Fanfiktion / TV-Serien / Lenßen und Partner / Totale Finsternis
1. Kapitel
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von Aviii    erstellt: 09.09.2008    letztes Update: 09.09.2008    Drama / P16    (fertiggestellt) 1 Review
„Katja… Schhhh… Süße, hey…“ Christian schloss sie fest in seine Arme, so sehr sie sich auch dagegen wehrte, wie wild sie um sich schlug, er ließ sie nicht los. „Ruhig, meine Kleine…“, flüsterte er kaum hörbar „Beruhig dich doch…“
Katjas Atem ging schnell und unregelmäßig, tiefe Furcht spiegelte sich in ihren Augen wider. „Ich krieg keine Luft…“, schluchzte sie immer wieder. „Ich… ich krieg keine Luft mehr!“
„Versuch zu atmen, mein Schatz… Ganz ruhig…“ Chris streichelte zärtlich über ihre Haare, sprach mit ihr, versuchte, sie zu beruhigen. Wie lange schon hatte sie jede Nacht diese fürchterlichen Anfälle, wurde von einer so ungeheuren Panik erfasst, dass sie nicht mehr atmen konnte, drohte, zu ersticken… Sie war nur noch ein Schatten ihrer selbst, so unglaublich labil, vollkommen auf fremde Hilfe angewiesen… Es tat ihm so unglaublich weh, seine Katja so zu sehen…
„Ich will zu meiner Tochter!“, rief sie plötzlich. „Bring mich zu ihr, bring mich zu Mia!“ Tränen liefen unaufhörlich ihre Wangen hinab, noch immer versuchte sie verzweifelt, sich Chris’ Griff zu entziehen, doch er hielt sie, sie hatte keine Chance, zu entkommen. „Katja…“
„ICH WILL ZU MEINEM KIND!“ Schluchzend sank sie in Chris’ Armen zusammen, blieb dort regungslos liegen. „Schhhh…“, Chris gab ihr einen zärtlichen Kuss auf die Stirn, führte langsam ein Glas Wasser zu ihrem Mund. „Trink das, mein Schatz…“
„Wo ist sie?“, murmelte sie, kaum fähig, ihre Augen offen zu halten. „Wo ist meine Kleine?“
Es dauerte nur fünf Minuten, bis sie verstummte. Sie begann zu zittern, ihr Atem ging schwer und regelmäßig. Das Beruhigungsmittel wirkte. Jedes Mal musste Chris ihr diese Tropfen einflößen, die sie über Tage hinweg ans Bett fesselten, in einen tiefen Trancezustand versetzten, doch nur so hatte sie eine Chance, für kurze Zeit nicht mehr von diesen Bildern, den furchtbaren Träumen heimgesucht zu werden. Auch wenn es wehtat, Katja so zu sehen, es war das Beste für sie.      
Christians Blick fiel auf den Kalender, der über dem Bett hing, erschrocken riss er die Augen auf. Heute war Mias Geburtstag. Seine Kleine wäre heute drei Jahre alt geworden. Er musste schlucken, spürte, wie sich seine Augen mit Tränen füllten. Wie sehr er sie doch vermisste… Sie hatte eine so große Leere in ihm hinterlassen, der Schmerz war unerträglich, obwohl sie schon so lange fort war… Es war ihr Tod gewesen, der Katja so sehr verändert, die schrecklichen Anfälle ausgelöst hatte. Mia war gegangen und würde nie wieder kommen. Sie hatte ihre Mutter gebrochen.

Nein…“ Mit einem dumpfen Knall fiel Katjas Tasche zu Boden. „Christian… CHRISTIAN!“
Langsam trat Chris hinter seine Ehefrau. „Süße, was- Oh mein Gott…“ Fest schloss er sie in seine Arme, drehte ihren Kopf zu sich. „Sieh nicht hin, mein Schatz…“, flüsterte er. „Sieh nicht hin…“
Schluchzend sank sie in sich zusammen. „Tu doch was, Chris… Sie stirbt… Unsere Kleine… Blut… Da… da ist so viel Blut! VERDAMMT NOCHMAL, DU MUSST ETWAS TUN!“
Vorsichtig hob Chris den leblosen Körper seiner Tochter hoch, versuchte, ihren Puls zu fühlen, sie atmen zu hören. Zitternd presste sich Katja ihre Hände auf die Augen. „Du musst etwas tun…“, murmelte sie immer wieder. „Tu doch was…“
Doch Chris schüttelte kaum merklich den Kopf, Tränen liefen seine Wangen hinab. „Ich kann nicht, Katja… Es… es geht nicht…“
„Nein!“, schrie sie und entriss Mia seinen Armen. Sanft tätschelte sie ihre Wange. „Wach auf, mein Schatz…“, flüsterte sie immer wieder. „Du musst aufwachen…
„Süße… Mia wird nicht aufwachen…“
„Halt den Mund!“, fuhr Katja ihn an, drückte Mia fest an sich. „Sie schläft doch nur… Sie… sie muss sich ausruhen…“ Chris nahm vorsichtig ihre Hand. „Lass sie los, Katja…“
Doch sie streichelte nur liebevoll über die Haare ihrer Tochter. „Schlaf nur, Mia…“, murmelte sie.. „Morgen musst du früh aufstehen… Schlaf…“

Zwei Jahre war es nun schon her, dass Katja und Christian ihre Tochter tot in ihrem Zimmer gefunden hatten. Sie waren durch die Hölle gegangen, hatten jeden Tag die unzähligen Fragen der Polizisten beantworten müssen, doch bereits nach wenigen Monaten wurden die Ermittlungen eingestellt. Mias Mörder wurde nie gefasst.
Katja war nie darüber hinweg gekommen, am ersten Todestag ihrer Kleinen hatte sie versucht, sich das Leben zu nehmen. Doch Christian hatte sie gerade noch rechtzeitig gefunden und ins Krankenhaus gebracht, im letzten Moment hatten die Ärzte ihr Leben retten können. Alle hatten es für besser gehalten, Katja zu ihrem Schutz in die Psychiatrie einzuweisen, aber niemals wäre Chris bereit gewesen, sie aufzugeben. Er würde sich um sie kümmern, egal, wie schlimm es um sie stand.
Lange betrachtete er sie, wie sie starr an die Decke blickte, ihn nicht wahrzunehmen schien. Wie lange würde es noch so gehen, bis sie endlich wieder gesund sein würde… Nach Mias Tod war sie monatelang nicht fähig gewesen, aufzustehen, oder etwas zu sich zu nehmen. Stundenlang hatte er an ihrem Bett gesessen und sie gefüttert, er war für sie da gewesen, wann immer sie ihn brauchte. Mit der Zeit ging es ihr besser, doch die Panikanfälle waren geblieben.
Jeden Tag blickte Christian in ihr in sich zusammengefallenes, blasses Gesicht, die stets rot geweinten Augen. Es zerriss ihm das Herz, aber er konnte nichts tun, so sehr er es auch wollte. Niemals mehr würde Katja glücklich werden können, sie war zerbrochen. Für immer.
 
 
   
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