Fanfiktion / Bücher / Harry Potter / Träumen
Kapitel 1
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von Zelda-Angel    erstellt: 22.01.2010    letztes Update: 08.02.2010    Romanze / P18    (keine anonymen Reviews) 52 Reviews
Disclaimer: Die Charaktere gehören natürlich alle JK Rowling.


Träumen


Kapitel 1


Hermine hatte es sehr eilig. Sie war gerade in der Bibliothek gesessen und hatte Tagebuch geschrieben, weil da Sonntagnachmittags nichts los war. Dann war ihr während des Schreibens eingefallen, dass ihre Mutter am nächsten Tag Geburtstag hatte. Sie hatte sich das Buch geschnappt und war losgerannt.

Jetzt hastete Hermine gerade den Korridor zur Treppe entlang und bog um die Ecke. Im nächsten Moment sah sie nur noch etwas schwarzes, bevor sie volle Kanne dagegen stieß. Hermine landete unsanft auf dem Rücken, das Tagebuch flog in hohem Bogen durch die Luft und blieb etwa zwei Meter entfernt liegen. Und vor ihr stand, mit zornig funkelnden Augen...
„Professor Snape!“, stieß sie entsetzt hervor.
Snapes Lippen kräuselten sich zu einem hämischen Lächeln. „Miss Granger, Sie als Schulsprecherin sollten doch am besten wissen, dass man nicht blind durch die Gegend rennt. 10 Punkte Abzug für Gryffindor!“
Hermine rappelte sich hoch. „Es tut mir wirklich leid, Sir. Bitte entschuldigen Sie.“ Schnell hob sie das Buch auf und machte, dass sie fort kam.

Snape wollte schon weitergehen, da entdeckte er ein Stück zusammengefaltetes Pergament auf dem Boden. Er hob es auf und faltete es auseinander. Das Blatt war leer. Aber das Blatt gehörte Hermine Granger, also stand da mit Sicherheit etwas drauf, was andere nicht sehen sollten. Vielleicht Pläne für geheime Treffen mitten in der Nacht oder so etwas ähnliches wie Potters Karte. Snape grinste schadenfroh. Er würde rauskriegen, was da drauf stand und dann würde er Gryffindor 200 Punkte abziehen.

Hermine schimpfte in der Zwischenzeit vor sich hin. Ginny beobachtete sie grinsend. „Und dann renne ich auch noch Snape übern Haufen.“
„Bestimmt ist er vor Verlegenheit rot geworden. Wann hat sich denn jemals eine Frau an ihn den rangeschmissen“, meinte Ginny und grinste boshaft.
„Das ist nicht witzig, Ginny. Er hat mir 10 Punkte abgezogen.“
„Reg dich nicht auf, Hermine. Er hätte so oder so einen Grund gefunden, um dir Punkte abzuziehen. Du weißt doch, wie er ist.“

Snape saß währenddessen in seinem Büro am Schreibtisch und versuchte erst einmal, mit einfachen Methoden, Worte auf dem Pergament sichtbar zu machen. Mit dem Radiergummi, der unsichtbare Tinte sichtbar machte, klappte es nicht. Aber das hatte er auch nicht erwartet. Er probierte ein paar einfache Zaubersprüche, die ebenfalls nicht funktionierten. Dann bestrich er das Pergament mit einer Zitronenlösung, aber auch das brachte keinen Erfolg. „Nicht schlecht, Granger“, murmelte er vor sich hin. Widerwillig musste er anerkennen, wie clever die Schulsprecherin war. Wenn sie doch nur nach Slytherin gekommen wäre! Dann hätte Slytherin in all den Jahren den Hauspokal gewonnen und nicht diese frechen Gryffindor-Biester. Aber das tat jetzt nichts zur Sache. Er musste wissen, was auf dem Blatt stand. Er wandte einen komplizierten Zauber an, aber das Pergament lag ruhig und leer da und dachte nicht daran, zu zeigen, was drauf stand. Snape seufzte. Anscheinend würde er die nächsten Tage mit nichts anderem verbringen, aber wenn er daran dachte, wie der die Gryffindors damit schikanieren konnte, war es ihm die Mühe wert.

