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Das Schmalzfass
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| von MalaikaSnape erstellt: 24.12.2009 letztes Update: 17.03.2010 Romanze / P18 | 226 Reviews |
Mir gehört an dieser Geschichte nur die Idee. Die Figuren gehören J.K. Rowling und ich benutze die Charaktere lediglich, verdiene auch kein Geld damit, sondern mache das nur aus Spaß an der Freude.
An alle meine Leser: Ich wünsche euch ein frohes Fest und besinnliche Feiertage!
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Kapitel 1
Sie ging durch die leeren Flure der Schule. Sie hatte Freistunden und wollte diese nutzen – fast alle anderen hatten Wahrsagen, was so gar nicht ihr Fall war, vermutlich weil sie Professor Trelawney auch nicht sonderlich mochte und für voll nahm. Gut, Professor Firenze war zweifelsohne nicht ganz so durchgeknallt, aber Hermine konnte Wahrsagen einfach nichts abgewinnen. Sie wollte sich noch mit den Aufgaben für Zaubertränke auseinandersetzen, da sie bei Snape scheinbar machen konnte, was sie wollte, nur beachten oder lohnen wollte er ihre Arbeit nicht angemessen. Nach ihren Freistunden würde es sowieso Abendessen geben und sie wollte ihre Zeit in der Bibliothek verbringen. Sie seufzte und ging die Korridore entlang, war dabei in Gedanken, denn sie überlegte bereits, wann sie das nächste DA-Treffen ansetzen könnten und noch viele andere Dinge gingen ihr durch den Kopf, allen voran Umbridge – sie konnte dieses rosa tragende Etwas einfach nicht ausstehen. So in Gedanken bemerkte sie leider zu spät, dass von rechts jemand den Korridor betreten hatte und sie geradewegs in ihn hineinlief.
„Pass gefälligst auf, wo du hinläufst… Ah, Miss Granger…“, kam es von dem Blonden und er zog ihren Namen verächtlich in die Länge. Hermine wusste instinktiv, dass nichts klüger wäre, als so viel Raum zwischen ihn und sich zu bringen, wie nur irgend möglich.
„Entschuldigen Sie, Mr. Malfoy.“, sagte sie und versuchte sich möglichst schnell und ohne große Worte von ihm zu entfernen, doch aus irgendeinem Grund, wollten ihre Beine ihr nicht mehr gehorchen und somit musste sie es über sich ergehen lassen, dass er sie musterte wie ein Stück Fleisch. Ihr liefen eisige Schauer über den Rücken und sie fühlte sich unwohl, was er bemerkte und genoss. Er liebte es, diese Reaktion bei anderen hervorzurufen, es zeigte ihm, dass er ihnen überlegen war – etwas Besseres war als sie.
„Warum so in Gedanken?“, fragte er und sah sich leicht, unauffällig um, ehe er Hermine mit knappen und doch eleganten, schnellen Schritten umrundete. Sie fühlte sich nun vollends wie ein Stück Fleisch auf dem Präsentierteller, doch nach wie vor verweigerten ihre Beine ihr den Dienst und sie blieb einfach stehen.
„Das geht Sie wohl nichts an, Sir.“, gab sie, um Höflichkeit bemüht, zurück. Er gab missbilligende Geräusche von sich und schüttelte leicht den Kopf. Wie nebenbei spielten seine Finger über den Knauf seines Gehstockes, was Hermines Blick auf selbigen zog. Noch immer lag sein prüfender Blick auf ihr und sie spürte es genau, denn es war drückend und sie begann, sich unwohler zu fühlen, fragte sich, warum denn niemand auf den Fluren war und sie gerade ihm so ausgesetzt sein musste. Sie hob ihren Kopf und sah ihm in die Augen – ein Fehler, denn seine kalten, grauen Augen fesselten sie. Natürlich strahlte er wie immer Erhabenheit, Arroganz und die Spur von Überheblichkeit aus, doch Hermine sah ihn irgendwie anders und ein feines, jedoch gefährliches Kribbeln machte sich in ihrer Magengegend breit. Er hatte genau ihren Blick verfolgt und er konnte in ihren Augen lesen wie in einem Bilderbuch für Kinder. Ein fast süffisantes Grinsen huschte über seine Lippen und dann spürte Hermine eben diese auf ihren. Kaum eine Sekunde später waren sie wieder verschwunden und er ging seelenruhig den Gang hinunter in Richtung Kerker. Hermine stand bewegungsunfähig auf der Stelle und konnte nicht fassen, was gerade passiert war.
… Malfoy?! … Lucius Malfoy hat mich gerade geküsst?!... D..das ist unmöglich! Er hasst Hexen wie mich, ich bin für ihn nur eine unwürdige, muggelgeborene Hexe und… und… er hat mich geküsst… Das kann nicht der Lucius Malfoy gewesen sein... niemals… Ich träume… das wird es sein…
Sie kniff sich in den Arm und rieb dann über die rötliche Stelle – sie hatte selbstverständlich nicht geträumt und sie glaubte seinen doch recht groben Kuss noch immer auf ihren Lippen zu spüren, den leichten, edlen Duft seines Aftershaves noch riechen zu können. Es roch verführerisch und dennoch passend für einen Mann seines Ranges. Hermine ging hinüber zu den Treppen, sie musste erst einmal einen Moment sitzen und ihre Gedanken sortieren, denn in ihr sah es aus wie in einer Bibliothek nach einem Hurrikan der Klasse 4.
