Fanfiktion / Reale Personen / Musik / Linkin Park / Virgin
1. Kapitel
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von Blacky007    erstellt: 13.03.2008    letztes Update: 13.03.2008    Drama / P16 Slash    (fertiggestellt) 8 Reviews
Titel: Virgin
Autor: Blacky007
Teil: 1/1
Rating: P12-Slash
Pairing: Bennoda [Linkin Park]
Disclaimer: Weder Chester noch Mike noch Linkin Park gehören mir.
Widmung: Chasy88 ^^ Mit ihrem Schreibstil und ihrem Enthusiasmus hat sie mir unbewusst den letzten Arschtritt verpasst, doch mal etwas anderes auszuprobieren. Ein dickes, fettes Danke dafür *knuddel*
Anmerkung Hey Ho, da bin ich wieder ^^ Anscheinend ist meine Schreibblokade endlich überwunden. Hoffe ich jedenfalls... Wie schon in der widmung erwähnt, ist das hier mal was total anderes. Schon allein, weil es ein Drama ist. Sollte eigentlich kein Drama werden, aber die Figuren machen ja eh immer, was sie wollen *hust* Dennoch wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen!!!
P.s: Ungebetat ^^

Virgin


Das war nicht sein Fall. So ganz und gar nicht.

Sie waren erst seit einer halben Stunde hier und dennoch hämmerte es stetig in seinem  Kopf. Vom Bass, der in seinen Ohren dröhnte und jedes Mal aufs Neue eine Welle des Pein unter seine Schädeldecke beförderte. Vom Licht, welches wie Blitzlichtgewitter von tausend Fotografen wirkte und auf ihn einschlug.

Das Glas Wodka - Red Bull in seiner Hand machte das Ganze nicht gerade erträglicher. Eher schlimmer. Aber ohne Alkohol im Blut wäre er gar nicht erst hier rein gekommen. Deshalb hatte er schon vorher ein paar Gläser dieses Mixgetränkes zu sich genommen. Viel zu sehr sträubte er sich gegen solche Räumlichkeiten. Wenn er davor stand, hatte er das Gefühl, vor einer unsichtbaren Wand zu stehen gegen der er konstant laufen würde, wenn der Zucker der Energy - Flüssigkeit den Alkohol nicht dazu gebracht hätte, schneller in seine Blutbahn zu gelangen.
Außerdem hatte er ein pelziges Gefühl auf der Zunge. Wie ausgetrocknet.

Lag wahrscheinlich an der Luft.

Dort oben, wo er stand, war nur noch wenig von dem nötigem Sauerstoff übrig. Zudem mischte sich noch der Zigarettenqualm von den Rauchern hinzu, die ungefähr 98 Prozent der kompletten Masse ausmachten. Hätte er ein Messer zu Hand, dann hätte er wohl Würfel aus der Luft schneiden können.

Hatte er aber nicht.

Also versuchte er, so tief wie es nur ging, einzuatmen. Zug um Zug, in der Hoffnung, doch noch etwas von dem lebenswichtigen Gas in seine Lungen zu befördern. Allerdings tat es weh. Nicht nur im Kopf, sondern auch in seiner Brust. Die war anscheinend auch nicht so recht mit der vorhandenen Atemluft zu frieden.

Ein weiterer Faktor, der nicht gerade zur Linderung seiner Kopfschmerzen beitrug.

Ein Blick nach unten genügte aber, um ihm zu zeigen, dass er hier oben tausendmal besser aufgehoben war: Eine zusammengedrängte Meute. Eng aneinander gekuschelt. Sich komisch bewegend. Nein, bewegend ist dafür ein falscher Ausdruck.

Bei einigen sah es noch relativ gut aus, so, wie sie sich verrenkten. Nicht zu steif. Nicht zu geschmacklos.

Andere jedoch schienen es vorzuziehen, ein Schritt neben dem anderen zu machen. Einen nach links. Einen nach rechts. Wieder nach links… Und zwischendurch ein verzweifelter Versuch, das Ganze aufzulockern: Einmal in die Hände geklatscht.

