Fanfiktion / Bücher / Harry Potter / Jenseits von Gut und Böse
Kapitel 01
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von gugi28    erstellt: 31.07.2009    letztes Update: 25.09.2009    Mystery / P18 Slash    (fertiggestellt, keine anonymen Reviews) 566 Reviews
Hallo meine Lieben!


Seid ihr bereit für den nächsten Schwung aus meiner Tastatur? Wenn ja, dann bitte ich euch, die unten stehenden Infos unbedingt zu lesen – danke sehr! ^_^

Bussis an euch, eure gugi



°°°°


Disclaimer: Die Charaktere gehören einzig und alleine der brillanten JRK, mit Ausnahme meiner eigenen.
Crossover: HP-Universum vs. Vampirwelt, AU (also Alternatives Universum)
Titel: Jenseits von Gut und Böse
Kapitel: 9
Status: Abgeschlossen
Kategorie: Mystik
Unterkategorie: vorwiegend Drama (anfangs ziemlich „bitter“)/Romanze
Hauptpersonen: Harry Potter, Ramos Delmar (Eigencharakter) und Draco Malfoy. Kevin und Blaise kommen diesmal nicht vor – sorry!
Pairing: Harry/Draco
Rating: Slash, R18, Lemon
Betaleser: LadyMarJa und bambi71 => tausend Dank euch beiden! ^_^
Update: jeden Freitag

Inhalt: Eine Gratwanderung bestand hauptsächlich aus einem einzigen Balanceakt. Verlor man das Gleichgewicht, entschied der Fall zwischen Gut und Böse … So gut wie jede Nacht war Harry Potter diesem Balanceakt ausgesetzt, denn er lebte in einer Welt, die düster und aufs Äußerste gefährlich war – einer Welt, die von den schlimmsten Kreaturen überhaupt in Angst und Schrecken versetzt wurde: den Vampiren. Harrys Beruf: Vampirjäger. Harrys Motto: Handeln ohne Gefühle und vor allem ohne Gnade. Die Frage war nur, ob exakt dieses Motto ihn eines Tages zu Fall bringen würde und von ihm eine Entscheidung zwischen Gut und Böse forderte …



Wichtige Information:
1.) Ich verwende verschiedene Vampirlegenden und sämtliche Informationen aus dem Internet – und ich erlaube es mir, eigene Ideen einzubringen. Ähnlichkeiten zu Film und Literatur werden somit nicht zu vermeiden sein.
2.) Voldemort hat in dieser Geschichte nie existiert. Des Weiteren halte ich mich nicht an die HP-Bücher und benutze das HP-Universum, wie ich es brauche.
3) Ein paar Gastauftritte und Kleinigkeiten, die ich eingefügt habe, steigern den Wiedererkennungseffekt zu anderen Geschichten von mir.

Zu diesem Kapitel: Dieses hier ist hauptsächlich kompakt und zusammenfassend geschrieben, alle weiteren gehen intensiver in die jeweiligen Situationen ein.

Warnung: Nichts für schwache Nerven! (besonders Kapitel 1,2 und 3)


°°°°



Jenseits von Gut und Böse



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Kapitel 01

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London war vollkommen ausgestorben, zumindest auf den ersten Blick. In Wirklichkeit verschanzten sich die Hausbewohner in ihren vier Wänden und harrten voller Angst und Schrecken der Dinge. Fenster und Türen waren von innen mit Holzbrettern verriegelt, denn die Furcht vor ungebetenen Überraschungsgästen saß tief in den Knochen der Hausbewohner. Ritzen, die Licht oder Luft durchließen, wurden mit Stoffresten gestopft. Dieser Aufwand wurde betrieben, sobald die Sonne unterging und die Dämmerung einsetzte. Mit ihr erstarb das Leben auf den Straßen.

Die filigranen Straßenlaternen traten in Aktion. In ihren großen Glasbehältern sprangen die Lichter an und verscheuchten die Dunkelheit in ihrer unmittelbaren Umgebung. Kein Laut war aus den Häusern zu hören - die Menschen darin fühlten sich mit dem Anbruch der Dunkelheit wie ängstliche Mäuse in der Falle.

Der Wind fegte durch die leeren Hauptstraßen und Seitengassen, und mit diesem Wind hielt das Grauen Einzug in London. Laute, einem Wispern gleich, geisterten durch die englische Innenstadt, Schatten huschten an den Häuserfronten entlang. Die Untoten waren da und einzig und alleine Fenster und Türen trennten sie von dem frischen Blut, das so sehr begehrt wurde.

Der Großteil der Blutsauger versteckte seine Gestalt und sein Antlitz unter bodenlangen Umhängen und Kapuzen, dennoch erhaschte der Schein der einen oder anderen Laterne die bleichen Gesichter mit ihren leblosen Augen. Knochige Hände zeigten lange Finger und Nägel, mit denen die Vampire genussvoll und mit aller Geduld über die Fensterscheiben und Holztüren der Häuser kratzten. Sie liebten das dadurch entstehende Geräusch, während die Bewohner vor Angst und Gänsehaut zusammenzuckten und sich in die hintersten Winkel ihrer Bleibe verkrochen.

Einer der Vampire, der eben noch überlegte, wie er in eines der Häuser eindringen wollte, hielt plötzlich inne und drehte seinen Kopf ruckartig dem Hauptplatz zu. Er schnüffelte, verzog seine blutleeren Lippen zu einem wissenden Grinsen und fuhr seine Eckzähne aus. Ein leises, vorfreudiges Fauchen kämpfte sich aus seiner Kehle, dann war er verschwunden. Der Vampir sah in der Nacht ungemein scharf und fegte fast lautlos durch die geisterhaften Straßen, immer dem Geruch des frischen Blutes folgend.

Da war es! Sein Opfer.

Nicht immer gelang es den Menschen, vor der Dunkelheit zu flüchten, insbesondere nicht, wenn sie absichtlich als Opfergabe von ihren Familien oder Bekannten zurückgelassen und somit entsorgt wurden. Meist handelte es sich bei dieser Art von Geschenken an die Vampire um lästige Familienanhängsel, die eine Behinderung aufwiesen und viel Pflege und Aufopferung in Anspruch nahmen.

Die Familienangehörigen erhofften sich durch ihre Opfergaben Erbarmen für ihr Leben, doch sie unterlagen einem gewaltigen Irrtum. Zwar erfreuten sich die Untoten daran, so leicht an Beute zu gelangen, doch das bedeutete nicht, Recht vor Gnade walten zu lassen – ganz im Gegenteil. Schmeckte ihr Opfer ausgesprochen gut, so war anzunehmen, dass das Blut ihrer Verwandten ebenfalls vorzüglich mundete. Die nächsten Opfer standen somit schon fest.

Naaaa? Wen haben wir denn da?“, säuselte der Vampir langsam näherkommend. In diesem Fall war sein Opfer ein blutjunges Mädchen mit gelocktem Haar, höchstens zwölf Jahre alt.

„I-Ich heiße Melissa, u-und Sie sind?“, stammelte das Kind. Melissa saß mit angezogenen Beinen im Schutz eines Mauervorsprungs auf dem kalten Steinboden, ihr Blick war starr nach vorne gerichtet. Melissa war blind.