Auch Lucius ging nicht sehr weit, denn er wirkte ruhiger, als er war. Hinter der nächsten Ecke stützte er sich auf einen Fenstersims. Er konnte ebenfalls nicht genau sagen, was eben passiert war. Es fühlte sich für ihn an, als sei er nicht er selbst gewesen. Er atmete tief ein und aus, schloss die Augen und versuchte, sich zu sammeln.
… Verdammt! Sie ist ein dreckiges Schlammblut und ich küsse sie?! …. Ich muss übergeschnappt sein!... Warum hat sie mich so angesehen? Sie weiß doch genau, wer ich bin und was ich von nichtswürdigen Kreaturen wie ihr halte… Eine Ohrfeige hätte sie verdient, dafür, mich so anzustarren als sei ich sonst etwas…. Und ich? Küsse sie…. Merlin noch eins, wenn sie das irgendwem erzählt… man wird es ihr nicht glauben… sie würde sich zum Gespött der anderen machen… Lucius, verdammt, fass dich wieder! Du hast einen Fehler gemacht PUNKT. Es wird nie wieder vorkommen – das wäre ja auch noch schöner… das einzige, was sie eventuell von mir je zu spüren bekommt, ist meine flache Hand in ihrem Gesicht oder ein Zauber, der sie tötet oder quält…
„Ich dachte zwar, dass meine Räume im Kerker seien, aber da habe ich mich wohl geirrt.“, drang eine tiefe Stimme an seine Ohren und riss ihn aus seinen Gedanken. Erschrocken drehte er sich zur Quelle um und sah in tiefe, schwarze und so vertraute Augen. Severus grinste amüsiert.
„Oh, habe ich den armen Mr. Malfoy erschrocken?“, fragte er mit aufgesetztem Blick nach und erntete dafür ein tiefes Knurren, woraufhin er die Augen verdrehte und leicht den Kopf schüttelte.
„Komm. Ich will hier nicht warten, bis uns irgendwer sieht.“, sagte Severus dann leise und drehte sich um, huschte den Flur hinunter und wartete nicht, dass Lucius ihm folgte, denn das würde er schon. Es dauerte nicht lange und die schwere Holztür schloss sich hinter dem Blonden. Severus schenkte ihm Whiskey ein und stellte das Glas auf den niedrigen Tisch vor der Couch, nahm im Sessel Platz. Lucius ließ sich auf der Couch nieder und doch war Hermine Granger noch nicht gänzlich aus seinen Gedanken verschwunden – es, nein, sie ließ ihm einfach keine Ruhe. Er stürzte den Feuerwhiskey wie Leitungswasser hinunter und stellte das Glas recht laut auf dem Tisch ab. Severus sah fragend zu ihm. Er kannte seinen Freund lange genug und ließ sich nicht von irgendeiner Maske täuschen, war aber sehr froh, dass es andersrum nicht so war, denn Lucius hatte oftmals große Probleme, ihn zu verstehen.
„Warums siehst du mich so an? Sehe ich so schlimm aus wie du?“, knurrte Malfoy und Severus hob eine Augenbraue. Da hatte er scheinbar einen wunden Punkt erwischt. Jetzt galt es nur noch, herauszufinden, was für ein wunder Punkt es war und warum er denn wund war. Doch das sollte nicht zu schwer werden.
„Lass den Unsinn. Wir kennen uns lange genug und ich sehe doch, wenn etwas nicht stimmt. Zudem… seit wann schreckst du wie ein Erstklässler zusammen, nur weil ich dich anspreche? Nicht, dass ich es nicht amüsant fände.“, kam es von dem Dunkelhaarigen und Lucius wusste, dass dieser Recht hatte. Sie kannten einander einfach zu gut. Dennoch würde er ihm nicht das Geschehen von eben erzählen.
„Ich war in Gedanken. Nichts von Bedeutung. Wie macht Draco sich?“, erwiderte Lucius und wechselte, wenn auch etwas weniger elegant, das Thema. Severus wusste, dass er log, doch er fragte zumindest vorerst nicht weiter nach – damit war er noch nie weit gekommen.
„Draco stellt sich nicht so dümmlich an wie Crabbe und Goyle, allerdings scheint ihm etwas Talent seines Vaters zu fehlen. Ich glaube, er ist zu sehr darauf aus, anderen Streiche zu spielen und allen voran Potter und seinen Anhängseln Granger und Weasley. Vielleicht solltest du einmal mit ihm sprechen, seine Meinung in allen Ehren, aber er sollte es vermeiden, die muggelgeborenen Schüler und Schülerinnen vor anderen und vor allem vor Lehrkräften zu beleidigen. So schadet er dem Haus.“, erzählte Severus und Lucius seufzte leicht, dann nickte er.
„Ich werde mit ihm sprechen. Auch wenn ihm etwas Talent seines Vaters fehlen mag, das Temperament scheint er zu haben.“, stellte Lucius grinsend fest und Severus nickte zustimmend. Lucius war früher schon sehr heißblütig gewesen, eigentlich schon mehr als Ironie des Schicksals, dass aus ihm ein kaltblütiger Mörder wurde. Dennoch, an Temperament hatte er nichts eingebüßt und das Blut war auch nicht gänzlich gefroren, beides wusste der Hauslehrer der Slytherins. Lucius sah auf das leere Glas und Severus winkte die Flasche Whiskey zu sich, schenkte ihm nach. Lucius leerte auch dieses Glas auf einen Zug und doch wirkte es besser, als das erste. Severus verwehrte ihm auch das dritte nicht, doch danach sollte Schluss sein – sonst würde Lucius Malfoy nicht mehr so gerade das Schloss verlassen, wie er es betreten hatte. Ein bekanntes Kribbeln durchzog Lucius und er ließ sich leicht zurücksinken. Whiskey hatte ihn immer entspannt und Severus hatte ihm auch nie geschadet, denn so beißend seine Worte oft waren, er war ihm ein Freund, wohl der beste.
