Fanfiktion / Bücher / Harry Potter / Ein Schritt zu weit
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von Lejune    erstellt: 20.10.2008    letztes Update: 20.10.2008    Drama / P16    (fertiggestellt) 3 Reviews
Disclaimer: Nicht meins.
Inhalt: Zwei Menschen, die nicht aus ihrer Rolle hinaus können. Wenn Regulus Black die Wahl gehabt hätte...



Ein Schritt zu weit

Den ersten Schlag genießt er fast; eine Faust auf seinen linken Wangenknochen, der Beweis, noch am Leben zu sein, fühlen zu können.

"Bist du auch so ein dreckiges Schlammblut? Lumos!"

Anfangs blendet das Licht, ist nichts als ein greller, alles einnehmender Punkt vor seinen Augen; dann schälen sich fremde Gesichter aus der Finsternis, endlose Nacht; eins, zwei, drei, mit Kapuzen.

(Regulus Arcturus Black. Reinblüter.)

Und wenn er nichts sagt? Einmal wissen, wie Sirius sich gefühlt hat...

***


Er hörte die Schreie draußen auf dem Flur. Laut, lauter dröhnten sie in seinen Ohren, sie schlugen entzwei, was sich ihnen entgegenstellte, brachten Schmerzen, psychisch, physisch, denn solchen Worten folgten Taten.

Regulus öffnete vorsichtig die Tür. Da stand Sirius, bereits an die Wand gelehnt, Hände schützend vor dem Gesicht; nur wenige rettende Schritte von seinem Zimmer entfernt; vor ihm Orion, den Arm noch erhoben.


***


Ein Tritt in die Seite, zwischen Rippen und Becken; Hände, die seine Schultern packen, ihn nach hinten stoßen. Asphalt, Schmerzen, in seinen Haaren klebt Blut.

Nicht wehrlos, aber wehrunwillig liegt er da; ein Gedanke schleicht in seinen Kopf - dass selbst Zauberer handgreiflich werden, obwohl es doch viel effektivere Flüche gäbe - aber ihm ist es zu gut bekannt, die Wut, die ein einfaches lateinisches Wort nicht mit sich nehmen kann, die ihren Weg an einer anderen Stelle sucht; nicht durch den Mund, durch die Fäuste, Füße. Sie gegen diese Unbekannten zu verwenden, hat er nicht vor; er ist nicht wie sie und doch wird ihm niemand glauben.

Sirius hat auch nicht an ihn geglaubt.

***


Er musste etwas tun.

"Vater?", fragte er leise, und als dieser nicht reagierte, noch einmal lauter: "Vater?"

Orion drehte sich überrascht zu ihm; ein Moment, den Sirius nutzte, in sein Zimmer zu flüchten und die Tür hinter sich abzuschließen: schnell, aber nicht schnell genug für Regulus, der sein gerötetes Gesicht sah, die wütenden, verzweifelten Tränen.


***


Jemand zerrt an seinem Umhang, "Hoch mit dir, wir sind nicht fertig!", der zweite Schlag - Wangenknochen, wieder links - ist die Rache. Wenn er sich vorstellt, es wäre Sirius; aber es geht nicht, weil Sirius nicht so ist.

Ihm wird es zu viel; das Lächeln auf ihren Gesichtern, die lobenden Worte, das Schulterklopfen, so lächerlich, wenn er lieber ganz woanders wäre. Der Stolz der ganzen Familie, weil nun eine Schlange seinen Arm ziert; zu spät erkannt, in welche Rolle sie ihn drängen, zu spät wie auch anderes.

***


"Was ist, Regulus?" Zu deutlich war der bemüht freundliche Ton hörbar; der Unterschied, den Orion machte, schnitt Regulus tiefe Wunden. Dieser Unterschied schuf die ganze grässliche Kluft zwischen ihm und Sirius.

"Ich... kann mich nicht konzentrieren, wenn ihr solchen Lärm macht. Der Artikel für die Schülerzeitung, du erinnerst dich..." Eine miserable Improvisation, doch das entschuldigende Lächeln hinterher und das Wissen, anders als Sirius das Recht zum Widersprechen zu haben, gaben ihm Überzeugungskraft.

Orion warf einen säuerlichen Blick in Richtung der geschlossenen Tür seines älteren Sohnes; brachte ersucht neutral hervor: "Ich hoffe für dich, dass er entsprechend gut wird", und stieg die Treppen hinab.