Am nächsten Abend stellte Hermine erschrocken fest, dass dieses Stück Pergament fehlte. Sie begann, ihr ganzes Zimmer zu durchwühlen, versuchte es auch mit dem Aufrufezauber. Nichts. Sie düste zur Bibliothek, um dort zu suchen, aber sie fand nichts. Sie fragte Madam Pince, ob sie etwas gesehen hätte.
„Ich nicht, aber vielleicht haben die Hauselfen es beim Putzen entsorgt.“
Hermine rannte in die Küche und fragte die Hauselfen, aber keiner hatte das Pergamentstück gesehen.
Hermine hätte sich ohrfeigen können. Sonst hatte sie das Pergament immer in den Bucheinband geschoben, damit sie es nicht verlieren konnte, aber als sie am Sonntag so überstützt losgerannt war, hatte sie es wohl vergessen. Dabei war dieses Stück Pergament so wichtig für sie. Zum Glück hatte sie einen sehr guten Zauber auf das Pergament gelegt. Kein Schüler würde es je lesen können.

Ein Schüler nicht, aber ein Lehrer schon. Drei Wochen später, Hermine hatte sich inzwischen mit dem Verlust abgefunden und dachte nicht mehr daran, hatte Snape die Lösung. Es war eigentlich ganz simpel gewesen und es war auch nur Zufall, dass er es herausgefunden hatte. Denn er stieß aus Versehen sein Tintenglas um und die Tinte übergoss sich über das Pergament. Aber sie verschwand. Snape hob das Blatt hoch, aber auf dem Tisch war auch nichts zu sehen. Doch als Snape das Pergament wieder umdrehte, waren dort Wörter erschienen:

Dieses Pergament ist Eigentum von Hermine Jean Granger.

Passwort?

Passwort? Snape fluchte. Granger hatte wirklich an alles gedacht. Anscheinend musste er dieses Passwort hinschreiben, um herauszufinden, was dort stand. Er überlegte. Besonders gut kannte er Hermine nicht. Aber er wusste, wie ihr Kater hieß und schrieb Krummbein auf das Blatt. Die ersten Wörter verschwanden und ein neues tauchte auf: Falsch! Hm, was war wohl Grangers Lieblingsfach? Vielleicht Verwandlung? Wieder Falsch! Oder etwa Harry Potter? Aber wieder tauchte nur das Falsch! auf. Snape ging alle Leute, mit denen Hermine seines Wissens nach etwas zu tun hatte, durch, aber nichts passte. Er seufzte. Sie kam er nicht weiter. Die kleine Granger ist wirklich verdammt schlau. Er wettete, dass Potter das Passwort locker herausbekommen könnte, denn er kannte sie gut. Er, Snape, hatte es natürlich schwerer. Gut, dann musste er eine Möglichkeit finden, an das Passwort zu kommen.

Beim Abendessen beobachtete er genau, was sie aß. War ja möglich, dass ihr Lieblingsessen das Passwort war. Obwohl er es eigentlich nicht glaubte. Granger war nicht der Typ, der Essen soviel Bedeutung zukommen ließ. Das würde eher zu Weasley passen. Hermine war jetzt beim Nachtisch und aß genüsslich einen Schokopudding. Snape notierte sich Schokopudding im Hinterkopf.

Zugleich stieß Ginny Hermine mit dem Ellenbogen an. „Snape glotzt dich schon die ganze Zeit an.“
„Was?“ Sofort sah Hermine zum Lehrertisch und für einen Moment traf ihr Blick den von Snape, bevor der sich abwandte und Professor Flitwick in ein Gespräch verwickelte.
„Was soll das denn?“, fragte Ginny.
„Keine Ahnung. Angestellt hab ich jedenfalls nichts.“

In der nächsten Stunde Zaubertränke fühlte Hermine sich die ganze Zeit von Snape beobachtet. Und immer, wenn sie einen Blick zum Pult warf, erwischte sie ihn, wie er sie anschaute. Die ganze Doppelstunde ging das so und am Ende war Hermine total genervt und warf ihm einen bösen Blick zu.

Besonders gut stellte er sich nicht an, fand Snape. Vor allem, weil sie ihn dauernd erwischte, wie er sie beobachtete. Jetzt warf sie ihm einen bösen Blick zu. Unwillkürlich kam Snape der Gedanke, dass sie mit diesem Blick gefährlich-hübsch aussah. Hör auf, so was zu denken, mahnte er sich.