„Denkst du noch manchmal in der Zeit zurück?“, fragte Lucius dann und seine Stimme verriet, dass er es gerade tat, er schwelgte in Erinnerungen. Severus hätte bei jedem anderen vermutlich erst fragen müssen, was genau er wissen wollte, so nicht bei Lucius. Er schloss einen Moment die Augen und wie als Antwort kamen die Erinnerungen von allein.
„Ja. Manchmal.“, antwortete er und kämpfte sich aus den Erinnerungen wieder hervor, denn so schön sie mitunter auch waren, es waren Erinnerungen und bei ihnen zu bleiben, wäre gefährlich und töricht. Noch bevor er seine Augen öffnete, spürte er Lucius‘ Hand auf seiner Schulter, wodurch ein Schauer durch seinen Körper jagte. Severus erhob sich und sah seinem Freund fest in die Augen.
„Du solltest gehen. Narzissa wird auf dich warten und ich werde bald zum Essen in der Halle erwartet.“, sagte Severus und räumte das Glas und die Flasche weg. Lucius sah ihm dabei zu und ballte eine Hand zur Faust.
„Narzissa erwartet mich schon lange nicht mehr. Sie lebt nur noch für ihren Sohn. Sieh sie dir an, sie ist nicht mehr die Frau, die ich damals geheiratet habe. Ich habe geglaubt, sie sei die richtige, die perfekte Frau, so wie mein Vater es gesagt hatte. Wir…. das mit uns, das wäre nie passiert, hätte ich sie noch wie damals geliebt.“, kam es wütend von dem Blonden und Severus sah ihn erstaunt an – nie hätte er gedacht, dass es wirklich so ernst war. Ihm war sehr wohl klar, dass allein Narzissas verlorene Liebe der Grund war, warum Lucius damals bei ihm war und warum aus ihnen mehr geworden war. Er legte dem Älteren seine Hand auf die Schulter und wollte etwas sagen, zog ihn dann doch in seine Arme.
„Nach wie vor, werde ich immer da sein. So wie du mir immer ein großer Bruder warst.“, flüsterte er und strich dem Blonden übers Haar. Selten gab Lucius derartig Preis, was ihn beschäftigte oder auf ihm lastete. Er war zum Schweigen erzogen worden. Nicht einmal Narzissa wusste so viel von ihm wie Severus. Lucius legte seine Arme um den Jüngeren und fühlte sich geborgen. Langsam löste Lucius sich etwas von ihm und sah ihm in die Augen. Severus strich ihm die langen Strähnen hinter die Ohren und küsste ihn schließlich liebevoll. Hilflos und wie ein Ertrinkender klammerte Lucius sich an ihm fest, ließ ihn dann doch abrupt los, da er nicht mehr an ihn dachte, sondern an Hermine und wie es wohl wäre, einen solchen Kuss mit ihr zu teilen.
„Ich danke dir. Ich werde Draco eine Eule schicken, aber vorerst sollte ich nach Hause zurück.“, kam es dann wie nebenbei von ihm und er griff nach seinem Gehstock und legte seinen Mantel wieder um. Severus sah ihm besorgt hinterher. Irgendetwas stimmte eindeutig nicht mit ihm, aber ihm wollte sich nicht ergründen, was. Er folgte ihm, denn er müsste ohnehin in die Große Halle, da es demnächst Essen geben würde und er nicht länger als nötig dort sein wollte.
Lucius ging durch die Gänge und Flure in Richtung Portal. Er müsste vielleicht einfach nur weit genug weg von ihr. Ihm wollte nicht in den Kopf, warum er sie noch einmal küssen wollte, warum er wollte, dass sie es wollte. Sein Kopf meldete bereits Kopfschmerzen und es wunderte ihn nicht. Dank eines dämlichen Besuches war so einiges aufgewühlt worden und das passte ihm überhaupt nicht. Zumal Narzissa als Frau und noch dazu als seine Ehefrau merken würde, dass etwas nicht stimmte und sie würde im Gegensatz zu Severus nachfragen und es nicht auf sich beruhen lassen, aus Angst, es könnte etwas wegen Draco sein. Sie sorgte sich wohl auch um ihren Mann, aber nicht mehr, als dass es ihre Pflicht war. Er schnaubte leicht – wäre er ihr Sohn, würde er weitaus mehr bei ihr auslösen. Er dachte an Früher, als er sie kennen gelernt hatte, die erste Zeit mit ihr, auch die ersten Jahre ihrer Ehe. Sie waren glücklich, reich und angesehen. Es gab nicht viel, was sie mehr wollten und das Kinderglück sollte auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Mehrere dumpfe Geräusche und ein leises Fluchen rissen ihn abermals aus seinen Gedanken. Erst jetzt sah er, was passiert war. Er hatte Hermine Granger, vollbepackt mit Büchern, über den Haufen gerannt und sie saß nun fluchend auf dem Boden und rings um sie herum verteilt lagen die Bücher. Er dachte nicht groß nach und zog seinen Zauberstab, was Hermine erschreckte, denn sie hatte Angst, er würde ihr etwas antun, da sie nun schon zum zweiten Mal in ihn hinein gelaufen war. Er sprach leise ein paar Zauber und die Bücher verkleinerten sich und fanden sich ordentlich in ihrer Schultasche wieder. Er steckte seinen Zauberstab zurück in seinen Gehstock und beugte sich zu ihr hinunter, sammelte die Tasche auf und bot ihr seine Hand. Hermine sah ihn völlig verblüfft an. Sie konnte nicht glauben, dass der Mann vor ihr wirklich Lucius Malfoy sein sollte und wenn hatte er irgendetwas genommen, was ihm wohl nicht bekommen war. Er streckte seine Hand etwas weiter zu ihr und zaghaft nahm sie sein Angebot an, fand sich kaum einen Augenblick später wieder aufrecht stehend wieder. So viel Kraft hatte sie ihm nicht zugetraut. Er reichte ihr die Tasche und ein feines Lächeln lag auf seinen Lippen. Hermine senkte automatisch den Blick – waren doch eben diese Lippen der Grund, warum sie die ganzen Zaubertrankbücher mitgenommen hatte, denn in der Bücherei war nicht eine Sekunde an lernen zu denken, einzig und allein der Mann, der nun vor ihr stand, war in ihrem Kopf gewesen. Vorsichtig hob er ihr Kinn mit seinem Zeigefinger an, sodass sie ihn ansehen musste.
