Fanfiktion / Reale Personen / Musik / Finnische Gruppen / My Isolation [pausiert]
1. Kapitel
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von Mrs Checkerbunny    erstellt: 01.09.2009    letztes Update: 09.10.2009    Drama / P18 Slash     22 Reviews
So da bin ich mit einer neuen Lovex FF ^^
Ich versuchte ja bereits schon mal mein Glück mit einer, kam aber dann zum Schluss, das der Plot, so wie ich ihn im Kopf hatte, nicht zu Lovex passte. Also auf ein eues und dieses mal auch mit einem völlig anderen, und vorallem durchdachten, Plot.
Im Gegensatz zu einigen FFs liegt mein Augenmerk nicht so wirklich auf die Sex-Kapitel. Wer darauf hofft, das Julian und Torsti andauernd übereinander herfallen, die muss ich leider enttäuschen.

Der eine oder andere weiß vllt das ich auch noch eine andere FF schreibe You're my only one I ever loved http://fanfiktion.de/s/482c6e0c00003d2a06d00bbe [Pairing: Jack x Sammy Private Line]. Leider liegt die grad etwas auf Eis, doch hab ich sie definitiv noch vor zu Ende zu schreiben ^^

Das erste Kapitel ist leider etwas lang geworden, da ich keinen geeigneten Bruch gefunden habe. Die folgenden Kapitel werden vermutlich kürzer.

Ganz dickes Danke an mein Lieblings M das so toll gebetat hat, obwohl sie grad soviel Stress hat. Und noch mehr danke an das Lieblings M und torstinchen (Ninchen) für's ermutigen und anhören des kompletten FF Plans *knutsch*

Pairing: Torsti x Juke
Genre: Liebe, Drama, Herzschmerz
Rating: Slash 18
Disclaimer:  Die Personen gehören nicht mir, noch wissen sie das es so was über sie gibt, noch verdiene ich damit irgendwas. Das was ich hier schreibe, ist nie passiert und es gibt auch keine Personen, bis auf die Band selber, die so im realen Leben vorkommt. Das heißt, dass die Freundin von Torsti in dieser FF komplette Fiktion ist!!!
Inhalt: Torstis Beziehung zu seiner Freundin Tiia scheint alles andere als in geregelten Bahnen zu verlaufen. Zumindest vermutet Juke, dass viel mehr hinter dem Verhalten des Sängers steckt, als dieser zu erzählen bereit ist. Je näher der Drummer dem Geheimnis kommt, desto näher kommt er auch dem wahren Grund, weshalb er sich solche Sorgen um seinen Freund macht.

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Es war kurz nach fünf Uhr morgens als Torstis Handy unter seinem Kopfkissen anfing zu vibrieren. Er hatte absichtlich den Ton nicht angestellt, da er seine Freundin nicht wecken wollte. Hastig griff er unter das Kissen, wo seine Finger sofort die richtige Taste fanden um den Alarm abzustellen. Immer darauf bedacht Tiia neben sich nicht zu wecken, schlug der Blonde vorsichtig die Decke ein Stück zurück und streckte langsam ein Bein aus dem Bett. Anscheinend schlief die Dunkelhaarige immer noch und so setzte Torsti sich ganz auf. Er stützte sich mit den Händen auf der Matratze ab und versuchte gänzlich wach zu werden, als sich eine Hand auf seine legte.
“Wohin willst du?”, fragte Tiia bestimmt und setzte sich etwas auf. Es war zu dunkel in dem Zimmer, als das der Sänger ihr ins Gesicht hätte schauen können, doch er wusste, dass sie ihn mit diesem typischen Blick fixierte, den er so sehr hasste. Dieser Blick, der ihm sagte, dass sie es nicht dulden würde, wenn er etwas ohne ihr Wissen tat.
Resigniert seufzte er, ließ die Schulten sinken und antwortete ihr leise. “Ich wollte heute früher joggen gehen. Mittags haben wir eine Probe und dann würde ich das zeitlich nicht schaffen.”
“Und wieso weckst du mich dann nicht oder sagst es erst, wenn ich dich danach frage?” Ihre Stimme klang drängend und Torsti bereitete sich innerlich bereits auf eine weitere Diskussion vor. Eine Diskussion, die sie in den letzten Monaten, wenn nicht sogar Jahren, andauernd führten.
“Weil es fünf Uhr morgens ist, Tiia, und es nicht notwendig ist, dass du mit mir aufstehst. Ich bin doch gleich eh nicht da, da kannst du doch auch ausschlafen. Und das mit der Probe sagte ich dir schon vor ein paar Tagen.”