„Das tut nichts zur Sache“, schnurrte der Blutsauger und blieb vor ihr stehen. Melissa rührte sich nicht. Sie hob weder den Blick an, noch zuckte sie bei den Worten des Untoten zusammen. Der üble, leicht faulige Geruch, den der Vampir aussonderte, stieg ihr in die Nase und Melissa zog die Augenbrauen zusammen.

Ein kleiner, leiser Schrei hallte durch die dunkle Seitengasse, denn Melissa wurde am Kragen gepackt und mit einem Ruck in die Höhe gerissen. Das kleine Mädchen hing in der Luft, aber sie unterließ es, heftig mit ihren Füßen zu strampeln. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und in ihren erblindeten Augen zeigte sich statt Angst Überraschung.  

„Hast du denn keine Angst, kleine Melissa?“, raunte der Vampir ihr zu und sog genüsslich den berauschenden Duft ihres Blutes ein.

„Nein“, erwiderte sie leise, ruhig in der Luft hängend. Obwohl sie blind war, hätte man meinen können, sie sähe ihm tief in die Augen.

„Worauf wartest du denn noch, Daleus! Mach sie kalt!“, ertönte die gehässige Stimme seines Mitstreiters im Rücken. „Aber wenn du nicht willst, übernehme ich gerne für dich.“

„Halt‘s Maul!“, fauchte Daleus ungehalten und drehte seinen Kopf wieder dem Mädchen zu. „Sie ist etwas Besonderes.“

„Sie ist nichts weiter als eine kleine, blinde Göre!“

„Schweig!“, blaffte Daleus über die Schulter. „Ich habe sie zuerst entdeckt und ich entscheide, was mit ihr passiert!“

Sein Artgenosse ließ ein ungehaltenes Knurren von sich hören, aber da sein Nebenbuhler höheren Ranges war, enthielt er sich einer weiteren Aussage und duldete dessen Entscheidung.

Daleus scherte sich nicht um den Ärger des Anderen. Seine freie Hand packte zu, riss den Kopf des Mädchens zur Seite und legte somit den schlanken, jungen Hals frei. Keine Sekunde später versenkte er seine Zähne in dem warmen, zarten Fleisch und bediente sich schmatzend des roten Lebenssaftes. Melissa schrie nicht. Ihre Augen waren weit aufgerissen, der Mund stand offen und sie röchelte. Schließlich wurden ihre zuckenden Glieder schlaff und der Herzschlag langsamer – bis ihr Organismus gänzlich zum Stillstand kam.  

Der Vampir löste sich von ihrem Hals und legte sie fast behutsam auf den Pflasterweg. Sein Mitstreiter trat neben ihn und seufzte. „Du bist dir auch wirklich sicher?“

„Ja“, hauchte Daleus, er lächelte fast gütig. Zufrieden betrachtete er den Tod des Mädchens und die Wiedergeburt seiner Art.


°°°°



Viele Jahre später:


Aufmerksam und schwer bewaffnet streifte Harry Potter durch die Londoner Innenstadt. Sein Ruf eilte ihm weit voraus, denn als Vampirjäger kannte er kein Erbarmen, er handelte eiskalt. Ein Vergleich zwischen dem einstigen Harry und dem heutigen würde so manchen Bekannten oder Freund schockieren, denn Harry hatte sich drastisch verändert.

Sein Gesicht war gezeichnet von dem grauenvollen Leid seiner Vergangenheit, die Augen stachen in einem kalten Grün hervor. Eine lange, dunkle Robe umschmeichelte bei jedem energischen Schritt seine Füße; in seiner linken Hand hielt er eine Armbrust und in der rechten seinen Zauberstab.

Harrys Lebenslauf war sehr bewegend und etwas, worüber er keinen einzigen Gedanken verschwenden wollte. Geschehen war geschehen und nicht mehr zu ändern …


°


Flashback:

Alles fing damit an, dass Harry im Alter von einem Jahr seine Eltern verlor und in letzter Sekunde den Klauen der Vampire entrissen wurde. Abgegeben bei seinen Verwandten fristete er zehn Jahre lang ein liebloses Dasein, bevor er nach Hogwarts eingeladen wurde und dort lernte, was Freundschaft bedeutete und was es hieß, ein wahrer Zauberer zu sein.

Dem Schulleiter namens  Albus Dumbledore war es unter anderem überaus wichtig, dass seine Schützlinge sich so gut wie möglich verteidigen konnten: Verteidigen gegen die dunkle Künste sowie gegen die Vampire selbst, die seit endloser Zeit ihr Unwesen trieben und nach menschlichem Blut gierten.

Harrys Wissensdurst, nach allem was gefährlich und dunkel war, wurde unersättlich. Denn erst vor kurzem hatte er von seinem Mentor höchstpersönlich erfahren, dass seine Eltern nicht wie angenommen durch einen Unfall, sondern durch einen sehr alten, geborenen Vampir namens Lucius Malfoy ermordet worden waren. Unbändiger Hass beherrschte ihn seit diesem Wissen: Er schwor Rache für den Tod seiner Eltern.

Harry war insgeheim der Liebling von Albus Dumbledore, was daher rührte, dass dieser alte Mann nicht nur sein Leben gerettet, sondern auch einen Narren an ihm gefressen hatte. Wenn es Albus in seiner spärlichen Freizeit möglich war, lehrte er seinen überaus talentierten, jungen Schüler in Sondertrainingseinheiten den richtigen Umgang mit Vampiren. Zur Grundausbildung gehörten selbstverständlich das Beherrschen sämtlicher Zauber und Flüche aller Arten, wie auch das Nahkampftraining.

Die größte Schwäche der Menschen waren ihre Gefühle, und Vampire verstanden es nur zu gut, damit zu spielen. Vampire verführten, schmeichelten, machten die Menschen willenlos – und dieses Schicksal sollte auf keinen Fall Harry zuteil werden. Irrwichte dienten dazu, sich in Vampire zu verwandeln, so dass Harry eine standhafte Gegenwehr aufbauen konnte.

Hermine Granger und Ron Weasley waren nicht nur in seinem Jahrgang, sie waren als seine besten Freunde stets an seiner Seite. Zwar wählten sie im letzten Schuljahr einen anderen und weniger gefährlicheren Beruf als er, aber sie unterstützten Harry tatkräftig und bestärkten ihn in seiner Entscheidung.

Nach dem Schulabschluss konnte Harry ein beachtliches Können vorweisen, womit ihm auch die Türen zu seinem Berufswunsch offen standen. Die Ausbildung zum Vampirjäger wurde vom Ministerium für Hexerei und Zauberei finanziert, und neben Harry gab es noch viele andere sehr begabte Jugendliche in seinem Alter, die bereit waren, ihr Land vor den Untoten zu beschützen …

Dass die Vampirjäger anscheinend gegen unbezwingbare Mühlen kämpften, gestanden sie sich erst nach Jahren ein. Denn kaum hatten sie einen Haufen Blutsauger zum Teufel gejagt, kamen doppelt so viele nach und die Hoffnung auf eine bessere, Blutsauger freie Welt schrumpfte. Aber Harry gab nicht auf. Sein Ziel war es, nicht nur Lucius Malfoy - der sich zurzeit unauffindbar auf dieser Welt verschanzte - den Garaus zu machen, er wollte mit der Hilfe seiner Mitstreiter wenigstens ganz England von diesem Ungeziefer befreien.