Da konnte selbst er besser tanzen. Jedenfalls applaudierte er nicht nebenbei so seltsam.

Wieder andere tanzten in Käfigen. Obwohl Käfig dafür auch eine vollkommen falsche Beschreibung war. Schließlich war dieses Gebilde nichts weiter als eine erhöhte Plattform aus der ein paar Stangen ragten.

Frauen rekelten sich an den Metallstäben. Mit Kleidung, die alles andere als jugendfreie war: Kurzer Minirock, Hotpants, Ausschnitt bis zum Bauchnabel, viel zu enge Tops, aus denen jeden Moment ein Merkmal der Fraulichkeit entschlüpfen könnte. Auffallend ließen sie ihre Hüften schwingen und Reize spielen. Brachten die Männer, die vor dem Käfig-Objekt mühsam ihre Hälse reckten, dazu, sich den eigenen Speichel aus den Mundwinkeln zu wischen.

Eigentlich dachte er, er wäre in einer Diskothek gelandet und nicht in einem Swinger-Club. Hatte er sich wohl getäuscht.

Er könnte ja auch hinausgehen. Raus aus diesem stickigen Raum und weiter in den Nächsten. Vielleicht würde dort sein Körper dem vernebelten Dreck von Luft entkommen und dafür zu dem unbedingt notwendigen Sauerstoff.

Er könnte.

Kopfdrehungen nach links und rechts versichertem ihm jedoch, dass er auch diese Idee in den Wind schlagen konnte; dass sie geradezu irrsinnig war. Menschen, soweit das Auge reichte. Sie standen zwar nicht so eng zusammen wie unten, jedenfalls nicht um ihn herum, dennoch verspürte er nicht wirklich das Bedürfnis nach einem an der Haut klebenden T-Shirt oder einer durchnässten Hose. Denn irgendein Getränke würde sich bestimmt über seine teure Kleidung ergießen. Da war er sich sicher.

Obwohl… sein T-Shirt hatte sich eh schon zu einer zweiten Haut entwickelt. Die zusätzliche Wärme, die die unzähligen Körper hier verströmten, ließ auch seinen Leib nicht kalt. Eher im Gegenteil. Er transpirierte an Gegenden, von denen er noch nicht einmal wusste, dass diese existierten. Und die Lüftung, die normalerweise in Tanzlokalen zum Standard gehörte, schien hier eher auf dem Off-Knopf zu stehen.

Ergo: Er musste hier wohl oder übel stehen bleiben. Aber er hatte ja noch seinen Wodka - Red Bull an den er sich fest klammern konnte. Allerdings schien der sich auch schon dem Ende zu neigen. Musste er sich wohl bald ein Neues holen, um hier wenigstens halbwegs überleben zu können.

“Mike, schau mal!” Die laute Stimme seines Freundes an seinem Ohr, ließ das Pochen in seinem Denkorgan für einen kurzzeitigen Moment bis ins unermessliche steigen. Verärgert war er deswegen nicht. Gab ja bekanntlich keine andere Möglichkeit, um gegen den ohrenbetäubenden Bass des Gedudels anzukommen.

Vielmehr reizte es ihn, dass sie ihn hier mit her geschleppt hatten.
Es wäre ganz toll hier, hatten sie gesagt.
Er müsste endlich seine Jungfräulichkeit ablegen, hatten sie gesagt.

Jungfräulichkeit… Auf was für Ideen die Jugend manchmal kommt. Nur, weil er noch nie in einer Diskothek war, hieß das noch lange nicht, dass er ’jungfräulich’ war. Nein, seine Unschuld hatte er schon lange verloren… Und diese Diskotheken-Jungfräulichkeit war ihm schon immer eher Willkommen als unerwünscht gewesen. Jetzt, nachdem er hier war, sehnte er sich sogar aufrichtig danach zurück.

“Der tanzt wie ’ne Schwuchtel!” Durch diesen Satz nun endlich interessiert folgte Mike dem Finger seines Freundes, der auf besagte “Schwuchtel” deutete.