Erneut rechtfertigte sich der junge Mann für sein Verhalten. Er wusste, dass dies definitiv der falsche Weg war, wenn er etwas an der ganzen Situation ändern wollte. Doch war es eindeutig zu früh um nun mit Veränderungen anzufangen. Sein Hirn arbeitete noch nicht auf voller Leistung und so wäre es nur vergebene Liebesmüh, vernünftig zu argumentieren.
“Du weißt, dass ich ohne dich neben mir nicht schlafen kann. Also wäre ich so oder so wach geworden, sobald du aus dem Haus gewesen wärst. So kann ich dir wenigstens Frühstück machen.” Damit war für Tiia das Gespräch beendet. Wie um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, drückte sie Torstis Hand kurz, stand auf und verließ das Schlafzimmer.
Für ein paar Augenblicke starrte er noch auf die Tür, ehe er aufstand, sich seine Laufsachen anzog und die Wohnung verließ, ohne sich von seiner Freundin zu verabschieden. Er konnte und wollte es gerade einfach nicht. Leider würde sie es nicht verstehen und während Torsti eine Runde nach der anderen im nahegelegenen Park drehte, dachte er sich bereits, dass ihn eine weitere Diskussion erwarten würde, kaum dass er wieder in seiner Wohnung wäre.
Und so war es auch. Er hatte sich die Kopfhörer des iPods schon vor der Tür abgenommen und konnte nun beim Eintreten in die Wohnung das wütende Hantieren seiner Freundin in der Küche hören.

“Ach, auch schon wieder zurück?!”, blaffte die junge Frau ihren Freund an, der dieses Verhalten erwartet hatte, sie allerdings dennoch verständnislos ansah. Sein Blick huschte zu der Digitalanzeige an der Mikrowelle, die halb sieben zeigte. Er war also gerade mal eine Stunde weg gewesen, was deutlich kürzer war, als normalerweise. Torsti unterließ es, sie darauf hinzuweisen und setzte sich an den Tisch. Schon beim Reinkommen hatte er den Geruch von angebranntem Essen wahrgenommen und sah zu der Pfanne, die immer noch auf dem Herd stand. Tiia öffnete einen der Schränke und holte unter lautem Geklapper und Getöse einen Teller hervor, den sie fast vor Torsti warf. Besteck und eine Tasse folgten auf dieselbe Weise, was die Geduld des Sängers arg strapazierte.
“Kannst du bitte aufpassen?”, fragte er gepresst, bereute es allerdings sofort als sich die Dunkelhaarige mit einem Ruck zu ihm rumdrehte, die Pfanne in der Hand um das angekokelte Ei auf seinem Teller zu platzieren.
“Seit wann ist es eigentlich üblich bei uns, das wir uns noch nicht mal zum Abschied küssen?”
Lustlos stocherte der Sänger in dem Essen und suchte nach Stücken, die nicht danach aussahen, als würden sie das Krebsrisiko steigern. Sein Blick huschte kurz zu seiner Freundin, die sich ihm gegenübergesetzt hatte und ihn nun fast schon leidend ansah. Ihre Arme hatte sie um ihren viel zu schlanken Körper geschlungen und ihre Augen sahen aus, als würden sie in Tränen schwimmen.
“Du weißt doch wie ich morgens bin. Mein Hirn arbeitet da noch nicht ganz mit, ich hab daran gerade einfach nicht gedacht.” Zaghaft versuchte er ein Lächeln zustande zu bringen, was ihm allerdings verging, als er die Träne sah, die sich auf der Wange seiner Freundin einen Weg hinab bahnte.
“Also hast du gerade einfach nicht an mich gedacht.”
Ehe Torsti noch etwas sagen konnte, stand die Dunkelhaarige mit Schwung auf, woraufhin ihr Stuhl nach hinten fiel, und verschwand im Badezimmer.
Er konnte hören, wie sie sich einschloss, wobei sich sein Magen zusammen zog. Eine böse Vorahnung machte sich in ihm breit, doch konnte er im Augenblick nichts dagegen tun.
Erschöpft stand Torsti auf und warf das Essen in den Müll, spülte den Teller ab und stützte sich an der Ablage ab.