„Ich bitte vielmals um Verzeihung. Ich war in Gedanken und habe Sie völlig übersehen.“, sagte Lucius mit samtweicher Stimme und Hermine war kurz davor, einen Lachkrampf zu bekommen oder in Ohnmacht zu fallen. Lucius verbeugte sich leicht und hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken, wodurch sie erst bemerkte, dass er noch immer ihre Hand hielt. Danach ließ er ihre Hand los und verließ das Schloss, ließ eine völlig verwirrte Hermine zurück. Langsam ging sie weiter und doch waren ihre Gedanken ganz weit weg.
… Das war doch nicht Lucius Malfoy? … Also wer auch immer … wie auch immer an seine Haare gekommen ist und damit einen Vielsaft-Trank gemacht hat, sollte besser üben… so freundlich wäre er nie zu jemandem wie mir… besonders nicht, wenn ich zum zweiten Mal in ihn rein renne… merkwürdig… und dass er mir auch noch hilft und sich entschuldigt? …. Mehr als seltsam…
So in Gedanken bemerkte sie nicht, dass ein dunkles Augenpaar sie beobachtete, wie sie die Treppen hinaufging – Essen hatte sie scheinbar völlig vergessen. Er machte sich seine Gedanken dazu, aber ihm war nicht so wohl dabei, eine Schülerin so in Gedanken im Treppenhaus zu lassen, also folgte er ihr. Eigentlich sollte ihm egal sein, ob Granger von einer Treppe fiel und sich an der nächsten den Schädel aufschlug, doch wenn er sie bezüglich Lucius noch etwas fragen wollte, wäre es von Vorteil, wenn sie noch leben würde. Er sollte Recht behalten, denn Hermine war gerade auf eine Treppe gegangen, als diese die Richtung änderte – Hermine ging jedoch einfach weiter, leider kämen bald keine Stufen mehr. Severus verdrehte die Augen und sprang gekonnt auf die Treppe und packte Hermine, riss sie zu sich, wohl etwas fest, denn sie quiekte. Sie fand sich an seiner Brust wieder und starrte auf schwarze Roben. Ein leises Knurren ließ ihren Blick nach oben wandern und schließlich traf sie seinen bösen Blick.
„Verdammt, Granger! Wenn Sie sich schon das Leben nehmen wollen, dann doch bitte irgendwann und irgendwo, wo ich es nicht mitbekomme und Sie retten muss! Wenn Sie mal dort runter sehen, da geht es mehrere Meter abwärts und es wäre kein besonders schönes Bild, Sie auf einer der unteren Treppen leicht deformiert anzutreffen.“, blaffte er sie an und zog sie von der Treppe runter in einen Flur. Jetzt war Hermine ziemlich baff. Erst ein merkwürdiger, dann überfreundlicher Malfoy und jetzt ein Snape, der ihr das Leben rettete? Und wieso roch dieser Snape wie der Malfoy von vorhin?
„Boah… Fred… George…. Wer auch immer das ist, das ist nicht witzig und glaubt mir, das mit dem Kuss lasse ich auch nicht so einfach mit mir machen… ich dachte wirklich, das wäre Lucius Malfoy…“, kam es dann von Hermine und sie knuffte Snape in den Arm. Snape sah sie finster an und knurrte leicht, dann wurde Hermine kreidebleich, denn hinter Snape liefen Fred und George den Flur entlang.
„Allerdings nicht, Miss Granger. 20 Punkte Abzug von Gryffindor und Sie werden dieses Wochenende bei mir nachsitzen. Das Labor könnte mal wieder komplett gereinigt werden und die Vorratskammer ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Freitag, Punkt 18:00 Uhr stehen Sie vor meiner Bürotür!“, kam es zischend leise von ihm und Hermine nickte.
… Danke Fred, danke George…. Ihr mit euren ganzen Scherzen ständig… da bin ich ja in ein schönes Fettnäpfchen getreten… wobei… das war schon eher ein ganzes Schmalzfass…. Nachsitzen… bei Snape… das Wochenende kann ich knicken… Wie erkläre ich das nur Ron und Harry? Die lachen mich aus, wenn ich ihnen das erzähle… Ich glaube, ich lese gleich erst einmal in Ruhe… vielleicht klappt es ja jetzt…
Sie ging zum Portrait, nannte das Passwort und ging direkt in den Schlafsaal der Mädchen, welcher natürlich komplett leer war, da alle beim Essen waren. Sie zog ihre Schuhe aus und legte den Umhang ab, machte es sich etwas gemütlich und kippte dann ihre Tasche aus, wodurch alle Bücher ihre normale Größe erhielten. Nachdenklich sah sie über den Berg von Büchern und griff dann eines heraus, welches sie regelrecht anlächelte. Sie hielt es in beiden Händen, strich dann den Titel nach und kaum, dass sie das tat, durchzog ein heftiges Kribbeln ihren Körper.
