Fanfiktion / TV-Serien / Lenßen und Partner / Als uns Flügel wuchsen
1. Kapitel
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von Aviii    erstellt: 30.12.2008    letztes Update: 30.12.2008    Drama / P18    (fertiggestellt) 3 Reviews
Frau Nitka, hiermit verhafte ich Sie wegen Mordes an Christian Storm.“

Wie einer Art Trance gefangen tat sie stumm, was die Polizisten von ihr verlangten, wehrte sich nicht gegen die groben Stöße, die ihr versetzt wurden. War das alles wirklich real? Wie sehr sie sich doch wünschte, das alles nur träumen, innerhalb weniger Minuten erwachen zu können...
Sie zitterte am ganzen Leib, sank langsam zu Boden, als der Leichnam ihres einst besten Freundes von einem Tuch verdeckt an ihr vorbeigetragen wurde. Tränen liefen ihre Wangen hinab. „Es tut mir so Leid, Chris...“, flüsterte sie  kaum hörbar. „Es tut mir so unglaublich Leid...“


„Verdammt nochmal, schweigen hilft ihnen auch nicht!“ Wütend knallte Kommissar Weber mehrere Akten auf den Eisentisch im Vernehmungsraum. Sandra reagierte nicht. Wie lange saß sie nun schon hier, ohne ein Wort von sich zu geben... Unzählige Polizisten hatten stundenlang auf sie eingeredet, sie beschworen, endlich zu geschehen, doch sie schwieg. Selbst ihr Vorgesetzter war beim Versuch, sie zum sprechen zu bringen gescheitert.
„Haben Sie Christian Storm getötet?!“, fragte der Kommissar scharf, konnte jedoch ein Seufzen nicht unterdrücken, als er sich erneut auf seinem Stuhl niederließ. Noch immer würdigte sie ihn keines Blickes, starrte an an die ihr gegenüberliegende Wand. Doch endlich... Endlich gab sie Antwort. „Ja.“


„Sandra... Sandra, um Himmels Willen, was tust du da?!“ Unglaublich blass ließ sich Ingo Lenßen neben seine Ermittlerin auf einen der für Besucher bereitgstellten Sessel sinken. „Warum nimmst du die ganze Schuld auf dich?“, fragte er leise. Sie sah auf, blickte ihm tief in die Augen. „Das tu ich nicht, Ingo...“, erwiderte sie mit matter, erstickter Stimme. „Das... das tu ich nicht....“

„Um Himmels Willen, was ist geschehen?!“ Unzählige Männer eilten in ihre Zelle, hoben die Frau vorsichtig auf ihr Bett, tätschelten unsanft ihre Wange. „Aufwachen!“, fuhr einer der Wärter sie an. „Verdammt nochmal, aufwachen!“
Ingo musste schlucken. „Es... es ist zu spät...“, murmelte er, trat nun ebenfalls in den winzigen Raum, kniete sich vorsichtig zu ihr, in ein Scherbenmeer. Behutsam nahm er ihre leblose Hand in die seine. Sie war eiskalt geworden. Sanft streichelte er darüber, Blut tropfte auf  das Laken, seine Knie, den Boden... So sehr, so verzweifelt er sich auch bemühte, etwas zu spüren, er hatte keine Chance. Ihr Puls hatte längst aufgehört zu schlagen.„Warum haben Sie sie nicht beobachtet?!“, fuhr er den Gefängniswärter an. Dieser seufzte leise. „Herr Lenßen, das haben wir...  Aber... solche Zwischenfälle sind einfach nicht vorhersehbar... Es tut mir Leid.“
„Zwischenfall...“ Müde erhob er sich, nur um gleich darauf auf einem Stuhl Platz zu nehmen. Erst spät fiel ihm der blütenweiße Umschlag auf, der vor ihm auf dem Tisch lag. In zittriger Schrift stand „Ingo“ darauf geschrieben. Ohne den Kommissar und seine Kollegen eines weiteren Blickes zu würdigen, öffnete er das Couvert. Und begann zu lesen.

Ingo,

ich wünschte, ich hätte die Möglichkeit nun neben dir zu sitzen, dir unter vier Augen alles erklären zu können, versuchen zu verstehen... Aber nein... Nein, das Privileg der Freiheit, der Wahrung der Privatsphäre bleibt mir von nun an verwährt, für immer. Nun... Natürlich hätte ich es verdient, das alles, was auf mich wäre zugekommen, ich hatte keine Angst... Niemals hätte ich mich meiner gerechen Strafe widersetzt.
Ich wusste genau was geschah, als ich Christian erschoss, mein Verstand war völlig klar... Erst, als ich meine Tat begriff, begann ich, mich in diesen tauben, unantastbaren Trancezustand zu versetzen, in dem ich mich bis zum Ende meines Lebens befand... Ja, Ingo. Ja, ich bin schuldig, ich habe ihn getötet, meinen besten Freund. Meine große Liebe. Ob ich es bereue? Mehr als alles andere. Auch, wenn ich weiß, dass es richtig war. Warum... Warum hab ich es getan? Christian hatte Krebs. Ingo, er war todkrank, die Ärzte gaben ihm weniger als ein halbes Jahr zu leben. Ingo... Er hat mich gebeten, ihn zu töten... Niemals... Ich schwöre dir, niemals hätte ich es gewagt, es über das Herz gebracht, es zu tun, doch es war sein größter Wunsch, zu sterben. Wir sollten ihn stets in guter Erinnerung behalten... Als Christian. Den Mann, den wir alle liebten.
Ich kann mit der Schuld nicht weiter leben, selbst wenn ich wollte, niemals wäre ich fähig, ihn zu vergessen. Der wichtigste Mensch in meinem Leben ist nun fort, wird nie wieder kommen. Und für mich ist es Zeit, ihm zu folgen. Es tut mir Leid... Es tut mir unglaublich Leid. Vergib mir.

In ewiger Liebe,
Sandra
 
 
   
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