Immer wieder sah er auf die Uhr und wartete auf ein Zeichen seiner Freundin. Nach fast einer Stunde überlegte er, was er tun konnte, als Tiia die Türe aufriss, ins Schlafzimmer verschwand und nach wenigen Minuten angezogen an ihm vorbei zur Tür rauschte.
Nach einigen Minuten war ihm klar, dass sie vorerst sicher nicht wiederkommen würde und auch wenn ihm der Gedanke Gewissensbisse bereitete, so atmete er trotzdem erleichtert und frei durch. Genau wie seine Freundin einige Minuten zuvor, ging er ins Badezimmer, wo er sich ein Badehandtuch aus einem Regal nahm und sich komplett auszog, ehe er sich unter die erfrischende Dusche stellte. Für ein paar Sekunden fühlte Torsti sich frei und ungezwungen. Doch schon bald verschwand dieses Gefühl wieder und er wurde sich bewusst, dass das nur Schein war. Dass es so nicht bleiben würde. Er wusste, das Tiia sich verletzt fühlte. Schon recht bald, nachdem sie zusammengekommen waren, wurde ihm klar, dass er sehr vorsichtig mit ihr umgehen musste. Sie war sehr empfindlich. Wobei es das Wort nicht ganz traf. Sammy hatte sie mal als anstrengend und unausstehlich beschrieben, was Torsti als äußerst unfair empfand, denn niemand wusste, was wirklich los war. Was allem voran daran lag, dass Torsti es niemandem erzählte. Er wollte nicht mit ihren Problemen hausieren gehen, denn er war sich sicher, dass sie das alles zusammen schaffen würden. Irgendwann wäre alles einfacher und irgendwann würde Tiia wieder gesund.

Seine Gedanken rasten wild durch seinen Kopf. Erinnerungen kamen in ihm auf, die er nur zu gerne verdrängt hätte, doch gelang es ihm nicht im Ansatz und so musste er sich in Momenten wie diesem mit ihnen auseinandersetzen. So ungern er in diesem Augenblick darüber nachdenken wollte, musste er sich sicher sein, was er sagen sollte, sobald seine Freundin wieder da war. Auch wenn sie ihm mit Sicherheit sagen würde, dass alles okay wäre, wäre es das sicherlich nicht. Sie würde nur darauf warten einen erneuten Anhaltspunkt dafür zu finden, dass Torsti sie nicht mehr lieben würde und sei es nur durch einen so unachtsam geäußerten Satz wie heute morgen. Über die Ausmaße dessen, was passieren konnte, wollte er nicht nachdenken.
Nach weiteren Minuten unter dem heißen Wasser wurde ihm klar, dass er nicht ewig hier stehen konnte und dass es das alles nicht besser machen würde. Er schlang sich das Handtuch um die Hüften, stieg aus der Dusche und ging hinüber zum Waschbecken, wo er nach der neuen Zahnbürste griff um sie aus der Verpackung zu befreien. Als er das Plastik in den Mülleimer schmeißen wollte, zogen sich seine Eingeweide zusammen. Dieses Mal hatte sie sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, das silberne Metall zu verstecken, das dort zuoberst lag. Er klappte den Deckel wieder zu und stützte sich am Beckenrand ab, sein Kopf hing erschöpft nach vorne.
Torsti konnte sich nicht erinnern, wann sie es das letzte Mal getan hatte. Doch es war schon so lange her, dass er gehofft hatte, dass sie aus diesem Stadium heraus wäre. Anscheinend hatte er sich getäuscht und was noch schlimmer war, es war ganz alleine seine Schuld.

Schludrig brachte er den Rest seiner Morgentoilette hinter sich, zog sich an und beschloss, ein paar Sachen einkaufen zu gehen. Auch wenn es ihm nach dem Anblick der Rasierklingen als ziemlich pietätlos erschien, musste er diese Alltäglichkeit in seinem Leben einhalten, ansonsten würde er schier wahnsinnig werden. Manchmal dachte er darüber nach, was wäre, wenn er die Band und seine Freunde dort nicht hätte. Wahrscheinlich wäre er, als gutes Beispiel für Tiia, bereits in einer Therapie. Ein Schmunzeln huschte bei diesem Gedanken über seine Lippen, was ihn - schockiert über sich selber - die Hand vor den Mund schlagen ließ.