An alle meine Leser: Ich wünsche euch ein frohes Fest und besinnliche Feiertage!
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Kapitel 1
Sie ging durch die leeren Flure der Schule. Sie hatte Freistunden und wollte diese nutzen – fast alle anderen hatten Wahrsagen, was so gar nicht ihr Fall war, vermutlich weil sie Professor Trelawney auch nicht sonderlich mochte und für voll nahm. Gut, Professor Firenze war zweifelsohne nicht ganz so durchgeknallt, aber Hermine konnte Wahrsagen einfach nichts abgewinnen. Sie wollte sich noch mit den Aufgaben für Zaubertränke auseinandersetzen, da sie bei Snape scheinbar machen konnte, was sie wollte, nur beachten oder lohnen wollte er ihre Arbeit nicht angemessen. Nach ihren Freistunden würde es sowieso Abendessen geben und sie wollte ihre Zeit in der Bibliothek verbringen. Sie seufzte und ging die Korridore entlang, war dabei in Gedanken, denn sie überlegte bereits, wann sie das nächste DA-Treffen ansetzen könnten und noch viele andere Dinge gingen ihr durch den Kopf, allen voran Umbridge – sie konnte dieses rosa tragende Etwas einfach nicht ausstehen. So in Gedanken bemerkte sie leider zu spät, dass von rechts jemand den Korridor betreten hatte und sie geradewegs in ihn hineinlief.
„Pass gefälligst auf, wo du hinläufst… Ah, Miss Granger…“, kam es von dem Blonden und er zog ihren Namen verächtlich in die Länge. Hermine wusste instinktiv, dass nichts klüger wäre, als so viel Raum zwischen ihn und sich zu bringen, wie nur irgend möglich.
„Entschuldigen Sie, Mr. Malfoy.“, sagte sie und versuchte sich möglichst schnell und ohne große Worte von ihm zu entfernen, doch aus irgendeinem Grund, wollten ihre Beine ihr nicht mehr gehorchen und somit musste sie es über sich ergehen lassen, dass er sie musterte wie ein Stück Fleisch. Ihr liefen eisige Schauer über den Rücken und sie fühlte sich unwohl, was er bemerkte und genoss. Er liebte es, diese Reaktion bei anderen hervorzurufen, es zeigte ihm, dass er ihnen überlegen war – etwas Besseres war als sie.
„Warum so in Gedanken?“, fragte er und sah sich leicht, unauffällig um, ehe er Hermine mit knappen und doch eleganten, schnellen Schritten umrundete. Sie fühlte sich nun vollends wie ein Stück Fleisch auf dem Präsentierteller, doch nach wie vor verweigerten ihre Beine ihr den Dienst und sie blieb einfach stehen.
„Das geht Sie wohl nichts an, Sir.“, gab sie, um Höflichkeit bemüht, zurück. Er gab missbilligende Geräusche von sich und schüttelte leicht den Kopf. Wie nebenbei spielten seine Finger über den Knauf seines Gehstockes, was Hermines Blick auf selbigen zog. Noch immer lag sein prüfender Blick auf ihr und sie spürte es genau, denn es war drückend und sie begann, sich unwohler zu fühlen, fragte sich, warum denn niemand auf den Fluren war und sie gerade ihm so ausgesetzt sein musste. Sie hob ihren Kopf und sah ihm in die Augen – ein Fehler, denn seine kalten, grauen Augen fesselten sie. Natürlich strahlte er wie immer Erhabenheit, Arroganz und die Spur von Überheblichkeit aus, doch Hermine sah ihn irgendwie anders und ein feines, jedoch gefährliches Kribbeln machte sich in ihrer Magengegend breit. Er hatte genau ihren Blick verfolgt und er konnte in ihren Augen lesen wie in einem Bilderbuch für Kinder. Ein fast süffisantes Grinsen huschte über seine Lippen und dann spürte Hermine eben diese auf ihren. Kaum eine Sekunde später waren sie wieder verschwunden und er ging seelenruhig den Gang hinunter in Richtung Kerker. Hermine stand bewegungsunfähig auf der Stelle und konnte nicht fassen, was gerade passiert war.
… Malfoy?! … Lucius Malfoy hat mich gerade geküsst?!... D..das ist unmöglich! Er hasst Hexen wie mich, ich bin für ihn nur eine unwürdige, muggelgeborene Hexe und… und… er hat mich geküsst… Das kann nicht der Lucius Malfoy gewesen sein... niemals… Ich träume… das wird es sein…
Sie kniff sich in den Arm und rieb dann über die rötliche Stelle – sie hatte selbstverständlich nicht geträumt und sie glaubte seinen doch recht groben Kuss noch immer auf ihren Lippen zu spüren, den leichten, edlen Duft seines Aftershaves noch riechen zu können. Es roch verführerisch und dennoch passend für einen Mann seines Ranges. Hermine ging hinüber zu den Treppen, sie musste erst einmal einen Moment sitzen und ihre Gedanken sortieren, denn in ihr sah es aus wie in einer Bibliothek nach einem Hurrikan der Klasse 4.
Auch Lucius ging nicht sehr weit, denn er wirkte ruhiger, als er war. Hinter der nächsten Ecke stützte er sich auf einen Fenstersims. Er konnte ebenfalls nicht genau sagen, was eben passiert war. Es fühlte sich für ihn an, als sei er nicht er selbst gewesen. Er atmete tief ein und aus, schloss die Augen und versuchte, sich zu sammeln.