Er brauchte eine Weile, um überhaupt irgendetwas richtig erkennen zu können. Seine Brille hatte er zu Hause gelassen und seine Kontaktlinsen hatten schon lange nicht mehr die Stärke, die er eigentlich benötigte. Zudem musste er einmal mehr mit dem Licht einen Kampf ausfochten, da es gerade in diesem Moment wieder seine alte Form des Blitzlichtgewitters annahm.

Letztendlich fand er schließlich, was die Neugier seines Freundes geweckt zu haben schien: Auf einer der zwei Plattformen, die nicht von metallenen Stäben eingezäunt war, sah Mike einen jungen Mann, zweifellos in seinem Alter. Er könnte vielleicht auch ein wenig älter oder jünger sein. Er konnte es nicht genau ausfindig machen. Im Schätzen von Alter war er noch nie gut gewesen und, wie gesagt, seine Augenverstärkung befand sich irgendwo in seinem Zimmer. Vielleicht auf seinem Bett. Oder in seinem Nachtschrank. Es könnte aber auch gut möglich sein, dass sie sich in seinen Papierkorb verirrt hatte. So genau wusste er das jetzt nicht…

Dennoch wünschte er sich, dass seine Brille sich jetzt auf seiner Nase befinden würde und nicht auf seinem Bett. Oder im Nachtschrank. Oder im Papierkorb. Oder wo auch immer.

Mit zusammengekniffenen Augen betrachteter er weiter den Körper, der sich so schwungvoll bewegte. Nach und nach wurden die zu erst verschwommen Umrisse klarer. Schärfer. Der bunte Fleck stellte sich als Haare heraus. Pinke Haare, um genau zu sein.

Und Mike hatte gedacht, dass er schon mit seinen knallroten Spikes auffallen würde.

Die Kleidung stand im drastischen Kontrast zu seiner farbenfrohen Frisur. Monochrom, unauffällig, düster. Kurz: Schwarz. Schien er doch mit seiner Haarpracht aus der Masse hervorstechen zu wollen, wandelten T-Shirt und Hose den Eindruck sofort wieder ins gegenteilige um.

Der Tanzstil wiederum zeigte Farbe; Hob sich vollkommen von den anderen ab. Wirkte auf den Rothaarigen, wie ein schillernder Regenbogen kurz nach einem heftigem Ausbruch des Himmels. Dabei machte er nichts Besonderes. Lachte und tanzte mit den Mädchen, die sich mit ihm auf der Erhöhung befanden. Zwischenzeitlich sah es sogar wie eine Körperverschmelzung aus, als er sich ihnen temperamentvoll näherte.

Gleichzeitig aber entzog er sich dem Vorrücken der Tänzerin, wenn diese seine Annäherungen nachahmen wollten.

Widerspruch von oben bis unten.

Eigentlich mochte er so etwas nicht. Unstimmigkeiten sollte man seiner Meinung nach so schnell wie möglich aus der Welt schaffen. Dennoch faszinierte ihn dieses Farbenspiel - Der Wechsel zwischen Dunkel und Bunt.

Irgendwie.

“Wieso die so etwas hier rein gelassen haben!” Die Stimme von Mikes Freund klang seltsam. Richtig unangenehm. Und als er sich ihm zuwandte, spiegelte sein Gesicht den Klang seiner Stimmer wieder.  
Unmut, Widerwille und… Ekel.
“Meinst du nicht auch?”

Aber der Angesprochene schwieg lieber. Drehte sich stattdessen wieder zu der Tanzfläche und wanderte mit seinem Blick sofort zu der Plattform. Aber der Junge war nicht mehr da. Nur noch der weibliche Part tanzte dort.

Die Luft erschien ihm auf einmal noch dicker. Das Atmen wurde schwerer. Schweißtropfen bildeten sich auf seiner Stirn quasi in Sekundetakt. Der Bass fühlte sich wieder schmerzhafter an und das Licht tat in seinen Augen weh.
Das Hämmern in seinem Kopf kehrte zurück.