Darüber nachdenkend, was er alles einkaufen musste, machte Torsti sich auf den Weg zur Hämeenkatu. Hier und da traf er bekannte Gesichter, die er kurz grüßte, bei denen er sich allerdings nie lange aufhielt.
Er versuchte sich in den einzelnen Geschäften zu beeilen, immer den Gedanken im Hinterkopf, wie Tiia reagieren würde wenn sie nach Hause käme und er wäre nicht da. Alleine bei den unterschiedlichen Szenarien, von denen eine definitiv zutreffen würde, wurde ihm übel und er eilte fast zurück in die Wohnung. Erleichterung machte sich in ihm breit, als er die Türe aufschloss und niemand dort war.
Wesentlich entspannter als noch beim Einkauf räumte er die Lebensmittel weg und nahm sich einen der Äpfel mit ins Wohnzimmer, wo er nach der Gitarre und seinen Notizen griff um weiter an einigen Ideen zu arbeiten. Doch je später es wurde, desto unruhiger wurde er wieder. Immer wieder huschte sein Blick zur Uhr, die förmlich zu rasen schien.
Halb elf.
Zwölf.
Ohne zu überlegen, stand Torsti um kurz nach eins auf und ging zum Telefon um seine Freundin auf dem Handy anzurufen. Er vermied es, sie von seinem Handy aus anzurufen, da sie es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, nicht abzunehmen wenn seine Nummer auf dem Display erschien. Wenige Sekunden nachdem er die Nummer gewählt hatte, drang der Klingelton von ihrem Handy aus dem Schlafzimmer. Irritiert, mit dem Telefon am Ohr, betrat der Blonde das Zimmer und entdeckte das Mobiltelefon unter seinem eigenen Kopfkissen. Wütend über diese Retourkutsche, warf er das Telefon aufs Bett und nahm das Handy an sich. Die Art und Weise wie Tiia auf Kleinigkeiten reagierte, wurde von mal zu mal extremer. Dass sie dies nun inszeniert hatte, um ihn für den heutigen Morgen zu bestrafen, war ihm sofort klar.
Tief einatmend ging der junge Mann wieder zurück ins Wohnzimmer, wo er sich, das Gesicht in den Händen vergraben, in den Sessel setzte.

Es bereitete ihm immer wieder Kopfschmerzen, wie er auf ihr komplett verkehrtes Verhalten reagieren sollte. In normalen Beziehungen war es üblich, dass man über Meinungsverschiedenheiten sprach und eine Lösung fand, die für beide Seiten in Ordnung war. Doch hier konnte man einfach nicht von normal sprechen. Auch wenn er die Art und Weise wie seine Freunde über ihre Beziehung sprachen, nicht gut finden konnte - schließlich war es seine eigene Angelegenheit und er hatte sie definitiv nicht um ihre Meinung gefragt - war ihm durchaus bewusst, dass sie die Wahrheit sprachen. Diese Beziehung war ungesund geworden. Es hatte sich mit der Zeit ein unheimliches Gift in die ganze Situation gefressen und egal, womit Torsti versuchte es zu bekämpfen, es wurde mit jedem Gegenmittel und mit jedem Aufbäumen einfach nur schlimmer. Tiia hatte mit der Zeit einen mehr als ausgeprägten Kontrollzwang entwickelt. Anfangs hatte Torsti es mit dem Gedanken zur Seite gewischt, dass einige Menschen anfangs in einer Beziehung eifersüchtig waren. Doch war er der festen Ansicht, dass sich dies alles nach einer Zeit legen würde. Aber die Zeit verging und anstatt mehr Vertrauen zu fassen, schien seine Freundin von Tag zu Tag misstrauischer und jähzorniger zu werden. Abende mit den Jungs im Amadeus endeten mit hysterischen Attacken und wüsten Beschimpfungen. Als Tiia ihm dann bei einem dieser Vorfälle ein Messer hinterher warf, verzichtete er auf solche Treffen mit den Jungs. Er hatte niemandem erzählt, was vorgefallen war. Nicht, dass er keine Hilfe wollte, es war einfach so, dass er sich nicht ausmalen wollte, wie Tiia darauf reagieren würde wenn sie es herausfand. Sie würden es schon zusammen schaffen. Irgendwie.

Komplett in seinen Gedanken versunken, schrak Torsti auf als sein Handy piepte. Mit einem Blick auf die Uhr, die ihm schon nach halb zwei zeigte, griff er nach dem Mobiltelefon und öffnete die SMS. Juke erinnerte ihn daran, pünktlich zu sein, da diese Probe die letzte vor einem Auftritt in zwei Tagen war. Ein Schmunzeln huschte über sein Gesicht.
Leider war es seit dieser Extremsituation mit Tiia fast zur Routine geworden, dass er sich verspätete. Irgendwas war immer mit der Dunkelhaarigen, wenn es darum ging, dass Torsti das Haus verlassen wollte. Juke hatte daraufhin irgendwann angefangen ihm eine Stunde vor den Treffen eine SMS zu schicken, damit der Sänger bloß nie vergaß, das Haus zu verlassen.
Mit der Aussicht sich gleich etwas ablenken zu können, sammelte er seine Notizen ein, verstaute seine Gitarre und packte alles zusammen, was er für später brauchen würde ehe er sich Zettel und Stift nahm um Tiia Bescheid zu sagen, dass er nun im Klubi wäre um zu proben. Innerlich hoffte und betete er, das die junge Frau zu wütend auf ihn war um nachzukommen, doch andererseits kannte er sie mittlerweile so gut, dass das definitiv vergebens war.
Als er endlich sicher war, das keines seiner Wörter in der Notiz falsch verstanden und zu seinem Nachteil ausgelegt werden könnte, zog er sich die Schuhe an und wollte gerade nach seiner Jacke greifen als die Wohnungstür aufgeschlossen wurde. Alleine das Geräusch des Schlüssels im Schloss ließ Torsti nichts Gutes ahnen.
Mit einem Lächeln betrat Tiia die Wohnung und sah ihren Freund fast schon herausfordernd an.
“Wohin willst du?”