… Verdammt! Sie ist ein dreckiges Schlammblut und ich küsse sie?! …. Ich muss übergeschnappt sein!... Warum hat sie mich so angesehen? Sie weiß doch genau, wer ich bin und was ich von nichtswürdigen Kreaturen wie ihr halte… Eine Ohrfeige hätte sie verdient, dafür, mich so anzustarren als sei ich sonst etwas…. Und ich? Küsse sie…. Merlin noch eins, wenn sie das irgendwem erzählt… man wird es ihr nicht glauben… sie würde sich zum Gespött der anderen machen… Lucius, verdammt, fass dich wieder! Du hast einen Fehler gemacht PUNKT. Es wird nie wieder vorkommen – das wäre ja auch noch schöner… das einzige, was sie eventuell von mir je zu spüren bekommt, ist meine flache Hand in ihrem Gesicht oder ein Zauber, der sie tötet oder quält…
„Ich dachte zwar, dass meine Räume im Kerker seien, aber da habe ich mich wohl geirrt.“, drang eine tiefe Stimme an seine Ohren und riss ihn aus seinen Gedanken. Erschrocken drehte er sich zur Quelle um und sah in tiefe, schwarze und so vertraute Augen. Severus grinste amüsiert.
„Oh, habe ich den armen Mr. Malfoy erschrocken?“, fragte er mit aufgesetztem Blick nach und erntete dafür ein tiefes Knurren, woraufhin er die Augen verdrehte und leicht den Kopf schüttelte.
„Komm. Ich will hier nicht warten, bis uns irgendwer sieht.“, sagte Severus dann leise und drehte sich um, huschte den Flur hinunter und wartete nicht, dass Lucius ihm folgte, denn das würde er schon. Es dauerte nicht lange und die schwere Holztür schloss sich hinter dem Blonden. Severus schenkte ihm Whiskey ein und stellte das Glas auf den niedrigen Tisch vor der Couch, nahm im Sessel Platz. Lucius ließ sich auf der Couch nieder und doch war Hermine Granger noch nicht gänzlich aus seinen Gedanken verschwunden – es, nein, sie ließ ihm einfach keine Ruhe. Er stürzte den Feuerwhiskey wie Leitungswasser hinunter und stellte das Glas recht laut auf dem Tisch ab. Severus sah fragend zu ihm. Er kannte seinen Freund lange genug und ließ sich nicht von irgendeiner Maske täuschen, war aber sehr froh, dass es andersrum nicht so war, denn Lucius hatte oftmals große Probleme, ihn zu verstehen.
„Warums siehst du mich so an? Sehe ich so schlimm aus wie du?“, knurrte Malfoy und Severus hob eine Augenbraue. Da hatte er scheinbar einen wunden Punkt erwischt. Jetzt galt es nur noch, herauszufinden, was für ein wunder Punkt es war und warum er denn wund war. Doch das sollte nicht zu schwer werden.
„Lass den Unsinn. Wir kennen uns lange genug und ich sehe doch, wenn etwas nicht stimmt. Zudem… seit wann schreckst du wie ein Erstklässler zusammen, nur weil ich dich anspreche? Nicht, dass ich es nicht amüsant fände.“, kam es von dem Dunkelhaarigen und Lucius wusste, dass dieser Recht hatte. Sie kannten einander einfach zu gut. Dennoch würde er ihm nicht das Geschehen von eben erzählen.
„Ich war in Gedanken. Nichts von Bedeutung. Wie macht Draco sich?“, erwiderte Lucius und wechselte, wenn auch etwas weniger elegant, das Thema. Severus wusste, dass er log, doch er fragte zumindest vorerst nicht weiter nach – damit war er noch nie weit gekommen.
„Draco stellt sich nicht so dümmlich an wie Crabbe und Goyle, allerdings scheint ihm etwas Talent seines Vaters zu fehlen. Ich glaube, er ist zu sehr darauf aus, anderen Streiche zu spielen und allen voran Potter und seinen Anhängseln Granger und Weasley. Vielleicht solltest du einmal mit ihm sprechen, seine Meinung in allen Ehren, aber er sollte es vermeiden, die muggelgeborenen Schüler und Schülerinnen vor anderen und vor allem vor Lehrkräften zu beleidigen. So schadet er dem Haus.“, erzählte Severus und Lucius seufzte leicht, dann nickte er.
„Ich werde mit ihm sprechen. Auch wenn ihm etwas Talent seines Vaters fehlen mag, das Temperament scheint er zu haben.“, stellte Lucius grinsend fest und Severus nickte zustimmend. Lucius war früher schon sehr heißblütig gewesen, eigentlich schon mehr als Ironie des Schicksals, dass aus ihm ein kaltblütiger Mörder wurde. Dennoch, an Temperament hatte er nichts eingebüßt und das Blut war auch nicht gänzlich gefroren, beides wusste der Hauslehrer der Slytherins. Lucius sah auf das leere Glas und Severus winkte die Flasche Whiskey zu sich, schenkte ihm nach. Lucius leerte auch dieses Glas auf einen Zug und doch wirkte es besser, als das erste. Severus verwehrte ihm auch das dritte nicht, doch danach sollte Schluss sein – sonst würde Lucius Malfoy nicht mehr so gerade das Schloss verlassen, wie er es betreten hatte. Ein bekanntes Kribbeln durchzog Lucius und er ließ sich leicht zurücksinken. Whiskey hatte ihn immer entspannt und Severus hatte ihm auch nie geschadet, denn so beißend seine Worte oft waren, er war ihm ein Freund, wohl der beste.