Das Gute in einem Menschen und auch der Glaube konnten bekanntlich Berge versetzen. Für Harry waren beide Dinge lebenswichtig, aber auch die fundamentale Freundschaft zu seinen beiden besten Freunden verlieh ihm Flügel und ließ ihn nicht an Aufgabe denken. Mit seinem Ziel vor Augen registrierte er nur am Rande, dass sich die Anzahl seiner Mitstreiter über die Jahre hinweg verringerte. Zwar besuchte er die Begräbnisse seiner Kollegen, doch die grausame Wahrheit, nämlich, dass die Vampire an Macht gewannen, wollte er nicht akzeptieren.

Es geschah an einem Dienstagabend. Simon Chase war sein Vertrauter und gleichzeitig Vorgesetzter und trat ihm an diesem Abend in seinem Büro mit überaus besorgter Miene gegenüber. „Ich sage es dir nur ungern, Harry, aber es gibt schon wieder Vermisste.“

„Aha. Das ist nichts Neues.“

Simon seufzte tief und legte seine Hände auf Harrys Schulter. Er schenkte ihm einen intensiven Blick. „Harry, diesmal werden deine Freunde vermisst: Ronald und Hermine Weasley …“

Diese grausame Information war wie ein gewaltiger Faustschlag ins Gesicht. Harry war nicht mehr zu halten, stürmte aus dem Büro, setzte alle möglichen Hebel zur Mitsuche in Bewegung und blieb dennoch erfolglos. Er stand am Rande des Wahnsinns und kämpfte beherzt gegen die verzehrende Verzweiflung, aber von Ron und Hermine fehlte jede Spur.

Harrys Hass auf die Vampire sprengte die Grenze des Vorstellbaren. Er war blind vor Wut! Denn ihre beinharte und leider oft erfolgreiche Vorgehensweise war typisch für Vampire. War ein Vampirjäger zu erfolgreich, forschten die Untoten gezielt jene aus, die diesem lästigen Anhängsel am nächsten standen. Was mit ihnen geschah, wenn sie in die Fänge der Vampire gerieten, wusste Harry nur zu genau, und das machte ihm Angst. Er hatte wirklich alles in seiner Macht Stehende getan, um Hermine und Ron zu beschützen, aber wie ihm bestätigt wurde, hatten diese verdammten Untoten wohl ein Leck in seinem Sicherheitsplan entdeckt und, wie anzunehmen war, ihre Rache eiskalt durchgezogen.

Der tiefe Fall in Harrys Leben kam zwei Nächte später.

Harry hoffte immer noch, dass es Hermine und Ron gelungen war, den Vampiren zu entkommen, doch diese Hoffnung sollte sich mit einem Mal zerschlagen. Kaum dass der Vampirjäger ein paar Schritte in eine dunkle Seitengasse hineingegangen war, warnte ihn sein inneres Alarmsystem, welches einen kalten Schauer über seinen Rücken jagte und die Härchen in seinem Nacken aufstellte.

Sein Atem war beschleunigt, langsam drehte er sich um. Ihn hätte beinahe der Schlag getroffen, da seine beiden Freunde breit lächelnd vor ihm standen. Im kühlen Schein der Laterne zeigten ihre Augen eisige Kälte und ihre Gesichter waren bleich wie die der unzähligen Untoten.

„Hallo Harry“, säuselte Hermine, sie spielte mit ihren Locken.

Übelkeit stieg in Harry hoch. „Nein“, hauchte er geschockt und unterdrückte das Zittern seines Körpers. Das durfte nicht wahr sein! Nicht Hermine und Ron!

„Kumpel, wir vermissen dich“, ließ Ron ihn wissen und bedachte Harry mit einem durchdringenden Blick.

„Wirklich?“, krächzte der Vampirjäger. „Das glaube ich kaum. Ich bin nicht dein Kumpel, Blutsauger.“

„Oh bitte“, seufzte Hermine. „Was macht das schon für einen Unterschied? Wir fühlen uns besser denn je – stärker als je zuvor!“, entgegnete sie energisch. „Harry, wir sind doch deine Freunde!“

„Freunde?“ Harry schluckte den Knoten im Hals hinab und blinzelte das Brennen seiner Augen weg. „Ron und Hermine waren meine Freunde, meine besten sogar!“, schleuderte er ihnen entgegen. „Aber ihr seid es nicht!“

„Oh Harry“, schüttelte Ron tadelnd den Kopf. „Du verstehst das nicht. Wir haben dich aufgesucht, um aus dir einen von uns zu machen.“

„Genau“, stimmte Hermine ihrem Mann zu. „Uns ist nicht entgangen, dass du Sehnsucht nach uns hast. Überall in der Stadt hast du nach uns gesucht, nicht wahr?“

„Das habe ich“, antwortete Harry blechern. „Aber ich suchte meine Freunde, keine Untoten!“

„Heißt das, dass wir jetzt keine Freunde mehr sind?“ Ein lauernder Unterton lag in Hermines Stimme. Auch Ron kniff gefährlich die Augen zusammen.

„Nein, denn meine Freunde sind längst tot!“, schloss Harry brennenden Herzens mit ihnen ab. Oh Gott, er wollte sich am liebsten übergeben!

Für ihn war dieser aufgezwungene Abschluss der schwerste Kampf seines Lebens. Harry fackelte nicht lange, zog augenblicklich seine Feuerpeitsche aus dem Halfter und setzte sie schwungvoll ein. Er wusste, dass diese beiden Untoten nicht mehr als zwei Tage alt und gierig auf sein Blut waren, doch zu einer Gegenreaktion würde er es nicht kommen lassen.

Harry machte kurzen Prozess mit ihnen und zog die Peitsche ohne Erbarmen voll durch. Es schnalzte gewaltig. Noch bevor sich die beiden Vampire fauchend auf ihn stürzen konnten, hatten die vier Striemen der Feuerpeitsche sie bereits erreicht und ihrem untoten Dasein ein schnelles Ende gesetzt. Hermine und Ron schrien ein letztes Mal getroffen auf und zeigten ihre Reißzähne, dann standen ihre Körper in Flammen - das Feuer verbrannte die Überreste in Rekordzeit. Übrig blieben zwei Aschehaufen … direkt vor Harrys Füßen.

Die Feuerpeitsche glitt aus Harrys Hand und fiel mit dem Griff voran zu Boden, es klang, als ob der Holzgriff dabei splitterte. Harry schluchzte erstickt auf, sank auf die Knie, griff sich in die Haare und gab sich seinen Gefühlen hin – seine Sicht verschwamm. Sein Herz brannte, er bekam kaum noch Luft und die Ohnmacht wollte bereits nach ihm greifen. Seine Schultern zuckten und er schaffte es nicht, seine Tränenflut zu stoppen. In seiner verzweifelten Trauer gefangen bemerkte er im Rücken zwar einen Kampf - doch ihm war egal, ob die Vampire ihn holten oder nicht, bzw. mit wem sie kämpften.