Am Abend saßen Hermine Ginny in Hermines Schulsprecherinnen-Schlafzimmer. „Snape hat mich heute in Zaubertränke die ganze Zeit angestarrt“, erzählte Hermine.
„Beim Abendessen auch, aber ich hab es dir nicht gesagt“, antwortete Ginny.
„Das ist echt komisch. Er gibt mir ständig das Gefühl, dass er mich hasst. Aber warum glotzt er mich dann dauernd an?“
„Keine Ahnung, aber irgendwas ist da faul.“
„Glaubst du, er heckt etwas aus?“
„Ich weiß nicht, aber es ist Snape. Da kann man nie vorsichtig genug sein. Du solltest ihm in nächster Zeit keinen Grund geben, dir eins auszuwischen oder so.“ „Ja.“

Die nächsten Wochen ging das Starren von Snape weiter, aber sie anmotzen oder Punkte abziehen tat er nie. Hermine war ratlos. Was war nur los mit dem?
„Frag ihn doch einfach“, meinte Ginny eines Abends.
„Bist du verrückt?“
„Naja, vielleicht hört er dann auf.“
„Meinst du es gibt keine andere Lösung?“
„Ich glaube, in diesem Fall musst du direkt sein.“
„Hoffentlich komme ich da lebend wieder raus.“
„Bestimmt.“

Nach der nächsten Stunde Zaubertränke – es war die letzte Schulstunde des Tages – packte Hermine ihre Sachen langsam. Snape hatte sie wieder die ganze Zeit angestarrt.
„Professor Snape? Könnte ich kurz mit ihnen sprechen?“
Snape sah auf. „Aber fassen Sie sich kurz, Miss Granger.“
„Ich habe eigentlich nur eine Frage.“
„Die wäre?“
„Warum starren Sie mich immer an?“

Oha. Die kleine Granger wird neugierig. Er lächelte sanft und das tat er immer, wenn er gleich besonders fies werden wollte.
„Wollen Sie mir vielleicht etwas sagen, Miss Granger?“
„Ich? Nein.“
Aber leichtes Entsetzen bildete sich auf ihrem Gesicht. Snape nutzte die Chance. Mit Legilimentik drang er in ihre Gedanken ein. Er sah viele Bilder, kurze Abschnitte aus ihrem Leben. Dann fiel ihm kurz ein Stück Pergament auf. Er hielt dieses Bild in ihren Gedanken fest und dann endlich sah er das, wonach er gesucht hatte. Er zog sich aus ihren Gedanken zurück. Hermine schwankte. „Miss Granger?“
„Mir ist so schwindlig“, stieß sie hervor und taumelte gegen einen der Tische. Snape sprang auf und just in dem Moment, als er bei ihr war, sackte sie ohnmächtig zusammen. Geistesgegenwärtig fing Snape sie auf.

Da stand er nun mit Hermine auf dem Arm. Sie würde nicht lange ohnmächtig bleiben, das wusste er. Etwas umständlich holte er seinen Zauberstab vom Pult und verwandelte einen der Tische in ein Bett. Er legte Hermine ab und setzte sich daneben. Wie hübsch sie aussah, fuhr es ihm durch den Kopf. Hör auf, so etwas zu denken, schalt er sich. Er dachte an das Passwort, das er in ihren Gedanken gesehen hatte. Darauf wäre er nie gekommen. Und er glaubte, dass auch Potter und Weasley da nicht drauf gekommen wären. Anscheinend war dieses Pergament wohl nur Grangers Privatsache. Und wenn dem so war, dann war das wahrscheinlich etwas harmloses, wofür er keine Punkte abziehen konnte. Aber wenn es so harmlos war, warum wollte sie dann, dass es niemand lesen konnte? Er begann zu überlegen, ob er ihr das Pergament nicht einfach zurückgeben sollte, ohne hineinzuschauen. Andererseits war er doch sehr neugierig. Allerdings ging ihn der Inhalt des Blatts nichts an. Und doch...

Hermines Lider flatterten, dann öffnete sie langsam die Augen. Zuerst blickte sie zur Decke, dann wanderte ihr Blick und sie sah Snape, der auf einem Stuhl saß. „Was... was ist passiert?“, fragte sie benommen.
„Sie sind kurz ohnmächtig geworden. Wie fühlen Sie sich?“ Sein Blick und sein Gesichtsausdruck waren unergründlich.
„Weiß nicht genau. Okay, glaub ich.“
„Bleiben Sie noch ein, zwei Minuten liegen. Sie waren auch nur etwa fünf Minuten bewusstlos.“
„Warum eigentlich?“
„Sie sagten kurz vorher, dass ihnen schwindlig sei und dann sind Sie auch schon umgekippt. Vielleicht haben  Sie zu wenig getrunken.“
„Oh. Ja, das kann sein. Das vergesse ich immer vor lauter Lernen.“
„Miss Granger, das Lernen sollte nie über der Gesundheit stehen. Merken Sie sich das. Ich kann es nicht brauchen, wenn Sie mir eines Tages über ihrem Kessel zusammenbrechen.“
„Ja, Professor. Ich werde darauf achten.“
Dann fiel Hermine ein, worüber sie eigentlich sprechen wollte.
„Und warum haben Sie mich nun angestarrt?“

