohne Grund hier. Severus hat die Heulende Hütte noch nie von innen gesehen und es ist wenig, das er über sie weiß.
Ein Todessertreffen ist nicht gerade etwas, das man einfach so vergisst. Severus Snape erinnert sich an jedes einzelne Mal. Menschen, die gequält werden, dieses kalte Lachen und immer wieder eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit. Für gewöhnlich ist es schlimmer und nur ein Glück, dass Severus erst zum Orden zurückkehrt, bevor er etwas anderes tut. Dort... ja, fühlt er etwas wie Sicherheit. Die anderen mögen ihm nicht vertrauen, aber er vertraut ihnen – das ist die Hauptsache. Der Orden ist, trotz aller Sorgen, eine heile Welt.
Doch nun ist er hier gelandet, fern ab jeglicher Zivilisation. Hogsmeade scheint weit fort. Da ist niemand, der ihn vor sich selbst beschützen kann.
Vielleicht ist er hierher gekommen, um zu sterben. Der Vollmond versucht nicht länger, sich hinter Wolken zu verstecken; irgendwo heult etwas. Ein Werwolf.
Severus weiß, dass Remus manchmal noch immer hierher zurückkehrt, auch wenn er nun auf Dumbledores Anweisung unter den anderen Werwölfen lebt.
Vielleicht ist dies seine letzte Nacht. Vielleicht wird er sterben, ohne jemals die Heulende Hütte von innen gesehen zu haben, die Zufluchtsort und Gefängnis für jemanden ist, der stets widersprüchliche Gefühle in Severus verursacht hat.
Er beherrscht Legilimentik, aber Remus Lupin hat er nie verstanden.
Seine Füße bewegen sich von allein; da drinnen könnte der Tod warten, aber das ist ihm egal. Was ihn überhaupt noch hält, ist der Orden, Unvertrauen hin oder her: aber er verblasst hinter den Erinnerungen an den kleinen Jungen, der mit dem Cruciatus-Fluch gequält wurde. Verblasst hinter der Muggel-Frau, die starb, weil sie einfach nur da war. Verblasst hinter der Hilflosigkeit, die ihm von denen auferlegt wurde, die so etwas eigentlich verhindern sollten: Zu gern würde er gegen die Todesser kämpfen – stattdessen ist er unter ihnen, machtlos, wehrlos.
Die Tür knarrt. Ein Windhauch wirbelt den Staub auf, der Augenblicke lang im Mondlicht tanzt; durch die Lücken in den zugenagelten Fenstern kann Severus ein paar Bäume sehen und in der Ferne einsame Lichter: Hogsmeade.
Ohne besonderen Grund geht er die Treppe hinauf; Spinnenweben am Geländer, als wären selbst sie seit langer Zeit verlassen. Oben ist es heller, Sternenlicht durch offene Fenster, deren Glas schon lang zersplittert ist. Niemand ist hier. Der Raum scheint kahl; ein unbenutzter Kamin auf der rechten Seite; links, wie verloren, ein Himmelbett, dessen zerfetzte Vorhänge sich leicht im Windzug bewegen, lose Dielenbretter, sonst nichts.
Zerfetzt...
Zerfetzt wie der Umhang dieses Todessers, Severus kennt nicht einmal seinen Namen; er hat Informationen verraten, unwichtige Information, aber der Lord überließ ihn dafür Greyback. Während die anderen der dunklen Diener zusahen...
Auf einmal ist es wieder in seinem Kopf. Das Blut, die Schreie, Greybacks triumphierendes Heulen. Severus tastet nach Halt, greift den Bettpfosten, sinkt auf die zerschlissene Matratze. Ewige Treue oder Tod. Ein langsamer, qualvoller Tod. Ohne Gnade.
Die Nacht ist allgegenwärtig und senkt sich auf seine Lider. Er möchte fliehen. Aufgeben und fliehen aus seiner Ohnmacht... Der Schlaf, die Hand der Erschöpfung, greift nach ihm und stößt ihn in eine albtraumzerfressene Bewusstlosigkeit.
***
Als er aufwacht, steht Lupin im Türrahmen. Das blasse Licht der Morgendämmerung kriecht über den dunklen Himmel und schleicht unmerklich in den Raum hinein.
„Wir haben uns Sorgen gemacht“, sagt Lupin, doch seine Worte verschwinden in den Schatten.
Severus richtet sich auf. Die Nacht hängt noch an ihm; schwarze Träume streifen wie Nebel dann und wann sein Bewusstsein, ohne dass er sie zu fassen vermag.
„Severus?“
„Wie hast du mich gefunden?“
„Ich habe dich nicht gesucht.“
Lupin durchquert den Raum und blickt aus dem Fenster. Weit hinten liegt der See unter den schwachen ersten Sonnenstrahlen, ohne sich zu kräuseln; er ist zugefroren. Erst jetzt fällt Severus auf, dass es kalt sein muss – zu kalt, um gefahrlos einzuschlafen.
„Wie lange bist du schon hier?“
„Seit ein paar Stunden. Der Mond ist früh untergegangen.“ Lupin hält inne. „Du hast Glück gehabt.“
„Bist du sicher?“
Sie schweigen. Die Situation scheint Severus unwirklich: da draußen sterben Menschen, es ist essentiell, dass er Dumbledore die Informationen des Treffens überbringt, und zwar so schnell wie möglich. Aber sie sind hier und reden und reden doch wieder nicht, als hätten sie alle Zeit der Welt.
Vielleicht ist es, weil sie wissen, dass sie es doch nicht ändern können.
Oder weil auch sie einmal anhalten müssen. Anhalten und Luft holen. Um weitermachen zu können.
Lupin lässt das Fenster Fenster sein und setzt sich auf den Rand des Himmelbettes. Er hinkt leicht; die Wunden auf den sichtbaren Teilen seiner Haut wirken jung, und für einen Moment stellt Severus sich vor, wie es früher gewesen sein muss: Lupin als schuldloser elfjähriger Junge, der nach einer Vollmondnacht allein in diesem Bett aufwacht und nicht weiß, was er die letzte Nacht getan hat.
Im verfallenen Kamin auf der anderen Seite des Raumes glimmt Asche auf – Severus ist sich sicher, dass es Lupin gewesen ist, der ihn vor dem Erfrieren bewahrt hat. Und auf einmal weiß er, dass der andere ihn versteht.
„Es ist dasselbe unter den Werwölfen, nicht wahr?“
Lupin nickt leicht. Es ist, als wären sie wieder Kinder, die unbefangen ihre Ängste teilen; wie damals im Hogwarts ihrer Schulzeit, als sie manchmal diese Gespräche führten und wortlosem Staunen feststellten, wie ähnlich sie sich waren; trotz aller Unterschiede. Damals durften sie nicht befreundet sein. Was jetzt ist – das ist noch ungewiss.
Schließlich erhebt Severus sich. Er streckt Lupin die Hand entgegen, um ihm aufzuhelfen; der Werwolf schenkt ihm den Hauch eines Lächelns und erwidert den Händedruck.
Und Severus bekommt den Eindruck, dass zumindest ein Mitglied des Ordens ihm vertraut.
||
10px|12px|15px|17px|19px
Times|Arial|Helvetica
25%|50%|75%|100%