Beim Merlin! Harry hielt diesen verfluchten Schmerz nicht mehr aus! Er wollte sich das schreiende Herz aus der Brust reißen! Es durfte einfach nicht wahr sein! Wieso wachte er aus diesem Alptraum nicht auf? Für ihn gab es nichts Schrecklicheres auf dieser Welt, als seine eigenen Freunde töten zu müssen, auch wenn sie aus seiner Sicht schon längst tot waren.

Der Kampf in seinem Rücken verstummte, Schritte kamen näher. Harry hörte sie, aber er reagierte nicht darauf. War er jetzt an der Reihe, zu einem Untoten zu werden? Bei Merlin! Es war ihm absolut egal!

Eine warme Hand legte sich auf seine Schulter und drückte sie sanft. „Hey, bist du okay?“

„Ramos?“, heulte Harry auf und blickte mit tränennassem Gesicht zu ihm hoch. Sein Freund und Aushilfskollege hockte sich neben ihn und streichelte seinen Rücken. „Simon schickt mich, um nach dir zu sehen. Sieht so aus, als wäre ich noch zur rechten Zeit gekommen, sonst wärst du in einen Hinterhalt geraten.“

„Das ist mir egal!“, schluchzte Harry und schüttelte wild seinen Kopf. Sein Blick glitt zu den beiden Aschehaufen. „Es ist zu spät. Ich habe sie nicht retten können.“

Ramos Delmar erwiderte nichts. Das, was Harry durchmachte, kannte er nur zu gut. Auch ihm waren sehr wichtige Personen trotz aufwendiger Schutzmaßnahmen entrissen worden, deshalb verstand er auch Harrys Reaktion. Er ließ ihn weinen, starrte auf die beiden Aschehaufen und atmete tief durch.

„Du kannst sie wiederhaben“, hörte er Harrys gebrochene Stimme.

Ramos runzelte die Stirn, schenkte der Feuerpeitsche einen schnellen Blick und musterte schließlich Harrys Profil. „Sie gehört dir, ich habe sie extra für dich angefertigt.“

„Ich habe aber keine Verwendung mehr für sie“, hauchte Harry gefangen in einem Gefühl der Taubheit.

„Jetzt nicht, aber irgendwann wirst du sie wieder benutzen“, blieb Ramos hartnäckig. Er griff nach der Peitsche, die er behutsam wegsteckte. Anschließend stand er auf, blickte auf seinen leidenden Freund hinab und sagte leise zu ihm: „Komm. Es ist an der Zeit, diesen Ort zu verlassen.“ Ramos zog Harry unbarmherzig auf die Beine und nahm ihn fest in seine Arme. Ihre Konturen verschwammen, bis beide nicht mehr zu sehen waren …

Mit diesem traumatischen Erlebnis vollzog Harry den ersten Teil seiner schwerwiegenden Veränderung. Vormals von Hoffnung erfüllt, diese Welt, oder wenigstens diese Stadt vom untoten Ungeziefer säubern zu können, breitete sich nun Gleichgültigkeit in ihm aus, die ihn regelrecht verschlang. Tage, Wochen, ja – sogar Monate lang war er nicht ansprechbar, starrte vor sich hin und reagierte auf nichts und niemanden.

Ramos kümmerte sich einstweilen um alles: Er belegte Harrys Wohnung mit den neuesten Bannen und Sprüchen, so dass die Vampire nicht den Hauch einer Chance hatten, Harry aufzuspüren. Er informierte Simon Chase über das Schicksal von Hermine und Ron und kümmerte sich darum, dass Harry ausreichend aß und trank und sich nicht aufgab.

In Ramos´ Augen focht Harry einen inneren Zwist aus, dessen Ausgang nicht unbedingt vorhersehbar war. Aber Ramos brachte Geduld auf – unendlich viel Geduld und alle Zeit dieser Welt. Man konnte durchaus sagen, dieser Mann hatte mehr Durchhaltevermögen aufzuweisen als sonst jemand, was auch daran liegen konnte, dass er kein normaler Mensch war und das Wort Ungeduld einfach nicht kannte.

Die Herkunft dieses Mannes mit ungewissem Alter war bis heute ein Geheimnis, aber Harry wusste von Simon Chase, dass Ramos Delmar dämonisches Blut in sich trug. Sein Aussehen war ungewöhnlich. Spitz zulaufende Ohren deuteten auf seine geheimnisvolle Herkunft hin. Seine schwarzen Haare lagen kurz geschnitten an seiner Kopfhaut an und wenn er lächelte, entblößte er neben einer Reihe strahlend weißer Zähne zwei längere, die unweigerlich an jene von Vampiren erinnerten. So schwarz seine Haare waren, so schwarz waren auch seine Augen: schwarz und unergründlich.

Harry und Ramos trafen das erste Mal in Simons Büro aufeinander. Das war vor ungefähr knapp zwei Jahren gewesen. Ramos Delmar war eigentlich ein Einzelkämpfer und alles Andere als begeistert darüber, gegebenenfalls in London aushelfen und vor allem gemeinsam mit anderen Vampirjägern kooperieren zu müssen. Keiner seiner ihm zugewiesenen Kollegen war ihm recht – bis er mit Harry das Vergnügen hatte.

Er war anders als die anderen, sprach ihn nicht neugierig auf seine Abstammung an und ließ ihn größtenteils in Ruhe. Mit der Zeit entstand ein zartes Band der Freundschaft zwischen ihnen, und diese Freundschaft blieb auch bestehen, als Ramos wieder an seinem ursprünglichen Einsatzort zurückkehrte.

Aber jetzt war er hier, hier in London, denn Harry brauchte ihn. Simon hatte den Halbdämon um Hilfe gebeten und Ramos war seiner Bitte augenblicklich gefolgt.

In der langen Zeit, in der Harry vor Trauer in sich gekehrt war und ausgiebig über sein Leben und den Tod von so vielen Menschen nachdachte, öffnete sich Ramos ihm Stück für Stück und erzählte freiwillig von seinen Erlebnissen, die tief unter die Haut gingen. Mit der Erzählung seiner wahr gewordenen Alpträume brachte er es fertig, Harrys Interesse zu wecken. Immerhin hatte er so viel verloren und trotzdem wollte er weiterleben und kämpfen! Wieso? Harry wollte unbedingt eine Antwort auf diese Frage, die ihm sehr wichtig war. Und so entstand endlich eine Konversation zwischen ihnen, Harry machte unter anderem auch seine Einsprüche geltend.  

Aber ich fühle, Ramos, und meine Gefühle tun mir weh! Du als Halbdämon gehst viel besser damit um. Sag mir, wie schaffe ich es, sie genauso zu kontrollieren wie du? Wie fange ich es an?“ Bittend sah Harry ihn an.    

„Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten“, blickte Ramos ruhig in Harrys Gesicht, „denn die Menschen fühlen intensiver als ich es tue.“

Harry seufzte. „Versuch es trotzdem.“  

„Zuerst muss man sich seiner Gefühle in den verschiedensten Situationen bewusst sein. Es ist wichtig, sie einzeln zu analysieren und anschließend zu schwächen, bis sie neutralisiert sind – was wohl am schwierigsten zu bewerkstelligen ist. Um einen kühlen Kopf zu behalten, besonders in brenzligen Situationen, ist es unbedingt erforderlich, die Gefühle nicht überhandnehmen zu lassen. Denn im Kampf mit Vampiren muss man mit dem Verstand agieren, nicht mit dem Herzen.“ Ramos erlaubte sich kurz eine Pause. „Ideal wäre, Gefühle erst gar nicht entstehen zu lassen, aber das funktioniert bei Menschen äußerst selten.“  

„Das ist verflucht schwer“, kommentierte Harry trocken.

Sein Gegenüber nickte. „Vor allem, wenn einem das geschieht, was dir widerfahren ist“, erwiderte der Halbdämon und zog die Augenbrauen zusammen. „Du aber hast beim Auslöschen der beiden Vampire einen kühlen Kopf behalten und deinen Job erledigt – erst dann hast du dir erlaubt, dich deiner Trauer hinzugeben.“  

Diese Aussage versetzte Harrys Herz einen schmerzhaften Stich, er zuckte zusammen. Der Gedanke an Ron und Hermine tat ihm höllisch weh und er fragte sich, wann dieser Schmerz endlich an Intensität verlor.

„Ja, zu diesem Zeitpunkt waren sie bereits Vampire, nichts weiter“, stellte er sich der bitteren Wahrheit.

„Was willst du jetzt tun, Harry?“, lehnte sich Ramos zu ihm vor und fixierte ihn mit seinen unergründlichen schwarzen Augen. Ihre Blicke hingen ineinander und die Standuhr im Wohnzimmer tickte im Sekundentakt vor sich hin.

„Lernen, meine Gefühle unter Kontrolle zu bringen.“


°


Ja, Vergangenes konnte man nicht mehr ändern, dessen war sich Harry nur zu deutlich bewusst.

Zu Anfang, als er wieder auf Vampirjagd ging, begleitete ihn Ramos, um sicher zu gehen, dass Harry für einen Neueinstieg bereit war. Doch wie er nach nur wenigen Tagen feststellte, war Harry in der Ausübung seines Berufs wieder ganz der Alte – nein, sogar noch besser! Ramos erstaunte und beunruhigte diese Erkenntnis zugleich - denn Harrys Kälte entfernte ihn vom Menschsein, andererseits half ihm genau diese Eigenschaft, ein noch besserer Vampirjäger zu sein.

Mit Hilfe seines Freundes Ramos Delmar schaffte Harry es, die absolute Kontrolle über seine unerwünschten Gefühle zu erlangen. Seine Beherrschung ging sogar so weit, dass sie überhaupt nicht mehr zum Vorschein kamen: weder Freude, Hass, Neid oder gar Rache. Harry fühlte nichts, agierte ohne Gnade und erzielte dadurch unglaubliche Erfolge, die sich schnell herumsprachen.

Der gnadenlose Vampirjäger hatte das Glück auf seiner Seite, da er auf seinen Streifzügen durch London mehr Vampire als erhofft kassierte. Nach jedem Sieg lächelte er freudlos – denn ihm kam ständig in den Sinn, dass die Untoten ziemlich eingebildet waren, sie tatsächlich glaubten, gegen jeden Widersacher gewinnen zu können. Allerdings nicht, wenn Harry dieser Widersacher war.

Ansonsten lagen sie mit dieser Annahme nicht einmal so falsch, da diese Biester unglaublich gerissen waren und schnell lernten. Früher, noch vor Harrys Lebzeiten, begnügten sich die Untoten mit den Opfergaben, die verängstigte Familienmitglieder ihnen überließen – aber das änderte sich ziemlich bald. Unter dem Einfluss eines kleinen, blinden Mädchens namens Melissa wandelte sich der Fokus der Vampire.

Melissa bestärkte mit ihrem kindlichen Charme ihre Artgenossen darin, sich mehr auf Zauberer und Hexen zu konzentrieren, um ihre magischen Kräfte zu übernehmen. Bislang hatten sie eher von magischen Menschen abgesehen, da die Vampirgemeinschaft gegen die Zauberer und Hexen nur selten den Sieg errang - doch ausgerechnet dieses kleine Mädchen machte ihnen Mut und schmeichelte ihrem Ego. Pläne zur Überwältigung wurden aufgestellt, Gegenangriffe geübt und schließlich setzten sie ihr Vorhaben in die Tat um. Zwar gab es wie erwartet Verluste zu beklagen, doch die Sieger erfreuten sich ihrer neuen, zauberhaften Kräfte.

Die Zeit brachte einen Wandel mit sich. Während die Muggelwelt langsam aber sicher aufatmen konnte, da die Morde an Ihresgleichen zurückgingen, begannen die Zauberer und Hexen, um ihr Leben zu fürchten. Die Zahl der Vampirjäger wurde aufgestockt, zu denen auch Harry zählte.

Simon Chase hatte in Erfahrung gebracht, dass Melissa London schon längst verlassen hatte, um weiteren Vampiren in anderen Ländern ihre Unterstützung anzubieten. Harry ging diese Tatsache absolut gegen den Strich, denn er hätte sich nur zu gerne ihrer angenommen und genüsslich ihrem Tod beigewohnt – stattdessen musste er darauf hoffen, dass seine Kollegen sie zu fassen bekamen.

Flashback Ende



°


Harry blieb stehen, überprüfte erneut seine Armbrust und sah sich um. In der heutigen Nacht zeigte sich kein einziger Vampir, was ihm doch etwas seltsam vorkam. Neben ihm manifestierten sich Umrisse, Ramos erschien an seiner Seite.

„Hallo Ramos – und?“, drehte er sich dem Halbdämon zu.

Ramos schüttelte nur den Kopf, er sah nachdenklich aus. „Eigenartig. Die Nacht neigt sich bald dem Ende zu und kein einziger Vampir hat sich bisher gezeigt. London ist absolut ruhig, viel zu ruhig. Da stimmt was nicht.“

„Der Ansicht bin ich auch“, fand auch Harry. Da die ersten Sonnenstrahlen sich zeigten, bedeutete dies, dass seine und Ramos´ Schicht zu Ende war.

„Wir sollten uns schlafen legen“, bestätigte Ramos Harrys Gedanken.

„Gute Idee“, fand Harry. „Und sobald wir ausgeschlafen haben, wäre es gut, Simon einen Besuch abzustatten. Vielleicht weiß er, wo die Vampire abgeblieben sind.“

Ramos nickte. „Gut, dann treffen wir uns gegen Mittag in seinem Büro.“

„Einverstanden – bis dann“, verabschiedete sich Harry von seinem Kollegen, welcher ihm einen traumlosen Schlaf wünschte und sich in Luft auflöste. Nur wenig später apparierte Harry in seine Wohnung.