***


War es nicht so, dass er das auch gewollt hat? Bis Sirius gegangen ist, dachte er, alles richtig zu machen; war, trotz aller Bewunderung, von seinen eigenen Wegen überzeugt, seine Wahl von niemandem in Frage gestellt. Falls es eine Wahl war.

"Ich glaub', der kann nicht reden." Höhnisches Lachen, der Arm, der ihn freigibt, wirft ihn im gleichen Moment zu Boden; der nächste Tritt, Oberschenkel, weil er gerade da liegt.

"Eh, du! Sag was!" Seine Hand ergreifend zieht man ihn wieder hoch; das ist, was ihm immer zuwider ist, diese Willkür, Launen; jemand schüttelt ihn, der Ärmel rutscht. Schweigen.

"Ich glaub's nicht."

"Solche... arbeiten für... ihn?"

"Lasst uns abhauen!"

"Nein, du Feigling, wir bleiben hier! Hey, du?"

***


Bis das Stapfen verklungen war, verharrte Regulus stumm auf der Schwelle, huschte dann durch die Stille und klopfte an Sirius' Tür.

"Machst du auf? Ich bin's nur."

"Hau ab."

"Ich will doch nur..."

"Aber ich will nicht! Kapier's doch!"

Regulus schwieg, sank am Türrahmen hinab und setzte sich auf den Boden. Für eine Weile herrschte Schweigen; danach drehte sich der Schlüssel, Sirius verließ sein Zimmer. Stolperte fast über seinen Bruder.

Dieser sah ihn erstaunt an; den gepackten Rucksack, den aufgeräumten Raum hinter ihm; ein böser Blick von Sirius. "Ich gehe."


***


Das ist der Moment, in dem er sich fallen lässt. Ende der Vergangenheit; zurück im Jetzt und Hier, auf der regennassen Straße.

Hat er es wirklich getan? Die Schmerzen sprechen für sich, nicht nur die blauen Flecken und Wunden, auch die noch brennende Haut seines Unterarms. Nur wenige Stunden zuvor hat er das Lachen gehört, kalt wie die Nacht; jetzt ist er für immer gebunden. Obwohl er die Wahl hatte.

"Black, hm?"

Zum ersten Mal sieht Regulus die fremden Zauberer an; der eine, mit grünen Augen und dunklen Haaren, schon in der Dunkelheit vage bekannt wirkend, hält eine schmale Silberkette in der Hand, die er offenbar verloren hat; die Enden zeigen zerfranst in Richtung Boden, der Anhänger mit dem Familienwappen schwingt noch sacht dazwischen.

"Nimm das nächste Mal keine zwielichtigen Abkürzungen." Die Kette wird ihm in die Handfläche gelegt, vorsichtig aufgeholfen. "Oder warte, bis du alt genug bist, um zu apparieren."

"Dolohov, Rookwood, Mulciber. Falls du dich beschweren willst. Kümmerliche Show, wirklich."

"Sieh zu, dass du heil nach Hause kommst. Und lern sprechen."

Mit diesen Worten verschwinden sie; lassen Regulus erneut allein mit - dem, was er getan hat, hätte verhindern sollen.

***


(Ich gehe.) Einen Moment lang starrte Regulus auf die Türklinke. Natürlich... es war die naheliegendste Lösung. Warum war er nicht früher darauf gekommen, dass Sirius einfach - gehen konnte?

"Ich kann sie ablenken." Das Angebot kam über seine Lippen, bevor ihm klar wurde, dass Sirius wahrscheinlich ganz anders von ihm dachte; und natürlich folgten dessen vernichtende Worte augenblicklich.

"Du willst mir helfen? Jetzt? Das bezweifle ich. Ich brauche keine Hilfe." (Dafür ist es zu spät.)

Ohne Orion und Walburga war Sirius wieder Sirius; und das war ein Sirius, der Tränen, Scham und Erniedrigung nicht kannte, sondern nur diese zynische Bitterkeit.

"Sirius..." Langsam stand Regulus auf, doch sein Bruder hob nur die Augenbrauen; den Gesichtsausdruck undeutbar - Hohn, Verachtung, Überraschung.

"Lass es dir gut gehen." (Meinetwegen stirb, du interessierst mich nicht.)

Der regungslose Blick folgte Sirius die Treppe hinunter, bis er aus dem Sichtfeld verschwand. Was auch immer jemals zwischen ihnen existiert hatte, zerbrach und schnitt ins Herz, wo die Splitter stecken blieben.


***


Er hätte auch gehen können. Die einfachste, naheliegendste Lösung. Aber er hat nie den Mut gehabt.
 
 
   
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