Seine Augen suchten ruhelos die Menge ab, während seine Finger ungeduldig auf der Absperrung trommelten. Seine Brille… Hätte er sie doch mal mitgenommen.
Und dann fand er ihn schließlich. Die pinken Haare waren kaum zu übersehen. Er befand sich nicht in der Menge, so wie er es erwartet hatte, sondern an der Bar auf der anderen Seite. Ihm gegenüber.

Die Luft ließ sich wieder leichter atmen. Der Bass und das Licht rückten in Hintergrund. Seine ganze Konzentration versuchte er auf den pinken Fleck zu richten. Wollte die Person komplett sehen und nicht nur diese unscharfe Masse. Langsam formte sich Kopf und Körper und er konnte endlich klare Umrisse erkennen. Der Junge saß auf einem Hocker, eine glimmende Zigarette in der Hand und Rauch aus dem Mund blasend. Er beobachtete die tanzende Masse, bis sich sein Gesicht einer anderen Richtung zuwandte.

Er schaute direkt Mike an.

Ein Ruck ging durch den Körper des Rothaarigen. Als ob ein Blitz ihn getroffen und seine Zellen elektrisiert hätte. Er war komplett unter Spannung gesetzt. Seine Muskeln zitterten. Aus Wärme wurde Kälte und wieder umgekehrt. Der Schweiß auf seiner Stirn kehrte in Mengen zurück und aus dem Hämmern wurde ein Rauschen.

Er hatte ihn beobachtet und der Pinkhaarige hatte ihn bemerkt.

Schnell wandte er sein Gesicht zur Seite. Wollte sich keine Blöße geben, wohl wissend, dass er sich gerade durch diese Aktion ins lächerliche zog. Er wusste nicht, ob der Junge ihn wirklich bemerkt hatte. Oder ob er nur durch Zufall in seine Richtung gesehen hatte. Schließlich lag die Bar auf der anderen Seite und war damit einen gehörigen Abstand entfernt. Und bei diesem Licht war es eher unwahrscheinlich gesehen zu werden.

Dennoch hatte er Angst. Wovor wusste er nicht, aber die starke Welle der Furcht ließ die Anspannung in seinem Körper größer werden. Lähmte ihn regelrecht.
Verzweiflung folgte. Er wusste nicht, was er tun sollte. Wollte gerne wegrennen aus dieser Situation. Traute sich aber nicht.

Er kam sich wie ein kleines Kind vor. Linste ab und an zu dem Pinkhaarigen hin, der immer noch in seine Richtung schaute und drehte sich dann gleich wieder weg. Sein Herz schlug wie wild gegen seine Brust. Sein Kopf glühte.

Doch kein Kind. Eher pubertierendes Mädchen.

“Mike? Alles in Ordnung?” Sein Freund legte ihm die Hand auf die Schulter. Sorge war in seinem Gesicht zu lesen und Mike ging es dadurch nicht besser. Vielmehr das Gegenteil war der Fall.

Ihm wurde schlecht.

Mit einem letzten Blick zur gegenüberliegenden Bar drehte er sich endgültig um, murmelte noch etwas von “Mal kurz an die Luft” und machte sich schließlich auf  in den Kampf mit der Menschenmasse.

Mit Ellenbogeneinsatz und akrobatischen Bewegungen drängelte er sich durch die Meute. Weichte hin und her schlagenden Händen, gefährlich schwankenden Gläsern, glühenden Zigaretten und stoßenden Körpern aus. Kam schließlich bis zur Tür ohne Schaden zu nehmen. Keine Kratzer, keine blauen Flecke oder sonstige Hemmatome, kein nasses T-Shirt und keine Brandlöcher. Es soll ja bekanntlich Wunder geben.

Am Portal aus der Hölle raus wurde es dagegen wieder kritischer. Menschen versuchten gleichzeitig rein und raus zu kommen. Nutzten, wie er vorher, ihre Ellenbogen um sich irgendwie ihren Weg und ihr Recht zu erkämpfen. Gingen sogar soweit, ihre Getränke als Wasserpistole oder ihre Zigaretten als Wurfgeschosse zu missbrauchen.

Nur mit Mühe entkam er auch dieser Misere und landete schließlich im Flur der Diskothek.