°


Wie vereinbart trafen die beiden Vampirjäger gegen Mittag in Simons Büro ein und waren nicht überrascht zu hören, dass ihr Vorgesetzter eine Besprechung für alle Jäger einberufen hatte. Ramos und Harry folgten ihm in den Konferenzraum, nahmen ihre Plätze ein und lauschten anschließend seinem Vortrag.

Zur Freude aller Jäger wurde ihnen bestätigt, dass die Vampiranzahl in London drastisch abnahm. Auch wenn viele von ihnen über magische Kräfte verfügten, fehlte ihnen doch die Erfahrung und sie konnten dem jahrelangen Training der ausgebildeten Zauberer und Hexen nur selten etwas entgegensetzen. In ihrer Anzahl geschwächt und ihren Anführern beraubt entschieden sich die restlichen Untoten, London fluchtartig den Rücken zu kehren, um in anderen Ländern ihr Glück zu versuchen.

Die Vampirjäger wussten, dass diese wunderbare Entwicklung größtenteils Harry zu verdanken war, der seit Hermines und Rons Tod mit Ramos´ wertvoller Unterstützung und mit Verbissenheit die Vampire aufgespürt und sie erbarmungslos gejagt hatte. Ohne Rücksicht darauf, ob er in eine Falle ging oder gar mit einem Biss sein Leben verlieren konnte, stellte er sich den Ranghöchsten entgegen und tobte sich an ihnen aus. Viele von ihnen waren für ihn eine enorme Herausforderung, doch bis jetzt hatte er immer den Sieg errungen. Allerdings: Ohne die Feuerpeitsche, die er seit neuestem in heiklen Situationen wieder benutzte, wäre es manchmal nicht so glimpflich für ihn ausgegangen.

Harry gestattete sich das erste Mal zu lächeln, denn die freudige Stimmung im Konferenzraum ging auch auf ihn über. Leider hielt die gute Laune nicht lange an, denn Simon wurde wieder ernst, bat um Ruhe und holte tief Luft.

„Ich habe noch eine gute und eine schlechte Nachricht für euch. Die gute zuerst: Der meistgesuchte geborene Vampir Lucius Malfoy wurde gestern in Russland gesichtet und verfolgt. Dank unserer russischen Kollegen konnte sein Versteck noch in derselben Nacht ausfindig gemacht werden. - Ich darf euch voller Stolz verkünden, dass er endlich vernichtet wurde! Lucius Malfoy wird London nie wieder mit seiner Anwesenheit belästigen!“

Während die Jäger aufjohlten, pfiffen und in die Hände klatschten, hatte Harry das Gefühl, den Boden unter seinen Füßen zu verlieren. Ausgerechnet Lucius Malfoy! Jene Bestie, die es gewagt hatte, seine Eltern zu ermorden! Harry wollte doch derjenige sein, der ihn zur Strecke brachte! Weshalb war ihm nicht mitgeteilt worden, wo sich Lucius Malfoy niedergelassen hatte? Simon musste doch etwas gewusst haben! Verdammt noch mal!

„Außerdem …“, fuhr Simon fort und wartete kurz ab, bis sich seine Leute beruhigt hatten. „… fanden unsere russischen Kollegen aussagekräftige Beweise für unsere Vermutungen: Es gibt einen Nachfahren von Lucius! Einen Sohn – sein Name ist Draco, Alter unbekannt. Seid euch bitte dessen bewusst, dass Draco Malfoy mindestens genauso mächtig ist, wie einst sein Vater! Und …“ Simon holte tief Luft. „… Er befindet sich mit seinen Anhängern auf den Weg nach London. Es ist anzunehmen, dass er versuchen wird, London in seine Gewalt zu bekommen …“  

Harry rang nach Luft, sprang auf und flüchtete überstürzt aus dem Konferenzraum. Dass sich seine Mitstreiter nach ihm umsahen und sich tuschelnd fragten, was mit ihm los war, war ihm vollkommen egal. Harry stolperte den langen Gang entlang, visierte den Toilettenraum an und stieß die Tür auf. Ein spezieller Zauber sorgte dafür, dass das, was jetzt kam, auch im Toilettenraum bleiben würde.

Heftig atmend und mit vor Wut verzerrtem Gesicht starrte er in den Spiegel. Harry öffnete den Mund und schrie – schrie sich die Seele aus dem Leib. Er trat gegen die Wand, drosch ohne Rücksicht auf Verletzungen auf den Spiegel ein und begann, seine Umgebung systematisch zu demolieren.

Nein, nein, nein!“, brüllte er. „Nicht er! Scheiße noch mal, nicht er! Er gehörte mir, mir ganz allein!

Obwohl Harry gelernt hatte, seine Gefühle sich buchstäblich in Luft auflösen zu lassen, war er dennoch ein Mensch, der ab und zu Dampf ablassen musste. Zumindest hatte er bis jetzt gedacht, seine Gefühle erfolgreich im Griff zu haben – stattdessen waren sie nur tief in ihm vergraben gewesen und jetzt kamen sie mit brachialer Gewalt an die Oberfläche. Harry brüllte und heulte vor Zorn und schaffte es nicht, sich zu beruhigen.

Plötzlich packten ihn von hinten zwei Arme und hielten ihn eisern fest. Harry strampelte und wehrte sich, doch er wusste, dass er gegen Ramos keine Chance hatte.

„Schon gut, Harry, beruhige dich“, raunte Ramos ihm dunkel ins Ohr.

Nein! Nichts ist gut! Ah! Gar nichts ist gut! Scheiß fuck Leben!“, schrie Harry all seinen Hass heraus und war erleichtert darüber, dass Ramos ihn endlich losließ. Harry taumelte kraftlos auf das Waschbecken zu und würgte – er übergab sich. Dass Ramos hinter ihm stand und seinen Rücken streichelte, interessierte ihn nicht. Es interessierte ihn auch nicht, dass er Blut erbrochen hatte.

„Harry, du musst unbedingt zum Arzt“, sog Ramos scharf die Luft ein, während Harry mit einem passenden Zauber den ursprünglichen Zustand des Toilettenraumes wieder herstellte. Ramos heilte inzwischen Harrys blutige Fingerknöchel.

„Nicht nötig“, lachte Harry freudlos mit Blut überzogenen Zähnen und Lippen auf – er machte sich daran, seinen Mund auszuspülen und seine frisch geheilten Hände zu säubern.

„Was soll das heißen?“, knurrte Ramos mit drohendem Unterton in der Stimme. „Warst du denn schon beim Arzt? Und? Was sagt er?“

Harry beruhigte sich wieder und sah hoch in den Spiegel, die Hände legte er auf dem Beckenrand ab. Der Blutgeschmack war noch nicht komplett verschwunden, allerdings störte er ihn auch nicht weiter.

„Was er gesagt hat?“, blickte er Ramos ins Gesicht. „Genau das, was ich mir schon gedacht habe.“ Harry zuckte unbekümmert mit den Schultern. „Glaub mir, es ist egal, was er gesagt hat.“

„Das ist es nicht!“, wurde Ramos laut, etwas, was Harry nicht von ihm gewohnt war. „Was hat er gesagt!“, forderte er lautstark von seinem Freund und Kollegen und baute sich drohend vor ihm auf.