Torsti atmete tief ein und schloss für eine Sekunde die Augen, bevor er sich in der Lage sah zu antworten.
“Zur Probe. Ich war grad auf dem Weg.”
“Und wieso hast du mich nicht auf dem Handy angerufen um mir das zu sagen?” Immer noch lag ein lächeln auf ihren Lippen und zu seiner großen Überraschung merkte Torsti, dass er bei diesem Anblick aggressiv wurde. Dennoch schaffte er es, seine Emotionen nicht in seiner Stimme mitklingen zu lassen.
“Das habe ich. Allerdings kannst du ja schlecht ans Telefon gehen, wenn dein Handy unter meinem Kopfkissen liegt.”
“Oh, dann muss ich es wohl liegengelassen haben.”
Angespannte Stille legte sich zwischen die beiden, was Torsti immer nervöser machte. Er wollte raus aus der Wohnung und in den Klubi. Das war alles. Sonst nichts.
“Aber du hättest mich doch irgendwie wissen lassen, wo du bist.”
Erneut schloss der junge Mann die Augen und atmete tief durch.
“Ich sagte dir heute morgen schon das wir proben, aber ja, ich hab dir einen Zettel auf den Tisch gelegt.”
Zufrieden mit sich tätschelte Tiia seine Wange, blieb allerdings immer noch genau vor der Türe stehen und sah ihn erwartungsvoll an. Je länger sie hier standen, desto mehr staute sich in Torsti auf und würde sich nicht in den nächsten Sekunden etwas an dieser Situation ändern, würde er etwas zerschlagen müssen.
“Wollen wir dann?”, kam nach weiteren Sekunden die Frage seiner Freundin, was ihn resigniert die Schultern sinken ließ.
“Wenn du mit möchtest, sicher.”
“Ach so, du willst mich nicht mit dabei haben”, schoss die Dunkelhaarige sofort zurück und Torsti ärgerte sich, ihr erneut Munition geliefert zu haben.
“Das hab ich doch gar nicht gesagt. Da du nun so lange weg warst, nahm ich an, dass du dich vielleicht ausruhen möchtest. Nichts weiter.” Mit zusammen gebissenen Zähnen versuchte er erneut die Lage abzuwiegeln.
“Solange ich bei dir sein kann...”
Weiter hörte er nicht mehr zu. Er zog sich die Jacke an, schnappte sich seine Wollmütze und wartete darauf, das Tiia die Tür öffnen würde um die Wohnung zu verlassen. Gedemütigt und hilflos folgte der Sänger seiner Freundin raus auf die Straße, wo sie sich sofort eng an ihn schmiegte und seinen Arm um sich legte. Er wusste jetzt, dass das heute noch nicht alles war und was die Jungs gleich sagen würden, wollte er sich noch nicht mal vorstellen.

Denn ein unausgesprochenes Gesetz zwischen den Jungs von Lovex war, dass sie ihre Freundinnen bei den Proben nicht mitnahmen. Fünf der sechs Bandmitglieder hielten sich strikt an dieses Gesetz und hatten sich bereits im Klubi versammelt, um die Instrumente aufzubauen.
“Moah, wär’ ich doch auch mal Sänger geworden”, moserte Vivian beim Aufbau der Backline und versank in einem Wust von Kabeln.
Sammy und Juke, die am anderen Ende der Bühne mit dem Aufbau beschäftigt waren, sahen sich grinsend an.
“Wenn er genauso singt, wie er Gitarre spielt und er wäre unser Sänger, würden wir nun zuhause sitzen und Eishockey gucken, weil wir dann keinen Auftritt hätten”, nuschelte der Drummer leise in Sammys Richtung, der rasch seinen Kopf vor lauter lachen in den Gitarrenkoffer steckte, ehe Vivian fragen konnte, was denn so lustig war.
Auch Christian und Jason waren eifrig mit den Vorbereitungen zugange, als der Keyboarder plötzlich “Erster!” rief.
“Angeber”, wies ihn Sammy zurecht und stimmte bereits seine Gitarre, die er liebevoll aus ihrem Zuhause genommen hatte.
“Manchmal glaub ich ja wirklich, dass du keine Freundin hast, weil du eine Affäre mit einer deiner zehn Gitarren hast.”