Freudig atmete er die ihm dort gegebene Luft ein. Seine Lungen bedankten sich mit kräftigen Zügen. Schoßen den Sauerstoff in Lichtgeschwindigkeit durch seine Blutbahnen. Ließen seine Kopfschmerzen ein wenig abklingen.
Den Bass aus dem Flour hinter ihm hörte er immer noch und das normale Licht brannte kurz in seinen Augen. Dennoch fühlte er sich gleich besser. Lebendiger.
Hier war es auch etwas kühler und seine Haut dämmte dementsprechend die Wasserproduktion ein. Gering aber ausreichend, um sich nicht mehr so durchnässt wie vorher vorzukommen.

Regelrecht gierig auf weitere Lebenskraft bahnte er sich weiter den Weg Richtung Ausgang. Erstarrte kurz davor, als ihm eine Tür mit blauem Schild entgegen stach. Die Wodka - Red Bull meldeten sich und kurz entschlossen schlug er den Weg zur Toilette ein. Wollte, als er durch die Tür trat, am liebsten wieder umdrehen. Schon allein wegen der dicken Rauchwolke, die ihm entgegen kam. Der Geruch, der Dreck und die vielen Graffitis an den Wänden taten ihr übriges. Er wollte gar nicht wissen, wie die Toiletten aussahen. Dennoch rang er sich durch. Zum Wohle seiner Blase.

Endlich von der Last befreit wollte er sein Vorhaben nun in die Tat umsetzen. Rannte schon fast in Richtung Ausgang. Stolperte. War kurz davor mit dem Boden Bekanntschaft zu machen. Fing sich noch geradeso. Wurde trotzdem nicht langsamer. Kam sich wie eine Motte vor, die dem Licht hinterher flog. Nur, dass sein Licht eine große Glastür war, aus der er schließlich hinaustrat. Ohne Jacke, trotz eisiger Kälte. War ihm egal.

Sog auch hier lüstern die Luft ein. Genoss es regelrecht, wie die kalte Luft durch seine Nase wanderte, seine Lungen ausfüllte und ihm Zug für Zug schmerzhaft bewusst machte, dass er noch lebte. Und nicht dort drinne irgendwo zerquetscht, erstickt oder sonst wie getötet wurde.

Das Hämmern in seinem Kopf ließ nun gänzlich nach. Der kühle Luftzug klärte seine Augen und umspielte seine erhitzte Haut. Nur seine Ohren waren wohl bis auf sein Lebensende geschädigt.

Sich ausgiebig streckend wanderte sein Blick über den Platz vor der Diskothek, auf dem er stand. Seine Glieder knackten auffällig. Er hätte sich nicht die ganze Zeit gebückt auf das Geländer stützen sollen. Jedes Gelenk machte sein eigenes Geräusch. Ergab zusammen ein knochiges Konzert. Vor allem seine Wirbelsäule war das Hauptinstrument. Seine Nackenmuskulatur machte sich auch bemerkbar. Drückte gegen seine Halswirbel. Vorsichtig fuhr er mit den Fingerspitzen über die gepeinigte Stelle. Ließ anschließend langsam den Kopf im Nacken rollen. Hoffte so auf ein wenig Erlösung.  

“Soll ich dich ein wenig massieren?”

Die Stimme hinter ihm ließ ihn erschrocken rum fahren. Das erste, was ihm auffiel, waren pinke Haare. Danach folgten Sonnebrille, schwarzes T-Shirt und weiter traute er sich nicht runter zu schauen. Wollte nicht auffallen. Nicht zu neugierig wirken. Auch, wenn die Frage, warum man in einer Diskothek eine Sonnebrille trug, ihm auf der Zunge brannte. Wahrscheinlich hätte er sogar im Normalfall gefragt.

Im Normalfall.

Diese Situation war alles andere als normal. Schließlich nahmen hier pinke Haare den größten Teil seines Blickfeldes ein. Angst stieg erneut in ihm hoch. Regelrechte Panik. Lähmte wieder einmal seinen kompletten Körper. Er wusste nicht was er sagen sollte. Wäre dazu auch gar nicht in der Lage gewesen.