Harry blieb stumm, er senkte seinen Blick zu seinen Füßen. Ramos hingegen zeigte das erste Mal so etwas wie Bestürzung, denn er interpretierte Harrys Schweigen richtig.

„Dein Leben ist …“, fing er leise an.

„… unwichtig, Ramos. Okay? Es ist unwichtig!“, erklärte Harry ihm hart und gab ihm somit zu verstehen, dass dieses Thema für ihn beendet war. Ramos schwieg, aber seine Augen blitzten vor Wut auf.

„Ich verstehe das nicht“, schüttelte Harry den Kopf. „Simon muss doch gewusst haben, dass Lucius Malfoy in Russland war! Wieso hat er mir denn nichts gesagt? Er wusste doch, dass er meine Eltern umgebracht hat!“, wurde Harry immer lauter.

Der Halbdämon fasste Harrys Schultern und sah ihm fest ins Gesicht. „Ja, das wusste er. Vergiss nicht, dass jeder von uns Verluste zu verzeichnen hat und leidet. Was glaubst du, was passiert, wenn jeder seine Rache ausüben darf, wie er es will? Sollen wir durch die Welt jagen, nur um das Ungeheuer zu finden, das unsere Frauen, Männer, Brüder, Schwestern, Freunde und Kinder ermordet hat? Harry! Du bist für London zuständig und nicht für Russland! Simon hat alles in seiner Macht Stehende getan, um Lucius deinetwegen ausfindig zu machen! Er wollte, dass diese Bestie besiegt wird, damit du deinen Frieden finden kannst! Und er braucht dich hier! Neben mir - immerhin bin ich stärker als ein Mensch - bist du sein bester Jäger! Er kann nicht auf dich verzichten! Verstehst du das endlich?!“, fuhr Ramos ihn schonungslos an. Die Hände ließ er wieder sinken.

„NEIN!“, donnerte Harry retour, auch wenn sein Verstand etwas Anderes sagte. Sein Herz wollte Rache und Vergeltung, und die hatte er nicht bekommen! Nicht bei seinen Eltern! Harry war allerdings froh darüber, dass er wenigstens jene Vampire genüsslich vernichtet hatte, die Hermine und Ron zu Monstern hatten werden lassen.

„Harry, ich bitte dich. Du weißt, dass ich Recht habe“, appellierte Ramos an seinen Freund.

Harry seufzte schwer, Tränen brannten in seinen Augen. „Das ist doch alles scheiße.“

„Ja, das ist es, aber uns bleibt nichts Anderes übrig, als unsere Pflicht zu tun.“

„Und jetzt kommen neue Vampire in die Stadt“, sah Harry in Gedanken versunken zu Boden.

„Sieht wohl so aus. Simon hat Recht: Draco ist bestimmt genauso stark, wie Lucius es war – vielleicht sogar noch stärker. Immerhin wurde er von seinem Vater unterrichtet und auf alles vorbereitet.“

„Shit, Draco Malfoy ist demnach ebenfalls ein geborener Vampir“, wurde sich Harry endlich bewusst.  

„Ja“, nickte Ramos. „Das ist er.“

„Was weißt du noch über ihn?“ Harrys Blick glitt nach oben und fixierte Ramos´ Gesicht.  

Der Halbdämon überlegte nicht lange. „Er beherrscht die Zauberkunst“, kombinierte er richtig, da er gut über die Familie Malfoy unterrichtet war – immerhin lebte er ein wenig länger als Harry auf dieser Welt.  

Harrys Augen weiteten sich. „Auch das noch. Aber Lucius …“

„Lucius“, unterbrach Ramos ihn, „war ein geborener Vampir ohne magische Kräfte, das stimmt. Aber seine Frau Narzissa besaß welche und vererbte sie weiter an ihren Sohn.“

„Narzissa“, grübelte Harry vor sich hin. „Sie hatte ich schon fast vergessen. Albus Dumbledore hatte sie damals bei meiner Rettung getötet, während Lucius entkommen konnte.“

„So ist es“, bestätigte Ramos und schob Harry aus dem Toilettenraum. „Komm, lass uns etwas essen gehen, es wird dir guttun.“


°


Er konnte es förmlich riechen, er konnte es fühlen und Harrys innere Stimme schrie ihn geradezu an! – Die neuen Vampire waren da, hier in London! Die aufatmende, lebendige Stimmung, die bis vor kurzem noch in London geherrscht hatte, war in Angst und Schweigen gewichen. Es war wie immer, wenn Vampire eine Stadt belagerten: Die Menschen verkrochen sich, sobald es dunkel wurde, und die Stadt gehörte den Untoten. Wie viele es tatsächlich waren, wusste Harry noch nicht.

Allerdings gab es einen Unterschied zwischen damals und heute. Die Bedrohung, die wie eine dicke Gewitterwolke über der Stadt hing, war noch düsterer als einst. Ein Gänsehautschauer nach dem anderen jagte über Harrys Körper, während er des Nachts durch die Straßen und Gassen wanderte und jeden Moment mit einem Vampirangriff rechnete.    

Auch wenn er mit allen Wassern gewaschen war, mochte er besonders die abgelegenen, engen Gassen nicht, die nur vereinzelt oder gar keine Laternen besaßen. Harry schlug seinen Kragen hoch, sein Blick huschte hin und her. Plötzlich blieb er stehen, denn irgendetwas hatte sich verändert. Ihm kam es so vor, als ob die Temperatur blitzartig gesunken war – aber ob das der Wahrheit entsprach? Wohl eher nicht. Sicher war aber, dass die Gefahr an seinen Fersen klebte.

Ich beobachte dich.

Harry zuckte zusammen und wirbelte herum. Breitbeinig und mittig in der engen Gasse stehend suchte er im Schein des vollen Mondes mit seinen Augen jeden Winkel ab, aber er konnte keinen einzigen Vampir entdecken! Wer, zur Hölle, hatte also zu ihm gesprochen? Harry war etwas verwirrt, denn diese Stimme, die eindeutig männlich war, war von allen Seiten her zu ihm vor - und tief in seine Ohren eingedrungen.

Gerade noch rechtzeitig riss sich Harry aus seinen Überlegungen, seine Augen wurden groß. Etwas kam mit rasantem Tempo auf ihn zu! So sehr Harry sich auch anstrengte, er konnte nicht erkennen, was es war! Ein Schatten? Ein konturenloses Ding? Es war auf jeden Fall schwarz wie die Nacht und hatte ihn als Ziel auserkoren!

In einem Bruchteil einer Sekunde geschah es. Dieses Ding – oder auch Schatten – rammte ihn mit voller Wucht und stieß ihn hart zu Boden. Harry schrie nicht, aber er handelte. Noch während er fiel, drehte er sich um, zeigte mit seinem Zauberstab in Richtung flüchtenden Schatten und dachte sich einen Schwall verschiedener Flüche, die prompt aus seinem Stab stoben, die Nacht erhellten und den Schatten verfolgten. Doch sie gingen ins Leere! Der Schatten war längst über alle Berge und die Flüche wurden vom Gemäuer gestoppt, aus dem kleinere und größere Brocken platzten und zu Boden rieselten.