Fast schon fasziniert schaute Juke zu dem Leadgitarristen, der ganz behutsam sein Instrument stimmte. Sammy grinste nur und so machten sich die fünf wieder an die Arbeit, als Christian das geschäftige Treiben wieder unterbrach.
“Wollen wir eigentlich wieder wetten, wann Torsti kommt?”
Juke sah hinter seinem Schlagzeug auf und verzog das Gesicht. “Kommt schon Jungs. Wir haben uns da echt schon lange genug drüber lustig gemacht.”
“Ja Juke, und genau das ist es. Entweder wir machen uns drüber lustig oder wir müssen endlich mit ihm sprechen. Wenn es mal fünf Minuten wären oder von mir aus auch fünfzehn, da würd doch kein Mensch was sagen. Aber er kam das letzte Mal fast zwei Stunden zu spät. Wir sind hier mitten in fucking Tampere. Alleine die Hämeenkatu langzulaufen dauert noch nicht mal fünfzehn Minuten, wenn man schnell geht. Und er erklärt ja sein Zuspätkommen noch nicht mal. Also such es dir aus”, damit sprang Christian von der Bühne, um an der Theke was zu trinken zu holen.
Juke sah dem Keyboarder besorgt und auch schuldbewusst hinterher. Sicherlich verstand er die Argumente nur zu gut und ihn regte das Verhalten von Torsti im Augenblick mehr als nur auf. Doch irgendwie sagte sein Gefühl ihm, dass da mehr hinter steckte. Etwas, worüber der Blonde nicht sprechen wollte und konnte.
“Er meint es ja nicht so. Aber Christian hat schon Recht. Wenn Torsti sich sowas mal bei einem Gig erlaubt, dann haben wir ein richtiges Problem.”
Jason war zu Sammy und Juke getreten, die ziemlich verzweifelte Blicke miteinander tauschten. Was niemand bemerkte, war, wie der Drummer immer unruhiger auf seinem Hocker hin und her rutschte. Dass sowas noch nie vorgekommen war, lag vor allem wohl daran, dass Juke es sich zur Gewohnheit gemacht hatte, ihn an Gig-Tagen abzuholen. Er hatte es bis dato noch niemandem erzählt, genauso wenig wie Torsti. Also beschloss er den Mund zu halten und widmete sich wieder dem Einstellen des Crashbeckens. Nach weiteren Minuten war alles soweit fertig. Sammy, Christian, Jason und Vivian standen, an dem Geländer gelehnt, vor der Bühne und sahen Juke dabei zu, wie dieser sich gerade aufwärmte. Er spielte, was ihm gerade in den Sinn kam und baute hin und wieder Stücke von bekannten sowie eigenen Songs ein. Mit einem Schmunzeln nahm er die vier Freunde wahr, die ihm begeistert zusahen und mit dem Kopf mitwippten.
Sein Blick wanderte kurz durch den Klubi, in der Hoffnung, endlich den blonden Schopf des Sängers zu sehen, als die Türe sich öffnete und dieser verhältnismäßig früh in den Club kam. Zu Jukes Verwunderung ging er allerdings nicht sofort weiter zu den anderen, sondern schien auf jemanden zu warten. Der Drummer brauchte nicht lange zu warten, bis er sah, auf wen. Kaum hatte er Tiia ausgemacht, verfehlte er das Fell der Tom Tom und schlug mit dem Stick auf den Rand auf. Überrascht von dem definitiv härteren Widerstand glitt ihm das Holz aus der Hand, der Stick wirbelte nach oben und Juke schaffte es gerade noch ihn wieder aufzufangen. Irritiert beobachteten die anderen das Geschehen. Sammy war der Erste, dem das ernste und vor allem abweisende Gesicht des Jüngeren auffiel und folgte dessen Blick zur Tür.
“Nicht die.”

