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Wedding Day
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von Zwiebelfisch    erstellt: 18.01.2010    letztes Update: 18.01.2010    Allgemein / P6    (fertiggestellt) 8 Reviews
Harry schlug seinen Kopf gegen den großes, schwarzen Holzbalken, der gerade so unheimlich passend rumstand und förmlich schrie 'Schlag deinen Hohlschädel gegen mich'. Nein, natürlich schrie er das nicht, aber es könnte ja sein, nicht wahr? Er hatte einen schwarzen Anzug an und eine dazu passende Fliege. Eine Fliege. Es war nicht mehr zum aushalten. Wäre es nicht für Draco, er wäre schon längst weit weg gerannt, so schnell ihn seine verdammten Beine tragen konnten. Bah, warum hatte er sich nur zu dieser dämlichen Aktion überreden lassen? Trauzeuge, was für ein Schwachsinn. Zumal sein Herz fast stehen geblieben werde, als er ihn fragte. Aber er konnte ja schlecht sagen, 'Nein, ich werde nicht dein Trauzeuge, weil ich nicht möchte, dass du deine liebenswerte, hübsche Freundin heiratest, die ich wirklich gern habe, sondern ich möchte, dass du mich nimmst.' Wäre verdammt blöd gewesen. Im Laufe ihrer gemeinsamen Einsätze hatte er schon echt heldenhafte, bewundernswerte, abgrundtief dämliche Sachen gemacht. Und jedes Mal musste Draco kommen und ihn retten. Der Retter des Retters der Zauberwelt. Wäre das kein so ewig langer Ausdruck, könnte man ihn ohne Probleme Draco irgendwo hin tätowieren. Nicht nur körperlich hatte er ihn vor der Verdammnis bewahrt, auch wenn er sich dem weniger angenehmen Teil seines Jobs widmen musste, war der Blonde stets an seiner Seite gewesen und hatte ihm die seelische und moralische Unterstützung geliefert, die er in diesen Momenten so dringend brauchte.

„Draco, du musst hier nicht rumsitzen und warten bis ich mein Zeug fertig habe, geh ruhig nach Hause.“

„Du brauchst mich. Glaub mir, ich kenn dich, sobald ich weg bin, bist auch du in sekundenschnelle verschwunden, weil dir ungefähr hundert Dinge einfallen werden, die du im Moment ganz dringend und sofort erledigen musst. Und ich habe wirklich keine Lust, wieder Kingsleys Geschrei zu hören, wenn du mit den Akten drei Wochen mal wieder im Verzug bist. Setz dich hin und fang an, desto eher sind wir hier wieder raus.“

Und jetzt heiratete er und Harry hatte keine Ahnung was seitdem in ihn gefahren war. Als Draco ihm die Neuigkeit berichtete, hatte er sich gefühlt, als wäre er von einem Drache umgelaufen worden. Sie hatten ein recht kurzes Gespräch geführt, aber das taten sie immer. Viele Worte waren nicht ihr Stil.

„Ich heirate.“
„Okay.“
„Freust du dich für mich.“
„Total.“
„Willst du mein Trauzeuge sein?“
„Von mir aus.“
„Gut.“

Seitdem hatten sich kaum über den Tag gesprochen, Draco wirkte immer so, als würde ihn das alles gar nichts angehen. Seine Verlobte dagegen war wie in ihrem Element. Ein wirklich nettes Mädchen, aber so gar nicht passend zu Draco. Während er eher wortkarg war, musste sie die ganze reden und während alles was er tat, wohl geplant war und es nichts Unnötiges gab, das er tat, konnte man bei ihr selten erkennen, ob sie überhaupt wusste, was sie tat. Nichtsdestotrotz war sie liebenswert. Sie wollte Harry schon seit Anfang an mit einer ihrer schrecklichen, quietschenden Freundinnen verkuppeln. Es schüttelte ihn, wenn er auch nur daran dachte. Was brauchte er eine Freundin, er hatte Draco. Und daran würde sich auch nichts ändern. Dachte er. Redete er sich ein. Warum war er dann nur so fürchterlich schlecht auf diese doofe Hochzeit zu sprechen. Am nächsten Tag würde Draco wieder ins Büro kommen, alles wäre wie immer, nur mit der Ausnahme, dass er nicht mehr Harrys Draco, sondern ein verheirateter Mann war. Sie würde trotzdem abends noch weggehen und zusammen Einsätze bestreiten und stundenlang zocken. Natürlich würde Draco dann nicht mehr bei Harry pennen, weil er zu faul war um nach Hause zu gehen, sondern zu seiner Frau zurückgehen. Draco wäre bestimmt zufrieden mit seinem Leben. Aber sollte man nicht nicht nur zufrieden sein, sondern auch glücklich? Oder war Glück etwas, was man nie erreichen konnte, etwas, dem man immer nur gehetzt hinterherjagte? Ein Phantom? Sollte man nicht zufrieden mit dem sein, was man hat, anstatt etwas zu wollen, was es vielleicht gar nicht gab? Harry schüttelte entsetzt über sich den Kopf. Das war nichts, worüber er sich sonst Gedanken machte. Das war Dracos Schiene. Er wusste nicht, was er tun sollte. Sich weiter den Kopf einschlagen und dann rausgehen, vor die hunderten von Gäste, brav den besten Freund in ein Leben voller scheußlicher, mittelmäßiger Scheinzufriedenheit rennen lassen und hoffen, dass sich nicht allzu viel ändert? Oder sollte er die zwei Meter in den Nebenraum gehen und ihm sagen, dass sie das alles lassen sollten und besser irgendwohin einen trinken gehen? Harry zögerte. Er beschloss, in den kleinen Nebenraum zu gehen, wo sich Draco gerade zurecht machte. Mal gucken, wie die Lage war. Vielleicht hatte er ja Muffensausen und das könnte Harry nutzen, um ihm klar zu machen, dass das alles keine gute Idee war. Ja, das klang nach einem Plan. Wenn Draco sich sicher war, dass würde er nichts sagen. Wenn nicht, dann war es förmlich seine Aufgabe, ihn aus dieser misslichen Lage zu retten. Leise betrat er den Raum. Draco saß mit dem Rücken zur Tür, aber er konnte ihn im Spiegel sehen. Er sah ihm direkt in die Augen.

„Wie sehen ich aus?“
„Gut.“
„Ich weiß.“
„Draco, ich...“
„Du denkst, dass ist alles verkehrt und ich mache einen Fehler?“
„Ähm... jap.“
„Gut, dann lass uns was trinken gehen und danach bei dir Mario Kart weiterspielen?“
„Und was ist mit deiner Hochzeit?“
„Sie werden schon merken, dass wir nicht da sind.“
„Okay.“
Gemeinsam verliesen sie die Kirche, beide in ihren schicken Anzüge und irgendwie wirkten sie befreiter, als zu dem Zeitpunkt, an dem sie reingegangen waren.
 
 
   
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