Harry keuchte, kam wieder auf die Beine und blickte grimmig drein. Dieses Etwas, mit dem er Kontakt gehabt hatte, konnte nur ein Vampir gewesen sein! Seltsam daran war nur, dass dieser Vampir anscheinend gerne Spiele spielte und nicht sofort zur Sache kam. Das war neu – zumindest für Harry.

Nur einen Augenblick später spürte Harry eine bedrohliche Präsenz hinter sich und drehte sich um. Er hatte sich nicht geirrt, denn zwei Untote standen lässig und abwartend vor ihm. Auf den ersten Blick fiel sofort auf, dass sie nicht aus London stammten. Sie kleideten sich nicht in Umhänge, trugen keine Kapuzen oder verhielten sich steif und rachsüchtig.

Nein, auf Harry wirkten sie locker und fast so normal wie ganz gewöhnliche Muggel. Ihre Beine steckten in Boots und in ausgewaschenen Jeans, T-Shirts rundeten ihr Outfit ab. Die Hände der Vampire verweilten in ihren Hosentaschen, sie sahen sich kurz an und grinsten Harry anschließend zu.

Das Kribbeln in seinem Nacken kehrte mit voller Intensität zurück, und mit diesem Kribbeln meldete sich auch die vormals gehörte Stimme. Sie sagte nichts, sie lachte! Und es kam von überall her! Harry gestattete sich, seinen Kopf ruckartig zu drehen, doch da war nichts! Wieder nach vorne blickend blinzelte er mit seinen Augen – die Vampire waren verschwunden!

„Was zur Hölle …“, wollte Harry seinen Unmut loswerden, als er direkt angegriffen wurde!

Aus dem Schatten eines Gebäudes schoss der Größere der beiden mit geöffnetem Mund blitzschnell auf ihn zu und wollte ihn packen! Harry reagierte. Er duckte sich, griff seinerseits im richtigen Moment nach dem Vampir und nutzte den Schwung aus. In einem Halbkreis schleuderte er den Untoten mit der Kehrseite voran gegen die Häuserfront. Der Blutsauger ächzte unter dem Aufprall, denn er hatte mit so einer schnellen Reaktion nicht gerechnet. Die Verblüffung wich aus seinem Gesicht, stattdessen zeigte sich ein kleines, schelmisches Grinsen. Das Grinsen beibehaltend ging er in die Knie und machte einen geschmeidigen Satz nach oben!

Harry riss den Kopf in den Nacken, denn dieser Vampir sprang einfach über ihn hinweg, direkt auf die gegenüber liegende Mauer und kletterte sie mit einer Leichtigkeit empor, zu der nur Vampire fähig waren. Zeitgleich griff der zweite Vampir an, dem Harry gerade noch so ausweichen konnte. Dieser Kampf war eigenartig! Harry wurde bewusst, dass diese Untoten wohl seine Kampffähigkeiten testen wollten und deshalb mit ihm spielten.

Es kam Schlag auf Schlag. Die beiden Vampire wechselten sich ab, verschmolzen mit den unförmigen, spitzen Schatten und zeigten sich für Bruchteile von Sekunden im Schein des Mondes. Wie abgemacht griffen sie Harry nacheinander an, stürzten ihn zu Boden und kamen ihrem Ziel – nämlich seinem Blut – ziemlich nahe! Harry wehrte sich aus Leibeskräften, schleuderte sie auf dem Boden liegend mit Tritten von sich und sprang auf die Beine.

Schwer atmend verteidigte er sich mittels Nahkampftechnik und setzte selbstverständlich auch seinen Zauberstab ein. Aber die verdammten Flüche verfehlten die Vampire ständig um Haaresbreite! Mist aber auch! Harry war, und das wusste er, ein ausgezeichneter Zauberer mit einer sehr hohen Trefferrate, aber diese Vampire bewegten sich unglaublich schnell! Ihre perfekten Ausweichmanöver zeugten davon, dass sie schon viele Kämpfte hinter sich hatten – wohl auch viele mit magischen Menschen!

Harry konzentrierte sich aufs Äußerste. Er musste seine Augen und Ohren überall haben, denn nur ein einziger, winziger Fehler bedeutete das Aushauchen seines Lebens. Die imaginäre Schlinge um seinen Hals wurde von Minute zu Minute enger – Harry musste den beiden ein Ende setzen! Und seine Chance kam. Die Möglichkeit ergab sich, die Feuerpeitsche aus dem Halfter zu ziehen und zu entfalten, während er von links und von rechts zeitgleich angegriffen wurde.

Es geschah alles viel zu schnell und dennoch konnte Harry mit dieser Schnelligkeit einigermaßen gut umgehen. Das Feuer der Peitsche entzündete sich, fraß sich die Riemen entlang und tat seine Wirkung. Noch bevor der faulige Atem der beiden Untoten Harry erreichen konnte, drehte er sich so schnell wie möglich um seine eigene Achse und ließ die Riemen ihre unverwechselbare Sprache sprechen. Der Angriffslauf der beiden wurde abrupt gestoppt, die Riemen fuhren durch ihre Körper wie ein erhitztes Messer durch Butter und das Feuer verzehrte die Untoten unnachgiebig. Todesschreie hallten durch die enge Gasse und übrig blieben wie immer nur Staub und Asche.

Harry schwitzte, sein Herz raste in der Brust. Die plötzliche Stille war unheimlich und erdrückend. Fest hielt er die Peitsche in der Hand und wartete auf den dritten Vampir, dessen Stimme er bisher nur zu Gehör bekommen hatte.

Jemand klatschte, doch Harry konnte den Standort des Erzeugers nicht ausfindig machen. Vielleicht war er auf den Dächern? Nein, auch nicht. Aber wo dann?

Du bist gut, hörte er ein raues Wispern an seinem Ohr. Harry wirbelte herum und blinzelte.

„Zeig dich mir, du elender Feigling!“, brüllte er und drehte sich im Kreis.

Du siehst mich nicht? Der Schatten sauste kreuz und quer durch die Gasse. Dabei bin ich dir doch so nahe? Du bist eben nur ein Mensch.

Harry hatte die Schnauze voll und wollte sich nicht mehr erniedrigen lassen. Schon gar nicht von einem beschissenen, feigen Vampir! Er wusste mit seiner Peitsche umzugehen, doch diesmal sollte es anders kommen, als er es wollte. Noch bevor die Riemen in Aktion treten konnten, spürte Harry einen heißen Stich in seinem Kopf – er schrie auf.

Der Schmerz explodierte, schoss durch seinen gesamten Körper und raubte ihm das Bewusstsein. Ein letzter Gedanke schoss ihm durch den Kopf: Scheiße, das war’s dann wohl. Dann hörte er noch das siegessichere Lachen in seinen Ohren, welches immer leiser wurde und schlussendlich verstummte.


TBC …



So, ihr Lieben! Das war der erste Streich, der zweite folgt am nächsten Freitag sogleich. Ich bin schon sehr auf eure Kommentare gespannt! Also? Schreibt ihr mir? Freue mich schon darauf! Knutschis, eure gugi
 
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