Obwohl Sammy leise gesprochen hatte, waren die anderen sofort alarmiert. Die zuvor noch ausgelassene Stimmung schlug sofort um. Torsti bemerkte es direkt und machte sich schon auf kleine Sticheleien gefasst. Erst als Tiia neben ihm stand, setzte er sich in Bewegung und ging zum Rest der Band.
Vivian, der als einer der Wenigen eine Flasche mit Bier in der Hand hielt, setzte diese sofort an und exte sie fast vollständig. Christian und Jason wechselten einen kurzen aber dennoch sehr ausdrucksvollen Blick miteinander, während Sammy zu Juke hochsah, der seine Drumsticks so fest in der Hand hielt, dass der Gitarrist selbst aus dieser Entfernung sehen konnte, wie die Fingerknöchel des Jüngeren weiß hervortraten.
“Hey Jungs”, begrüßte Torsti versucht freundlich die Anderen und sah sie entschuldigend und fast schon bittend an.
Ein undefinierbares Murmeln kam als Antwort. Auch Tiia begrüßte die Band, bekam allerdings gar keine Antwort, was sie aber nicht im Geringsten zu stören schien.
“Wisst ihr schon wie lange ihr für die Probe braucht?”, fragte sie in die Runde.
Selbst von der Bühne aus konnte Juke dieses furchtbare Grinsen auf ihrem Gesicht sehen, dass ihn immer an Chucky, die Mörderpuppe erinnerte und in ihm das Gefühl auslöste, mit einem Hackebeil hinter ihr her zu laufen. Mit einem Satz war er von der Bühne gesprungen und stand nun neben Vivian, der ihn genervt ansah.
“Naja, solange wie so eine Probe halt geht”, antwortete Sammy knapp und drehte sich um, um zur Bühne zu gehen.
Er konnte nicht sehen, wie Tiia ansetzte etwas zu sagen, allerdings von Torsti besänftigt wurde. “Wir proben nur ein paar Songs und dann können wir irgendwo was essen gehen.”
Kaum hatte er dieses ausgesprochen, drehten sich die anderen von den dem Sänger und seiner Freundin weg um auf die Bühne zu gehen.
Der Blonde kam nicht umhin, hier und da einige Gesprächsfetzen aufzuschnappen.
“Ein paar Songs? Dem gnädigen Herr ist wohl nicht nach Probe.” Christian tippte sich dabei an die Stirn und schnappte sich unterwegs den Sixpack Wasser, den er auf der Bühne an die anderen verteilte. Ausgenommen Torsti. Dieser bemerkte es, während er sich aus der Jacke schälte und nahm sich resigniert selbst eine Flasche Wasser mit ans Mikrofon.

Juke und Sammy waren die Einzigen, die nichts dazu sagten und so unterbrach der Gitarrist nach einigen Minuten das leise Gemurmel von Vivian, Christian und Jason.
“Hallo die Damen, wollen wir dann irgendwann mal mit dem Proben anfangen?”
Damit verstummten die Gespräche sofort und man ging kurz die Setlist für den Auftritt durch. Man einigte sich darauf, vorerst nur die Songs zu proben, die man bisher nicht so oft gespielt hat.
Nach einiger Zeit war die trübe Stimmung zwischen den Bandmitgliedern verpufft, was es für alle einfacher machte und so störte es auch niemanden, als nach einigen Songs die Türe aufging und einige junge Frauen den Klubi betraten.
Der Club war mittags eh immer geöffnet, doch diese Mädchen waren definitiv keine Stammkunden. Mit einem Schmunzeln sah Vivian zu den Vieren rüber, die sich, wie Christian, Jason, Sammy und er selbst vor einer halben Stunde, an das Geländer lehnten und mit glänzenden Augen das Geschehen auf der Bühne beobachteten.
Für die Jungs war dies nun eine gute Möglichkeit zu sehen, wie die Setlist ankam und so sprach Torsti nach If she’s near das aus, was die anderen bereits dachten.
“Ab hier die ganze Setlist. Mal schauen, ob es so okay ist.”
Juke nickte lächelnd und zählte an. Mit jedem Lied das sie spielten, wurde das Strahlen von dem zufälligen Publikum breiter. Doch es gab ein Lächeln, das sowohl Torsti als auch Juke ziemlich nervös machte.
Tiia stand nur ein paar Schritte von den Mädchen entfernt und kaute mit diesem beängstigten Lächeln Kaugummi.
Die Augen des Drummers huschten immer wieder von Tiia zu den Mädchen, denn Torstis Freundin hatte die Fans nicht eine Sekunde aus den Augen gelassen und er spannte sich bereits innerlich an, als er sah wie sie zu ihnen rüber ging.
Verärgert darüber, dass sie sich mit dem Rücken zur Bühne gestellt hatte, bemerkte er besorgt wie sich die Gesichter der Mädchen veränderten. Waren sie vor ein paar Sekunden noch fröhlich und ausgelassen gewesen, so schienen sie nun besorgt und auch verängstigt. Weiterhin den Rhythmus zu Bleeding spielend, beobachtete der Dunkelhaarige, wie die Mädchen hastig ihre Taschen und Jacken nahmen und zum Ausgang eilten.
Ohne dass er groß darüber nachgedacht hatte, beendete er vorzeitig seinen Teil des Liedes mit einem lauten Schlag auf die Floor Tom, legte die Sticks zur Seite und sprang vom Hocker.
Irritiert sahen die anderen zu ihm, der bereits von der Bühne gesprungen war und über die Schulter das Wort Toilette rief.