„Denkst du noch manchmal in der Zeit zurück?“, fragte Lucius dann und seine Stimme verriet, dass er es gerade tat, er schwelgte in Erinnerungen. Severus hätte bei jedem anderen vermutlich erst fragen müssen, was genau er wissen wollte, so nicht bei Lucius. Er schloss einen Moment die Augen und wie als Antwort kamen die Erinnerungen von allein.
„Ja. Manchmal.“, antwortete er und kämpfte sich aus den Erinnerungen wieder hervor, denn so schön sie mitunter auch waren, es waren Erinnerungen und bei ihnen zu bleiben, wäre gefährlich und töricht. Noch bevor er seine Augen öffnete, spürte er Lucius‘ Hand auf seiner Schulter, wodurch ein Schauer durch seinen Körper jagte. Severus erhob sich und sah seinem Freund fest in die Augen.
„Du solltest gehen. Narzissa wird auf dich warten und ich werde bald zum Essen in der Halle erwartet.“, sagte Severus und räumte das Glas und die Flasche weg. Lucius sah ihm dabei zu und ballte eine Hand zur Faust.
„Narzissa erwartet mich schon lange nicht mehr. Sie lebt nur noch für ihren Sohn. Sieh sie dir an, sie ist nicht mehr die Frau, die ich damals geheiratet habe. Ich habe geglaubt, sie sei die richtige, die perfekte Frau, so wie mein Vater es gesagt hatte. Wir…. das mit uns, das wäre nie passiert, hätte ich sie noch wie damals geliebt.“, kam es wütend von dem Blonden und Severus sah ihn erstaunt an – nie hätte er gedacht, dass es wirklich so ernst war. Ihm war sehr wohl klar, dass allein Narzissas verlorene Liebe der Grund war, warum Lucius damals bei ihm war und warum aus ihnen mehr geworden war. Er legte dem Älteren seine Hand auf die Schulter und wollte etwas sagen, zog ihn dann doch in seine Arme.
„Nach wie vor, werde ich immer da sein. So wie du mir immer ein großer Bruder warst.“, flüsterte er und strich dem Blonden übers Haar. Selten gab Lucius derartig Preis, was ihn beschäftigte oder auf ihm lastete. Er war zum Schweigen erzogen worden. Nicht einmal Narzissa wusste so viel von ihm wie Severus. Lucius legte seine Arme um den Jüngeren und fühlte sich geborgen. Langsam löste Lucius sich etwas von ihm und sah ihm in die Augen. Severus strich ihm die langen Strähnen hinter die Ohren und küsste ihn schließlich liebevoll. Hilflos und wie ein Ertrinkender klammerte Lucius sich an ihm fest, ließ ihn dann doch abrupt los, da er nicht mehr an ihn dachte, sondern an Hermine und wie es wohl wäre, einen solchen Kuss mit ihr zu teilen.
„Ich danke dir. Ich werde Draco eine Eule schicken, aber vorerst sollte ich nach Hause zurück.“, kam es dann wie nebenbei von ihm und er griff nach seinem Gehstock und legte seinen Mantel wieder um. Severus sah ihm besorgt hinterher. Irgendetwas stimmte eindeutig nicht mit ihm, aber ihm wollte sich nicht ergründen, was. Er folgte ihm, denn er müsste ohnehin in die Große Halle, da es demnächst Essen geben würde und er nicht länger als nötig dort sein wollte.
Lucius ging durch die Gänge und Flure in Richtung Portal. Er müsste vielleicht einfach nur weit genug weg von ihr. Ihm wollte nicht in den Kopf, warum er sie noch einmal küssen wollte, warum er wollte, dass sie es wollte. Sein Kopf meldete bereits Kopfschmerzen und es wunderte ihn nicht. Dank eines dämlichen Besuches war so einiges aufgewühlt worden und das passte ihm überhaupt nicht. Zumal Narzissa als Frau und noch dazu als seine Ehefrau merken würde, dass etwas nicht stimmte und sie würde im Gegensatz zu Severus nachfragen und es nicht auf sich beruhen lassen, aus Angst, es könnte etwas wegen Draco sein. Sie sorgte sich wohl auch um ihren Mann, aber nicht mehr, als dass es ihre Pflicht war. Er schnaubte leicht – wäre er ihr Sohn, würde er weitaus mehr bei ihr auslösen. Er dachte an Früher, als er sie kennen gelernt hatte, die erste Zeit mit ihr, auch die ersten Jahre ihrer Ehe. Sie waren glücklich, reich und angesehen. Es gab nicht viel, was sie mehr wollten und das Kinderglück sollte auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Mehrere dumpfe Geräusche und ein leises Fluchen rissen ihn abermals aus seinen Gedanken. Erst jetzt sah er, was passiert war. Er hatte Hermine Granger, vollbepackt mit Büchern, über den Haufen gerannt und sie saß nun fluchend auf dem Boden und rings um sie herum verteilt lagen die Bücher. Er dachte nicht groß nach und zog seinen Zauberstab, was Hermine erschreckte, denn sie hatte Angst, er würde ihr etwas antun, da sie nun schon zum zweiten Mal in ihn hinein gelaufen war. Er sprach leise ein paar Zauber und die Bücher verkleinerten sich und fanden sich ordentlich in ihrer Schultasche wieder. Er steckte seinen Zauberstab zurück in seinen Gehstock und beugte sich zu ihr hinunter, sammelte die Tasche auf und bot ihr seine Hand. Hermine sah ihn völlig verblüfft an. Sie konnte nicht glauben, dass der Mann vor ihr wirklich Lucius Malfoy sein sollte und wenn hatte er irgendetwas genommen, was ihm wohl nicht bekommen war. Er streckte seine Hand etwas weiter zu ihr und zaghaft nahm sie sein Angebot an, fand sich kaum einen Augenblick später wieder aufrecht stehend wieder. So viel Kraft hatte sie ihm nicht zugetraut. Er reichte ihr die Tasche und ein feines Lächeln lag auf seinen Lippen. Hermine senkte automatisch den Blick – waren doch eben diese Lippen der Grund, warum sie die ganzen Zaubertrankbücher mitgenommen hatte, denn in der Bücherei war nicht eine Sekunde an lernen zu denken, einzig und allein der Mann, der nun vor ihr stand, war in ihrem Kopf gewesen. Vorsichtig hob er ihr Kinn mit seinem Zeigefinger an, sodass sie ihn ansehen musste.