“Also?” Sein Gegenüber grinste. Legte dabei den Kopf schief, als ob er wirklich eine Antwort erwartete.

Mike schüttelte bedächtig den Kopf. Achtete trotz Gehirnvernebelung drauf, dass sein Nacken nicht noch mehr strapaziert wurde.

“Wirklich nicht?” Das Grinsen wurde breiter. “Ich bin ein guter Masseur!” Ohne auf eine weitere Erwiderung wartend trat er hinter den Rothaarigen, legte seine Finger auf besagte Stelle und begann, diese leicht zu bewegen.    

Wie vom Schlag getroffen wich der Massierte weg. Entzog sich den damit verbundenem sanften Griff. Legte stattdessen seine eigene Hand in Nacken, erschrocken, über die plötzliche Aktion.
Seine Augen huschten schnell über den Platz, nicht wissend, wonach er überhaupt suchte.
Ihm kamen Wörter in den Sinn. Wörter, die er erst vor kurzem gehört hat. Schwuchtel und so etwas hier rein gelassen. Und er wusste auf einmal, wovor er Angst hatte.

“Nicht gut?”, fragte der Pinkhaarige und sah sogar ein wenig enttäuscht aus.

Mike schüttelte von neuem den Kopf. Diesmal heftiger. Bereute es sofort, als sich ein starkes Stechen durch seine Muskeln zog. Gequält kniff er die Augen zusammen. Verstärkte gleichzeitig den Druck seiner Hand.

“Du solltest vorsichtiger damit umgehen.” Die Stimme war nun direkt neben ihm. Feine Finger schlossen sich um seine Hand. Zogen sie sanft vom Nacken weg und legte sich dann an gleiche Stelle, wo sie zuvor auch gelegen haben. “Wenn du zu dolle machst, verspannst du dich nur noch mehr!”
Sachte Berührungen ließen den Schmerz weniger werden. Ihn regelrecht vergessen. Keine Frage, das war gut. Es tat gut. Und niemand befand sich dort, wo sie gerade standen. Dennoch wollte sich der Rothaarige der Massage wieder entwinden. Die Furcht über die Wörter hämmerte in seinem Kopf.

“Nicht… Nicht anfassen!”, brachte er schließlich stotternd hervor und zog sich zurück.

Der Pinkhaarige seufzte, bevor er sich zu einem Grinsen überwand. “Massier ich echt so mies?”

Nach einigem Zögern schüttelte er erneut den Kopf, diesmal wieder vorsichtiger.

“Warum dann nicht?” Es war eher ein Flüstern, was den Rothaarigen erreichte. Dennoch schallte es laut in seinen Ohren. Genau wie die Wörter. Schwuchtel... So etwas...
Das wäre seine Antwort gewesen. Schwuchtel. Man stand nicht auf das gleiche Geschlechte. So etwas. So etwas war nicht normal. Das war… Schwuchtel… Das war… So etwas… Das war abartig.
Aber er brachte kein einziges Wort über die Lippen. Zu erschrocken war er über seine eigenen Gedankengänge. Abartig. War so etwas wirklich abartig? Unnormal?

Die Mine seines Gegenübers verfinsterte sich. Anscheinend wusste er, was der Andere gerade dachte.
“Schon okay! Wollte ja nur helfen.”
Und er drehte sich um. Würdigte den Rothaarigen keines Blickes. Stolzierte in die Nacht hinein und ließ Mike aus seiner Starre erwachen.

Dunkel und bunt - Faszinierendes Farbenspiel.

“Warte!” Seine Stimme sollte fest und sicher klingen. Stattdessen war sie leise und zitterte. Trotzdem hielt der Pinkhaarige an und drehte sich wieder um.
“Wie ist dein Name?”

Und der Angesprochene, das konnte Mike genau sehen, grinste.
“Schwuchtel!”, rief er zurück, bevor er sich wieder abwandte und seinen Weg fortsetzte.

~Ende~

Reviews und Feedback sind wie immer gerne gesehen *zwinker*
 
 
   
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