Kaum das die unangekündigte Pause angefangen hatte, stand auch schon Tiia vor dem Mikrofon des Sängers und sah ihn schmollend an.
“Dauert es noch lange?”, fragte sie mit einer Kleinkind-Stimme, die Sammy einen unangenehmen Schauer auf dem Rücken bereitete.
“Noch zwei Lieder, okay?”, vertröstete der Sänger seine Freundin und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf den Mund, als auch schon Juke wieder kam.
Niemand schenkte ihm besondere Beachtung, schließlich war es nur verständlich wenn die Natur rief. Doch Sammy traute der Sache nicht und als er in das Gesicht des jungen Mannes sah, fand er sich bestätigt. Missmutig, die Hände tief in die Taschen seiner schwarzen Hose vergraben, kam er wieder auf die Bühne und nahm ohne etwas zu sagen, die Sticks wieder in die Hand, nur um sie in derselben Bewegung wütend auf die Drums zu werfen.
“Ich hab kein Bock mehr, Jungs. Lasst uns aufhören, bevor es hier und jetzt noch Tote gibt.”
Schlagartig gingen bei allen aus der Band die Alarmsirenen an.
Juke war der Sonnenschein aus der Band. Das Bebi, wie sie es liebevoll von den Fans übernommen hatten. Und es dauerte eine gewaltige Zeit, um ihn auch nur ein wenig wütend zu kriegen. Dieses Stadium, was er aber nun erreicht hatte, kannten sie noch gar nicht an ihm.
Sein ganzes Gesicht war angespannt, die Augenbrauen zusammengezogen und die Zähne hatte er so hart zusammen gebissen, dass man es an seinen gespannten Gesichtsmuskeln sah.
Sofort schossen die Blicke von Christian, Jason und Vivian zu Sammy, der als einziger wahrscheinlich mutig genug war, um zu fragen, was denn los war, doch stattdessen stellte er seine Gitarre ab und nickte.
“Ja, du hast Recht. Wir haben eh genug geprobt.”
Kurz sahen sich die übrigen Drei noch mal an, nickten und begannen ohne ein weiteres Wort mit dem Abbau.

Tiia war einige Schritte von der Bühne weggetreten, damit Torsti runterspringen konnte, doch dieser sah forschend zu Juke, der es vermied, den Sänger auch nur aus dem Augenwinkel anzusehen. Sekunden vergingen, bis sich die junge Frau räusperte.
“Kommst du? Die anderen können ja abbauen.”
Gequält schloss Torsti bei den Worten der jungen Frau die Augen und traute sich für mehrere Sekunden nicht, sie wieder zu öffnen. Ängstlich schaute er zu den anderen, die sich aber nichts anmerken ließen. Sammy, der gerade den Gitarrenkoffer schloss, hockte am nächsten.
“Die Frage, ob du mit uns kommst, erübrigt sich wohl.” Die Stimme des Älteren war leise, dennoch verstand Torsti jedes Wort. Was ihm am meisten daran zu schaffen machte, war der Ton der Resignation darin, der ihn bis ins Mark traf.
Ohne ein weiteres Wort drehte sich der Sänger um, sprang von der Bühne und griff nach der Jacke, die ihm Tiia bereits reichte.
“Sei bitte übermorgen pünktlich”, war das Einzige was Christian noch sagte, ehe sich die Türe hinter dem Paar schloss. Augenblicklich hörte das geschäftige Treiben auf der Bühne auf und alle sammelten sich um Juke, der immer noch starr vor Wut auf seinem Hocker saß. Die Hände lagen zu Fäusten geballt auf seinen Knien und er atmete sehr flach.
Besorgt sah Sammy zu dem jungen Mann, ehe er sich dazu entschloss, dass dies der falsche Ort war um irgendwas zu besprechen.
“Wir räumen alles hier weg und dann gehen wir gleich im Ama was trinken. Und dann ist es nötig, dass wir uns mal ernsthaft unterhalten.”

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