Hartnäckig ist sie ja, dass muss ich ihr lassen, dachte er. Er räusperte sich.
„Ich hab eigentlich nur beobachtet, dass Sie ihre Zaubertränke fast blind zubereiten.“
Sie sah ihn misstrauisch an. „Nur komisch, dass Sie mir dabei ins Gesicht und nicht auf die Hände geschaut haben.“
Verdammt. Der entgeht aber auch nichts. „Sie haben wohl keinen Respekt vor Privatsphäre, Miss Granger?“
„Nicht, wenn es dabei um mich geht. Sie könnten aber auch einfach aufhören, mich anzustarren. Das lenkt nämlich ab. Oder wollen Sie, dass ich irgendwann den ganzen Kerker in die Luft jage, nur weil sie mich durch Ihr Anstarrten aus dem Konzept gebracht haben?“
„Natürlich nicht.“ Dass er sie aus dem Konzept brachte, gefiel ihm. Und es gefiel ihm, wie entschlossen und durchdringend sie ihn gerade ansah. Merlin, Snape, jetzt reiß dich mal zusammen!

„Ich denke, Sie können es jetzt wagen, aufzustehen, Miss Granger.“
Sie nickte und richtete sich langsam auf. Sie setzte sich auf und sah auf einmal irritiert aus. „Das waren Sie, oder?“
„Was?“
„Das Bett.“
“Ja, das war ich.”
„Danke.“
Er zuckte mit den Schultern und erhob sich. Langsam stand Hermine auf, aber ihre Knie waren weich wie Pudding und sie stolperte – direkt in Snapes Arme. Ein angenehmer Kräuterduft drang in ihre Nase. „Vorsicht“, sagte er und hielt sie an den Schultern fest. Langsam schob er sie von sich und ließ sie erst los, als er sicher war, dass sie stehen konnte.
Hermine spürte, wie ihr Gesicht warm wurde. Gott, wie peinlich! Aber sie sah, dass auch Snapes Wangen einen Hauch von Rosa angenommen hatten. Langsam nahm sie ihre Tasche. „Danke für... Ihre Hilfe, Professor Snape. Einen schönen Abend noch.“ „Miss Granger.“

Draußen lehnte Hermine sich an die kühle Wand. Merlin, wie peinlich ist das denn?! Erst fiel sie ihn Ohnmacht und dann stolperte sie auch noch in Snapes Arme. Aber er roch gut, schoss es ihr durch den Kopf. Hermine! Was denkst du da bloß?! Jetzt reiß dich mal zusammen!

„Was hast du gemacht?!“ Ginny gluckste und konnte sich vor Lachen kaum halten.
„Ich find das überhaupt nicht lustig, Ginny. Das war sooo peinlich!“
„Und, ist er wenigstens rot geworden?“, fragte die Sechstklässlerin grinsend.
„Ähm... nicht direkt rot, aber er hatte Farbe im Gesicht.“
„Na also. Das beweist, dass Snape wirklich auch nur ein Mann ist.“
„Was soll das denn heißen?“
„Er fand es gut, dich im Arm zu halten. Ich meine, du bist eine hübsche junge Frau. Das sieht sogar so’n Armleuchter wie Snape.“
„Ginny Weasley, willst du mir jetzt etwa sagen, Snape starrt mich die ganze Zeit so an, weil er was von mir will?!“
„Jep. Genau das.“
„Du spinnst! Er ist ein Lehrer. Das ist verboten!“
„Gegen Gefühle kann keiner was.“
„Bist du sicher, dass Snape überhaupt Gefühle hat?“
„Wäre er sonst rot geworden? Wohl kaum.“
„Aber ich will überhaupt nichts von dem. Er ist ein Ekelpaket und Schleimbeutel. Ich hasse ihn.“
„Gut, Hass ist ein starkes Gefühl.“
„Ginevra!“
„Okay, okay, ich hör ja auf.“

Währenddessen saß Snape in seinem Büro vor dem leeren Stück Pergament. Er überlegte hin und her. Dann nahm er seine Feder ließ einen Tropfen Tinte drauf fallen.

Dieses Pergament ist Eigentum von Hermine Granger.

Passwort?

Träumen kritzelte Snape aufs Pergament. Alle Wörter verschwanden, auch das, das er eben geschrieben hatte. Dann tauchten ganz langsam neue Wörter auf, die ganze Seite war gefüllt. Und mit dem, was er da sah, hatte Snape überhaupt nicht gerechnet.
 
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