„Ich bitte vielmals um Verzeihung. Ich war in Gedanken und habe Sie völlig übersehen.“, sagte Lucius mit samtweicher Stimme und Hermine war kurz davor, einen Lachkrampf zu bekommen oder in Ohnmacht zu fallen. Lucius verbeugte sich leicht und hauchte einen Kuss auf ihren Handrücken, wodurch sie erst bemerkte, dass er noch immer ihre Hand hielt. Danach ließ er ihre Hand los und verließ das Schloss, ließ eine völlig verwirrte Hermine zurück. Langsam ging sie weiter und doch waren ihre Gedanken ganz weit weg.
… Das war doch nicht Lucius Malfoy? … Also wer auch immer … wie auch immer an seine Haare gekommen ist und damit einen Vielsaft-Trank gemacht hat, sollte besser üben… so freundlich wäre er nie zu jemandem wie mir… besonders nicht, wenn ich zum zweiten Mal in ihn rein renne… merkwürdig… und dass er mir auch noch hilft und sich entschuldigt? …. Mehr als seltsam…
So in Gedanken bemerkte sie nicht, dass ein dunkles Augenpaar sie beobachtete, wie sie die Treppen hinaufging – Essen hatte sie scheinbar völlig vergessen. Er machte sich seine Gedanken dazu, aber ihm war nicht so wohl dabei, eine Schülerin so in Gedanken im Treppenhaus zu lassen, also folgte er ihr. Eigentlich sollte ihm egal sein, ob Granger von einer Treppe fiel und sich an der nächsten den Schädel aufschlug, doch wenn er sie bezüglich Lucius noch etwas fragen wollte, wäre es von Vorteil, wenn sie noch leben würde. Er sollte Recht behalten, denn Hermine war gerade auf eine Treppe gegangen, als diese die Richtung änderte – Hermine ging jedoch einfach weiter, leider kämen bald keine Stufen mehr. Severus verdrehte die Augen und sprang gekonnt auf die Treppe und packte Hermine, riss sie zu sich, wohl etwas fest, denn sie quiekte. Sie fand sich an seiner Brust wieder und starrte auf schwarze Roben. Ein leises Knurren ließ ihren Blick nach oben wandern und schließlich traf sie seinen bösen Blick.
„Verdammt, Granger! Wenn Sie sich schon das Leben nehmen wollen, dann doch bitte irgendwann und irgendwo, wo ich es nicht mitbekomme und Sie retten muss! Wenn Sie mal dort runter sehen, da geht es mehrere Meter abwärts und es wäre kein besonders schönes Bild, Sie auf einer der unteren Treppen leicht deformiert anzutreffen.“, blaffte er sie an und zog sie von der Treppe runter in einen Flur. Jetzt war Hermine ziemlich baff. Erst ein merkwürdiger, dann überfreundlicher Malfoy und jetzt ein Snape, der ihr das Leben rettete? Und wieso roch dieser Snape wie der Malfoy von vorhin?
„Boah… Fred… George…. Wer auch immer das ist, das ist nicht witzig und glaubt mir, das mit dem Kuss lasse ich auch nicht so einfach mit mir machen… ich dachte wirklich, das wäre Lucius Malfoy…“, kam es dann von Hermine und sie knuffte Snape in den Arm. Snape sah sie finster an und knurrte leicht, dann wurde Hermine kreidebleich, denn hinter Snape liefen Fred und George den Flur entlang.
„Allerdings nicht, Miss Granger. 20 Punkte Abzug von Gryffindor und Sie werden dieses Wochenende bei mir nachsitzen. Das Labor könnte mal wieder komplett gereinigt werden und die Vorratskammer ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Freitag, Punkt 18:00 Uhr stehen Sie vor meiner Bürotür!“, kam es zischend leise von ihm und Hermine nickte.
… Danke Fred, danke George…. Ihr mit euren ganzen Scherzen ständig… da bin ich ja in ein schönes Fettnäpfchen getreten… wobei… das war schon eher ein ganzes Schmalzfass…. Nachsitzen… bei Snape… das Wochenende kann ich knicken… Wie erkläre ich das nur Ron und Harry? Die lachen mich aus, wenn ich ihnen das erzähle… Ich glaube, ich lese gleich erst einmal in Ruhe… vielleicht klappt es ja jetzt…
Sie ging zum Portrait, nannte das Passwort und ging direkt in den Schlafsaal der Mädchen, welcher natürlich komplett leer war, da alle beim Essen waren. Sie zog ihre Schuhe aus und legte den Umhang ab, machte es sich etwas gemütlich und kippte dann ihre Tasche aus, wodurch alle Bücher ihre normale Größe erhielten. Nachdenklich sah sie über den Berg von Büchern und griff dann eines heraus, welches sie regelrecht anlächelte. Sie hielt es in beiden Händen, strich dann den Titel nach und kaum, dass sie das tat, durchzog ein heftiges Kribbeln ihren Körper.
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